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Interpretation des Briefes „Am 12. Dezember“ aus „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe

Referat / Aufsatz (Schule) 2015 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Interpretation des Briefes „Am 12. Dezember“ aus„Die Leiden des jungen Werther“von Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goetheverarbeitet in seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“, einzuordnen in die Epoche des Sturm und Drang, seine gescheiterte Liebesbeziehung zu Charlotte. Sie ist die Tochter des Amtsmannes Adam Buff, welche er bei seiner juristischen Ausbildung im Reichskammergericht Wetzlar kennenlernt. Ihre Liebe ist hoffnungslos, da Charlotte mit dem Gesandtschaftssekretär aus Hannover verlobt ist. Goethes Roman handelt von dem jungen Rechtspraktikanten Werther, der bis zum eigenen Freitod seinem Freund Wilhelm in Briefen über seine unglückliche Liebe zu Lotte in dem kleinen Ort Walheim berichtet. Im Zeitraum vom 4.5.1771bis zum 24.12.1772 wird immer deutlicher, dass Werther scheitert, da Lotte mit Albert verlobt ist und ihn später heiratet.Auch Werthers Ende hat einen autobiographischen Hintergrund, so wird hier der Suizid von Goethes Freund Carl Wilhelm Jerusalem aus Leipziger Studententagen mit einbezogen.

Im zu analysierenden Brief vom 12. Dezember werden Werthers Stimmungsschwankungen anhand der Unbeständigkeit und zerstörerischen Kraft der Natur beschrieben bzw. verglichen. In der Nacht begibt er sich nach draußen und sieht von einem Felsen aus, wie durch das einsetzende Tauwett er die Wassermassen das ganze Tal überschwemmen. Er will sich vor Sehnsucht in die Fluten stürzen, kann sich aber noch nicht dazu entschließen. Werther hatte aufgrund seiner aussichtslosen Liebe zu Lotte Walheim verlassen, um eine Stelle bei Hofe anzutreten. Aber er hielt die bedrückende Enge der adeligen Überheblichkeit dort nicht aus und kehrte schließlich zurück, Lotte hat Albert inzwischen geheiratet. Hier lässt sich der Brief vom 12. Dezember in den Briefroman einordnen. Später wird Werther sich die Pistolen von Albert ausleihen und sich das Leben nehmen.

Man kann diesen Brief in drei Teile untergliedern. Der erste Teil beginnt zunächst mit einer kurzen Einleitung, „es ist ein inneres, unbekanntes Toben, das meine Brust zu zerreißen droht, das mir die Gurgel zupresst“. Er kennt dieses Gefühl nicht, kann es nicht in Worte fassen, was auch die Alliteration „nicht Angst, nicht Begier“veranschaulicht. Die sich wiederholenden Schmerzlaute „wehe! wehe!“weisen noch einmal verstärkt auf das innere Leiden von Werther hin. Werther versucht in der Natur Freiheit zu finden, doch diese bildet durch ihre „furchtbaren nächtlichen Szenen“eine „menschenfeindliche Jahreszeit“und zeigt sich somit schließlich auch als Spiegel seiner Seele. Der Winter als kalte, öde und trostlose Jahreszeit kann am besten Werthers fortschreitende Zerrüttung und Selbstzerstörung reflektieren. So verändern sich also das Bild der Natur und ihre Bedeutung synchron zu seiner seelischen Verfassung.

