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Der hunsrückische Dialekt in Brasilien. Deutsche Vergangenheit in der brasilianischen Zukunft

Essay 2016 5 Seiten

Romanistik - Portugiesische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Ausarbeitung Hunsrückisch in Brasilien

Deutsche Vergangenheit in der brasilianischen Zukunft

In Brasilien sprechen ca. zwei Millionen Menschen den riograndenser hunsrückischen Dialekt. Die Anzahlt der Sprechenden geht auf die deutschen Einwanderer aus dem Hunsrück zurück, die sich vor rund 200 Jahren in Brasilien niederließen, genauer gesagt reicht dies in das Jahr 1824 zurück. Die Wurzeln liegen vor allem in Rio Grande do Sul, in der Gegend um São Leopoldo und Santa Cruz.1

Der riograndenser hunsrückische Dialekt ist das auffälligste Merkmal der deutschen Volksgemeinschaft, welcher sich in Brasilien durchgesetzt hat. Im Portugiesischen wird der Dialekt hunsriqueano genannt.

Die hunsrückische Bezeichnung geht nicht nur auf die deutschen Einwanderer zurück, sondern auch auf den Dialekt, welcher sich als Umgangssprache am stärksten im Vergleich mit den anderen deutschen Dialekten, wie bayrisch oder pommerisch durchgesetzt hat.2 Der hunsrückische Dialekt wird als eine Variante des riograndensischen als auch der katharinensischen Minderheitensprache gesehen. Beide Forme gehen auf die gesprochene deutschen Sprache des hunsrücker Platts zurück. Das Wort Platt wird im Portugiesischen mit dem Wort Holzschuh übersetzt.3

Auch wenn das Hunsrückische sich als Dialekt am stärksten durchgesetzt hat, blieb auch er nicht ohne Beeinflussung durch andere deutsche Dialekte, wie bayrisch, pommerisch oder tirolerisch. Auch die Immigrantensprachen Italienisch und Portugiesisch haben ihren Beitrag zur Sprache geleistet.

Nichtsdestotrotz hat das Hunsrückische die Verwendung als Umgangssprache stark verloren, aufgrund der Unterdrückung des Deutschen während des Zweiten Weltkriegs. In dieser Zeit galt der Gebrauch der deutschen Sprache als strafbar. Es wurden Schulen geschlossen, Zeitungen und andere deutschsprachige Medien verboten. Die Sprache wurde unterdrückt und durch das Portugiesische verdrängt. Bislang wurde sie deshalb fast nur noch im privaten Kreis und von der älteren Landbevölkerung in einigen Sprachinseln gesprochen. Doch auch hier findet mittlerweile eine Rückbesinnung auf die deutsche Sprache und deren Traditionen statt.4 5 6

Heute bestehen unterschiedliche Angaben zur Sprecherzahl des Hunsrückischen, da es nicht genau klar ist, was man unter „Sprechen“ versteht. Viele Hunsrückstämmige, die in Dörfern und Städten leben, pflegen das Hunsrückische in familiären Kreisen oder in Vereinen weiter. Daneben gibt es auch BrasilianerInnen, die etwas hunsrückisch verstehen und auch einige Worte sprechen, weil sie es bei Verwandten und Bekannten gehört und erlernt hatten.7 In Brasilien bestehen auch weiterhin Gemeinden mit Deutsch als zweiter Amtssprache, wie in der Bundesstaat Espírito Santo:Domingos Martins, Laranja da Terra, Pancas, Santa Maria de Jetibá und Vila Pavão, sowie in den Bundesstaat Minas Gerais, in den Gemeinden Itueta (nur im Distrikt „Vila Nietzel“) und in dem Bundesstaat Santa Catarina in Pomerode, Antônio Carlos und Dreizehnlinden (Treze Tílias).

In den Bundesstaaten wie Rio Grande do Sul in Nova Petrópolis und in dem Bundesstaat Santa Catarina in Blumenau wird Deutschunterricht als Pflichtfach gehört. Die Region um Blumenau dient als deutsche Stadt schlechthin. Auch im Bildungssystem und in den Medien existiert die deutsche Sprache begrenzt.8

Heute wird das Hunsrückische in Brasilien als sprachliches Erbe gesehen und von zahlreichen Projekten, Organisation und Autoren unterstützt.

