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Arbeit und Sexualität

Ihr gegenseitiger Einfluss auf Beziehung und Gesellschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 16 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die volkswirtschaftliche Dimension der Sexualität

3. Arbeit und Sexualität

4. Der Einfluss des Geschlechtslebens auf das Arbeitsleben

5. Der Einfluss der Arbeit auf das Geschlechtsleben

6. Metamorphosen der Ehe

7. Berufserfahrung und Geschlechtsleben

8. Zusammenfassung

Literatur

1. Einführung

In dieser Hausarbeit wird versucht, das Verhältnis zwischen Berufsleben und Geschlechtsleben aufzudecken. Auf den ersten Blick sind die tieferen Zusammenhänge, die die beiden vollkommen unterschiedlichen Lebensbereiche in eine direkte Verbindung setzen, nicht erkennbar, außer einer uns allen bekannten Tatsache, dass ein Berufstätiger nach einem langen Arbeitstag eher weniger bereit ist, mit dem Ehepartner sexuell aktiv zu werden als ein Nicht-Berufstätiger. Im Laufe dieser Arbeit wird daher das Verhältnis zwischen den sozial tief verankerten Strukturen aus einem neuen, uns eher unbewussten Winkel betrachtet.

Im zweiten Kapitel wird versucht die Rolle des Geschlechtslebens und seine Folgen, die es in der Marktwirtschaft einnimmt, näher zu erläutern. Im dritten Kapitel wird kurz auf den Sinn der Arbeit und der Sexualität eingegangen. Die nächsten beiden Kapitel befassen sich mit Folgen der gegenseitigen Beeinflussung. Im sechsten Kapitel wird die Veränderung der Ehe als ein Einwirkungsfaktor auf das Geschlechtsleben betrachtet und somit auf das Berufsleben und die Berufserfahrung, die im siebten Kapitel Erläuterung findet.

2. Die volkswirtschaftliche Dimension der Sexualität

In der Marktwirtschaft hat die Sexualität eine volkswirtschaftliche Dimension. Das ist den meisten von uns nicht bewusst. Tatsächlich ist es so, dass nur wenige Aspekte des Privatlebens den Steuerzahler so viel Geld kosten wie die misslungenen Geschlechtsbeziehungen seiner Mitbürger und das dadurch erzeugte Scheitern ihrer Kinder.

So sind zum Beispiel zwei Drittel aller in Haftanstalten einsitzenden Menschen Opfer gescheiterter Liebesbeziehungen (vgl. Schäfer 1994, S. 12): Kinder geschiedener Eltern, Söhne und Töchter getrennt lebender Väter und Mütter, in Heimen und Jugendgefängnissen aufwachsende Nachkommen unreifer Erwachsener, Töchter verlassener Mütter, Söhne verlassener Väter, aber auch Kinder scheinbar intakter Ehen, hinter deren Fassaden jedoch gegenseitige Kommunikationslosigkeit oder gar gegenseitiger Hass herrscht. Das ist besonders oft bei Eltern der Fall, die nur geheiratet haben, um dem ersten Kind einen „Namen“ zu geben.

Stellen wir uns vor, dass die Tochter eines solchen Ehepaares mit 14 oder 15 bereits auf den Strich geht oder dass der Sohn mit 16 zum ersten Mal ein Auto knackt, um ein Radio zu stehlen – und wissen wir nun auch, das alle beide das nur getan haben, weil sie den täglichen Krach im Elternhaus nicht mehr ertragen können und Geld brauchen, um wegzuziehen, dann können wir mit Sicherheit voraussagen, dass jedes dieser Kinder rückfällig werden kann und dann bis zu seiner möglichen Resozialisierung den Steuerzahler ein Minimum von 8 Millionen Euro kosten wird. (vgl. ebd., S. 15) Diese Summe setzt sich zusammen aus Kosten der Fahndung (Polizei, Kriminalpolizei), der Aburteilung (Gerichtsgebäude, Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Verwaltung), Haft (Gefängnisse, Gefängnisbeamte, Verpflegung usw.) und Betreuung nach der Haftentlassung. (vgl. ebd., S. 15) Von den volkswirtschaftlichen Kosten im Leben der von Delikten geschädigten Opfer ist dabei noch gar nicht die Rede.

