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Achtsamkeit in der Wirtschaft. Eine kritische Betrachtung des Konzepts

Hausarbeit 2014 9 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Achtsamkeit – eine Begriffsdefinition

2. Achtsamkeit in der Wirtschaft
2.1 Wirtschaftsethik im Wandel
2.2 Achtsamkeit im Berufsleben

3. Achtsamkeit und Tiefenpsychologie

4. Annäherung der akademischen Wissenschaft an die Achtsamkeit

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Achtsamkeit – eine Begriffsdefinition

In den letzten Jahren hat der Begriff Achtsamkeit immer mehr an Popularität gewonnen. Ursprünglich aus dem Buddhismus stammend, beschreibt Achtsamkeit das Gewahrsein, welches durch die absichtliche Aufmerksamkeit des gegenwärtigen Moment in Erscheinung tritt – ohne Wertung der Erfahrung, die sich von Moment zu Moment entfaltet (Vgl. Kabat-Zinn u. a. 2001:143).

Achtsamkeit kann als die Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment, auf die momentane Erfahrung mittels bewussten Beobachtens verstanden werden. Das Beobachten erfolgt ohne Wertung, unvoreingenommen, offen und akzeptierend. Essenziell für Achtsamkeit ist die Bewusstheit über den Prozess des Beobachtens(Vgl. Hansch 2014:80 ff.).

Diese Aufmerksamkeit kann man auf den eigenen Körper, auf Psyche und Physis, richten, um die Lebensbalance sinnvoll zu gestalten und die persönlichen Bedürfnisse in ausgeglichenem Maße zu befriedigen. Ebenso kann sie auf andere Menschen und die zu treffenden Entscheidungen gelenkt werden. Globaler betrachtet kann Aufmerksamkeit auf die Umwelt, die Erhaltung und Nutzung der natürlichen Ressourcen und den Klimaschutz gerichtet werden.

Nicht auf die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit, die Aufmerksamkeit wird auf den gegenwärtigen Moment ausgerichtet. Je stärker man sich auf die Zeit konzentriert (auf Vergangenheit und Zukunft) umso mehr entgeht einem das Jetzt – das Kostbarste, was es gibt (Vgl. Tolle 2002:32). Die achtsame Zuwendung zum gegenwärtigen Zeitpunkt und das nicht bewertende Beobachten sind für die Praxis der Achtsamkeit notwendig. Achtsamkeit setzt eine offene Geisteshaltung und eine gleichmütige Akzeptanz voraus. Nachfolgend wird auf die besonderen Aspekte der Achtsamkeit in der Wirtschaft eingegangen.

2. Achtsamkeit in der Wirtschaft

Das Erlangen von Eigentum, Prestige und Macht gilt nicht nur auf individueller Ebene vielfach als Lebensziel, auch für die Gesellschaft insgesamt ist das Streben nach Gewinn und Wachstum ein Antrieb (Vgl. Folkers 2003:112 f.). Durch den Drang zu stetiger persönlicher Bereicherung ist eine Gesellschaftsordnung entstanden, die auf größtmögliche Gewinnmaximierung ausgelegt ist. Doch dieser Trend wird auf den Schultern sowohl von Umwelt als auch von Arbeitnehmern in Drittweltländern ausgelebt, welche für die Konsumgesellschaft der ersten Welt ausgebeutet werden.

Vielfach definieren sich Menschen derzeit über das neueste Mobiltelefon, Auto oder modische Kleidung, die Herstellungsweise ist hierbei zweitrangig und wird (so sie überhaupt bekannt ist) hintangestellt. Die Ausbeutung der Natur hinsichtlich der Ressourcenverknappung und Umweltverschmutzung sind zu beklagen, welche durch den gewinnoptimierten Herstellungsprozess stark ausgeprägt auftritt. Hier sind in zunehmendem Maße die Unternehmen gefordert, einen Paradigmenwechsel hinsichtlich schonender Ressourcennutzung und nachhaltiger Marktwirtschaft einzuleiten.

Die Corporate Social Responsibility (CSR) ist derzeit ein oft verwendetes Schlagwort, lässt sich über sie doch marketingwirksam berichten (Vgl. Dillerup & Stoi 2013:76f.). Jedoch sollten auf die guten Ansätze auch Taten folgen, um eine nachhaltige Wertschöpfung zu betreiben. Die Achtsamkeit der Wirtschaft wird hier in den kommenden Jahren stark gefordert, um die Umwelt für die kommenden Generationen zu erhalten und ein wirtschaftliches Gleichgewicht herzustellen. Hierfür wird auch der ethische Gesichtspunkt, der Orientierung bietet, stärker in den Fokus gerückt.

2.1 Wirtschaftsethik im Wandel

Achtsamkeit in Unternehmen lässt sich durch ethisch orientierte Unternehmensführung darstellen. Immer mehr große Firmen legen einen Wertekodex (Code of Conduct) fest, in dem die Unternehmenswerte fixiert sind. Hierin werden nicht nur die Grundsätze menschlichen Handelns (wie Verantwortung des Einzelnen und der Gruppe sowie Diversitymanangement) festgelegt, sondern auch die ökologische Verantwortung und die Beziehungen zu Share- und Stakeholdern formuliert. Dieser Ethikkodex muss von der Unternehmensführung jedoch auch gelebt werden, um die in der Organisationskultur des Unternehmens verankerten Werte effektiv zu verändern (Vgl. Nerdinger u. a. 2014:150 f.).

Nachhaltige Unternehmensführung mag sich für ein Unternehmen nicht sofort ökonomisch rentabel gestalten, längerfristig wird jedoch bei weiterer Verknappung der Ressourcen das Interesse der Allgemeinheit an sozial verträglich produzierten Gütern zunehmen. Auch bezüglich der Mitarbeiterführung im Unternehmen zeichnet sich, nicht zuletzt durch die zunehmende Aufgabenverdichtung, ein Umdenken ab.

2.2 Achtsamkeit im Berufsleben

Hinsichtlich der Work-Life-Balance der Arbeitnehmer deutet sich in den letzten Jahren ein Wertewandel an. Auch bedingt durch die teilweise sehr hohen Arbeitsbelastungen und zunehmenden Ansprüche an fachlich/methodische Kompetenzen gepaart mit Personalreduktionen und Budgetkürzungen (Vgl. Spreiter 2013:25 f.). Steigende Burnout- Gefährdung führt in vielen Unternehmen, nicht zuletzt auch in Bezug auf die seit dem Jahr 2000 verdoppelten volkswirtschaftlichen Kosten durch psychische Erkrankungen, zu einem Umdenken. Zwischen 2004 – 2011 hat sich der Anteil der Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen Burnout verachtfacht (Vgl. Spreiter 2013:15 f.). Die Rentenversicherung beklagt ebenfalls die ansteigende Zahl der psychischen Störungen als Ursache für Erwerbsminderungsrenten (Vgl. Hansch 2014:17).

Dieser Umstand lenkt den Blick auf die zumutbare Belastung der Arbeitnehmer. Zunehmend wird in Unternehmen darauf geachtet, dass Arbeit im Einklang mit ethischen Grundsätzen steht. Durch vermehrte Achtsamkeit wird die Wirkung der eigenen Taten klarer. Unter den förderlichen Geisteszuständen in der Arbeit ist laut Kai Romhardt Achtsamkeit der „königliche Geisteszustand“. Die positiven Effekte der hohen Präsenz in der Gegenwart sind unter anderem der sensiblere Umgang mit dem Gegenüber in Gesprächen (tiefes Zuhören), Mitgefühl als Grundhaltung für die Herausforderungen des Lebens und Freude am Tun (Vgl. Romhardt 2009:42ff.). Durch achtsame Ausführung, konzentriert und mitfühlend, kann sich nach seiner Meinung die Einstellung zur Arbeit des einzelnen radikal verändern. Die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung, der Geisteshaltung im Arbeitsalltag und den Arbeitsstrukturen führt zu tiefen Einsichten, die sich weitreichend auf die Art zu wirtschaften auswirken können.

3. Achtsamkeit und Tiefenpsychologie

Einer der ersten Therapeuten, die sich mit dem „dunklen Bereich in uns“ (dem Schatten) befasste, war C. G. Jung. „Der Schatten ist alles das, was du auch bist, aber auf keinen Fall sein willst“ (Stein 2000:136). Die unterdrückten Anteile unserer Persönlichkeit, die Projektionen auf Personen oder Objekte oder die extreme Ablehnung von Verhaltensweisen anderer Menschen weisen immer auf eigene Schattenanteile hin. Der Schatten, welcher gleichzeitig mit dem Individuum wächst, setzt sich aus den teils verdrängten, wenig oder nicht gelebten psychischen Zügen des Menschen zusammen oder erscheint in der Projektion als Eigenschaften der Person, zu denen entweder eine positive oder negative Bindung besteht.

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Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668242722
ISBN (Buch)
9783668242739
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334351
Institution / Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung – Zentrum für Management im Gesundheitswesen
Note
1,0
Schlagworte
Achtsamkeit in der Wirtschaft Wirtschaftsethik Achtsamkeit im Beruf Achtsamkeit Paradigmenwandel Nachhaltigkeit der Wirtschaft CSR

Autor

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