Im ersten Teil taucht wiederholt das Nachtmotiv auf; Werther schweift„umher in dennächtlichen Szenen“,„nachts nach eilfe rannte ich hinaus“oder „in dem Mondlichte“und „wenn dann der Mond wieder hervortrat und über der schwarzen Wolke ruhte“ Z. 17-18). Die Nacht symbolisiert die Dunkelheit bzw. Finsternis, also die hoffnungslose Situation, in der sich der Handlungsträger befindet und beschreibt dessen dunkle, düstere und unangenehme Gedanken, die ihm den Schlaf rauben. Werthers „inneres, unbekanntes Toben“wird durch die lautmalerische Beschreibung der zerstörerischen Kraft der Natur versucht in Worte zu fassen, z.B. durch „fürchterliches Schauspiel“, „wühlende Fluten wirbeln“, „das weite Tal hinauf und hinab“und „stürmende See im Sausen des Windes!“ . Durch die Verwendung des Ausrufezeichens soll die Wirkung dieser Analyse noch einmal bestärkt werden. Die Gemütslage von Werther kann dennoch nicht eindeutig definiert werden, denn sie umfasst nicht nur die eine finstere, schwarze und hoffnungslose Seite, durch die „Schwarze Wolke“verbildlicht, da sind auch andere Empfindungen, z.B. „wenn der Mond wieder hervortrat und über der schwarzen Wolke ruhte“ .Durch die Personifikation der Flut in „die Flutrollte und klang“, welche zusätzlich mit der Antithese bzw.„in fürchterlich herrlichen Widerschein“verbunden wird, kann man die ganze Hilflosigkeit Werthers erkennen. Wieder überfällt ihn ein Gefühl „ein Schauer und wieder ein Sehnen“, das er nicht einordnen kann, weil es ihm unbekannt ist. Zum einen empfindet er die Kraft der Natur als etwas Schönes, zum anderen ist er erschüttert über den Anblick der im Mondlicht spiegelnden Flut. Aus diesen Stimmungsschwankungen des ersten Teils aus vom 12. Dezember wird klar, dass sich jetzt dem Leser unausweichlich die Frage stellt, ob und wie Werther sich aus dieser Lage befreien kann.

Zunächst wird im zweiten Teil des Briefes eine mögliche Antwort gegeben, nämlich „mit offenen Armen stand ich gegen den Abgrund und atmete hinab! hinab!“ . Werther spielt mit dem Gedanken sich das Leben zu nehmen, die Anapher „hinab!“mit Ausrufezeichen weist darauf hin, dass es sich möglicherweise schon um einen endgültigen Entschluss handelt. Das darauffolgende Zitat „und verlor mich in der Wonne, meine Qualen, mein Leiden da hinabzustürzen“mit der Akkumulation „meine Qualen, meine Leiden“ und der Wiederholung von „hinab“ dient zur Bestätigung. doch trotz seiner Todessehnsucht kann der Protagonist sich noch nicht dazu entschließen „den Fuß vom Boden zu hebenund alle Qualen zu enden!“. Diese Parenthese wird durch den kurzen innehaltenden Ausruf „Oh!“eingeleitet. Werthers Unentschlossenheit verdeutlicht auch die Sentenz „meine Uhr ist noch nicht ausgelaufen“ . Vor seinem Freund Wilhelm, „ich fühl es! oh Wilhelm!“versucht er sich zu rechtfertigen, indem er meint, dass er gern sein „Menschsein drum gegeben, mit jenem die Sturmwinde die Wolken zu zerreißen, die Fluten zu fassen!“ . Er denkt, dass ihm diese „Wonne“vielleicht einmal zuteilwird, wenn er sich sein Leben nimmt, weil er es zu Lebzeiten nicht vermocht hat sich aus seinem Gefängnis, „dem Eingekerkerten“, zu befreien. Auch die Häufung von Ausrufezeichen im zweiten Teil des Briefes bestätigen das; sie stellen Werthers innere Stimme dar, die ihm immer zuflüstert „mach es, mach es!“, nur ein kleiner Teil seines Verstandes zögert noch. Für den Leser heißt das, es besteht keinerlei Hoffnung für Werther, nur die Zeitfrage und das „Wie?“ bleibt noch bestehen.

