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Eine Analyse zu Erich Kästners "Pünktchen und Anton"

Seminararbeit 2002 32 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Autor und sein Werk
2.1 Erich Kästner
2.2 Entstehungsgeschichte
2.3 Wirkungsgeschichte

3. Inhalt

4. Narrative Darstellung
4.1 Textaufbau
4.2 Erzählverhalten
4.3 Erzählperspektive
4.4 Zeitstruktur des Erzählens
4.5 Charakterisierung durch den Erzähler

5. Figuranalyse
5.1 Pünktchen
5.2 Anton
5.3 Pünktchen und Anton
5.3.1 Eine Freundschaft
5.3.2 Zwei Welten

6. Gattung
6.1 Wieso werden Bücher zu wahren „Klassikern“ der KJL?
6.2 Was macht genau dieses Buch zu einem Klassiker der KJL?

7. Kritische Refelexion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Da auch Erich Kästner all seine Bücher mit einem Vorwort beginnt, möchte ich das an dieser Stelle in Form einer Einleitung auch tun.

Kurz werde ich mein Vorgehen in dieser Hausarbeit zu Kästners Buch „Pünktchen und Anton“[1] skizzieren.

Nach einer kurzen Dokumentation des Lebens des Autors, der Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Buches, sowie des Inhalts werde ich den Aufbau, mit Blick auf erzähltheoretische Fragestellungen, wie narrative Darstellung und Zeitstruktur des Erzählens beleuchten. Anschließend gehe ich zur Figurenanalyse über, in der ich mich auf die beiden Hauptfiguren Pünktchen und Anton beschränken werde. Ich gehe auch auf die gesellschaftliche und soziale Lebenssituation der Hauptfiguren und ihre Beziehung zueinander näher ein. Im Folgenden beschäftige ich mich mit der Gattung der Kinder- und Jugendliteratur und werde den Fragen nachgehen: „Wieso werden Bücher zu wahren ‚Klassikern’ der Kinder- und Jugendliteratur (im weiteren „KJL“ genannt)?“ und „Was macht genau dieses Buch zu einem ‚Klassiker’ der KJL?“.

Schließen möchte ich meine Arbeit, indem ich kurz meine eigene Meinung zu „Pünktchen und Anton“ darstelle.

2. Der Autor und sein Werk

2.1 Erich Kästner

Kinder buchstabieren noch mit dem Herzen.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erich Kästner wird am 23. Februar 1899 als Sohn der späteren Friseuse Ida Kästner (1871-1951) und Emil Kästner (1867-1957) in Dresden geboren.

Seine Mutter, Ida Kästner, stammt aus einer sächsischen Metzger- und Pferdehändlerfamilie, Emil Kästner, ehemals selbständiger Sattlermeister, ist Arbeiter in einer Kofferfabrik. Erst nach Erich Kästners Tod wird das Familiengeheimnis gelüftet: nicht Ida Kästners Ehemann war Erichs Vater, sondern der Hausarzt, Sanitätsrat Dr. Emil Zimmermann. Erich Kästners Kindheit und Jugend sind geprägt von finanzieller Enge, der unglücklichen Ehe seiner Eltern und in besonderem Maße von seiner Mutter, die ihren Mann ständig seine Unzulänglichkeit spüren lässt und sich dafür umso stärker für das Wohl ihres Sohnes aufopfert. Das daraus entstehende enge Verhältnis zwischen Mutter und Sohn geht weit über das normale Maß hinaus. Sie schreiben sich über viele Jahre hinweg täglich innige Briefe. Diese besondere Beziehung zu seiner Mutter prägt ihn für sein Leben und begründet u.a. sein schwieriges Verhältnis zu Frauen.

Erich Kästner tritt nach dem Besuch der Volksschule in den Jahren 1906 bis 1913 ins Freiherrlich von Fletscher´sche Lehrerseminar in Dresden ein. Seine Ausbildung zum Volksschullehrer wird im Jahre 1917 durch seine Einberufung zum Militär unterbrochen. Als er 1918 mit einem im Krieg erlittenen Herzschaden nach Dresden zurückkehrt, schließt er seine Lehrerausbildung endgültig ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach dem Krieg arbeitet er als Bankbeamter und Redakteur der Neuen Leipziger Zeitschrift und beginnt parallel dazu im Jahre 1919 ein Studium der Germanistik, Philosophie, Theaterwissenschaften und Geschichte in Leipzig, Rostock und Berlin. Er schließt sein Studium 1925 mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Nach der Entlassung durch die Neue Züricher Zeitung verlegt Kästner 1927 seinen Wohnsitz schließlich ganz nach Berlin und beginnt seine Karriere als freier Schriftsteller. Er arbeitet als Theaterkritiker und ist u.a. freier Mitarbeiter bei der „Weltbühne“, „Montag Morgen“ und der „Vossischen Zeitung“.

