Lade Inhalt...

Die Herausforderung 'Heterogenität' für die Schule. Aufgaben und Funktionen im gesellschaftlichen Sinne

Thesenpapier

Prüfungsvorbereitung 2014 10 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Fakultät Kulturwissenschaften

Institut für Erziehungswissenschaften Prüfung im Modul B

Thema: Die Herausforderung 'Heterogenität' für Schule hinsichtlich ihrer Aufgaben und Funktionen im gesellschaftlichen Sinne

„Wie hast Du dies anzufangen bei einem Haufen Kinder, deren Anlagen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Neigungen, Bestimmungen verschieden sind, die aber doch in einer und eben derselben Stunde von Dir erzogen werden sollen?“ (Ernst Christian Trapp, Versuch einer Pädagogik (1780) zitiert nach Trautmann & Wischer 2011, S.7).

Der Begriff Heterogenität ist ein relatives, soziales Konstrukt. Hinsichtlich einer Begriffsannäherung ist es die psychologische Lehr-Lern-Forschung sowie eine sozial- und erkenntniskritische Perspektive, die eine thematische Annäherung über bedeutsame Dimensionen von Heterogenität erlaubt.

Trautmann/ Wischer: Heterogenität in der Schule. Eine kritische Einführung. Wiesbaden, 37-62.

Schule nimmt (heute) neben Familie und Peergroup eine bedeutende Rolle als Sozialisationinstanz der Heranwachsenden ein. In diesem Zusammenhang lassen sich struktur-funktionale (Parson) und interaktionistische (Mead) Theorieelemente anführen, um einleitend die Wirkung von Schule auf ihr Klientel näher zu bestimmen, als stetiges Austarieren von gesellschaftlichen und individuellen herangetragenen Zielvorstellungen einer Entwicklung.

Herzog, W. (2009): Schule und Schulklasse als soziale Systeme in Becker, R.: Lehrbuch der Bildungssoziologie. Wiesbaden, 155-194.

Der Umgang mit Heterogenität der zu beschulenden Schülerschaft wird (seit langem) kontrovers diskutiert. Dabei droht eine einfache Unterscheidung zwischen „innerer“ und (oftmals negativ behafteter) „äußerer“ Differenzierung zu kurz zu greifen. Als Abhilfe kann dabei das Mehrebenenmodell von Fend dienlich sein, innerhalb der Makro-, Meso- und Mikroebene von Schule Gestaltungsspielräume im Umgang mit Heterogenität (eben differenzierter) auszuloten.

Trautmann/ Wischer: Heterogenität in der Schule. Eine kritische Einführung. Wiesbaden.

Entsprechend ergibt sich auf der Marko-Ebene von Schule: Als Fluchtpunkt der Reflexion im pädagogisch-normativen Reformdiskurs fungiert pointiert gesprochen immer wieder das „Wohl des einzelnen Kindes“ als ein (durchaus notwendiger) emotional-moralischer Appell (vgl. Pädagogik der Vielfalt nach

Prengel), Schule als „Einrichtung zur Verwirklichung von Individualität“ zu verstehen, die sich entsprechend anzupassen hat.

Eine solche einseitige Betrachtung läuft dabei zunehmend Gefahr, etwaige Rahmenbedingungen von Schule innerhalb eines (unaufhebbaren) gesellschaftlichen Funktionszusammenhangs zu übersehen, durch die der Handlungsspielraum von Schule rückwirkend maßgeblich mitbestimmt wird.

Entgegen einer eindimensionalen Betrachtung betonen die schultheoretischen Ausführungen von Fend (2006), Schule gleichermaßen als eine gesellschaftliche und eine pädagogische Institution zu verstehen und dahingehend die Möglichkeiten im Umgang mit Heterogenität als ein Resultat von Abwägungsprozessen zu reflektieren (so ließen sich an dieser Stelle die Bedeutung der Selektionsproblematik und etwaige Alternativen diskutieren).

Entsprechend auf der Mikro-Ebene von Schule: Der Reformdiskurs droht an dieser Stelle seine eigene Handlungsfähigkeit zu überschätzen und seine Beziehung zur ausführenden Praxis der handelnden Lehrpersonen überzustrapazieren.

Entsprechend auf der Meso-Ebene von Schule: Auch an dieser Stelle droht das normative Potential des pädagogischen Begriffs der „individuellen Förderung“ eine kritische Auseinandersetzung zu bremsen, gleichwohl auch an dieser Stelle das Problem konkurrierender Referenzen für Förderung einhergeht.

Literatur

Bovet, G. / Huwediek, V. (2014): Leitfaden Schulpraxis. Pädagogik und Psychologie für den Lehrerberuf, 536-596.

Dörpinghaus, A. / Uphoff, I.K. (2014): Grundbegriffe der Pädagogik. Darmstadt.

Gerstner, H-P. / Wetz, M. (2008): Einführung in die Theorie der Schule. Darmstadt, 70-106.

Grundmann, M. (2009): Sozialisation - Erziehung - Bildung: Eine kritische Begriffsbestimmung in Becker, R.: Lehrbuch der Bildungssoziologie. Wiesbaden, 61-84.

Herzog, W. (2009): Schule und Schulklasse als soziale Systeme in Becker, R.: Lehrbuch der Bildungssoziologie. Wiesbaden, 155-194.

Scharenberg, K. (2013): Heterogenität in der Schule. Definitionen, Forschungsbefunde, Konzeptionen und Perspektiven für die empirische Bildungsforschung in Bos, W. / Gebauer, M.M. / Holthappels, H.G. / McElvany, N.: Jahrbuch der Schulentwicklung Band 17. Daten, Beispiele und Perspektiven. Weinheim und Basel, 10-49.

Trautmann, M. / Wischer, B. (2011): Heterogenität in der Schule. Eine kritische Einführung. Wiesbaden.

Ausarbeitung zu den Thesen:

Thema: Die Herausforderung 'Heterogenität' für Schule hinsichtlich ihrer Aufgaben und Funktionen als Sozialisationsinstanz im gesellschaftlichen Sinne

„Wie hast Du dies anzufangen bei einem Haufen Kinder, deren Anlagen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Neigungen, Bestimmungen verschieden sind, die aber doch in einer und eben derselben Stunde von Dir erzogen werden sollen?“ (Ernst Christian Trapp, Versuch einer Pädagogik (1780) zitiert nach Trautmann & Wischer 2011, S.7).

Einleitung:

Integrative Pädagogik: gemeinsame Erziehung und Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung (vom Kind aus gedacht, kritisiert Selektion, Abkehr von „Behinderung als Eigenschaft des Individuums“)

Interkulturelle Pädagogik: fordern Gleichheit ungeachtet der Herkunft: Heben Gruppenzugehörigkeit als prägendes Merkmal der Identitätsentwicklung hervor >> Distanzieren sich beide von einem defizitären Blick auf das behinderte Kind/Kinder der Migranten (Ausländerpädagogik)

- Der Umgang mit Heterogenität ist aus historischer Perspektive ein „schulpädagogischer Dauerbrenner“ (Wischer) mit konjunkturellen Schwankungen (hohe Konjunktur in der Reformpädagogik Anfang des letzten Jahrhunderts, zweite Hochphase in den 1960/1970 im Kontext der Bildungsreform/Gesamtschuldebatte, nach 1970 ausgelagert in andere disziplinäre Kontexte: interkulturelle Pädagogik (Geschlechterforschung), Integrationspädagogik)
- Heterogenität als Querschnittsthema diverser Teildisziplinen (allgemeine Didaktik, empirische Bildungsforschung, Schultheorie, Lehr-Lern-Forschung, Gerechtigkeitsdebatten, … )
- Thema mit zweifachem Fokus:
- a) Organisatorisch: Wie kann schulisches Lernen organisiert werden
- b) Normativ: Welche Aufgaben hat Schule - Welchen Wert hat der Umgang mit Unterschieden in der Gesellschaft (als Grundsatzfrage der Anerkennung von Verschiedenheit/Gleichheit)?
- Heterogenität als ein schultheoretisches Problem: Möchte man handlungsorientiert den Umgang mit Heterogenität „verbessern“ setzt dies ein Wissen über die „Grammatik“ von Bildungssystemen voraus
- Schule erfüllt pädagogische und außerpädagogische Funktionen: Schule lässt sich nicht ausschließlich als 'pädagogische' Einrichtung denken. Sie muss gleichzeitig auch als eine gesellschaftliche Institution rekonstruiert werden.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668241909
ISBN (Buch)
9783668241916
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334073
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Erziehungswissenschaften
Note
Schlagworte
Heterogenität Thesenpapier

Autor

Zurück

Titel: Die Herausforderung 'Heterogenität' für die Schule. Aufgaben und Funktionen im gesellschaftlichen Sinne