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Grundzüge der Fundamentalanalyse. Eine Darstellung und Analyse

Hausarbeit 2014 16 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Fundamentalanalyse
2.1 Abgrenzung zur Chartanalyse
2.2 Die wichtigsten Kennzahlen

3 Anwendung der Analyse auf ThyssenKrupp

4 Vor- und Nachteile sowie ein Fazit zur Fundamentalanalyse

Anhang
Anhang 1: Verwendeten Durchschnittswachstumsraten
Anhang 2: Anzahl im Umlauf befindlicher Aktien

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: wichtigsten Bilanzzahlen ThyssenKrupp AG

Tabelle 2: Kennzahlen ThyssenKrupp AG

1 Einleitung

In einer Zeit in der die Verzinsung von sicheren Sparanlagen bei einigen Banken bereits im negativen Bereich liegen und auch die Restlichen nur noch eine minimale Verzinsung anbieten lässt sich unter dem Strich kein Zuwachs mehr erzielen. Daher wird eine Umschichtung des Vermögens immer notwendiger, da dieses in Deutschland zu großen Teilen aus Einlagen bei der Bank und Anlagen in zwar sichere, aber niedrig verzinste Anlagen besteht. Diese Umschichtung wird hauptsächlich in Aktien geschehen müssen, da die Deutschen im internationalen Vergleich mit etwa 6% eine sehr geringe Aktienquote haben.[1] Dabei kommt auch noch zum Tragen, dass viele der Anleger, die bereits in Aktien investiert sind stark dazu neigen nur heimische und für sie gut bekannte Aktien zu kaufen oder hauptsächlich Aktien des Unternehmens halten, für das sie auch arbeiten. Dieser Effekt wird als „Home Bias“ bezeichnet und beschreibt vereinfacht wie stark ein Anleger seinen Heimatmarkt im Portfolio übergewichtet.[2] Dies hat zur Folge, dass der Erfolg des Anlegers stark von einem Land abhängt. Daher soll in dieser Hausarbeit erläutert werden, wie ein Anleger auch unbekannte Unternehmen anhand ihrer veröffentlichten Unterlagen mit Hilfe der Fundamentalanalyse bewerten kann. Dazu soll diese vorgestellt werden und auch gleichzeitig abgrenzt werden von der Chartanalyse. Dann werden die wichtigsten Kennzahlen vorgestellt. Darauf folgend soll die Analyse anhand eines Dax-Konzerns kurz durchexerziert werden und im Abschluss dieser Arbeit sollen die Vor- und Nachteile zusammengefasst werden und ein kurzes Fazit zur Fundamentalanalyse gezogen werden.

2 Die Fundamentalanalyse

Zunächst einmal ist es wichtig zu sagen, dass diese Art der Analyse sehr unterschiedlich durchgeführt werden kann. Da sie von einer einfachen Auswertung der Bilanz eines Unternehmens bis zur Betrachtung von politischen und konjunkturellen Einflüssen sowie der Betrachtung der Konkurrenz für Vergleichszwecke reichen kann.[3]

