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Globale Abhängigkeiten, Drogenkrieg und mögliche Alternativen durch neue drogenpolitische Ansätze

Hausarbeit 2002 15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zusammenhängende Abhängigkeiten: Konsum – Handel – Anbau

III. Einseitige und repressive Drogenpolitik
1. Rücksichtsloser Drogenkrieg
2. Verdeckte aber gewichtige Interessen
3. Verheerende Folgen

IV. Alternative Ansätze wirksamer und gerechter Drogenpolitik

V. Fazit

VI. Literatur

VII. Anhang

I. Einleitung

„Der peruanische Psychologe Baldomero Cáceres, bezeichnet das aktuelle Verbot von Kokablättern als Zeichen westlicher Arroganz. ‘Kokain wurde in Deutschland, nicht in Peru, entdeckt. (...)’ “[1]

Dieses Zitat erinnert an zwei wichtige Fakten. Erstens ist in der Drogendiskussion der natürliche Ausgangsstoff (z.B. Kokablätter) keinesfalls dem Endprodukt (z.B. Kokain) gleichzusetzen. Zweitens ist die Drogenproblematik der sogenannten Industrienationen wie in diesem Fall ‘hausgemacht’. Die Endprodukt-Drogen (z.B. Kokain, Heroin, LSD) wurden zumindest in den Ländern erfunden und verbreitet, in denen sie nun mehrheitlich ge- und missbraucht werden. Dazu kommt, dass oft erst in westlichen bzw. westlich geprägten Gesellschaften der Konsum psychoaktiver Pflanzen und Substanzen zu Problemen geführt hat. Das komplexe Drogenproblem ist einerseits maßgeblich von den Hauptkonsumländern selbst verursacht; andererseits maßen sich diese an, es durch Eingriffe in und Angriffe auf die Hauptanbauländer zu lösen.

Bei näherer Beschäftigung mit den Ursachen und Wirkungen der Problematik, sowie der auf sie einwirkenden Drogenpolitik, tauchen Fragen auf: Ist der Anbau oder der Konsum der Anfang allen Übels? Wer hängt wie von wem ab? Wie sehen die Verbindungen aus? Wer sind die Gewinner der Drogengeschäfte, wer die Verlierer? Bildet das Einwirken auf die Hauptanbauländer einen oder gar den Schwerpunkt der Drogenpolitik? Wie sehen diese Eingriffe aus? Gibt es auch versteckte Zielsetzungen drogenpolitischer Maßnahmen? Was bewirkt die aktuelle Drogenpolitik? Besteht die Notwendigkeit, diese Drogenpolitik zu verändern und wie sehen konkrete Vorschläge aus?

Diesen Fragen folgend, gestaltet sich der Aufbau meiner vorliegenden Arbeit. Zunächst versuche ich, den Weg vom Anbau bis zum Konsum zu skizzieren und dabei bedeutsame Zusammenhänge und Abhängigkeiten herauszuarbeiten. Im Anschluss stelle ich in drei Schritten die weltweit vorherrschende Drogenpolitik dar: Ihre konkreten Umsetzungsformen, die hinter ihr stehenden Interessen und die Folgen dieser Vorgehensweise. Schließlich gebe ich einen Einblick in fortschrittliche Ansätze notwendiger drogenpolitischer Alternativen. Im Anhang zitiere ich einen Text, der weitere wichtige und dringende Fragen stellt und zum kritischen Weiterdenken anstößt.

II. Zusammenhängende Abhängigkeiten: Konsum – Handel – Anbau

Um die Drogenproblematik in ihrer Ganzheit und Globalität zu sehen – und nicht nur einzelne Aspekte – muss sie als komplexes System von Zusammenhängen und wechselseitigen Abhängigkeiten vielschichtiger Elemente wahrgenommen und analysiert werden. Diese differenzierte, ganzheitliche Wahrnehmung ist die unbedingte Voraussetzung für wirklich zielgerichtete und zukunftsfähige drogenpolitische Konzepte.

„Durch Verbote und Strafverfolgung allein sind Produktion und Konsum illegaler Drogen nicht zu stoppen. Solange es eine Nachfrage gibt, wird es auch am Angebot nicht mangeln.“[2]

Der Konsum auf der einen und der Anbau auf der anderen Seite sind die zwei Extreme einer Kette mit zumeist folgenden Gliedern: Anbau und Ernte der Pflanze bzw. der relevanten Pflanzenteile (z.B. Kokablätter) durch Kleinbauern – Vorverarbeitung (z.B. zu Kokapaste) meist durch Zwischenhändler, vermehrt auch durch die Kleinbauern selbst – Transport durch den Zwischenhandel zu versteckten Labors und/oder Sammelstellen – Weiterverarbeitung durch Drogen-Organisationen (z.B. zu Kokain) – Transport durch Drogen-Organisationen vom Anbau-/Herstellungsland ins Konsumland (über Kombinationen von Luft-, See- und Landwegen) – Verteilung durch Drogen-Organisationen – Verkauf durch Zwischenhändler an die Endkonsumenten.[3]