Im Jahr 2004 bildet sich die die Initiative "Option für Hunsrückisch", welche von Solange Hamester Johann, Autorin des Lehrbuchs "Mayn Eyerste 100 Hunsrik Werter" gegründet wurde, um das Hunsrückische in Brasilien zu unterstützen. Zusammen mit Professor Mabel Dewes, sowie anderen deutschen Sprachwissenschaftlern und anderen Spezialisten arbeiteten sie an einer neuen Orthographie, die sich der portugiesischen Aussprache anpassen sollte. Das Ziel der Initiative, welche in Santa Maria do Herval gegründet wurde ist es, ein Beitrag zur Erhaltung, Anerkennung und Verbreitung des Hunsrückischen in Brasilien zu leisten.

Die neue Orthographie sollte die deutsche Sprache in Brasilien stärken und dadurch weiter folgende Genrationen erhalten bleiben. Diese neue Schreibweise wird inzwischen in Zeitschriften und anderen Medien verwendet. Es existieren eigene Hunsrückseite und drei Lokalradiosender. Der katholische Pastor der Gemeinde hält seine Predig in diesem Dialekt.

Aufgrund der Anpassung der Schreibweise an das Portugiesische, geht Hochdeutsch in Brasilen immer weiter verloren. Nun dient das Portugiesische als Grundlage für das riograndenser hunsrückische.9

Die Initiatoren erreichen mit diesem Vorgehen, dass in der Stadt Santa Maria do Herval und in weiteren Gemeinden des Rio Grande do Suls Hunsrückisch, das riograndenser Hunsrückisch zur zweiten Amtssprache und zur Bildungssprache wurde. Solange Hamester Johann schreibt in einem seinen Texten: „Is nët ploos ti xprooch woo sich ferënert, sin aach tii woo ti xprooche penutse, mitsamer, ëne mit em anere am xprëche, woo ti xprooche ënere“(Es ist nicht nur die Sprache, die sich verändert, sondern auch die, die die Sprache benutzen, das heißt alle, die miteinander sprechen, verändern die Sprachen.)

Bei Dialekten ist es die orale Literatur oder- Sprichwörter, Lieder und Verse- die mündlich weitergegeben wird. Beim Hunsrückischen vor allem gab es öfters Verschriftungen, wie Gedichte, die in Kalendern oder in lokalen Zeitschriften erschienen.

Der Autor Alfredo Gross veröffentlichte im Jahre 2001 in Porto Alegre solch ein Buch „Hunsrücker Mundart in Brasilien, Dialektgedicht und Schriften in deutscher und portugiesischer Sprache.

Weitere Erfolge sind unter anderen die Integrierung des hunsrückischen Dialekts im Unterricht, im Jahr 2008 Ernennung zum Kulturerbe der UNESCO und durch die Eintragung in den Weltsprachenkatalog ''Ethnologue'', womit dieser Dialekt als eine eigene Sprache anerkannt wird.

[...]


1 http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/hochwald/aktuell/Heute-in-der-Hochwald-Zeitung-Brasilien- Hunsruecker-Platt-wird-zweite-Amtssprache;art804,3167479

2 http://www.deutschinallerwelt.net/CAAL/CAAL2011-Frutillar/Hunsrueckdeutsche-in-Santa-Catarina.htm

3 http://www.vds-ev.de/infobriefe2012/1076-vds-infobrief-22-2012

4 http://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0506/050626.htm

5 https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache#Brasilien

6 http://www.bild.de/reise/deutschland/germanistik/wo-wird-deutsche-sprache-gesprochen-texas- 34348800.bild.html

7 https://www.ila-web.de/ausgaben/371/en-sproch-bedeit-vill-meh-wie-nure-en-list-wetter

8 https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache#Brasilien

9 http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/hochwald/aktuell/Heute-in-der-Hochwald-Zeitung-Brasilien- Hunsruecker-Platt-wird-zweite-Amtssprache;art804,3167479

Details

Seiten
5
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668235687
Dateigröße
778 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v324268
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Romanistik
Note
Schlagworte
Sprachinsel Dialekt Dialektologie Sprachwandel deutscshe Sprache in Südamerika Brasilien

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Titel: Der hunsrückische Dialekt in Brasilien. Deutsche Vergangenheit in der brasilianischen Zukunft