1928 erscheint sein erster Gedichtband „Herz auf Taille“ und 1929 sein erstes Kinder- und Jugendbuch „Emil und die Detektive“, das ihn weltberühmt werden lässt. Es folgen weitere erfolgreiche Stü> [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] 1933 werden verschiedene Werke Kästners verboten und durch die Nationalsozialisten öffentlich verbrannt. Kästner wird sogar von der GESTAPO verhaftet. Nach seiner Freilassung schreibt er nur noch unter Pseudonym weiter, unter anderem auch 1942 das Drehbuch für den UFA-Jubiläumsfilm „Münchhausen“. Obwohl ein totales Schreibverbot durch die Nationalsozialisten gegen ihn verhängt wird, emigriert Kästner nicht. Viele seiner Werke können in dieser Zeit nur im Ausland veröffentlicht werden. Als 1944 Kästners Wohnung durch einen Bombenangriff vollkommen zerstört wird, zieht er zu Luiselotte Enderle, die er in Berlin wieder getroffen hat und mit der er von nun an zusammenlebt. Im Herbst 1945 gründet er das literarische Kabarett „Die Schaubude“ in München und ist dort auch Feuilleton-Redakteur der „Neuen Züricher Zeitung“. 1946 ist er Pressebeobachter der Nürnberger Prozesse. Von 1951 bis 1962 ist er zunächst Präsidenten und später Ehrenpräsident des Westdeutschen PEN-Zentrums. 1957 kommt sein Sohn Thomas zur Welt, der jedoch bei seiner Mutter Fridine Siebert in Berlin aufwächst. Im gleichen Jahr stirbt auch Kästners Vater. Schließlich zieht sich Kästner 1967 aus dem Literaturbetrieb zurück und stirbt am 29. Juli 1974, im Alter von 75 Jahren in München.

Kästner wurde mehrfach ausgezeichnet:

- Bundesfilmpreis für "Das doppelte Lottchen" (1950);
- Literaturpreis der Stadt München (1956);
- Georg - Büchner - Preis (1957);
- Hans - Christian - Andersen - Medaille des Internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch (1960);
- Erster Preis ("Goldener Igel") im internationalen Humoristenwettbewerb der bulgarischen Jugendzeitung "Narodna Mladesch", Sofia (1966);
- Literaturpreis der Deutschen Freimaurer,
- Überreichung des Lessing - Rings (1968);
- Kultureller Ehrenpreis der Landeshauptstadt München (1970);
- Goldene Ehrenmünze der Landeshauptstadt München (1974).

2.2 Entstehungsgeschichte

Könnte ein wunderbares Buch werden. Noch spannender als der >Emil<![3]

Die Idee zu „Pünktchen und Anton“ entstand aus einer Erzählung mit dem Titel „Fräulein Paula spielt Theater“, die Kästner Ende 1928 für das „Berliner Tageblatt“ verfasst hat.

Er schrieb am 3. Februar 1930 an seine Mutter:

Aber vor allem hab ich ein Thema fürs zweite Kinderbuch, […]. Nach der „Berliner-Tageblatt“-Geschichte von mir […]. Entsinnst Du Dich? Das Kinderfrl., das nachts, wenn die Eltern im Theater oder zum Ball sind, mit deren Tochter betteln geht! Entsinnst Du Dich, ja? Könnte ein wunderbares Buch werden. Noch spannender als der > Emil <![4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei dieser „Berliner-Tageblatt“-Geschichte handelt es sich um eine selbstständige Kurzgeschichte, erschienen 1928, die Kästner als einen wesentlichen Teil des Handlungsgerüsts für „Pünktchen und Anton“ verwendet hat. Kästner hat noch eine zweite Kurzgeschichte aus seiner eigenen Feder verwendet, er versicherte kurz darauf seiner Mutter: „Die Sache mit den Streichhölzern ist wirklich passiert. Ich las einmal eine Zeitungsnotiz. Und nun wird ein Buch draus!“[5]

Kästner brauchte jedoch noch einige Zeit, bis er dann mit dem Manuskript zu „Pünktchen und Anton“, parallel zu der Arbeit an seinem Werk „Fabian“, begann.