„Der illegale Drogenhandel ist das entscheidende Verbindungsglied in der Kette zwischen Produktion und Konsum. Er ist bei weitem der lukrativste Teil im ganzen Prozess, den Drogen durchlaufen. Die Profite sind so hoch, dass Beschlagnahmungen der Produkte sie kaum wirklich beeinträchtigen.“[4]

Hauptverdiener sind dabei alle am Transport, Handel und Endverkauf beteiligten Personen und Organisationen (z.B. Drogenkartelle), die sich potentielle Risiken und notwendige Zusatzausgaben (z.B. Bestechungsgelder) natürlich gut bezahlen lassen. Drogen-Organisationen sind moderne, transnationale Unternehmen, die von staatlichen Stellen und Funktionären – nicht selten genau denen, die eigentlich für die Drogenbekämpfung zuständig sein sollten – gedeckt und unterstützt werden.[5]

„Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss (...) gelangte (..) zu der Schlussfolgerung, [der ehemalige peruanische Präsident] Fujimori und [sein Geheimdienstchef] Montesinos hätten Peru in den 90er Jahren zu einer Narcorepublik ausgebaut. Der Ex-Geheimdienstchef persönlich wird in dem Bericht als der ‘Chef der peruanischen Drogenmafia’ ausgemacht. (...) In den Drogenhandel involviert waren weiterhin die komplette Armeespitze, hohe Richter und Staatsanwälte sowie der ehemalige Minister Victor Joy Way, der für die Geldwäsche zuständig war. (...) Nicht nur das: die CIA zahlte laut Los Angeles Times zwischen 1990 und 2000 sogar 10 Millionen US-Dollar direkt auf eines von Montesinos Konten. Für den Kampf gegen den Drogenhandel.“[6]

Dass dies kein Einzelbeispiel ist, beschreiben auch andere Berichte zur Situation in Bolivien, Mexiko und natürlich Kolumbien.[7]

Ein kaum thematisierter Aspekt ist die Geldwäsche. Dabei werden die Profite aus dem Drogenhandel in legale Wirtschaftsbereiche investiert, um die wirkliche Herkunft des Geldes zu verschleiern und um es zu vermehren. Ein schmutziges Geschäft, über das nicht gern gesprochen wird, an dem aber Banken und andere Finanzinstitutionen kräftig mitverdienen. Dass den Regierungen der Welt die Überwachung der Finanzmärkte angeblich unmöglich ist, liegt wahrscheinlich daran, dass eine Herausnahme der Drogenmilliarden aus dem Welthandel das Weltfinanzsystem empfindlich aus dem Gleichgewicht bringen würde.[8]

An den Enden der Kette des Drogensystems hängen die Verlierer des Ganzen. Zum einen die Drogenkonsumenten und -abhängigen, die durch Kriminalisierung, Repression und Ausgrenzung mehr und mehr verelenden. Zum anderen die verarmten Kleinbauern, welche die Rohprodukte für die Drogen anbauen. Sie sind ebenfalls ‘Abhängige der Drogen’, weil sie die entsprechenden Pflanzen aus bitterer Notwendigkeit heraus kultivieren. Obwohl sie – bildlich gesprochen – nur die Krümel des finanziellen Drogenkuchens abbekommen, ermöglicht ihnen der Anbau von Drogengrundstoffen im Vergleich zu anderen Agrarprodukten wenigstens noch das Überleben der Familie.[9]

[...]


[1] BMZ / gtz 1998, S. 10

[2] Rathgeber 2001, S. 12

[3] vgl. Azzellini 2002, S. 18

[4] BMZ/gtz 1998, S. 16

[5] vgl. Azzellini 2002, S. 16 ff

[6] Schröder 2002, S. 39 f

[7] vgl. Azzellini 2002, S. 16 ff / vgl. Azzellini 2002, S. 29 ff

[8] vgl. Ehlers 1999, S. 17 ff

[9] vgl. Azzellini 2002, S. 18

Details

Seiten
15
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638336062
DOI
10.3239/9783638336062
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33029
Institution / Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg
Note
1,0
Schlagworte
Globale Abhängigkeiten Drogenkrieg Alternativen Ansätze Drogenrecht Drogenpolitik

Autor

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Titel: Globale Abhängigkeiten, Drogenkrieg und mögliche Alternativen durch neue drogenpolitische Ansätze