Dabei gibt es zur Analyse zwei Ansätze. Der erste ist das Top-Down-Prinzip. Dabei wird auf der obersten Ebene angefangen und dann immer stärker ins Detail gegangen. Die oberste Ebene stellt dabei das Land da und die Risiken die mit Aktivitäten in diesem verbunden sind. Solche Risiken können die politische und wirtschaftliche Lage sein, aber auch der Wechselkurs oder die Auslandsverschuldung. Sind diese Faktoren bereits schlecht hat es auch Auswirkungen auf das zu analysierende Unternehmen. Die darauf folgende Ebene ist die Brache, in der das Unternehmen aktiv ist. Mögliche Faktoren die betrachte werden können sind die Konkurrenten, die allgemeine Situation des Sektors oder wie schnell neue Unternehmen in diesem Bereich aktiv werden können. Als unterste Ebene ist hier das Unternehmen anzusehen. Dabei werden vor allem die Fakten des Jahresabschlusses betrachtet aber auch schwieriger zu beurteilende Werte wie etwa das Management, die Mitarbeiter oder das erwartete Wachstum.[4] Das Gegenstück zu diesem Prinzip bildet der Bottom-up-Ansatz. Dieser Ansatz legt seinen Fokus vor allem auf die Einzelbewertung von Unternehmen. Dies wird damit begründet, dass ein gut aufgestelltes und korrekt gemanagtes Unternehmen auch in konjunkturell unsicheren Zeiten ein gutes Ergebnis erzielen kann und somit nicht abhängig von den Entwicklungen des Landes ist. Des Weiteren kann auch dahingehend argumentiert werden, dass viele große Unternehmen nicht mehr nur in einem Land aktiv sind sondern ihr Geschäft global aufgestellt haben. Nach der Einzelbewertung werden die gesammelten Kennzahlen entweder vereinfacht mit dem Branchendurchschnitt verglichen und geprüft ob das Unternehmen über- oder unterbewertet ist. Es kann aber auch eine Einzelbewertung aller wichtigen Unternehmen der Branche vorgenommen und dann aus diesen das beste Investment gewählt werden. Auch kann hier noch eine Auswertung für den gesamten Markt vorgenommen werden um zu prüfen wie die Chancen des ausgewählten Unternehmens im Vergleich zu anderen Branchen ist.[5]

Somit kann der Anleger entscheiden, wie viel Arbeit er in seine Analyse stecken möchte. Wobei davon auszugehen ist, dass eine umfangreichere Analyse zuverlässigere Ergebnisse liefern wird aber auch deutlich mehr Zeit und möglicherweise auch Geld in Anspruch nehmen wird.

Dabei hat die Analyse immer das Ziel den Wert des Unternehmens zu bestimmen und dann diesen mit dem Börsenwert zu vergleichen. Dabei wird versucht werden unterbewertet Firmen ausfindig zu machen und so ein gutes Investment identifizieren zu können. Dabei wird der innere Wert je nach Analyseansatz unterschiedlich ausfallen, da es jedem selbst überlassen ist die Faktoren unterschiedlich zu gewichtet. So kann zum Beispiel mehr Wert auf das zukünftige Wachstum als auf den letzten vorgelegten Jahresabschluss gelegt werden oder es könnte ein Hauptteil der Bewertung sich auf die Höhe und Zuverlässigkeit der Dividendenzahlung beziehen.[6] Somit hängt das Ergebnis vom gewählten Ansatz oder der Strategie ab. Diese Arbeit wird sich hauptsächlich mit der Einzelwertanalyse auseinandersetzen und die dafür wichtigen Kennzahlen vorstellen. Dabei wird auf kurz erläutert, in welchen Spannen sich die Werte bewegen müssen um unterbewertete Unternehmen ausfindig machen zu können.

2.1 Abgrenzung zur Chartanalyse

Bevor hier weiter auf die Kennzahlen eingegangen wird soll zunächst erläutert werden, was die Fundamental- von der Chartanalyse unterscheidet und wann der Einsatz welcher Methode mehr Sinn ergibt. Die Chartanalyse ignoriert die Fundamentaldaten der Unternehmen komplett. Sie legt nur Wert auf den Kursverlauf und versucht daraus Schlüsse über die zukünftige Entwicklung zu ziehen. Dies geschieht auf Grund der Annahme, dass menschliches Verhalten in ähnlichen Situationen gleiche Reaktionen hervorruft. Die relevantesten Zustände sind dabei Angst und Gier, die sich über einen Zeitraum gesehen nicht ändern und somit Entwicklungen sich an der Börse ähnliche wiederholen werden.[7] Dies stellt bereits einen deutlichen Unterschied zum fundamentalen Ansatz da, da hierbei davon ausgegangen wird, dass der Anleger seine Emotionen außen vorlässt und seine gesamte Anlageentscheidung anhand von feststehenden Daten trifft und auch nur davon abweicht, wenn sich diese ändern.

Bei der Chartanalyse werden die Entscheidungen anhand anderer Merkmale getroffen. Dabei ist zunächst einmal wichtig, dass Nutzer dieser Analyse davon ausgehen, dass die Marktteilnehmer alle relevanten aktuellen und erwarteten Informationen bereits in den Kurs eingepreist haben. Dies bedeutet dabei nicht, dass Kurse nicht durch Informationen beeinflusst wird sondern nur unerwartete Ereignisse einen Einfluss auf den Kurs haben. Zudem gehen die Analysten davon aus, dass es an den Märkten Trends gibt, die den zukünftigen Verlauf der Aktie in einem gewissen Spanne prognostizieren können. Die letzte Annahme, dass sich Kursverläufe ähnlich wiederholen werden, wurde oben bereits ausreichend erläutert.[8] Um zu einer Empfehlung zu kommen können bei der Chartanalyse zwei Optionen genutzt werden. Die eine ist Trend- und das andere ist die Formationsanalyse. Bei der Trendanalyse werden im Chartverlauf des Unternehmens oder des Index Aufwärts- oder Abwärtstrend eingezeichnet. Wie dies genau geschieht ist hier nicht weiter relevant. Die andere Option ist die Formationsanalyse. Dabei wird nach bestimmten Mustern im Chartverlauf gesucht und dann anhand dieser eine Aussage über die Zukunft getroffen. Zudem können beide Ansätze noch auf weitere Kennzahlen zurückgreifen, die sich aus den Kursinformationen ergeben. Als wichtigstes ist hier der gleitende Durchschnitt zu nennen. Bei dieser Kennzahl kann der Zeitraum frei gewählt werden allerdings ist die weitverbreitetste Variante die 200 Tage Line. Dabei werden die Schlusskurse der letzten 200 Handelstage addiert und durch 200 geteilt. Dadurch wird der Trendverlauf verdeutlicht und Kauf- und Verkaufssignale erzeugt. Ein Kauf ist zu empfehlen, wenn der Kurs den Durchschnitt von unten nach oben schneidet. Ein Verkauf sollte getätigt werden, wenn der Kurs sich gegenläufig entwickelt. Neben dieser Kennzahl lässt sich auch mit dem Verhältnis zwischen Verkauf- und Kaufoptionen einigen Aussagen über den Kurs treffen. Sind dabei die Kaufoptionen in der Überhand dann sind bereits viele Anleger investiert und weitere Käufe bleiben aus, also sind dann sinkende Kurse zu erwarten. Ein Kaufsignal entsteht hierbei, wenn die Verkäufe die Mehrheit ausmachen.[9] Um nun zum Abschluss dieses Abschnittes zu kommen soll kurz erläutert werden wann diese Analyse besser geeignet sein könnte als die Fundamentalanalyse. Der Hauptvorteil den die Chartanalyse gegenüber der Fundamentalen besitzt ist, dass sie auf alles angewendet werden kann, so lange es einen regelmäßig veröffentlichten Kurs hat. Somit kann sie Währungen, Rohstoffe, Indexe oder Anleihen bewerten ohne Anpassungen an der Analyse vornehmen zu müssen. Die Fundamentalanalyse befasst sich dagegen nur mit Unternehmen. Ein weitere Punkt, bei dem die Chartanalyse ihre Stärken zeigen kann ist bei kurzfristigen Bewertungen, da einerseits keine Jahres- oder Quartalsabschlüsse benötigt werden um eine Aktie zu bewerten und andererseits die häufig betrachteten Formationen in einem kurzen Zeitfenster auftreten und nur in diesem die Analyse zutrifft. Auch gibt es einen Punkt in dem die Chartanalyse die Fundamentalanalyse unterstützen kann. Dies ist der Fall, wenn zunächst ein Unternehmen bewertet wird und im folgenden Schritt geprüft wird wo die Chartanalyse Unterstützungen und Widerstände anzeigt oder auch wann ein Einstiegssignal produziert wird um so die fundamentale Analyse mit dem menschlichen Herdentrieb in Einklang zu bringen.[10]

2.2 Die wichtigsten Kennzahlen

Im Kern will die Fundamentalanalyse Unternehmen ausfindig machen deren aktueller Marktwert unter dem inneren Wert liegt. Deshalb ist es naheliegend, dass der Buchwert eine wichtige Rolle spielt. Dieser Wert errechnet sich aus allen Besitztümern reduziert um die Schulden des Unternehmens. Um dann aus diesem Wert bereits eine erste Kennzahl abzuleiten ist es notwendig diesen Betrag durch die im freien Umlauf befindlichen Aktien zu dividieren.[11] Dieser Wert kann durch Hinzunahme des Aktienkurse erweitert werden und ergibt dann das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis). Dazu wird der Kurs durch den Buchwert geteilt. Werte über 1 spiegeln dabei eine Überbewertung an den Märkten wieder und Werte unter eins zeigen mögliche unterbewertete Unternehmen an.[12] Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Analyse ist der Gewinn. Dabei hat dieser alleine keine Aussagekraft, also ist es wie beim Buchwert wichtig diesen mit dem Kurs ins Verhältnis zu setzen. Es wird somit eine Kennzahl errechnet die wiedergibt, zum Wievielfachen des Gewinns das Unternehmen an der Börse bewertet ist. Diese Kennzahl ist das KGV.[13] Dabei zeigt das KGV auch an, welches Wachstum dem Unternehmen zugetraut wird. Ist der Wert besonders hoch erwarteten Anleger ein starkes Wachstum in den kommenden Jahren. Allerdings ist das Wachstum nicht als Faktor eingerechnet sondern mehr als eine Erwartung der Anleger impliziert. Um das Wachstum direkt in eine zu berechnende Kennzahl einfließen zu lassen gibt es zwei Modelle. Das Erste ist weniger bekannt und setzt Wachstum und KGV ins Verhältnis und bezieht dabei sogar noch die Dividende mit ein. Die Formel sieht dabei wie folgt aus: (erwartetes Wachstum + Dividende in %) / KGV

Dabei kann zur Bestimmung des erwarteten Wachstums der Jahresabschluss des Unternehmens genutzt werden. Hierbei wird die prozentuale Veränderung des Gewinns des letzten Jahres berechnet und als zukünftig zu erwartendes Wachstum angesehen. Ein Wert unter 1 ist dabei nicht als Investition zu Empfehlen, zwischen 1 und 2 bewegt sich die Mehrzahl der Unternehmen und erst bei Werten von 2 oder mehr kann von einer guten Kaufgelegenheit ausgegangen werden.[14] Das zweite Modell um das Wachstum mit dem KGV in Verbindung zu bringen ist das PEG (Pirce-Earning-Growth). Diese Kennzahl errechnet sich indem das KGV durch das prozentuale Wachstum des Gewinnes der letzten drei Jahre geteilt wird. Ein Wert unter 1 wird hierbei als Kaufempfehlung angesehen.[15] Das nächste messbare Kriterium befasst sich mit dem Cash Flow. Diesem wird ein höherer Stellenwert zugesagt als z.B. dem Gewinn, da der Gewinn durch Bilanzierungsrichtlinien und durch eine unterschiedliche Besteuerung in den Ländern anders ausfallen kann. Somit ist über den Gewinn ein internationaler Vergleich schwierig.[16] Die Kennzahl die sich mit dem Cash Flow errechnen lässt ist der KCV (Kurs-Cash Flow-Verhältnis). Dabei zeigt der sich ergebene Wert an, wie viele Jahre ein Unternehmen braucht um den Kurs aus seinem Cash Flow zu verdienen. Nachdem jetzt viele Kennzahlen genannt wurden, die sich auf den Kurs des Unternehmens beziehen sollen nun noch einige Kriterien vorgestellt werden, die sich vollständig auf die Bilanz beziehen und die Bewertung des Unternehmens an den Finanzmärkten außen vor lassen. Das erste Kriterium ist dabei die Eigenkapitalquote. Diese Quote ergibt sich in dem das Eigenkapital, also die Mittel die von den Eigentümern des Unternehmens in dieses eingebracht wurden, durch das gesamte Kapital geteilt wird.[17] Dabei gibt es verschiedene Ansichten dazu, was als erstrebenswerte Quote angesehen wird. Nach der Kapitalstrukturregel sollten sich Fremd- und Eigenkapital die Waage halten. Dem gegenüber steht der Leverage-Effekt. Dieser geht davon ausgeht, dass die Rentabilität des Eigenkapitals mit zunehmenden Fremdkapital steigt, so lange der Kreditzins unter der erzielbaren Marge liegt. Beide Ansätze lassen sich nur schwer auf die Realität übertragen, so dass die Quote am besten mit dem Durchschnittswert der Branche verglichen werden muss.[18] Da die Rentabilität bereits angesprochen wurde soll sie nun auch erläutert werden. Dabei sind zwei Sachen wichtig: die Eigen- und die Gesamtkapitalrentabilität. Die Eigenkapitalrentabilität errechnet sich in dem der Nettogewinn durch das Eigenkapital geteilt wird. Ähnlich wird bei der Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität vorgegangen. Dabei wird der Nettogewinn um die geleisteten Fremdkapitalzinsen erweitert und dieser Betrag wird durch das gesamte Kapital geteilt. Der sich ergebene Werte verdeutlichen einem Investor, wie sich seine Anlege entwickeln würde, wenn die Rentabilität konstant bleibt.[19] Der Verschuldungsgrad ist die letzte Kennziffer, die hier betrachtet werden soll. Dieser ergibt sich, indem die Verbindlichkeiten des Unternehmens, also Kredite, Anleihen und ähnliches durch das Eigenkapital geteilt werden. Dabei kann auch die Entwicklung der Verschuldung betrachtet werden. Sollte die Verschuldung abgenommen haben, würden dem Unternehmen wieder mehr Mittel zur Verfügung stehen um daraus z.B. eine Dividende zu zahlen.[20] Der Verschuldungsgrad ergibt in Verbindung mit dem Cash Flow den dynamischen Verschuldungsgrad. Bei der Berechnung werden zunächst die Verbindlichkeiten um die liquiden Mittel 1. Grades reduziert. Im folgenden Schritt wird der Betrag durch den Cash Flow dividiert. Ein KCV von 1 ist so zu interpretieren, dass die Verschuldung innerhalb eines Jahres aus dem Cash Flow gedeckt werden könnt. Ein höherer Wert bedeutet somit eine höhere theoretische Entschuldungsdauer.[21] Die hier vorgestellten Kennzahlen sollen für den Umfang dieser Arbeit genügen. Natürlich könnten noch viele weitere Werte herangezogen werden, da der Umfang der Kennzahlen fast grenzenlos ist.

3 Anwendung der Analyse auf ThyssenKrupp

In diesem Kapital sollen die in Kapitel 2.2 vorgestellten Kennzahlen anhand des Geschäftsberichts 2013/2014 der ThyssenKrupp AG auf ein Praxisbeispiel angewandt werden. Es wurde dieses Unternehmen gewählt, da es ein konservatives Tätigkeitsfeld hat und somit noch einen großen Teil seiner Mittel in Anlagen und Maschinen investiert, dadurch sind manche Kennzahlen besser zu berechnen. Dabei werden allerdings immer die Zahlen verwendet, die sich auf den gesamten Konzern beziehen. Da der Geschäftsbericht am 20. November 2014 veröffentlicht wurde, wird davon ausgegangen, dass die Analyse am selben Tag durchgeführt wurde. Zur Berechnung von KGV und ähnlichen Ziffern wird somit der Schlusskurs des 20.11 verwendet.[22] Zunächst werden nur die Kennzahlen für das aktuelle Jahr vorgestellt. Zum Ende des Kapitels wird dann noch eine Tabelle mit den Werten der letzten 5 Jahre beigefügt und anhand dieser Tabelle eine Einstufung des Unternehmens vorgenommen. Die ersten Werte die nun herausgesucht werden sind Gewinn, Cash Flow und Buchwert je Aktie. Beim Cash Flow wurde sich für den Operativen entschieden da das Unternehmen diesen auch zur Berechnung verwendet. Der Jahresüberschuss beläuft sich auf 195 Mio. €, der Cash Flow auf 887 Mio. € und der Buchwert ja Aktie liegt bei 5,65€. Um nun zu den Kennziffern zu kommen, die sich auf den Kurs des Unternehmens beziehen, wird der Schlusskurs des 20.11.2014 benötigt. An diesem Termin notiert die Aktie bei 20,30€ an der Frankfurter Börse. Somit ergibt sich für das KBV ein Wert von 3,59, also deutlich über dem Wert von 1. Dass heißt, dass ThyssenKrupp mit fast dem 4fachen Wert aller Teile bewertet wurde. Eine ähnlich starke Überbewertung wird mit dem KGV von fast 54 verdeutlicht. Die beiden Kennziffern, die das Wachstum mit einbeziehen sind allerdings kaum auszuwerten, da der Gewinn des Unternehmens einer so starken Schwankung unterlag, dass die Zahlen aus allen Maßstäben fallen. Das PEG beispielsweise erreichte einen Wert von -97 für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr, was sich darauf ergibt, dass das durchschnittliche Wachstum des Gewinns der letzten drei Jahre bei -0,55% lag. Ähnlich sieht es für Formel aus, die neben dem Wachstum auch die Dividendenrendite mit einbezieht. Diese weißt einen Wert von etwas über 2 aus und würde somit eine gute Kaufgelegenheit anzeigen. Allerdings ist dies nur dadurch begründet, dass der Gewinn von -1.575 Mio. € auf 195 Mio. € gesprungen ist und somit ein sehr hohes Wachstum vorlag. Somit wird hier gut verdeutlich, dass die Kennzahlen die den Gewinn mit einbeziehen in bestimmten Situationen kaum anwendbar sind. Anders sieht es dafür beim KCV aus. Dieses lag am Stichtag bei 12,95. Somit würde die aktuelle Marktkapitalisierung erst nach fast 13 Jahres verdient werden, was wieder für eine deutliche zu hohe Bewertung spricht. Ähnliche Signale gehen von der Eigenkapitalquote und –Rentabilität aus. Die Quote beläuft sich gerade einmal auf etwa 9% und das EK weißt eine Rentabilität von 6,1% aus. Die Gesamtkapitalrentabilität liegt sogar noch etwas niedriger mit 2,55%.[23] Der Verschuldungsgrad ist mit 1027% viel zu hoch, da das Fremdkapital das Eigenkapital so um mehr als das 10fache übersteigt. Dies wird auch noch durch den dynamischen Verschuldungsgrad verstärkt, da dieser fast 33 beträgt und somit aussagt, dass die Schulden erst nach 33 Jahren aus dem Cash Flow bezahlt sein würden. Interessant ist hierbei auch, dass der Geschäftsbericht einen deutlich niedriger Wert ausweißt, da dieser nur von einer Netto-Finanzschuld von etwa 3.500 Mio. € ausgeht und nicht wie bei der hier verwendeten Rechnung von 28.852 Mio. €. Um nun zum Abschluss der Analyse zu kommen werden nun noch die Zahlen über den fünf Jahres Zeitraum betrachtet.

[...]


[1] Vgl. Allianz, (Das Geldvermögen), https://www.allianz.com/v_1411637264000/media/economic_research/research_data/german_documents/vermoegen_privater_haushalte/VermphD.pdf, 24.11.2014.

[2] Vgl. Dürr, S., (Ursachen und Auswirkungen des Home Bias, 2007), S.1.

[3] Vgl. Winkler, D., (Schnellkurs Aktien, 2010), S. 101f.

[4] Vgl. Perridon, L., Steiner, M., (Finanzwirtschaft, 2003), S. 198.

[5] Vgl. Priermeier, T., (Fundamentale Analyse, 2006), S. 14f.

[6] Vgl. Perridon, L., Steiner, M., (Finanzwirtschaft, 2003), S. 219f.

[7] Vgl. Winkler, D., (Schnellkurs Aktien, 2010), S. 102.

[8] Vgl. Düllmann, M., (Fundamental- und technische Analyse), http://www.vtad.de/sites/files/forschung/Fundamental-und-technische%20Analyse-unvereinbareKonkurrenzmethoden-oder-sich-ergaenzendePartner.pdf, 23.11.2014, S. 7ff.

[9] Vgl. Winkler, D., (Schnellkurs Aktien, 2010), S. 102ff.

[10] Vgl. Düllmann, M., (Fundamental- und technische Analyse), http://www.vtad.de/sites/files/forschung/Fundamental-und-technische%20Analyse-unvereinbareKonkurrenzmethoden-oder-sich-ergaenzendePartner.pdf, 23.11.2014, S. 10f und 14.

[11] Vgl. Browne, C. H., (Die Value Zauberformel, 2007), S. 59.

[12] Vgl. Huneke, D., (Vermögensaufbau, 2010), S. 111.

[13] Vgl. Von Widder, K., (Investmentmoden, 2006), S. 9.

[14] Vgl. Lynch, P., Rothchild, J., (Der Börse einen Schritt voraus, 2007), S. 252f.

[15] Vgl. Huneke, D., (Vermögensaufbau, 2010), S. 110f.

[16] Vgl. Gelfarth, V., (Die besten Anlage-Strategien der Welt, 2005), S. 66.

[17] Auf die Ausweisung der Multiplikation mit 100 um die Prozentangabe zu erhalten wird in dieser Arbeit verzichtet. Bitte sehen Sie dieses als impliziert an.

[18] Vgl. Vahs, D., Schäfer-Kunz, J., (Betriebswirtschaftslehre, 2007), S. 753f.

[19] Vgl. Gelfarth, V., (Anlage-Strategien, 2013), S. 78 und Perridon, L., Steiner, M., (Finanzwirtschaft, 2003), S. 568f.

[20] Vgl. O’Neil, W., (Wall Street für Anleger, 1992), S. 50f.

[21] Vgl. Preißler, P. R., (Kennzahlen, 2008), S.74.

[22] Siehe hierfür ThyssenKrupp, (2013_2014 Geschäftsbericht), http://www.thyssenkrupp.com/documents/investor/Finanzberichte/ger/ThyssenKrupp_2013_2014_GB.pdf, 30.11.2014 und finanzen.net, (historische Kurse), http://www.finanzen.net/historische-kurse/ThyssenKrupp, 30.11.2014.

[23] Die Berechnung der GK-Rentabilität weicht vom Geschäftsbericht ab da dort ein anderer Ansatz gewählt wurde. Die Rentabilität wurde so berechnet, dass der Jahresüberschuss um die Differenz zwischen EBIT und EBT erhöht wurde und dann durch die Bilanzsumme geteilt wurde.

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668250024
ISBN (Buch)
9783668250031
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v335043
Institution / Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
1,3
Schlagworte
Corporate Financial Management Bewertung Analyse Fundamentalanalyse Finance

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Titel: Grundzüge der Fundamentalanalyse. Eine Darstellung und Analyse