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Förderung der Lesekompetenz in multimedialen Textangeboten der Tourismusbranche. Das Sprachcurriculum der Schweizer Hotel Management Schools

Wissenschaftliche Studie 2016 77 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Einleitung

1 Theoretische Verortung und methodische Vorgehensweise
1.1 Neue Lesekompetenzen für das Informationsgeschäft im Tourismus
1.2 Problemstellung der Arbeit
1.3 Struktur der Arbeit
1.4 Methode und Untersuchungsdesign

2 Aufstellung des Konzepts
2.1 Aktueller Forschungsstand
2.2 Allgemeine und funktionale Lesekompetenz
2.3 Informationskompetenz als Teil der umfassenden Lesekompetenz
2.4 Veränderung der Lesekompetenz im Kontext der Neuen Medien
2.5 Beziehung von Lese- und Medienkompetenz
2.5.1 Theoretische Dimensionen der Medienkompetenz nach Baacke
2.5.2 Medienpädagogische Thesen nach Tulodziecki und Gröben
2.6 Ableitung der Erkenntnisse für die Entwicklung des Konzepts

3 Ausarbeitung des Konzepts
3.1 Operationelle Leseanforderungen für die zielgerichtete Orientierung auf Websites
3.1.1 Mediennutzungsmuster „Navigieren“
3.1.2 Mediennutzungsmuster „Identifizieren“
3.1.3 Mediennutzungsmuster „Verstehen der Website“
3.2 Inhaltliche Leseanforderungen für die zielgerichtete Orientierung in digitalen Medien
3.2.1 Mediennutzungsmuster „Informationsintegration auf lokaler Ebene“
3.2.2 Mediennutzungsmuster „Informationsintegration auf globaler Ebene“
3.2.3 Mediennutzungsmuster „Informationen generieren“
3.3 Leseanforderungen für die Informationssuche

4 Rahmenbedingungen des Konzepts
4.1 Eckdaten
4.2 Hintergrund
4.2.1 Fremdsprachenunterricht in der Hotelfachschulen
4.2.2 Lerndauer
4.2.3 Marktanalyse
4.2.4 Zielgruppe
4.2.5 Lernmotivation
4.2.6 Einstellungen und Erfahrungen der Lernenden zu Medien
4.3 Lerninhalte und Lehr- und Lernziele
4.3.1 Bildungsproblem an der Hotelfachschulen
4.3.2 Institutionelle Richtlinien als Randbedingungen des Unterrichtskonzepts
4.3.3 Lehr- und Lernziele
4.3.4 Konzeptziele
4.3.5Lern- und Lehrinhalte
4.4 Didaktische Methode und Lernorganisation
4.4.1 Beschreibung der didaktischen Methode
4.4.2 Lernorganisation

5 Inhaltliche Gestaltung des Konzepts der Ädigitalen Reise“
5.1 Erste Phase: Vorbereitung - vor der Reise
5.1.1 Inspiration
5.1.2 Recherche-Aufgabe: neue Hotelketten
5.1.3 Recherche-Aufgabe: teuerste Hotels
5.1.4 Recherche-Aufgabe: Informationensuchen und verarbeiten
5.1.5 Recherche-Aufgabe: Textangebote im Video
5.1.6 Aufgabe: Suchstrategien entwickeln
5.1.7Aufgabe: Internetrecherche
5.1.8 Aufgabe: Reiseplanung mit Online-Reiseführer
5.1.9 Aufgabe: Selektieren
5.1.10 Aufgabe: Selektion und Buchung
5.1.11 Aufgabe: Selektion und Buchung
5.1.12 Aufgabe: Buchung
5.1.13 Aufgabe: Informationssuche und Informationstransfer
5.2 Zweite Phase: Unterwegs - Erlebnis
5.2.1 Aufgabe: Informationen finden zu Hotels und Umgebungen
5.2.2 Aufgabe: wirksame Suchstrategien entwickeln und anwenden
5.2.3 Aufgabe: Informationen analysieren
5.2.4 Aufgabe: Reflexion
5.2.5 Aufgabe: Herstellen intertextueller Kontexte
5.2.6 Aufgabe: Förderung der speziellen Lesekompetenz
5.2.7 Aufgabe: eigenständige Recherche
5.3 Dritte Phase: Nach der Reise - Nachbereitung
5.3.1 Aufgabe: negative Kundenbewertungen
5.3.2 Aufgabe: Zusammenfassen von Informationen in einer Tabelle
5.3.3 Aufgabe: Überblick über die Recherche behalten
5.3.4 Aufgabe: Reflexion
5.3.5 Aufgabe:Projektarbeit
5.3.6 Aufgabe: Servicestudie Reisebüro
5.3.7 Aufgabe: Informationen verbinden
5.3.8 Projekt: Internet-Image von Hotels auf spezialisierten Webportalen
5.3.9 Aufgabe: Textsortenkenntnis

6 Diskussion

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abstract

Die Digitalisierung der Touristikbranche macht eine Neuausrichtung der Lesekompetenzförderung für die zielgerichtete Orientierung in Neuen Medien nötig. Dies wird im Rahmen des Sprachcurriculums einer Schweizer Hotelfachschule exemplarisch versucht.

Ziel des arbeitsmarktorientierten Leseförderungskonzepts ist die Entwicklung von Lese- Teilkompetenzen, welche für die zielgerichtete Orientierung in textuellen Medienangeboten innerhalb der Content-Aggregatoren aus der Touristikbranche bzw. im Destination Management konstitutiv sind. Nach einer Erarbeitung von Konzepten zur Lese- und Medienkompetenz werden zunächst die Leseanforderungen für das Mischformat der textbasierten Medien konkretisiert. Im zweiten Schritt wird ein Konzept der Leseförderung an einer Schweizer Hotelfachschule vorgestellt. Die Leseförderung erfolgt dabei konkret über Mediennutzungsmuster. Diese werden auf operationeller und inhaltlicher Ebene sowie auf der Ebene der Informationssuche in textbasierten Neuen Medien der Touristikbranche entwickelt.

Die inhaltliche Ausgestaltung des Konzepts folgt der Vorgabe der Hotelfachschulen, dass Kompetenzen im Deutschunterricht fachübergreifend gebündelt werden sollen. Sie legt dabei den Zyklus der Reisevorbereitung nach dem Modell der ÄCustomer Journey“ zugrunde, das in der vorliegenden Arbeit als Ädigitale Reise“ bezeichnet wird. Dabei wird die Lesekompetenzförderung der Lernenden mit beruflichen Handlungssituationen des mediengestützten Destination Managements zusammengeführt.

Das Konzept bezieht auch Rahmenbedingungen der Hotelfachschulen mit ein, wie Heterogenität und Mehrsprachigkeit der Lernenden sowie sprachliche Aspekte bei der Förderung der Lesekompetenz für die zielgerichtete Orientierung in textbasierten Medien.

Schlagwörter: berufsbezogene Lesekompetenz, Informationskompetenz, fachübergreifender Deutschunterricht in Hotelfachschule, medienunterstützte Leseförderung

Abstract

The digitalization of the tourism industry, such as the transformation of tourism into e- tourism, asks for a new dimension in the developing of reading literacy in the language courses of the Swiss hotel school. The mixed text format of touristic websites requires special reading skills in the vocational field of destination management.

The aim of the concept is to develop multimedia reading competencies in the touristic sector, for a competent handling of the mixed format of textual media provided by content aggregators in the tourist industry.

First we discuss the characteristics and needs of reading text-based media. In the second step we establish a concept framework for reading competencies regarding the language courses of the hotel management schools.

The concept is being built on an operational level, a content level and in the context of information search in text-based multimedia. A conceptual pattern is being established in an interdisciplinary context. It follows the cycle of travel arrangements modelled as “customer journey“, which is here being called “digitale Reise” (digital journey). Specifically, lessons in destination management and “Deutsch im Hotel” for third year students at the hotel school are pooled together.

The concept for developing special reading skills in the vocational field of destination management also refers to the framework aspects of the hotel management schools such as heterogenic and multilingualistic students, as well as to linguistic patterns of reading skills for the targeted orientation in text-based media.

Keywords: vocational literacy, information literacy, cross-curricular German lessons in hotel school, media-assisted reading instruction

Einleitung

Die Digitalisierung der Touristikbranche hat den Tourismus in ein Informationsgeschäft verwandelt: ÄDas Internet als Informations-, Buchungs- und Kommunikationsmedium ist in der Reisebranche nicht mehr wegzudenken. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Transformation vom Tourismus zum E-Tourismus vollzogen“ (Maurer, 2014, S. 52). Die Digitalisierung der Branche stellt neue Anforderungen an das Management medialer Informationen im Tourismus, da Äin der Internetbranche neue Akteure entstanden, wie zum Beispiel Content-Aggregatoren, die vielfältige multimediale Informationen zu Reisezielen, Leistungsanbietern und Reisekatalogen sammeln und den Distributionssystemen elektronisch bereitstellen“ (Schulz et al., 2015, S. 6). Die Content-Aggregatoren bilden die Grundlage für Internet-Angebots- und -Preisvergleichssysteme, die den Vertrieb virtueller Online-Reisebüros durch verschiedene multimediale Zusatzinformationen unterstützen. Die Weiterentwicklung der durch das Internet angetriebenen Innovationsprozesse im Reisevertrieb verlangt nach neuen Wegen zur Navigation durch die Datenflut der Reiseangebote. ÄDie neuen Möglichkeiten zur Generierung, Individualisierung, Darstellung und Auswahl von Urlaubsangeboten haben (…) die Angebotsmenge, die Marktdynamik und die Zusatzinformationen zu den Angeboten in mindestens gleichem Umfang vergrößert. Die Touristikbranche muss nun mit großem Aufwand alle Kanäle bedienen und durch ein effizientes Multi-Channel-Management für den Kunden attraktiv und einfach zugänglich und intuitiv bedienbar kombinieren“ (Goecke/Eberhard/Roth, 2010, S. 22).

Eine der Herausforderungen des E-Tourismus liegt im Spannungsfeld von OnlineDatenmanagement und -Vermarktung: ÄDie Vielfalt an Informations- und Buchungsmedien steigt kontinuierlich an. Obgleich die einzelnen Informationsmöglichkeiten sowie die Vielzahl von Marktplätzen jeweils für sich gesehen Transparenz und Mehrwert erzeugen, ist der einzelne User bzw. Kunde mit den digitalen Reisemärkten mit ihren umfassenden Vernetzungen, Kooperationen, Verlinkungen und Meta-Suchmaschinen zunehmend überfordert“ (Heller et al., 2013, S. 5).

Ein angemessenes Management der medialen Informationen muss die angesprochene Komplexität für den Kunden reduzieren, indem ÄInformationen plattformunabhängig gesammelt und für Reisende systematisiert werden“ (Egger, 2010, S. 21). Dies wird eine wesentliche Aufgabe und Herausforderung für die Branche und für die relevanten Marktakteure in den nächsten Jahren sein (vgl. Heller et al., 2013, S. 5).

Für ein professionelles Management der medialen Informationen ist neues Know-how gefragt (Bieger et al., 2011, S. 23). Das erfordert Äneue operative, in zunehmendem Maße jedoch auch strategische Kompetenzen“ (Egger, 2010, S. 18). Schulinterne Prozesse spiegeln die erwähnten Veränderungen wider. Die Transformationen in der Tourismusbranche haben auch die Bildungsabläufe in der Hotelfachschulen beeinflusst und zu Digitalisierung von Gegenstandsbereichen geführt, unter anderem des Deutschunterrichts.

