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Narration und filmische Gestaltung der Pilotfolge von "Breaking Bad"

Seminararbeit 2014 15 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ästhetik der neuen TV-Serien

2. Die Pilotfolge
2. 1 Aufbau
2. 2 Analyse

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der amerikanischen und von Vince Gilligan er­fundenen TV-Serie Breaking Bad. Untersucht werden hierbei die Fragestellungen, warum Serien wie Breaking Bad so erfolgreich sind und inwiefern sie die Neugier des Zuschauers wecken. Dabei wird zunächst auf die Ästhetik neuerer TV-Serien eingegangen. Welche Besonderheiten tragen Serien wie Breaking Bad, aber auch zum Beispiel Dexter oder The Walking Dead ? Wie sind sie aufgebaut und welche ästhetischen Mittel werden hierfür benutzt, um den Zuschauer an sich zu binden? Wie wird mit zeitlichen Elementen in der Serie umgegangen? Warum werden sie auch des Öfteren als epische Filme bezeichnet? Nach der Erläuterung des Aufbaus jener Serien wird das Konzept auf die Pilotfolge von Breaking Bad übertragen. Im Vordergrund stehen hierbei der Aufbau und die Narration der ersten Folge. Welche Verbindungen können zur Dramenanalyse gezogen werden, also inwiefern erfüllt der Pilot die Voraussetzungen einer Exposition? Wie wird mit Mitteln wie die der Prolepse umgegangen? Welcher Eindruck wird auf den Zuschauer hinterlassen und warum entschließt er sich möglicherweise, die Serie weiterzuschauen? Für das Untersuchen der Folge werden spezifisch ausgewählte Szenen erläutert, die anhand des Konzeptes des Filmprotokolls nach Werner Faulstich beschrieben werden. Relevant hierfür werden Figurenanalysen von den Protagonisten Walter White und Jesse Pinkman sowie Auffälligkeiten bei filmischen Gestaltungsmöglichkeiten wie zum Beispiel die Einstellung der Kamera, das Einsetzen von Musik bzw. Geräuschen und die Struktur und Aussagen der Dialoge sein. Des Weiteren werden die Fragestellungen untersucht, warum gerade Breaking Bads von Komplexität und anspruchsvollen Konstruktionen von Handlungen und Verhaltensweisen der Figuren gekennzeichnet ist. Hierbei werden mögliche Metaphern und Symbole in den jeweilig ausgewählten Szenen erläutert, die zu weiteren Handlungssträngen und möglichen Charakterentwicklungen hinführen, die für den nachfolgenden Ablauf der Serie relevant werden.

1. Ästhetik der neuen TV-Serien

Amerikanische TV-Serien wie „Breaking Bad“ zeichnen sich durch komplexe Handlungsstränge und anspruchsvolle Charakterentwicklungen aus, in der das serielle Erzählen zu einem epischen Film ausgedehnt wird. Die Besonderheiten dieser Serien liegt in der Art und Weise, wie erzählt und beschrieben wird:

„TV-Serien erzeugen solche Strukturierungen […] nicht zuletzt durch einen spezifischen Umgang mit Zeitlichkeit als konstitutivem Moment ihrer Ästhetik. Wechselspiele von Stasis und Dynamik, Kontinuität und Unterbrechung, Wiederholung und Variation, Offenheit und Geschlossenheit sowie von Steigerung und Verschleiß sind zentrale Momente des Seriellen im Fernsehen.“[1]

Dabei durchziehen jene Serien mehrere Genres und verlangen vom Zuschauer viel Aufmerksam­keit.[2] Ihre komplexen Narrationen werden periodisch fortgesetzt[3], das Ende jeder Episode schließt an die vorangehende an.[4] Durch das Zusammenschließen mehrerer Episoden zu einer Staffel entsteht die Komplexität mit einem durchziehenden und fortsetzenden Erzählbogen.[5] Vor den jeweiligen Episoden wird dabei eine kurze Montage von Szenen zusammengestellt, die die wichtigsten Inhaltspunkte der vorherigen Folgen zusammenfasst, um einen Neueinstieg in die Serie zu ermöglichen oder die Erinnerungen aufzufrischen, die „[...] für die aktuelle Episode zen­tral sind.“[6]. Somit wird die Serie zu einer Art „[...] Experimentierfeld, in dem neue ästhetische Figurationen jenseits von abgeschlossenen Einzelwerken [...], die sich über eine große Zahl von Episoden und mehrere Staffeln narrativ erstrecken, ausgelotet werden.“[7] Es entstehen durch die „[...] weitverzweigte Figurenkonstellationen und Handlungsstränge […] Welten, die Ungleich­zeitiges aktualisieren und so Kontinuitäten wie ihre narrativen Konstruktionen erfahrbar machen.“[8] Auch der Handlungsbogen von Breaking Bad ist durch Komplexität gekennzeichnet, die sich durch die fünf Staffeln zieht. Die Pilotfolge dient hierbei als Exposition, in der der Zuschauer auf den weiteren Handlungsverlauf neugierig gemacht wird. Mit welchen Mitteln wird dies erreicht und warum haben gerade Serien wie Breaking Bad einen hohen Suchtfaktor?

