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Pädagogische Anerkennungsverhältnisse. Anerkennendes Verhalten von Lehrenden

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Anerkennung
2.1 Allgemeine Einführung zum Thema der Anerkennung
2.2 Anerkennung nach Honneth
2.2.1 Anerkennungsform der Liebe
2.2.2 Anerkennungsform des Rechts
2.2.3 Anerkennungsform der Solidarität

3. Pädagogische Anerkennungsverhältnisse

4. Pädagogische Anerkennung in der Schule
4.1 Anerkennendes Verhalten von Lehrenden
4.2 Beispiel für die Gestaltung pädagogischer Beziehungen im Sinne von pädagogischer Anerkennung

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Mensch gilt als ein soziales Wesen, das auf eine gesellschaftliche Lebensweise hin angelegt ist und von Geburt an auf Mitmenschen und soziale Beziehungen angewiesen ist (Hobmair, Altenthan, Betscher-Ott 2002, 43). Ohne sozialen Kontakt und liebevolle Beziehungen könnten Menschen nicht existieren, da erst durch Anerkennung bzw. dem Gefühl des Angenommen-Seins ein Verhältnis zu sich und zur Welt entwickelt wird (Schäfer, Thompson 2010, 7).

Der Begriff der Anerkennung wird im wissenschaftlichen Diskurs als Bestätigung und Stiftung diskutiert und wird in Verbindung mit einem positiven Werturteil gesehen (Balzer, Ricken 2010, 42).

Anerkennung ist auch im Kontext der Schule bedeutungsvoll und gilt generell als „moralisches Prinzip pädagogischen Handelns wie als moralische Verpflichtung pädagogisch Tätiger.“ (Balzer, Ricken 2010, 52) Somit ist es auch Aufgabe von Lehrkräften anerkennend ihren Schülerinnen und Schülern entgegenzutreten.

Aufgrund dieses Hintergrunds ergeben sich folgende Fragen, zu denen die vorliegende Arbeit versucht Antworten zu finden:

„Was ist unter pädagogischen Anerkennungsverhältnissen zu verstehen? Inwiefern können Lehrerinnen und Lehrer dazu beitragen, pädagogische Beziehungen zu Schülerinnen und Schülern im Sinne von pädagogischer Anerkennung zu gestalten?“

Anhand von Recherche in Fachliteratur und Literaturvergleichen wird versucht diese Fragen zu klären. Zunächst wird versucht den Begriff der Anerkennung näher zu bestimmen und die Untersuchungen von René Spitz genauer darzulegen. Danach wird auf Honneths Anerkennungsdenken näher eingegangen. Dann werden wesentliche Merkmale von pädagogischen Anerkennungsverhältnissen skizziert. Zudem versucht die folgende Seminararbeit pädagogische Anerkennung in der Schule und charakteristische Eigenschaften eines anerkennenden Verhaltens von Lehrenden aufzuzeigen. Um sich dieses in der konkreten Schulsituation vorstellen zu können wird ein Beispiel für die Veranschaulichung aus Prengels Werk „Pädagogische Beziehungen zwischen Anerkennung, Verletzung und Ambivalenz“ (2013, 115) angeführt.

2. Anerkennung

2.1 Allgemeine Einführung zum Thema der Anerkennung

Zuerst wird in diesem Abschnitt die alltagssprachliche Verwendungsweise des Begriffs der Anerkennung erläutert, da sich so manche Aspekte der alltagsweltlichen Begriffsfassung auch im wissenschaftlichen Diskurs wiederfinden (Balzer, Ricken 2010, 42). Danach wird näher auf die Verwendungsweise des Begriffs der Anerkennung im Wissenschaftsdiskurs eingegangen und die Untersuchungen von René Spitz zu Entwicklungsprozessen von Heimkindern werden erläutert, um die Bedeutung der Anerkennung für den Menschen aufzuzeigen.

Balzer und Ricken (2010, 39) erwähnen, dass der Begriff der Anerkennung prinzipiell sehr facettenreich ist und aufgrund der unterschiedlichen Deutungen und Besetzungen kann nicht einfach vorausgesetzt werden, was unter Anerkennung zu verstehen ist.

Alltagssprachlich wird Anerkennung als Bestätigung und Bekräftigung von jemandem oder etwas gebraucht und durchgehend positiv betrachtet. Bei dieser Verwendung des Begriffs wird jemand von einer anderen Person in etwas, als etwas oder aufgrund etwas anerkannt.

(Balzer, Ricken 2010, 40-48).

Für diese Arbeit von Bedeutung ist die Verwendung des Begriffs der Anerkennung im Diskurs der Wissenschaft. Auch hier zeigen sich Elemente der alltagssprachlichen Begriffsfassung, -deutung und –verwendung wieder. Im Wissenschaftsdiskurs wird Anerkennung als „ Bestätigung und Stiftung einerseits und moralischer Appell der Wertschätzung und des Respekts andererseits“ (Balzer, Ricken 2010, 42) gesehen. Zumeist stellt Anerkennung den Zusammenhang mit einem positiven Werturteil und der damit verbundenen ausdrückenden Bestätigung dar (Balzer, Ricken 2010, 42f.).

In der Wissenschaft erlangten die Untersuchungen von René Spitz zu Entwicklungsprozessen von Heimkindern an Bedeutung. Spätestens von da an gilt als anerkannt, dass der Mensch seine Identität und Persönlichkeit nur im Zusammenspiel mit anderen Individuen entwickeln kann, da er auf zwischenmenschliche Beziehungen angewiesen ist (Breinbauer 2013, 233). Fehlen diese und mangelt es Kindern an Zuwendung kann es zur Verhinderung einer gesunden Entwicklung des Menschen kommen (Schäfer, Thompson 2010, 7). Obwohl die Kinder bei Spitzs Untersuchungen einwandfrei versorgt, ernährt und gepflegt wurden, kam es zu psychischen und physischen Verfallserscheinungen, die sogar bis zum Tod führen konnten. Die mangelnde emotionale Zuwendung und die mangelnde Vermittlung von Reizen sind ausschlaggebend für das Phänomen der sozialen Verkümmerung, auch Hospitalismus genannt. Aufgrund der längerfristigen und schwerwiegenden Nichtbefriedigung der grundlegenden psychischen und physischen Bedürfnisse entwickeln Kinder häufig Störungen in ihren körperlichen und sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten (Hobmair, Altenthan, Betscher-Ott 2002, 45f.)

Im pädagogischen Kontext erwähnt Lange (2010, 19), dass der sinnvolle Umgang mit Menschen durch Beachtung und Wertschätzung unterstützt wird und diese unabdingbar sind, da Individuen nach Beachtung und Wertschätzung streben.

Resümierend liegt die Bedeutung der Anerkennung in ihrer Unverzichtbarkeit für die Identitätsfindung und Entwicklung einer gelungenen positiven Selbstbeziehung (Balzer/Ricken 2010, 52).

2.2 Anerkennung nach Honneth

In diesem Unterkapitel wird Anerkennung nach Honneth Axel erläutert, da dessen Überlegungen zentral sind, um den Begriff der Anerkennung zu bestimmen und viele Autorinnen und Autoren in ihren Überlegungen zu Anerkennungsverhältnissen auch auf Honneths Modell zurückgreifen.

Er beschäftigt sich in seinem Werk „Kampf um Anerkennung – Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte“ (2014, 7f.) mit den Überlegungen Meads zum Thema der Anerkennung. Mead spricht im Zusammenhang von Anerkennungsverhältnissen insbesondere den nonverbalen Signalen neben der Sprache große Bedeutung zu. Gesten, sowie das Medium der Sprache sind für ihn demnach Kommunikationsformen, durch die Menschen sich mit anderen, aber auch mit sich selbst verständigen und Haltungen bzw. Einstellungen vermitteln. Bleiben die symbolischen Interaktionen aus, erschwert sich der Weg sich als Individuum selbst zu erfahren und seine Persönlichkeit zu entwickeln. Die Notwendigkeit eines sozialen Zusammenlebens bestätigt sich somit, da für den Menschen der Kontakt zu anderen Individuen unentbehrlich ist, um eine Beziehung zu sich selbst aufzubauen (Schäfer, Thompson 2010, 11ff.).

Honneth greift diese Position Meads auf, die den Gedanken entwickelt, dass menschliche Subjekte ihre Identität der Erfahrung einer intersubjektiven Anerkennung verdanken. Das Teilhaben am gesellschaftlichen Leben enthält nach Honneth die Möglichkeit, durch Eintreten für normative Erwartungen und Werte und dadurch zu erwartender positiver Rückmeldungen, sich selbst als respektable Person zu erfahren. Die Bedeutung von Anerkennung hebt Honneth hervor, indem er bestätigt, dass sie unverzichtbar für eine gelungene Selbstentwicklung ist (Balzer, Ricken 2010, 49ff.) Aus diesem Grund erklärt Axel Honneth Anerkennung zu einem der Zentralbegriffe der Ethik (Balzer, Ricken 2010, 48f.) und betrachtet sie als ein ethisches Gut, deren Fehlen zu individuellen sowie sozialen Problemen und Leidenserfahrungen führt (Schäfer, Thompson 2010, 14ff.).

Vor diesem Hintergrund skizziert Honneth (2014, 148-152, 211) drei Sphären der Interaktion, die auf unterschiedliche Formen der Anerkennung verweisen.

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Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668241268
ISBN (Buch)
9783668241275
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334457
Institution / Hochschule
Universität Wien – Bildungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Anerkennung Pädagogik pädagogische Anerkennungsverhältnisse

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Titel: Pädagogische Anerkennungsverhältnisse. Anerkennendes Verhalten von Lehrenden