Vor dem Hintergrund des Ansatzes der Hotelfachschulen, den Ausbildungsgang zum Hotelfachmann bzw. zur Hotelfachfrau in einem breiteren Format anzubieten, ist auch ein Umdenken bezüglich der Ziele des Deutschunterrichts unter den neuen Bedingungen notwendig. Der Einsatz Neuer Medien eröffnet neue Perspektiven auf die Ausbildung von Lesekompetenz als einer der Grundfertigkeiten innerhalb des Fremdsprachenunterrichts der Hotelfachschule.

1 Theoretische Verortung und methodische Vorgehensweise

1.1 Neue Lesekompetenzen für das Informationsgeschäft im Tourismus

Die oben beschriebenen Veränderungen in der Tourismusbranche machen eine Förderung der Lesekompetenz für die Informationsverarbeitung im Kontext der zunehmenden Digitalisierung notwendig. Die Konzipierung eines erweiterten Lesekompetenz-Trainings für die zielgerichtete Orientierung in medialen Textangeboten der Tourismusbranche ist die logische Antwort auf die zunehmende Digitalisierung und wachsende Komplexität von Unternehmensprozessen im Hotel- und Destinationsmanagement-Bereich. Das Kompetenztraining zur Informationsverarbeitung in den Neuen Medien soll eine neue Ausrichtung in der Ausbildung der Sprachfertigkeiten darstellen und wird dabei Äinnerhalb einer generellen Medienkompetenz“ verortet (Heidtmann, 2003, S. 7).

Die Leseförderung im Rahmen der berufsvorbereitenden Ausbildung erfordert eine Bündelung von Medienkompetenz, Informationsverarbeitungskompetenz und Lesekompetenz. Mit Hilfe der Neuen Medien lassen sich diese Kernkompetenzen für den Tourismus kombinieren. Zusammen fördern sie zielgerichtet die Orientierung der Lernenden in textbasierten Neuen Medien.

Die fachübergreifende Entwicklung der angesprochenen Kompetenzen spielt bei der berufsvorbereitenden Ausbildung zum Hotelfachmanager bzw. zur Hotelfachmanagerin eine große Rolle. Aus dieser Perspektive lässt sich Lesekompetenz im berufsbezogenen Deutschunterricht an der Hotelfachschule dann erfolgreich vermitteln, wenn für eine stärkere Ausrichtung am professionellen Informationsverhalten im Kontext der Tourismusbranche fachübergreifende Zugänge genutzt werden. Aus der berufsbezogenen und fachübergreifenden Perspektive entsteht ein Modell im Spannungsfeld zwischen Informations- und Lesekompetenzen.

Die Informationsverarbeitung läuft auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlicher Form ab:

- Auf globaler Ebene sind Informationen Äzu sammeln, auszutauschen sowie Informationsinseln entgegenzuwirken“ (Egger, 2010, S. 21).

- Digitale Reisevorbereitung auf der Kundenebene schließt ein:

a) den Informationsaustausch durch Kunden, bei dem Informationen systematisiert und bewertet werden;

b) das Management von Informationsquellen für Reisende;

c) das plattformunabhängige und situationsadäquate Sammeln und Anbieten von

Informationen und

d) die Gestaltung der Kundeninteraktion mit informationsverarbeitenden Systemen.

- Auf der Ebene des Informationsmanagements sind ÄDatenbestände aufzubauen und zu syndizieren“ (ebd.).

Welche Kompetenzbereiche sind nun zu entwickeln, um im Rahmen des Sprachlerncurriculums der Hotelfachschule die zielgerichtete Orientierung in einem berufsbezogenen, digitalen Textverweissystem zu fördern?

1.2 Problemstellung der Arbeit

Die Leseanforderungen in der beruflichen Arbeit von Touristikern sind der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines adressatenspezifischen Konzepts zur Förderung der Lesekompetenz. Angesichts der Ausbreitung multimedial vermittelter, nichtlinearer interaktiver Textstrukturen in der Tourismusbranche steigen die Anforderungen an die Lesekompetenz.

In der Touristikbranche sind in letzter Zeit multimediale Informationsquellen entstanden, deren Nutzung erlernt und beherrscht werden muss. Im Hinblick auf die mediale Darbietung von Informationen in der Touristikbranche ist eine erweiterte Lesekompetenz nötig, die sich definiert als ÄFähigkeit, multiple Darstellungen in schriftlichen Dokumenten, die Texte, Bilder, Diagramme, Tabellen oder andere Arten externer Repräsentationen enthalten, verstehen und nutzen [zu] können” (OECD 2009, S. 7).

Geht man nach dem Darstellungsformat der Content-Aggregatoren, gibt es kontinuierliche und nichtkontinuierliche Textformate. Erstere bestehen aus ganzen Sätzen und sind Äin thematisch kohärente Abschnitte gegliedert“ (Ziegler et al., 2012, S. 5). Kontinuierliche Texte sind auf touristischen Websites in unterschiedlichem Umfang vertreten. Es handelt sich in der Regel um Darlegungen oder Beschreibungen (etwa Hotelbeschreibungen und -bewertungen).

Touristische Websites enthalten oft nichtkontinuierliche Texte mit thematisch inkohärenter Struktur. Häufig sind es Wörter und Phrasen, die in einer spezifischen Art angeordnet sind. Darunter fallen Listen und Tabellen, Grafiken, Leistungsverzeichnisse, Schaubilder und Diagramme, aber auch Formulare. Des Weiteren kommen verschiedene diskontinuierliche Textarten sowie Mischformen vor, etwa Karteien und Index-Listen, Hypertexte wie Onlinehilfen und Verlinkungen auf andere Websites, aber auch Schaubilder und Diagramme (etwa Schalt- oder Installationspläne, Statistiken und Prozessvisualisierungen), Tabellen und Formulare (Bestellungen, Verwaltungsverfahren), Informationsblätter (Flyer, Begleitpapiere), Aufrufe und Anzeigen (Werbung, Angebote).