2. Die Pilotfolge

Allgemein handelt die Serie Breakng Bad von einem Chemielehrer namens Walter White, der aufgrund seiner Lungenkrebsdiagnose beschließt, mit seinem ehemaligen Schüler Jesse Pinkman ins Drogengeschäft einzusteigen, um seine schwangere Frau Skyler und seinen seit seiner Geburt an Cerebralparese erkrankten Sohn nach seinem Tod genügend Geld hinterlassen zu können. Letztendlich wird für Walter aber statt der Absicherung der Familie das Entfachen seiner krimi­nellen Energie im Vordergrund stehen. Die Serie zeigt somit den Aufstieg eines einfachen und vermeintlich schwachen Lehrers zu einem skrupellosen und erfolgreichen Drogenbaron.

Dabei stellt die Pilotfolge der ersten Staffel die Einführung in die komplexe und von mehreren Handlungssträngen geprägte Serie dar. Die Exposition verläuft nach einem typischen Schema und lässt sich in Sequenzen aufteilen. Eine Sequenz wird dabei als „[...] eine Handlungseinheit verstanden, die zumeist mehrere Einstellungen umfasst und sich durch ein Handlungskontinuum von anderen Handlungseinheiten unterscheidet.“[9] Die Unterteilung in verschiedene Sequenzen erfolgt „[...] durch einen Ortswechsel, eine Veränderung der Figurenkonstellation und durch einen Wechsel in der erzählten Zeit […].“[10] Das Sequenzprotokoll der wichtigsten Szenen des Plots der ersten Folge von „Breaking Bad“ lässt sich wie folgt aus der Sicht des Protagonisten Walter Whites aufstellen:

1. Einführung

1. Im Wohnwagen in der Wüste, Jesse, Emilio und Krazy-8 ohnmächtig, Walter fährt in einen Graben, spricht seine letzten Worte in eine Kamera und wartet mit der Pistole

2. Drei Wochen zuvor: Demütigungen Walter Whites

1. Frühstückstisch: Dominante Frau Skyler (Diskussion Frühstücksspeck, Geldprobleme)

2. Chemieunterricht in der High School: respektlose Schüler

3. Autowaschanlage: Dominanter Chef, muss Auto eines Schülers putzen

4. Überraschungsgeburtstagsparty: Schwippschwager Hank steht mit seiner Arbeit bei der Drogenvollzugsbehörde im Vordergrund, Walter wird auf das viele Geld von Drogenhändlern aufmerksam

5. Mit Frau Skyler im Bett: Leidenschaftslose Ehe

6. Krankenhaus: Nach Ohnmacht Lungenkrebsdiagnose

3. Walter löst sich aus den Ketten

1. Kündigung des Jobs in der Autowaschanlage

2. Beim Einkauf: Verteidigung des körperlich behinderten Sohnes vor Jugendlichen, die sich über ihn lustig machen

3. Begleitung Hank bei der Arbeit: Aushebung eines Drogenlabors, Begegnung mit Jesse Pinkman, der flüchtet, während Komplize Emilio verhaftet wird

4. Zuhause bei Jesse: Erpressung zum gemeinsamen Kochen von Methamphetamin

4. Geburt des „Künstlers“

1. In der Wüste mit Wohnwagen: Jesse und Walter stellen nahezu perfektes Crystal Meth her und wollen es verkaufen; für Jesse ist es Kunst, für Walter reinste Chemie

2. Zuhause bei Dealer und Cousin von Emilio Krazy-8: Emilio ist auf Kaution draußen, Jesses vorgeschlagener Deal schlägt fehl, wird für einen Verräter gehalten

3. In der Wüste: Emilio erkennt Walter und hält ihn für einen Spitzel, er und Krazy-8 wollen Jesse und Walter töten und das Meth mitnehmen

4. Im Wohnwagen: Walter soll für sie kochen, vergiftet dabei Krazy-8 und Emilio mit rotem Phosphor und lässt sie ersticken

5. In der Wüste: Ausbrechen eines Brandes wegen brennender Zigarette von Emilio, Sirenen sind zu hören, Walter fährt panisch in einen Graben, lediglich die Feuerwehr fährt vorbei, er und Jesse beschließen, das Chaos zu beseitigen Die Pilotfolge zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie die Geschichte um Walter White in­soweit einführt, dass die Konsequenzen der Handlungen und die Entwicklung der Charaktere bis in die letzten Folgen nachvollzogen werden können. Inwiefern wird dabei die Pilotfolge aufgebaut, sodass sie symbolische Andeutungen um Walters Zukunft filmisch darstellen und die Neugier des Zuschauers wecken kann?