Der dritte Teil des Briefes, der Schlussteil, beinhaltet zunächst einen kurzen Lichtstrahl in Werthers Gedanken, eine Erinnerung an Lotte, und endet mit der anschließenden Ernüchterung, einer völligen inneren Leere.Der Protagonist sieht „wehmütigauf ein Plätzchen“hinab, wo er „mit Lotten unter einer Weide geruht, auf einem heißen Spaziergange“ . Dieser kurze schöne Gedanke wird mit der Verwendung der Vermenschlichung des Wortes „Platz“ und der folgenden Inversion versucht festzuhalten. Doch die Parenthese „das war auch überschwemmt und kaum dass ich die Weide erkannte!“, zerstört sofort Werthers Illusionen. Der Ausruf „Wilhelm!“, sein Entsetzen über die Zerstörung „ihrer Wiesen, die Gegend um ihr Jagdhaus!“und „wie verstört jetzt vom reißenden Strome unsere Laube!“symbolisiert dass Lotte Werther entrissen wird, was das endgültige Aus der Liebe bedeutet. Im Folgenden wird dieser hereinblickende „Vergangenheit Sonnenstrahl“in Form einer Metapher verglichen mitdem „Traumvon Herden, Wiesen und Ehrenämtern!“. Wieder taucht der Vergleich des Gefängnisses auf, indem Werther sich seelisch befindet. Nur durch den Tod kann er diesem entfliehen, „ich schelte mich nicht, denn ich habe Mut zu sterben.“ . an den Parenthesen „Ich stand!“, „ich schelte mich nicht “und „Ich hätte“mit der dreimaligen Wiederholung von „ich“, was eine Anapher darstellt, wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Werther jetzt wirklich allein ist, es gibt kein „zu zweit“ mehr. Mit er Akkumulation „meine Qualen, meine Leiden“ und der Wiederholung von „hinab“. Dann kommt der von den vorhergehenden Parenthesen abgetrennte letzte Satz, der die absolute Ernüchterung und Selbstaufgabe Werthers zusammenfasst. Der Hauptprotagonist wirdmit einer alten Frau verglichen, „nun sitze ich hier wie ein altes Weib“und bekommt zusätzlich auch charakterisierende Eigenschaften von dieser zugeordnet, z.B. „ ihr Holz von Zäunen und ihr Brot an den Türen“. Dabei soll die mehrfache Verwendung von Hyperbeln, was in „um ihr hinsterbendes, freudeloses Dasein noch einen Augenblick zu verlängern und zu erleichtern“, noch fortgeführt wird, letztendlich aussagen, dass sich Werther durch das permanente hin und her seiner Gemütslage um Jahre gealtert fühlt. Sein Leben ist ihm nichts mehr wert; er will es beenden, beschrieben wird nur noch einmal das kurze Innehalten vor dem Tod.

Der gesamte Brief vom 12. Dezember beleuchtet die unerfüllte Liebe von Werther zu Luise, die Albert versprochen ist. Die materielle, zweckorientierte adelige Gesellschaft weist den Bürgersohn in seine sozialen, aber auch eigenen überzogenen Schranken. Werther sieht ein, dass sich Ideal und Wirklichkeit nicht vereinbarenlassen, selbst seiner Seelenverwandtschaft zu Lotte sind gesellschaftliche Grenzen gesetzt. Aus dieser Beurteilung spricht auch deutlich die Thematik der Literaturepoche des Sturm und Drang, die kritische Betrachtung der Gesellschaft. Man will sich nicht an vorgegebene Regeln halten, es gilt die Selbstverwirklichung des Individualismus. Dazu gehören jedoch nicht nur Verstand und Vernunft, auch Herz, Gefühle und Natürlichkeit zählen dazu. Jegliche Empfindungen werden ausschweifend anhand von Naturereignissen beschrieben und erklärt. Die Natur gilt als Spiegel der Seele. Auch Johann W. von Goethe nutzt diese Merkmale in seinem Briefroman „Die Leiden des Werther“, so verändert sich Werthers Seelenzustand gleichzeitig mit der Darstellung der Natur und deren Bedeutung. Im zu analysierenden Brief wird die zerstörerische Kraft hervorgehoben, Werthers Entschluss zum Selbstmord festigt sich, allein der Zeitpunkt und die Art ist noch unschlüssig.

Textquelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-leiden-des-jungen-werther-3636/2

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Details

Seiten
4
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668272491
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v333953
Note
15
Schlagworte
interpretation briefes dezember leiden werther johann wolfgang goethe

Autor

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Titel: Interpretation des Briefes „Am 12. Dezember“ aus „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe