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Die französische Gesellschaft im 15. und 16. Jh.

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Die Könige/ Ausbau der Macht
Rechtfertigung vor dem Volk
Politischer Machtausbau
Die Wirtschaft
Die Zeit der Hugenottenkriege
Zeiten der Schwäche
Stabilisierung

Der Adel: Entmachtung - Versuche der Auflehnung

Der Klerus: Verlust der mittelalterlichen Herrschaft

Der Dritte Stand
Zusammensetzung des Dritten Standes
Mittelalterliche Kontinuität
Die Rolle der Frau: die Heirat
Die Regeln im Alltag
Gesellschaftlicher Wandel
Folgen der Geldwirtschaft
Der Einfluß des Dritten Standes
Die cahiers doléances
Die Generalstände, Repräsentanten der „nation“
Aufstände
Der Einfluß des Bürgertums
Träger der Kultur
Träger der Reformation
Stütze des Königtums

Zusammenfassung

Bibliographie

Einleitung

Die Gesellschaft im 15. und 16. Jh. war eine Ständegesellschaft. Der König stand an der Spitze der Nation, ihm folgten der Klerus und der Adel. Den Dritten Stand bildete die breite Masse. Die Gesellschaft befand sich in dieser Zeit allerdings im Wandel: Die Geldwirtschaft hatte ein einflußreiches Bürgertum entstehen lassen, das teilweise die Ständegrenzen verwischte und die Krone baute ihre Macht immer weiter aus. Die Feudalherrschaft war beendet.

In meiner Hausarbeit möchte ich aufzeigen, wie sich mittelalterliche Kontinuität mit neuen Strukturen mischte. Der erste Teil soll die Spitze der Macht behandeln, die Könige. Es soll dargestellt werden, wie die Könige ihre Stellung rechtfertigten und trotz der kriegerischen Unruhen ihre Macht festigten.

Der zweite Teil, der den Adel behandelt, soll den schwindenden Einfluß dieses Standes verdeutlichen, den auch der Klerus erfahren mußte (dritter Teil).

Den vierten und längsten Teil nimmt der dritte Stand ein. Kontinuität und Wandel dieses Standes und der Einfluß, den er übernahm, sollen aufgezeigt werden.

Die Könige/ Ausbau der Macht

Nach der mittelalterlichen Feudalherrschaft lag die Hauptaufgabe der Könige im Spätmittelalter und der Neuzeit im Ausbau und der Festigung ihrer Macht.

Dazu mußte das Volk überzeugt werden, daß dem König die höchste Stellung zustand, der Adel mußte systematisch entmachtet werden und Institutionen mußten reformiert werden, um eine zunehmende Zentralisierung gewährleisten zu können.

Rechtfertigung vor dem Volk

Das Volk war (bis zur Reformation) durchgehend katholisch. Mythen und deren Helden, wie beispielsweise der in den chansons de geste beschriebene Karl der Große, waren unter der Bevölkerung lebendig.

Die frz. Könige, die sich als „Terrestrium rex regnum“, „ König der irdischen Könige“ verstanden, wußten sich der volkstümlichen Mythen und des Glaubens zu bedienen, um ihre Macht zu rechtfertigen: Ihren Aufstieg (seit dem 12. Jh.) unterstützten sie durch Anreicherungen mit neuen Elementen und der Ausfeilung der Königssymbolik und des Krönigsritus.

Die reifartige Königskrone, der Mantel, Zepter und Stab (seit 9. Jh. nachweisbar), waren überall in Europa Kennzeichen der Könige.

In Frankreich zeichneten die Herrscher sich zusätzlich durch die Lilie, die Schwurhand (main de justice), und den Banner der „Oriflamme“ aus, die jeweils von symbolischer Bedeutung waren. So stand die Lilie für Jungfräulichkeit, Keuschheit, Seelenreinheit und Unschuld. Es ist ein Symbol, das aus der Bibel übernommen wurde und so den Herrscher in die Nähe Gottes rücken sollte. Seit 1200 war die Lilie im Königswappen enthalten.

Der Schwurhandstab war ein Symbol für den König als obersten Richter, also der weltlichen Gewalt.

Die Oriflamme sollte auf das goldflammende Banner Karls des Großen anspielen, das in den Chansons de geste als „orie flambe“ bezeichnet wurde. Zusätzlich wurde das Krönungsschwert ab der ersten Hälfte des 13. Jh. mit dem Schwert Karls gleichgesetzt, das in der Dichtung „joiuse“ hieß.

Der Königsritus begann mit der Ritterweihe, und einer Salbung mit dem heiligen Öl, das der Mythographie seit Hinkmar von Reims zufolge eine Taube bei der Taufe Chodwigs vom Himmel gebracht hatte. Mit einer Eidleistung verpflichtete der König sich, die Kirche und ihr Recht zu schützen und deren Status im Reich zu sichern. Er übernahm die Ausrottung von Ketzern und die Wahrung von Friede und Gerechtigkeit als seine vornehmsten Pflichten, was den Königen als Rechtfertigung für Kreuzzüge gelegen kam.

