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Was ist Publizistik? Ein Überblick über die Geschichte, Entwicklung und den Stand in der Gegenwart

Hausarbeit 2016 28 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Was ist Publizistik?
1.1 Publizistik in den Anfängen der Textreproduktion
1.2 Technische Innovationen im 15. Jahrhundert
1.3 Publizistik im Wandel der Öffentlichkeit
1.4 Was ist Publizistik?

2. Zeitungen im Zeitalter von Blogging & Co – Sind Blogger Journalisten?
2.1 Die Probleme der Zeitungen der 90er Jahre und die Anfänge des Bloggings
2.2 Journalistische Arbeitsweisen
2.2.1 Pressecodex
2.3 Klassischer Journalismus vs. Online Journalismus, featuring Blogging
2.3.1 Das Internet
2.3.2 Klassischer Journalismus vs. Online Journalismus
2.3.3 Online Journalismus im Zeitalter von Social Media
2.3.4 Das Feature: Blogging
2.4 Beispiele zur journalistischen Recherche durch Schwarmintelligenz
2.4.1 Bildblog
2.4.2 The Guardian
2.4.3 Alarm38.de – Braunschweiger Zeitungsverlage
2.4.4 Absturz Malaysian Airlines MH17
2.5 Print-Journalismus ohne Alternative?
2.6 Blogging als Chance für den (Online-) Journalismus

3. Let’s Play Videos – eine Ausprägung der Online-Publizistik
3.1 Was ist ein „Let’s Play“-Video ?
3.2 Der „Uses-and-Gratification-Approach“-Ansatz und “Let’s Play”

5. Literaturverzeichnis
5.1 Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Screenshot Twitter Account von Jon Henley

Abbildung 2 - Vermeintlicher Qualitätsjournalismus Beispiel Zeit

Abbildung 3 - Vermeintlicher Qualitätsjournalismus - Übersicht

1. Was ist Publizistik?

Zunächst gebe ich eine Begriffsdefinition von Publizistik in einem geschichtlichen Kontext. Ich zeige die Anfänge der Publizistik auf und erläutere, wie sich der Begriff Publizistik im Laufe der Jahre entwickelt hat. Die Begriffsdefinition von Publizistik soll zunächst in einem geschichtlichen Kontext erläutert werden. Wo liegen die Anfänge der Publizistik und wie hat sich der Begriff Publizistik im Laufe der Jahre entwickelt. Die Exploration im Bereich der Entwicklung der Publizistik soll durch die Anfänge der Textreproduktion und durch die technischen Erfindungen eingegrenzt werden. Die technische Entwicklung trug zur Begründung der späteren Massenmedien, wie Zeitung, Radio und Internet mit bei. Neben der technischen Entwicklung waren sie Wegbereiter für einen Wandel der Gesellschaft als Prozess der heutigen Publizistik.

1.1 Publizistik in den Anfängen der Textreproduktion

Um den Begriff der Publizistik aus heutiger Sicht zu erläutern und näher zu definieren, lohnt sich ein Blick in die Entwicklung der Technik und der damit verbundenen Mediengeschichte. Vor der Erfindung des Buchdrucks war die Textproduktion im Gegensatz zu heute verhältnismäßig langsam und vom Faktor Mensch abhängig (vgl. Wolf 2013, 187). Texte wurden von Hand abgeschrieben, mündliche Übertragungen verschriftlicht und anschließend sinngemäß händisch reproduziert. Die Skalierung der Reproduktion von Texten war abhängig von Kanzleien, privaten Schreibern oder Lohnschreibern. Limitiert war die Auflage von Texten jeweils von der menschlichen Schaffenskraft und dem Bedarf an Textreproduktionen. Diese Texte waren in der Regel Auftragsarbeiten und für ein bestimmtes Publikum vorgesehen. Die Zielgruppe war demnach bereits definiert und die Leserschaft vorbestimmt. Texte und Schriften waren der oberen Mittelschicht vorbehalten. Diese Eingrenzung ist unter anderem durch die Alphabetisierung in dieser gesellschaftlichen Schicht zu begründen. Faulstich spricht hier von einer so genannten Teilöffentlichkeit. Eine Teilöffentlichkeit umfasst einen begrenzten Kommunikationsraum und beschreibt die Verbreitung verschiedener Medien und Kommunikatorrollen innerhalb dieser Struktur (vgl. Faulstich, 1996, 270). Nach Faulstich werden folgende Teilöffentlichkeiten beschrieben: Hof/Burg, Land/Dorf, Kloster/Universitäten, Kirchenraum und Stadt (vgl. ebd.). Die Landbevölkerung war aufgrund fehlender Lese- und Schreibkenntnisse von oralen Kommunikatoren, wie Fahrenden, Dichtern, Sängern und Spielleuten, abhängig (vgl. ebd.). Im Gegensatz zur Landbevölkerung wurden im städtischen Bereich die Bewohner durch schriftliche Veröffentlichungen informiert (vgl. ebd.). Demnach war es durch die limitierte Reproduktion nur einem Teil der Öffentlichkeit möglich Lesen und Schreiben zu erlernen bzw. zu können.

1.2 Technische Innovationen im 15. Jahrhundert

Zunächst trägt die Erfindung des Hochdrucks mit mechanisierten flexiblen Metall-Lettern Mitte des 15. Jahrhunderts einen entscheidenden Teil dazu bei, dass sich Nachrichten, Informationen und Texte schneller verbreiten konnten. Allerdings war der Hochdruck keinesfalls eine Erfindung von Guttenberg. Martin Luther nutzte bereits den Hochdruck im 15. Jahrhundert um seine 95 Thesen zu verbreiten. Vor dem Letterset wurden Holzschnittformen oder später starre Hochdruckformen aus Metall für den direkten Druck auf Papier verwendet. Guttenbergs Erfindung rationalisierte durch die einzeln setzbaren und wiederverwendbaren Metall-Lettern erheblich die vorherrschende Satztechnik. In Walter Benjamins Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ attestiert Benjamin dem Letterset lediglich ein Sonderfall des Hochdrucks zu sein, ergänzt allerdings später, dass „die ungeheuren Veränderungen durch den Druck, die technische Reproduzierbarkeit der Schrift, in der Literatur hervorgerufen hat“ (Benjamin 1991, 474) bekannt sind. Trotzdem wird Guttenbergs Innovationsleistung heute als Grundsteinlegung für die modernen Massenmedien betrachtet, und sie steht im engen Zusammenhang mit der beginnenden Industrialisierung (vgl. Bonfadelli 2005, 59).

Die bisherige handschriftliche Textreproduktion erfolgte nicht mehr in Schreibwerkstätten, sondern in „Maschinenwerkstätten“. Die Metall-Lettern werden nun maschinell gesetzt, Texte vielfach reproduziert, und war dadurch mit erheblich geringerem Personal- und Kostenaufwand verbunden. Weitere technische Entwicklungen, wie das Rotationsdruckverfahren, den Einsatz von Endlosbögen, Papier auf Basis von Zellulose und die Erfindung der Satzmaschine erlauben die Produktion von standardisierten Druckprodukten mit einer gleichbleibenden Qualität. Dadurch war es möglich Bücher und Texte kostengünstig auf Vorrat zu produzieren. Die Lithografie oder das heutige Offsetdruckverfahren basieren auf einer Erfindung von Alois Sennefelder Ende des 18. Jahrhunderts (vgl. Simon, 2008). Sennefelder nutzt das Prinzip der gegenseitigen Abstoßung von Öl und Wasser aus, um druckende und nicht-druckende Elemente der Druckform zu erzeugen. Dieses Verfahren trug zu einer erheblichen Verbesserung der Lesefähigkeit aufgrund der schärferen Randstärke der Buchstaben bei. Diese Eigenschaft ebnete unter anderem den Erfolg des heutigen Offsetdrucks.

1.3 Publizistik im Wandel der Öffentlichkeit

Neben technischen Innovationen innerhalb der Reproduktionstechnik ergab sich ein Wandel der „großen“ Öffentlichkeit. Wie eingangs schon erwähnt, wurden Texte handschriftlich reproduziert und waren zum großen Teil Auftragsarbeiten. Zu Zeiten der handschriftlichen Vervielfältigung wurde demnach für ein bestimmtes Publikum produziert. Das heißt, Texte wurden erst auf Nachfrage bzw. Bestellung produziert. Mit dem technischen Fortschritt, massenhafter Reproduktion und der Alphabetisierung der Bevölkerung werden eine breite Leserschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreicht (vgl. Kogler 2002). Das Publikum wandelte sich durch das Aufkommen von massenhaft (im späteren Sinne Massenmedien) verbreiteten Texten von einem bestimmten „Bildungspublikum“ in ein örtlich und zeitlich disperses Publikum (vgl. Maletzke 1998).

Darüber hinaus fand ein Wandel der Kommunikation statt. Durch den technischen Fortschritt entwickelte sich das Mensch-Medium (Mündlichkeit, Oralität) über mehrere Jahrhunderte zu einem Schrift-Medium (Schriftlichkeit) (vgl. Assmann & Assmann, 1994). Assmann beschreibt dies als „Etappen der Medienevolution“: Die mündliche Kommunikation oder auch Oralität verlangte jeweils eine Beteiligung der Anwesenden. Dies war eine wesentliche Vorraussetzung der Mündlichkeit. Die Schriftlichkeit entstand durch das Aufkommen des Buchdrucks. Unter den Vorraussetzungen der Literalität konnten Texte nun zeitlich und örtlich unabhängig voneinander rezipiert werden. (vgl. ebd.)

Journalistische Stilmittel für das Format Zeitung entwickelten sich als "Sprache der Vielen" (vgl. Pompe, 2013). Trotz einer ambivalenten Haltung von etablierten Schriftstellern schaffte die Darstellung und Beobachtung von Kommunikation im öffentlichen Raum eine Affinität zur Publizistik (vgl. ebd., vgl. Bonfadelli 2005). Die heutige Journalistik, anfänglich noch in geringem Umfang institutionalisiert, hatte in Deutschland seine Wurzeln an der Universität in Leipzig im Jahr 1916 (vgl. Bonfadelli 2005; vgl. Kutsch & Averbeck 2007). Aus diesen Wurzeln entstanden zahlreiche Wissenschaften, die sich mit dem Feld der Publizistik beschäftigten. In den Folgejahren hatten die Nationalsozialisten einen erheblichen Einfluss auf die Medienlandschaft. Durch die Subventionierung des „Volksempfängers“ ermöglichen sie den Empfang von Sport, Kultur und auch Propaganda. Das Fernsehen war zu damaliger Zeit aufgrund des geringen Verbreitungsgrades noch kein Massenmedium. Das Potential vom Fernsehen war dem Reichspropagandaministerium bereits damals bewusst, um die Gesellschaft durch das neue Massenmedium zu beeinflussen.

Unter dem Gesichtspunkt der staatlichen Einflussnahme mittels Massenmedien auf die Gesellschaft im Dritten Reich bietet sich an, auszugsweise die Standpunkte von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in Bezug auf die Publizistik in diesem geschichtlichen Kontext mit einzubeziehen.

Die angesprochene Institutionalisierung der Medien im Nationalsozialismus sehen Horkheimer und Adorno in dem Kapitel „Dialektik der Aufklärung“ als Anlass für ihre Kritik an der veränderten Funktion von Kultur und der Institutionalisierung der Kunst in der Wahrnehmung der Gesellschaft. Adorno, der selber 1933 ein Lehrverbot durch die Nationalsozialisten erteilt bekommen hat und anschließend in die USA emigrierte, übt seine Arbeit im selbstgewählten kalifornischen Exil aus. Ausgangspunkt seiner anfänglichen Kritik ist die Bewertung von Massenmedien in der „Dialektik der Aufklärung“. Als Bewertungsmaßstab von Massenmedien verwendet er den Begriff „Kunst“ als Gegenüberstellung seiner Kritik. Adorno sieht die Gesellschaft gefangen und unterdrückt in einem Herrschaftssystem und sieht Kultur zunehmend als Ware am Fließband (vgl. Steinert 1998, 151). Später definiert er dies als „Warenförmigkeit“ der Medien und richtet seine Kritik auf Massenmedien wie Musik, Radio, Film und Fernsehen als Auswirkungen von Bedürfnissen durch menschlichen Handelns (vgl. ebd. 30). Indirekt kritisiert er die Institutionalisierung von Nachrichten, die durch den Aufbau und die Struktur herrschaftsähnliche Strukturen aufweisen und dadurch anfällig für den Einfluss seitens des Staats werden (in diesem Fall: Propaganda durch die Nationalsozialisten). Erst später prägt er den Begriff „Kulturindustrie“ im Zusammenhang mit der „Warenförmigkeit“ von Medien (vgl. ebd.)

In Adornos Untertitel „Aufklärung als Massenbetrug“ in „Kulturindustrie“ nach Steinert (1998, 30), wird die Aufklärung über die Machenschaften durch unabhängigen Journalismus beschrieben. Mit dem Aufkommen der Massenmedien kritisiert Adorno, dass der Journalismus vermehrt zur „[...] folgenlosen Unterhaltung [...]“(ebd.) verkommen sei. Journalismus sollte aus seiner Sicht eine „[...] interne Kontrolle der herrschenden Klasse [...]“ (ebd.) darstellen und sich die Option offenhalten, öffentlich gegen diese Klasse vorzugehen. Adorno missfällt der Gedanke, dass die Nachrichten unterhaltsam sind und zielgruppengerecht produziert werden. Dies bezeichnet er als „Betrug / Massenbetrug“ und die Rezipienten von Nachrichten als „Käufer“ der „Kultur als Ware“ im Zeitalter des Kapitalismus (ebd. 27).

1.4 Was ist Publizistik?

In Deutschland entstand erstmals die Zeitungswissenschaft als universitäre Institution der Publizistik in Leipzig. Die junge Zeitungswissenschaft ging aus dem Verständnis des Massenmediums Zeitung hinsichtlich ökonomischer und soziologischer Relevanz hervor. In den nachfolgenden Jahren wechselte das Fach jedoch mehrmals den Namen. Eine Ausprägung ist die Propagandawissenschaft Anfang der 1920er Jahre (vgl. Bussemer 2008, 25-32), die sich in den Anfängen des Nationalsozialismus zur Publizistikwissenschaft entwickelt (vgl. Rath et al. 2014, 9-15). Die technische Entwicklung von neuen Massenmedien wie Radio und Fernsehen tragen zu einer Ausdifferenzierung der Zeitungswissenschaft in weitere Fachrichtungen mit bei. Massenmedien als Ausgangspunkt weiterer wissenschaftlicher Betrachtung wurden für weitere kommunikationstheoretische Ansätze interessant. Der Paradigmenwechsel eines aktiven Rezipienten von Massenmedien führte zu neuen soziologischen Erkenntnissen. Publizistik sei eine Integrationswissenschaft und verknüpfe Publizistik und Kommunikationswissenschaft als eine gemeinsame Institution in Deutschland (vgl. Rollka/Schultz 2011, 31-33). Die heutige Publizistik- und Kommunikationswissenschaft besitzt einen transdisziplinären Charakter, die sich „[...] anderer Wissenschaften, derer Theorien, Methoden, Ergebnisse [...]“ (Krotz 2014, 19) bedient. „Sie nimmt also Themen auf, die sie mit jenen gemeinsam hat, bezieht sich auf Studien und Theorien...“(ebd.) die außerhalb dieser Disziplin entstanden sind und „[...]verwendet diese in ihrer eigenen Perspektive[...]“ (ebd.). Im Zeitalter des medialen Nachrichtenüberflusses im 21. Jahrhundert zeigte sich stärker denn je der Einfluss von Unterhaltung auf die Medien bzw. Nachrichten. Dies ist einer der Kritikpunkte von Adorno. (vgl. 1.3)

2. Zeitungen im Zeitalter von Blogging & Co – Sind Blogger Journalisten?

Der Einstieg „Was ist Publizistik?“ zeigt, dass technische Innovation und fortschreitende Erkenntnisse im Mediennutzungsverhalten miteinander verknüpft sind und später institutionalisiert werden. Das nachfolgende Thema behandelt den Bereich des Journalismus am Ende des 19. Jahrhunderts. Vorzugsweise betrachte ich die Probleme der Zeitung am Anfang der 90er Jahre und die Macht des Individuums im Internet.

2.1 Die Probleme der Zeitungen der 90er Jahre und die Anfänge des Bloggings

Durch die Entwicklung des Internets stehen Zeitungen stehen mittlerweile unter dem Druck des Online Journalismus. Althergebrachte Modelle wie Abonnements, der Verkauf am Kiosk oder Werbung stagnieren und zeigten erstmals Anfang der 2000er Jahre seine Auswirkungen. Das Internet entzog den überregionalen und regionalen Tageszeitungen eine wichtige finanzielle Grundlage: Der Anzeigenverkauf stagnierte erheblich. Hat das Gütesiegel Printjournalismus ausgedient und warum stillt der vermeintlich treue Leser nun plötzlich seinen Hunger auf Nachrichten mit dem World Wide Web? Die Probleme der heutigen Zeitungsindustrie sind scheinbar hausgemacht. Als das Internet Anfang der 1990er Jahre dem massenhaften Publikum zugänglich wurde, machten sich nur wenige Zeitungsverlage darüber Gedanken, wie dieses „neue“ Medium gewinnbringend eingesetzt werden kann. Ein erster Schritt war es Nachrichten und Informationen identisch auf die zeitungseigene Homepage zu übertragen. Mitte der 90er Jahre begann unter anderem die französische Zeitung „Libération“ oder kurz „Libé“ Nachrichten für das Internet zu produzieren. Die bereits produzierte Print-Ausgabe der Zeitung für den nächsten Tag wurde am Vorabend den Lesern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Grundgedanke war es, Werbeeinnahmen durch Anzeigen auf der Webseite zu generieren um dadurch fehlende Verkaufserlöse der Printeinnahmen zu kompensieren. Dieser Plan erwies sich für die „Libé“ als nicht finanziell tragbar. Die Werbeeinblendungen führten nicht zu einem finanziellen Ausgleich der fehlenden Verkaufserlöse der Print-Ausgabe. (vgl. François 2014).

Durch diese Strategie entwickelte sich langsam eine Umsonst-Kultur für Nachrichten im Internet, auch in Deutschland. Zeitungen und Nachrichtenagenturen sind durch die Bereitstellung von kostenfreien Nachrichtentexten für ihr Dilemma selbst verantwortlich. Nachrichtentexte sind frei verfügbar und die Zeitungen sowie Nachrichtenagenturen haben selber zu diesem Dilemma zunächst unbewusst mit beigetragen. Private Webseiten und Blogs produzierten eigene Inhalte, die vom traditionellen Journalismus mit Argwohn beobachtet wurden. Ebenso wurde der Online-Journalismus als der kleine Stiefbruder des Print-Journalismus behandelt. Oft wird hier auch von Qualitätsjournalismus der großen Marken wie „Der Spiegel“, „Stern“ oder dem Schlachtschiff „Zeit“ gesprochen und verdeutlicht dadurch einen scheinbaren Mehrwehrt von Print im Gegensatz zu Online für den Leser. Auf den „Qualitätsjournalismus“ soll noch im Kapitel 2.5 eingegangen werden. Zunächst soll nachfolgend geklärt werden, was eine journalistische Arbeitsweise ist und wie dadurch scheinbarer Qualitätsjournalismus zustande kommt – ebenfalls unter dem Gesichtspunkt des Online-Journalimus und Blogging.

2.2 Journalistische Arbeitsweisen

Im Nachfolgenden soll die formale Grundlage journalistischer Arbeitsweise kurz erläutert werden. Bis auf interne Vereinbarungen von Redaktionen mit ihren Journalisten ist lediglich der Pressecodex und das vorherrschende Gesetz als formale Arbeitsrichtlinie für Journalisten zu verorten.

2.2.1 Pressecodex

Der Presserat in Deutschland ist das höchste Gremium im Bereich der Publizistik und sieht sich selbst als „Institution der freiwilligen Selbstkontrolle“ als Grundrecht der Demokratie. Ein wesentliches Element ist der Pressecodex, der journalistische Berichterstattung und Verhalten als Maßstab festlegt. Anhand 16 Ziffern soll die Berufsethik des Journalisten gewahrt werden (vgl. Deutscher Presserat 2015). In diesem Codex sind beispielsweise Richtlinien zur journalistischen Sorgfaltspflicht, Lobbyismus, Berufsgeheimnis und Schutz der Persönlichkeit dokumentiert. Dies stellt jedoch keine gesetzliche Grundlage dar, sondern lediglich eine Richtlinie, an die es sich bestmöglich zu orientieren gilt. Ein wichtiger Bestandteil der Recherche sollte demnach sein, Quellen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und den Inhalt auch wahrheitsgetreu wiederzugeben. Unabhängig von Strafverfolgung und Strafe durch Gesetzgeber ist die höchste Konsequenz aus fehlgeleiteter journalistischer Arbeit die so genannte Rüge. Das Gremium des Presserats kann einen Abdruck einer Rüge bei fehlgeleitetem Journalismus anweisen. Trotz einer verankerten Pressefreiheit im Grundgesetz muss sich ein Journalist dem Urheberrecht oder der Einhaltung von Persönlichkeitsrechten unterwerfen.

2.3 Klassischer Journalismus vs. Online Journalismus, featuring Blogging

Im folgenden Kapitel vergleiche ich Blogging und Journalismus miteinander, um eine Aussage darüber treffen zu können, wie Journalisten mit gleichen oder ähnlichen Themen als Blogger und als Journalisten umgehen. So will ich im Sinne der Fragestellung dieser Arbeit zeigen, ob man einen Blogger als Journalisten bezeichnen kann.

2.3.1 Das Internet

Mittlerweile ist das Internet eine Bühne für jedermann. Texte, Bilder, Audio und Videos sind 24/7 verfügbar und mit einem Computer, Tablet oder Smartphone abrufbar. Zu diesen Inhalten gehören auch Informationen und Nachrichten die durch multimediale Inhalte ergänzt werden können. Prinzipiell kann jeder mit etwas Anwendungswissen vorausgesetzt Inhalte produzieren und veröffentlichen. Der Leser und Journalist bzw. Nachrichtenproduzent begegnen sich vermehrt auf Augenhöhe. Durch den technischen Fortschritt konvergieren Kommunikation und Medium zu einer Einheit und dieser Trend setzt sich seit der Entwicklung des Internets fort. Der Trend zur stärkeren Internetnutzung wirkt sich ebenfalls auf das Verhalten der Nutzer aus. Die Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie zeigen, dass mittlerweile fast 80% der deutschsprechenden Erwachsenen ab 14 Jahren das Internet nutzen. Die gelegentliche Nutzung lag im Jahr 1997 bei 6,5 % und stieg im Jahr 2013 auf 80 % unter den Befragten (vgl. ARD/ZDF, 2015). Im Durchschnitt nutzen 31 % der Deutschen des Internets täglich, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren (vgl. ebd.). Diese Zahlen überraschen nicht. Es verdeutlicht aber massiv, dass das Internet bei den Deutschen angekommen ist und genutzt wird.

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Details

Seiten
28
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668247024
ISBN (Buch)
9783668247031
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334903
Institution / Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel – Medien
Note
2,3
Schlagworte
Publizistik Guttenberg Medienevolution Massenbetrug Kulturindustrie Blogging pressecodex online-journalismus social media let's play schwarmintelligenz

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Titel: Was ist Publizistik? Ein Überblick über die Geschichte, Entwicklung und den Stand in der Gegenwart