Untersuchungen im E-Tourismus heben die Bedeutung von Mischformaten bei der Bewältigung domänenspezifischer beruflicher Content-Aggregatoren hervor (vgl. Gawronsky, 2002).

Hypertext ist ebenfalls eine typische Textform auf Tourismus-Websites: ÄSo kann bereits eine aus wenigen Webseiten bestehende Website als kleiner Hypertext betrachtet werden, andererseits ist das WWW in seiner Gesamtheit ebenso als ein Hypertext-Netz riesigen Ausmaßes aufzufassen“ (ebd., S. 21).

Das Hypertext-Prinzip als das bedeutendste Merkmal von Tourismus-Websites wirkt sich auf alle Bereiche der Textproduktion und -rezeption aus. Die verschiedenen Segmente des textbasierten Informationsangebots auf Tourismus-Websites, welche über

Querverbindungen vernetzt sind und sich mit dem Datenbankkonzept vergleichen lassen (ebd., S. 22), machen eine umfassende berufsbezogene Lesekompetenz notwendig: ÄZu einer umfassenden berufsbezogenen Lesekompetenz gehört unbedingt die media literacy und umgekehrt baut sich das literale Lernen, welches für den Umgang mit virtuellen Textpräsentationen und mit Hypertextstrukturen notwendig ist, bei der Nutzung von neuen Medien auf“ (Tulodziecki, 2003, S. 33).

Vor diesem Hintergrund scheint es nützlich, ein Konzept zu entwickeln, das von den beruflichen Leseanforderungen in der Tourismusbranche ausgeht. Hier kann der Aspekt der zielgerichteten Orientierung in Textangeboten der Neuen Medien an die erste Stelle gerückt werden.

1.3 Struktur der Arbeit

Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit liegt auf dem Spannungsfeld der veränderten Lesekompetenz-Anforderungen in der medialen Umgebung der Tourismusbranche. Dafür werden zunächst Befunde zu den Verschiebungen der Lesekompetenz für die Neuen Medien skizziert, das Prinzip der Informationskompetenz und die funktionalen Lesekompetenzen in der beruflichen Ausbildung werden betrachtet. Im Rahmen der Konzeptumsetzung wird die Lesekompetenz für eine zielgerichtete Orientierung in Textangeboten der Neuen Medien konkretisiert.

Das Thema wurde bisher in seiner Zusammenführung für die Hotelmanagement-Ausbildung noch kaum untersucht. Daher wird in einem ersten Schritt der theoretische Ansatz herausgearbeitet (Kapitel 2), um ein vertieftes Verständnis von Lese- und Informationskompetenz als Untersuchungsgegenstand zu erreichen. Es wird geprüft, ob die Bündelung der Voraussetzungen zu einer optimalen Lesekompetenz für die zielgerichtete Orientierung im beruflichen textseitigen digitalen Umfeld beitragen kann. Grundkonzepte aus den Bereichen der Neuen Medien sowie der Informations- und Lesekompetenz werden zusammengetragen. Die verschiedenen Teilkonzepte der Medien- und Lesekompetenz hängen eng miteinander zusammen. Der erarbeitete integrative theoretische Ansatz dient als Grundlage einer eigenen Konzipierung. Im Mittelpunkt des theoretischen Teils steht die Frage nach Überschneidungen zwischen Medien- und Lesekompetenz. Dafür werden die grundlegenden Begriffe der Neuen Medien sowie der Medien- und Lesekompetenz definiert und in einen Zusammenhang gebracht. Die Bündelung dieser Kompetenzen scheint der Komplexität der Forderungen nach Lesekompetenzen im Hotelmanagement zu entsprechen.

Im dritten Kapitel werden die angeführten Kompetenzen vertieft und konkretisiert. Aus der theoretischen Diskussion wird eine Ableitung für die eigene Konzeption vorgenommen. Daher liegt das Hauptaugenmerk auf der Frage: Welche theoretischen Ansätze sind geeignet, um im Rahmen eines arbeitsmarktorientierten Fremdsprachenunterrichts die zielgerichtete Orientierung in medialen Textangeboten zu trainieren?

Die Lesetheorie von Hurrelmann und Gröben geht davon aus, dass Ädie Bündelung von Lese- und Informationskompetenzen die zielgerichtete Orientierung in digitalen textbasierten Angeboten ermöglicht“ (Gröben/Hurrelmann, 2004, S.407). So gelingt gleichzeitig der Ausbau der Lesekompetenz zur Entwicklung informationsverarbeitender Kompetenzen, welche für die Orientierung in den digitalen Medien der Touristikbranche notwendig sind.

Vor diesem Hintergrund wird daraufhin ein mediendidaktisches Konzept zur Bündelung von Lese- und Informationskompetenzen im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts an einer Hotelfachschule für die zielgerichtete Orientierung in berufsbezogenen digitalen Textangeboten erstellt. Dafür werden zuerst die Leseanforderungen auf operationeller Ebene sowie die Operationalisierungen zusammengefasst. Im nächsten Schritt werden die Leseanforderungen für die Orientierung auf inhaltlicher Ebene zusammengeführt. Danach werden Leseanforderungen auf der Ebene der Informationssuche zusammengestellt.

Wie kann die Bündelung der Lesekompetenz mit Informationskompetenzen im berufsbezogenen Deutschunterricht einer Schweizer Hotelfachschule konkret gefördert werden? Diese Frage behandelt Kapitel 5. Die Ausarbeitung des Konzepts konkretisiert sich im Modell der ÄCustomer Journey“ (in der Arbeit als ÄE-Reise des Kunden“ bezeichnet, oder auch: ÄReiseentscheidung mit Medien gemacht“).