Der König präsentierte sich als Mittler zwischen Gott und Mensch. Dies zeigte er beispielsweise am Krönungstag mit Heilungen durch Handauflegen, deren Formel ursprünglich in der frühen Neuzeit lautete:

„Der König berührt Dich, Gott möge Dich heilen!“[1].

Durch diese Rituale und Symbole aus dem Mittelalter gelang es den Herrschern, die Katholische Kirche, die weltliche Macht und das mythographische Gedächtnis in der Gestalt des Königs zu integrieren, und ihre Existenz an der Spitze der Nation somit vor den verschiedensten Bevölkerungsgruppen zu rechtfertigen.

Politischer Machtausbau

Trotz der Kriegswirren, des damit verbundenen Elends und der finanziellen Schwierigkeiten, war der territoriale Zuwachs im frühneuzeitliches Frankreich beträchtlich; gegen Ende des 15. Jh. waren bereits 2/3 des Staatsgebietes im Besitz der Krone.

Durch die zielstrebige Familienpolitik der Valois und Orléans konnte das Reich bis Mitte des 16.Jd. außerdem um das Herzogtum Bretagne und eine Reihe von „Apanagen “[2] mit dem Könighaus verwandter Feudalherren erweitert werden.

Um ihre Macht dauerhaft festigen zu können, sicherten die Könige des 15. Jh[3]. auch international ihre Stellung. Charles VII hatte so trotz Kriegszeiten für politische Kontinuitäten gesorgt, die Frankreich zeitweise eine beherrschende Stellung in Europa gewährleistete (auf dem Konzil von Basel , 1431-1449 und durch die Pragmatische Sanktion von Bourges 1438, welche die Gallikanische Kirche stärkte).

Die Schwächung der Feudalität wurde ebenfalls in Angriff genommen, dieser Gesichtspunkt wird jedoch unter dem Unterpunkt des Adels behandelt werden.

Der königliche Machtausbau in der ersten Hälfte des 16. Jh.[4] war sehr vielversprechend. Es gab einen demographischen und sozio- ökonomischen Aufschwung, die Italienfeldzüge brachten die kulturelle Blüte der Renaissance nach Frankreich, und die Renaissancekönige dehnten Geltungsbereich der Zentralgewalt mehr und mehr aus. Die Staatsfinanzen gesundeten und ein einheitliches Steuersystem wurde durchgesetzt. Die Bürger sahen im König zunehmend einen Bundesgenossen gegen die Feudalherren.

Die zweite Hälfte des 16. Jh. stellte dagegen einen Machtverfall dar. Sie wurde entscheidend durch die Religions- und Bürgerkriege, die konfessionelle Zerrissenheit der Bevölkerung und Momente des sozioökonomischen Einbruchs geprägt. Dennoch zeigte Frankreich sich am Ende des Jahrhunderts eine stabile absolute Monarchie und eine Nation. Die Basis für die französische Entwicklung im 17. Jh. war gelegt.

Die Wirtschaft

Die Wirtschaft, die im 15. Jh. noch stark vom Krieg geschwächt war, erholte sich im 16. Jh. rasch. Erst durch Mäzenatentum und Prachtentfaltung von Franz I. – ein König, der die Renaissancekultur beträchtlich förderte – und durch die immer kostspieliger werdenden italienischen Unternehmungen entstand ein Defizit im Staatshaushalt.

Zur Deckung der Finanzlücken machte Franz die Ämterkäuflichkeit zur Regel.( im 16.Jh wurden ca. 50.000 Ämter verkauft[5]).Zu dieser Zeit begann Korruption die königliche Bürokratie zu zersetzen. Seit den 40-ger Jahren wurde das Reich außerdem von blutigen Protestantenverfolgungen erschüttert.

In dieser Epoche konnte das Königtum seine Macht nicht weiter ausbauen.

[...]


[1] Loth: 1993: 87

[2] Die Ausstattung nachgeborener, meist männlicher Mitglieder regierender Fürstenhäuser mit Territorialbesitz und finanziellen Einkünften, um einen standesgemäßen Unterhalt zu ermöglichen.

[3] Die Könige des 15.Jh. waren: Charles VII (1422-61), Louis XI (1461-83), Charles VIII (1483-98), Louis XII (1498-1515)

[4] Die Renaissancekönige waren: Charles VIII (1483-98),Louis XII (1498-1515), François I (1515-47), Henri II (1547-59), François II (1559-60), Charles IX (1560-74), Henri III (1574-1589)

[5] www. Britannica.com, Artikel: Frankreich 1180-1789

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638333115
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32642
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Gesellschaft

Autor

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