Die Meinung der meisten Leute, dass Sexualität eine reine Privatsache sei und keinen Außenstehenden etwas angehe, wird bestimmt zurückgenommen werden, wenn sie entdecken, dass das Geschlechtsleben der anderen sie Geld kostet. In der Tat ist es so, dass das Gelingen oder Misslingen unseres Geschlechtslebens zahllose Menschen positiv oder negativ beeinflusst. (vgl. Dux 1994, S. 8) Hat die Ehefrau ihren Mann im Bett zurückgewiesen, dann steht er am nächsten Morgen verärgert auf und ist mürrisch zu seinen Kollegen oder behandelt seine Angestellten schlecht. Vernachlässigt der Ehemann seine Frau, so schimpft sie mit ihren Kindern. Nennt die Prostituierte ihren gestressten Kunden einen Schlappschwanz, so wird er zum Verkehrsrisiko, wenn er wütend und frustriert ins Auto steigt und mit 140 Sachen losbraust. Das gleiche gilt, wenn der Junge Mann seiner Freundin „Männlichkeit“ beweisen will und sie auf seiner neuen Honda mit 180 in den Tod fährt. Andererseits strahlt die Befriedigung zweier glücklich Verliebter positiv auf ihre ganze Umgebung aus und wirkt wohltuend auf jeden, der ihnen begegnet. Es gibt also nichts im privaten Leben der Liebenden, das nicht gute oder schlechte Wirkungen auf ihre Umwelt ausübt. Jede sexuelle Handlung ist in diesem Sinne auch eine gesellschaftliche Handlung. Das ist aber nur wenigen von uns bewusst.

3. Arbeit und Sexualität

Die wichtigsten Grundlagen des menschlichen Lebens sind Sexualität und Arbeit. (vgl. Valerius 1998, 32f) Von der Arbeit ernähren wir uns. Ohne Nahrung sterben wir als Individuen. Ohne Geschlechtsverkehr sterben wir als Gattung.

Genau wie Arbeit aber nicht nur dem Nahrungserwerb dient, sondern die Treibkraft des ganzen menschlichen Fortschritts ist, dient auch die Sexualität nicht nur der Fortpflanzung, sondern hat den Zweck, uns aus der Einsamkeit in die Gemeinsamkeit zu führen.

Der Geschlechtsverkehr erfüllt also nicht nur den egoistischen Wunsch des einzelnen nach sexueller Befriedigung, sondern auch den altruistischen Bedarf der Gemeinschaft nach zwischenmenschlichem Trost. Er ist das soziale Bindemittel, das die Menschen zu Paaren, Familien, Stämmen und Völkern zusammenfügt und dadurch überhaupt erst eine Kultur und eine Zivilisation ermöglicht. (vgl. ebd., 13)

Wahrscheinlich ist seine wichtigste Funktion, neben der der Fortpflanzung, die, uns Kraft für die nichtsexuellen Tätigkeiten unseren Lebens, zum Beispiel für die Arbeit, zu geben.

4. Der Einfluss des Geschlechtslebens auf das Arbeitsleben

Seit zwölf Jahren erforschen Armbruster und seine Mitarbeiter das Grenzgebiet zwischen Arbeits- und Geschlechtsleben. (Armbruster 1995) Bei vielen Befragungen von Arbeitern und Angestellten über die Zusammenhänge zwischen Arbeit und Geschlechtsleben ist dem Forschungsteam aufgefallen, dass die meisten Befragten sich unter diesem Thema überhaupt nur eine Sache vorstellen konnten: Geschlechtsverkehr zwischen Kollegen und Kolleginnen im gleichen Betrieb oder zwischen Managern und Sekretärinnen im gleichen Büro. Die Fragen, die den Befragten durch den Kopf gingen, waren also ganz andere als die, die Sexualwissenschaftler beantwortet haben wollten. Sie wollten nämlich wissen, in welchem Maß die Arbeitsbedingungen im Betrieb das Geschlechtsleben außerhalb des Betriebs beeinflussen und in welchem Maß das private Geschlechtsleben die Arbeitsleistung beeinflusst. (vgl. ebd., S. 27f)

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638333313
ISBN (Buch)
9783656073888
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32667
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Arbeit Sexualität Soziologische Analysen Verhaltensweisen

Autor

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Titel: Arbeit und Sexualität