Das Projekt übernimmt aus dem Destinationsmanagement den Zyklus der ÄCustomer Journey“ (in Anlehnung an Kreilkamp, 2014, S. 3). Die Abstimmung des Konzepts erfolgt nach einer Analyse der Rahmenbedingungen der Hotelfachschule. Berufliche Lesekompetenzen in der Touristikbranche werden entlang authentischer beruflicher Handlungssituationen bei der Informationssuche in den Neuen Medien aufgebaut.Während dreier Phasen der digitalen Reiseentscheidung eines Kunden (Vorbereitung der Reise, unterwegs sowie Nachbereitung) laufen Leseerwerbsprozesse in konkreten berufsbezogenen Situationen ab, für die eine zielgerichtete Orientierung in textbasierten digitalen Medien der Touristikbranche notwendig ist.

Das Fazit und die Diskussion beenden die Arbeit.

Die vorliegende Arbeit ordnet sich in andere, theoretisch-konzeptionell ausgerichtete Arbeiten ein. Aus der theoretischen Perspektive der Digitalisierung des Fremdsprachenunterrichts in Hotelmanagement-Schulen greife ich die Thematik der Interdependenz von Medien- und Lesekompetenzförderung auf. Ich ordne meine Arbeit damit in das theoretische Spannungsfeld der leseförderlichen Potenziale von Medienpädagogik ein.

Die Innovation meines Vorhabens liegt in der berufsbezogenen Ausrichtung des Konzepts: Es ist auf die Leseanforderungen des digitalen Tourismus abgestimmt. Das konkrete Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Lesekompetenzen für die zielgerichtete Orientierung in medialen Textangeboten der Touristikbranche.

Die Digitalisierung der Arbeitsprozesse in der Touristikbranche, in welcher zunehmend Neue Medien in Gebrauch sind, macht eine Neuausrichtung der Fremdsprachenförderung in Hotelmanagement-Schulen nötig. Neue Medien sind in der privat geführten Hotelfachschulen zu einem unverzichtbaren Lernmedium geworden. Aus dem Theorieteil dieser Arbeit lässt sich ein konkreter Zusammenhang zwischen Lese- und Informationskompetenzen in der berufsbezogenen Sprachförderung ableiten.

Das Konzept basiert auf der Tatsache, dass Äden Neuen Medien das Potenzial zu Innovationen im Bildungsbereich nicht ,innewohnt‘ und Innovationen nicht durch Medien ,bewirkt‘ werden können“ (Kerres, 2000, S. 1). Da ÄInnovationen im Bildungsbereich vielmehr Resultat bestimmter didaktischer Konzepte sind“ (ebd.), wird ein solches Lehrkonzept zur zielgerichteten Orientierung in digitalen Textverweissystemen der Tourismusbranche im Rahmen des Sprachlern-Curriculums einer Hotelfachschule in der Schweiz aufgebaut.

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Lesekompetenz zur zielgerichteten Orientierung in Neuen Medien fördern lässt. Die konzeptionelle Ausrichtung bezieht sich darauf, eine Lösung für ein konkretes Problem im Bildungskontext von Hotelfachschulen zu finden: Wie entwickelt man die Lesekompetenz für Websites aus dem Tourismus-Bereich, um ein professionelles Informationsverhalten auf globaler und Kundenebene sowie auf der Ebene des Informationsmanagements zu sichern?

Dieses Zielvorhaben wird ergänzt durch die Erstellung von Konzepten zu den einzelnen Teilfertigkeiten: dem Lesen und der Informationssuche. Wie und nach welchen Rezeptionsmustern kann man diese Kompetenzen bündeln, um die Orientierung in textbasierten Medien zu gewährleisten?

Der Aufriss des Konzepts in Kapitel 4 wird nicht nur nach den Ansätzen der

gestaltungsorientierten Mediendidaktik konkretisiert, sondern ist gleichzeitig durch die institutionellen Richtlinien einer Hotelfachschule in der Schweiz eingeschränkt: Diese umfassen Rahmenbedingungen wie die Auftraggeber des Projekts sowie die Merkmale der Zielgruppe.

Im Block ÄLerninhalte und -ziele“ werden das Bildungsproblem und die Spezifikation von Lernangeboten beschrieben. Der Block zu didaktischen Methoden und Lernorganisation beschreibt konkret die eingesetzten didaktischen Methoden sowie die Lernorganisation.

1.4 Methode und Untersuchungsdesign

Am Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit steht eine praxisrelevante Fragestellung: Wie kann die Leseförderung für eine zielgerichtete Orientierung in Neuen Medien im Deutschunterricht einer Hotelfachschule gestaltet werden? Um dieser Fragestellung nachzugehen, werden die Design-Based Research-Methode (im Weiteren: DBR-Ansatz; nach Reinmann, 2005) und die gestaltungsorientierte Methode (nach Kerres, 2012) eingesetzt.

Bei der Anwendung des DBR-Ansatzes auf die Entwicklung eines arbeitsmarktorientierten Leseförderungskonzepts werden spezifische Kontextfaktoren wie institutionelle Prozesse und Normen der Hotelfachschulen sowie die enge Verbindung zur Praxis der Hotelbranche berücksichtigt. Dieser Kontext beeinflusst und beschränkt das Problemfeld der Arbeit: Es wird nach neuen Wegen zur Verortung der Lesekompetenz innerhalb der Medienkompetenz im Rahmen der Berufsausbildung zum Hotelmanager bzw. zur Hotelmanagerin gesucht, um auf dieser theoretischen Grundlage das Konzept aufzubauen.

Die Herausforderung besteht darin, ein theoretisches Leseförderungskonzept in Form der Bündelung von Informationsverarbeitungs- und Lesekompetenzen auszuarbeiten. Dabei sind didaktische Grundsatzfragen der Vermittlung der Lesekompetenz unter Einsatz Neuer Medien im Kontext der Hotelfachschule einzubeziehen.