2.1 Aufbau

Oft sind Filme und auch Serien nach dem Prinzip des aristotelischen Dramas aufgebaut. Das heißt, es existieren fünf Handlungsphasen. Zunächst wird das Problem in der Exposition entfal­tet. Die Figuren, ihr Umfeld und ihre Motive werden eingeführt, woraufhin sich die Handlung steigert, indem Konfrontationen und Konflikte den Protagonisten in seiner Zielerreichung stören. Neue Handlungspersonen und Probleme tauchen auf, wodurch Perspektivlosigkeit und Krisen vermittelt werden. Letztendlich mündet dies alles nach dem Höhepunkt in einer Verzögerung der Handlung, die mit einer Katastrophe endet.[11] Im Drama besteht die Aufgabe der Exposition, also der Einführung in die Geschichte, darin, das Fundament für die Handlung zu legen und den Zuschauer vorzubereiten:[12]

„Die Gegenstände, die der Exposition hauptsächlich zugeschrieben werden, sind 1. die Vorge­schichte, 2. die Hauptpersonen einschließlich ihrer Interessen und ihrer Beziehungen zueinander.“[13]

Die Aufmerksamkeit des Zuschauers soll auf das Stück bzw. in diesem Falle auf die Serie gezogen werden.[14] Bevor es zu den eigentlichen Konflikten kommt, wird zunächst das Grundelement der Geschichte eingeführt, die Figuren und ihre Charaktere werden vorgestellt und wichtigste Er­eignisse werden erläutert, die letztendlich das Leben des Protagonisten insoweit durcheinander bringen, dass er beschließt, eine Auflösung zu erreichen.[15] Die Besonderheit der Exposition von Breaking Bad ist dabei die Art der Narration und ihrer Zeitdimensionen:

„Die Abbildungen des Settings durch eine laufende Kamera […] sind immer an den gegenwärti­gen Moment gebunden. Dem Betrachter steht immer die Gegenwart der Handlung vor Augen. Auch Manipulationen der zeitlichen Ordnung durch Analepsen und Prolepsen erscheinen durch das Bildmaterial in ihrer gegenwärtigen Unmittelbarkeit.“[16]

Zu Beginn der Pilotfolge erscheint dem Zuschauer folgende Szene:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Meteling, Arno, Isabell Otto und Gabriele Schabacher: „Previously on...“. In: „Previously on...“. Zur Ästhetik der Zeitlichkeit neuerer TV-Serien. Hrsg. von Arno Meteling, Isabell Otto und Gabriele Schabacher. München: Wilhelm Fink Verlag 2010. (= Mediologie. Eine Schriftenreihe des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs „Medien und kulturelle Kommunikation“. Hrsg. von Ludwig Jäger. Bd. 24). S. 7.

[2] Vgl. Schabacher, Gabriele: Serienzeit. Zu Ökonomie und Ästhetik der Zeitlichkeit neuerer US-amerikanischer TV-Serien. In: „Previously on...“. Zur Ästhetik der Zeitlichkeit neuerer TV-Serien. Hrsg. von Arno Meteling, Isabell Otto und Gabriele Schabacher. München: Wilhelm Fink Verlag 2010. (= Mediologie. Eine Schriftenreihe des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs „Medien und kulturelle Kommunikation“. Hrsg. von Ludwig Jäger. Bd. 24). S. 22.

[3] Vgl. Ebd. S. 23.

[4] Vgl. Ebd. S. 25.

[5] Vgl. Ebd. S. 28.

[6] Meteling: „Previously on...“. S. 8.

[7] Ebd. S. 7.

[8] Ebd. S. 8.

[9] Hickethier, Knut: Film- und Fernsehanalyse. 4. aktualisierte und erweiterte Aufl. Stuttgart/Weimar: J. B. Metzler 2007. S. 35.

[10] Ebd. S. 35.

[11] Vgl. Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse. 3. Aufl. Stuttgart: Wilhelm Fink Verlag 2013. S. 86.

[12] Vgl. Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse. 7. aktualisierte und erweiterte Aufl. Stuttgart/Weimar: Verlag J. B. Metzler 2009. S. 103.

[13] Ebd. S. 104.

[14] Vgl. Ebd. S. 104.

[15] Vgl. Bildhauer, Katharina: Drehbuch reloaded. Erzählen im Kino des 21. Jahrhunderts. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft GmbH 2007. S. 21.

[16] Mahne, Nicole: Transmediale Erzähltheorie. Eine Einführung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2007. S. 78.

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668244818
ISBN (Buch)
9783668244825
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334729
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
13 Punkte
Schlagworte
Breaking Bad Germanistik Filmanalyse Serienanalyse Pilotfolge Walter White Jesse Pinkmann Filmische Mittel Narration Werner Faulstich

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