„Pünktchen und Anton“ wurde von Kästner innerhalb nur weniger Wochen im Juni 1931 geschrieben, bis das Projekt plötzlich ins Stocken geriet. Kästner dazu:

Trier hat der Jacobsohn [Kästners Verlegerin] das Kinderbuch mit Pünktchen verekelt. Nun weiß sie nicht, was sie tun soll. Ich hab ihr gesagt, dann solle sie mir das Buch freigeben. Das will sie aber auch nicht. Ich soll es ganz umändern. Ich denke nicht dran.[6]

Schließlich erklärte sich Edith Jacobsohn doch dazu bereit, das Buch nach Kästners Vorstellungen und Entwürfen unverändert zu drucken. „Vom Pünktchen sind bis jetzt 3000 Exemplare vorbestellt. Das ist ganz ordentlich.“[7], kann man einem weiteren Brief Kästners vom 27. Oktober 1931 an seine Mutter entnehmen. Vorab werden schon einmal „kleine Kapitelabschnitte“[8] in diversen Berliner Zeitungen abgedruckt, „(d)amit es gleich verkauft wird, wenn es in den nächsten Wochen erscheint.“[9], so Kästner zu seiner Mutter am 7. November 1931. „Pünktchen und Anton“ erschien zum ersten Mal komplett als Buch Mitte November 1931.

2.3 Wirkungsgeschichte

Gestern kam die erste Pünktchen-Zuschrift.[10]

Einen Monat nach Erscheinen von „Pünktchen und Anton“ im November 1931 schrieb Kästner an seine Mutter: „Jetzt kommen die Pünktchen-Kritiken angetrudelt, fast ausnahmslos sehr schön. […] Nun wird´s die Jacobsohn wohl bald glauben.“[11] Kästner an seine Mutter am 22. November 1931:

Gestern kam die erste Pünktchen-Zuschrift. Von einer Mutter, der es die erwachsenen Kinder zum Geburtstag geschenkt hatten. Drollig, was? Sie schrieb, wenn die dicke Berta kündigen sollte, könnte sie bei ihnen eintreten da ihr Mädchen im Frühjahr heiratete.[12]

Das Buch war ein solcher Erfolg, dass sogar das Theater auf das neue Kästner-Buch aufmerksam geworden war. Gottfried Reinhardt, der Sohn Max Reinhardts, wollte es am Deutschen Theater in Berlin inszenieren. Kästner wusste, dass es eine „tolle Arbeit“[13] werden würde. Die Premiere sollte am 15. Dezember des gleichen Jahres sein. Jedoch ergaben sich mehr und mehr Probleme, die sich durch einen sich verschärfenden Konflikt zwischen Autor und Regisseur entwickelten. Zunächst waren es Honorarprobleme, dann Vertragsformulierungen, dann ging es um die Art und Weise, wie Reinhardt die Proben leitete und schließlich gipfelte der Streit kurz nach der (verschobenen) Premiere am 19. Dezember 1931. Nach nur acht Vorstellungen wurde die Bühnenfassung von „Pünktchen und Anton“ abgesetzt. Kästner über die ganze Sache an seine Mutter am 15. Januar 1932:

Obwohl ich seit Tagen wie ein leicht Verrückter um die „Pünktchen“-Aufführung kämpfe, wird das Stück überhaupt nicht mehr gespielt werden, falls kein Wunder geschieht. Die Reinhardt-Bühnen erklären einfach, sie verdienten nichts daran. Und da kann man nichts machen. Es ist wirklich ein Jammer. Ich habe eine Wut im Bauch, ich könnte denen das ganze Theater zerhacken. Na, Mensch, ärgere Dich nicht. 8 Aufführungen waren es im Ganzen. Es ist zum Heulen.[14]

Trotz all dem Ärger mit der Bühnenaufführung ist das Buch „Pünktchen und Anton“ bis heute in der 120. Auflage erschienen und wie die meisten Bücher Kästners in über 100 Sprachen übersetzt worden. Es wurde verfilmt und auch als Hörspiel produziert.

[...]


[1] Kästner, Erich: Mein liebes, gutes Muttchen, Du!. Hamburg: Albrecht Knaus Verlag 1981

[2] Zitat von Erich Kästner: http://www.kaestner-im-netz.de/zitate/zitate.html

[3] Kästner, Erich: Mein liebes, gutes Muttchen, Du!. Hamburg: Albrecht Knaus Verlag 1981

(S. 108/109).

[4] Ebd. S. 108/109.

[5] Ebd. S. 110/111.

[6] Kästner, Erich: Mein liebes, gutes Muttchen, Du!. Hamburg: Albrecht Knaus Verlag 1981 (S. 150).

[7] Ebd. S. 154.

[8] Ebd. S. 162.

[9] Ebd. S. 162.

[10] Ebd. S. 170.

[11] Ebd. S. 170/171.

[12] Kästner, Erich: Mein liebes, gutes Muttchen, Du!. Hamburg: Albrecht Knaus Verlag 1981 (S. 170).

[13] Ebd. S. 163.

[14] Ebd. S. 178.

Details

Seiten
32
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638336413
ISBN (Buch)
9783638739719
Dateigröße
690 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33067
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Literaturdidakitk - Germanistik
Note
1
Schlagworte
Eine Analyse Erich Kästners Buch Pünktchen Anton Proseminar Literaturwissenschaft

Autor

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