Das interventionsorientierte Vorgehen bezieht sich auf folgende Prinzipien:

1. Formulierung einer empirisch überprüfbarer relevanten Fragestellung
2. Bezug zu relevanter Theorie herstellen
3. Verwendung von im Zusammenhang mit der Fragestellung geeigneten Methoden
4. Anwendung logischer und expliziter Argumentation
5. Verbindung von wissenschaftlicher Erkenntnissen mit in der Praxis bestehenden Situationen

Orientiert am DBR-Ansatz nach Reinmann (2005), verfolgt die Arbeit ein theoretisches und ein konzeptionelles Anliegen. Die Anwendung der DBR-Prinzipien auf den Fremdsprachenunterricht an der Hotelfachschule ist durch Kontextfaktoren beschränkt. Daher werden nachfolgend die Prinzipien der DBR im Praxiskontext interpretiert. Vor dem Hintergrund der konkreten Problemstellungen des Fremdsprachenunterrichts und auf der Basis theoretischer Modelle zu Medien- und Lesekompetenz sowie der Lesestrategien für hypertextbasierte Websites wird das interventionsorientierte Vorgehen auf folgende Weise interpretiert: Das praktische Problem im Deutschunterricht an der Hotelfachschule Leysin besteht darin, die Lesekompetenz der Lernenden für Websites aus dem Tourismusbereich zu entwickeln, um auf globaler Ebene, auf Kundenebene sowie auf der Ebene des Informationsmanagements professionell agieren zu können. Diese Frage ist in einen übergeordneten theoretischen Rahmen eingebettet. Als Bezugsgrundlage für die Arbeit dient ein Zusammenspiel theoretischer Ansätze zur Medien- und Lesekompetenz sowie zur Mediendidaktik. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Veränderung der Lesekompetenz im Kontext der Neuen Medien werden mit Erkenntnissen zu Informationsverarbeitung verbunden und im Kontext der Informationsverarbeitung auf Websites in den Fremdsprachenunterricht an einer Hotelfachschule in der Schweiz integriert. Das Modell der Bündelung von Kompetenzen basiert auf der Annahme, dass die ÄVermittlung von Medienkompetenz als Aufgabe des Deutschunterrichts betrachtet (wird), da sich ihre Herausbildung im Zusammenhang mit den sprachlichen Grundtätigkeiten des Lesens, Schreibens, Sprechens und Hörens vollzieht“ (Möbius, 2006, S. 96). Die Anwendung der didaktischen Ansätze im Kontext der Hotelmanagement-Schule ist vom praktischen Nutzen für die Hotelbranche geleitet.

2 Aufstellung des Konzepts

2.1 Aktueller Forschungsstand

Die vorliegende Arbeit ist theoretisch-konzeptionell ausgerichtet. Die eigene Konzeption wird vor dem Hintergrund theoretischer Überlegungen zu Themenbereichen wie Interferenzen zwischen Lese- und Medienkompetenzen sowie dem Einsatz Neuer Medien im Deutschunterricht diskutiert und entwickelt. Die oben genannten Aspekte wurden aus der Literatur zu Neuen Medien und zur Medien- sowie Lesekompetenz herausgearbeitet und zusammengestellt.

Das in der vorliegenden Arbeit vorgestellte Konzept konzentriert sich auf die auf Leseförderung, um eine zielgerichtete Orientierung in digitalen Textangeboten zu erleichtern. Die zielgerichtete Orientierung lässt sich nach dem Konzept der Lesekompetenz als Befähigung zur Informationssuche und -verarbeitung im berufsbezogenen digitalen Umfeld charakterisieren (vgl. Bertschi-Kaufmann/Hollenstein, 2010, S. 6).

2.2 Allgemeine und funktionale Lesekompetenz

Im Kontext der vorliegenden Arbeit, wo Fragestellungen aus den Bereichen der Lese- und der Medienkompetenz aufeinandertreffen, bezieht sich die zielgerichtete Orientierung auf medial unterschiedliche Formen der Informationssicherung, -verarbeitung und -weitergabe. Die Arbeit definiert dabei Lesekompetenz aus der Perspektive der Mediennutzung. Dabei wird auf die Binnen- und die Außenperspektive der Lesekompetenz eingegangen. Als Binnendifferenzierung werden zentrale Dimensionen und Teilkompetenzen der allgemeinen Lesekompetenz bezeichnet. Lesekompetenz ist auch in der modernen Mediengesellschaft von Bedeutung: ÄDie Verbreitung und die Rezeption von Informationen erfolgt weiterhin auf textueller Basis. Diese anhaltende Bedeutung textueller Information und damit einhergehend der Lesekompetenz zeigt sich gerade auch anhand neuerer Entwicklungen“ (Schreier/Rupp, 2009, S. 22). Lesekompetenz ist also Äeine kulturelle Wahrnehmungs- und Verarbeitungsform neben anderen und ist somit innerhalb einer generelleren Medienkompetenz zu verorten“ (ebd., S. 23).

Kompetenzen bezüglich Neuer Medien sind daher nicht als unabhängig von der herkömmlichen Lese- und Schreibkompetenz zu verstehen: ÄLesekompetenz gilt in der aktuellen Medien- und Kommunikationsforschung als integraler Bestandteil oder Basiskompetenz für Medienkompetenz“ (ebd.).

Das Konzept der prototypischen Merkmale von Lesekompetenz nach Hurrelmann fasst die

Aspekte der allgemeinen Lesekompetenz so zusammen: ÄBeim Lesen sind Prozesse auf mindestens fünf Ebenen zu bewältigen und zu verknüpfen, die sich unterteilen lassen in eher automatisierte, hierarchieniedrige Prozesse (Wort- und Satzidentifikation; Verknüpfung von Satzfolgen) und eher strategisch-zielbezogene, hierarchiehöhere Prozesse (globale Kohärenzherstellung; Makrostrukturbildung auf der Basis von Textsortenkenntnis; Erkennen von Darstellungsstrategien im Hinblick auf die Textintention“ (Hurrelmann, 2009, S. 277). Die Lesefertigkeit bezieht sich dabei auf die Ähierarchieniedrigen kognitiven Dimensionen der Wort- und Satzidentifikation sowie der lokalen Kohärenzbildung“ (Schnotz/Dutke, 2004, S. 80).

Lesen ist in der Mediengesellschaft charakterisiert durch eine Verlagerung der Lesekompetenz hin zum Informationslesen sowie durch die Ausbildung neuer Teilkompetenzen (Schreier/Rupp, 2009, S. 268). ÄLesen vor allem im beruflichen Handlungskontext erfolgt primär funktional, um notwendige Informationen zur Bewältigung von beruflichen Aufgaben bzw. beruflichen Problemen zu beschaffen“ (Ziegler et al., 2012, S. 3). Das Schwergewicht der berufsbezogenen Lesekompetenz-Dimensionen liegt auf der Ebene der hierarchiehöheren Dimensionen in Äder globalen Kohärenzbildung, der Bildung von Makrostrukturen sowie der Bildung von mentalen Situationsmodellen“ (Richter/Christmann, 2009, S. 31).

ÄDer Begriff der ,funktionalen Lesekompetenz‘ basiert auf der Annahme, dass Lesen vor allem im beruflichen Handlungskontext primär funktional erfolgt, um notwendige Informationen zur Bewältigung von beruflichen Aufgaben bzw. beruflichen Problemen zu beschaffen“ (Ziegler et al., 2012, S. 3). Diese Definition schließt sich Untersuchungen zu grundlegenden Kompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich an (OECD, 2009). Voraussetzungen für die zielgerichtete Orientierung bei der berufsbezogenen Ausbildung liegen im Bereich der Leseanforderungen auf der Ebene der Informationssuche: ÄEs werden spezifische Informationen gesucht, die aktuell notwendig sind, um eine angestrebte Handlung ausführen zu können“ (Ziegler et al., 2012, S. 3).

2.3 Informationskompetenz als Teil der umfassenden Lesekompetenz

Im Zusammenhang mit der Verbreitung von Informationen wird in der Literatur zunehmend das Zusammenwirken von Lese- und Informationskompetenz thematisiert: In der Mediengesellschaft gehört Äzu einer umfassenden Lesekompetenz die media literacy unbedingt dazu, und umgekehrt baut sich das literale Lernen, welches für den Umgang mit virtuellen Textpräsentationen und mit Hypertextstrukturen notwendig ist, bei der Nutzung von neuen Medien auf, aber nicht nur dort. Es wird im Gegenteil wesentlich gestützt von jenen Erfahrungen und Fertigkeiten, welche man mit gedruckten Texten erworben hat und die sich als Basiskompetenz ,Lesen‘ bei Bildschirmlektüren aktivieren und modifizieren“ (Tulodziecki, 2003, S. 33).

Zum Auftakt soll dem Hauptaspekt der Arbeit, der Informationskompetenz, besondere Beachtung geschenkt werden, wenn das Konzept zur Förderung der Lesekompetenz für eine zielgerichtete Orientierung in medialen Textangeboten der Touristikbranche im Rahmen des berufsbezogenen Deutschunterrichts aufgebaut wird. Hierbei werden die Dimensionen der Informationskompetenz als Teile der Medienkompetenz aufgefasst. Darauf aufbauend wird eruiert, welche Beziehungen zwischen den Grundfertigkeiten des Fremdsprachenlernens, der Lese- und der Informationskompetenz, bestehen.

Informationskompetenz und Medienkompetenz betonen jeweils andere Aspekte und zeigen zugleich Bedeutungsüberschneidungen (Gapski/Tekster, 2009, S. 12). Die beiden gesellschaftlichen Schlüsselkompetenzen Ätragen zum selbstbestimmten Leben, Lernen und Arbeiten in einer informatisierten Umwelt bei und sollten komplementär zueinander, zielgruppenbedarfsgerecht und lebensweltnah gefördert werden“ (ebd., S. 69). Prozessorientiert formuliert, bezeichnet der Begriff der Informationskompetenz Ädie Fähigkeit, bezogen auf ein bestimmtes Problem den Informationsbedarf zu erkennen, die relevanten Informationen zu ermitteln und zu beschaffen sowie gefundene Informationen zu bewerten und effektiv zu nutzen“ (ebd., S. 13). Die Teilkompetenzen der Informationskompetenz knüpfen an die Fähigkeit an, ÄInformationsbedarf zu erkennen, Informationen zu ermitteln, zu bewerten sowie effektiv zu nutzen“ (Lux, 2007, S. 201).

Im nächsten Schritt werden spezifische Leseanforderungen auf der Ebene der Informationssuche entlang von vier Ansatzpunkten zusammengefasst:

1) Ziel spezifizieren (Ägoal formation“): ÄDer Leser muss sich zuerst über das Ziel oder die Absicht seiner Verarbeitungsprozesse bewusst werden“ (Groß, 2000, S. 161)

2) Informationsbedarf erkennen

3) Informationen ermitteln: Informationsselektion sowie -extraktion

1. In der ersten Phase (Äcategory selection“) werden die Informationskategorien aufgestellt, die für das Erreichen des Leseziels relevant sind (Tabellen, Grafiken, spezielle Absätze in einem Text usw.). In dieser Phase wird das Wissen über den strukturellen Aufbau eines Textes hervorgehoben.

2. Informationsextraktion (Äextraction of information“): Hier muss der Leser zwischen relevanten und irrelevanten Informationen unterscheiden.

4) Informationsnutzung: relevante Informationen zusammenfügen und mit dem Leseziel abgleichen

2.4 Veränderung der Lesekompetenz im Kontext der Neuen Medien

Aufgrund der medialen Veränderungen und der daraus resultierenden Funktionsverschiebungen des Lesens Äweiten sich die Funktionsbereiche der Lese- als Teil einer Medienkompetenz (…) aus. Dies betrifft die vermehrte Bedeutung des Medienwissens, der analytisch-kritischen Fähigkeiten sowie produktiv-verarbeitungsbezogener Aspekte“ (Bertschi-Kaufmann/Schneider, 2004, S. 20 f.).

In der vorliegenden Untersuchung zur zielgerichteten Orientierung in multimedialen Textangeboten im Rahmen der berufsbezogenen Sprachförderung an Hotelfachschulen bildet der Begriff der Neuen Medien eine weitere Grundlage der theoretischen Erkundung. ÄDie Neuen Medien bieten veränderte Strukturvorgaben für die kommunikativen Prozesse. Ihre Handhabung verlangt neue Fertigkeiten, welche die ‚alten‘ Kulturtechniken Lesen und Schreiben zu neuen Kulturtechniken machen“ (Leiter-Köhler, 2002, S.180).

Dabei werden unter Neuen Medien Äsolche Medien verstanden, deren Funktionen auf der Digitaltechnik und den mit ihr verbundenen, laufenden Innovationen basieren“ (Bertschi- Kaufmann/Härvelid, 2007, S. 34). Als spezifische Merkmale Neuer Medien gelten Interaktivität, Virtualität, Vernetzung, Multimedialität und Nichtlinearität (ebd.). Die angesprochenen nichtlinearen, interaktiven Textstrukturen sowie die multimedialen Vermittlungen werden unter dem Begriff ÄHypertext-Prinzip“ zusammengeführt: ÄDas Prinzip der Hypertextualität bezieht sich auf die Teilung des Informationsangebots in verschiedene Bestandteile oder Segmente, die über Querverbindungen vernetzt und dem Nutzer so in beliebiger Reihenfolge zugänglich gemacht werden. Oftmals wird Hypertext auch mit dem Datenbankkonzept in Verbindung gebracht“ (Gawronsky, 2002, S. 22). Textangebote in Neuen Medien sind nach dem Prinzip der Kontextualität aufgebaut: ÄDurch das Verlinken von Text-, Ton- und/oder Bildsequenzen entsteht eine Textstruktur, die als Hypertext bezeichnet wird“ (Meschenmoser, 2002, S. 85).

Neue Medien entwickeln neue, hypertextorientierte Formen, in denen sich Änicht nur schriftliche Texte, sondern ursprünglich unterschiedliche Medialitäten integrieren und inhaltlich aufeinander beziehen lassen“ (Schlickau, 2009, S. 129). Eine hypertextorientierte Seitenaufteilung umfasst verschiedene Gestaltungselemente: ÄNeben durch Links gegliederten, nichtlinearen Texten bieten Bilder, Tabellen oder Grafiken weitere Verzweigungen an. Hypertextorientierte Seitenstrukturen sind multimodal und enthalten Hyperlinks, die den linearen Lesefluss durch das gleichzeitige Verarbeiten verschiedener oben genannter Medien (Schrift, Bild und Ton) unterbrechen und ein Navigieren in unterschiedliche Richtungen ermöglichen“ (Schlickau, 2009, S. 133). Das Prinzip der Hypertextualität strukturiert den Text in verlinkte Textbausteine. Dies ermöglicht das Springen des Lesers zwischen den Websites. Die hypertextorientierte Form verleitet nicht nur zum Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Ebenen, sie animiert auch zum schnelleren Lesen und macht daher punktuell-hierarchisches Lesen notwendig. Um zu einem Textverständnis in hypertextorientierten Formen zu gelangen, ist globale Kohärenzbildung nötig. ÄDarunter versteht man die Integration einzelner gelesener Sätze und Phrasen eines Textes zu einem inhaltlichen Gesamtverständnis, das sich in das eigene Weltwissen einfügt bzw. dieses erweitert. Sie macht das Lesen zur kontinuierlichen Verständnisarbeit, die die Leserin oder der Leser während des Lesevorgangs alleinig leistet“ (Günther, 2015, S. 2).

Im simultanen Erfassen von Informationen über touristische Angebote liegt die Herausforderung für eine Lesekompetenz, die mittels Printmedien erlernt wurde. Neue Unterrichtsinhalte können das schnelle und selbstständige Bewerten von Gelesenem fördern, um relevante Informationen herauszufinden. Durch die Hypertextstruktur lassen sich etwa Links, Kundenkommentare und Ähnliches in Websites einfügen. Punktuelles Lesen von Hyperlinktexten wird zu sprunghaftem, unterbrochenem Lesen. Die Textstruktur wird dabei aufgebrochen, der Text wird nur in Teilen gelesen. Aus den Sinnzusammenhängen werden zu lesende Inhalte gezielt ausgewählt.

Ein bewusster Umgang mit Hypertextstrukturen folgt einem eigenständigen Navigierungspfad: ÄDas Lesen im Web hat sich geändert. In erster Linie umfasst das bei einer Website den ganzen operativen Kontext, in den der eigentliche Text eingebettet ist und der den Text in eine übergeordnete Kohärenz einordnet, wie Navigationsleisten, Linksystem, Seitenarchitektur, Textsortenmarkierung, Farbgebung, multimediale Ergänzungen etc.“ (Antos/Hasler/Perrin, 2011, S. 641).

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Details

Seiten
77
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668309395
ISBN (Buch)
9783668309401
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v333737
Note
2
Schlagworte
förderung lesekompetenz textangeboten tourismusbranche sprachcurriculums schweizer hotel management schools

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Titel: Förderung der Lesekompetenz in multimedialen Textangeboten der Tourismusbranche. Das Sprachcurriculum der Schweizer Hotel Management Schools