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Der kreative Umgang mit Kinder- und Jugendliteratur im Englischunterricht anhand des Romans "Lord of the Flies"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 18 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kinder- und Jugendliteratur als Medium im Englischunterricht
2.1 Arbeitsdefinition zur Kinder- und Jugendliteratur
2.2 Gründe für den Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur im Englischunterricht
2.2.1 Der Kompetenzbegriff im Englischunterricht
2.2.2 Kompetenzerwerb durch Kinder- und Jugendliteratur
2.2.3 Aktivierung und Motivation durch Kinder-und Jugendliteratur

3. Der Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur im Fremdsprachenunterricht
3.1 Die Auswahl geeigneter Texte
3.2. Die didaktisch sinnvolle Arbeit mit Kinder- und Jugendliteratur

4 Kreativer Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht anhand einer Unterrichtseinheit zum Roman Lord of the Flies
4.1. Rahmen des Unterrichts und Inhaltswiedergabe des Buches
4.2. Kreative Gestaltung der Pre-Reading -Phase
4.3. Kreative Gestaltung der While-Reading -Phase
4.4. Kreative Gestaltung der Post-Reading -Phase

5 Fazit

6 Quellen und Literatur

7 Anhang

1 Einleitung

Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern sich aus dem eigenen Geist erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte Hermann Hesse 8,9 Bücher liest jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Ganze 45% der befragten Jugendlichen zwischen 14 bis 19 Jahren gaben in einer Umfrage im Jahr 2008 an, in ihrer Kindheit niemals ein Buch geschenkt bekommen zu haben[1]. Diese beiden Zahlen zeigen, auch wenn man sie nicht mit älteren Umfrageergebnissen vergleicht, dass das Lesen von Büchern immer mehr, vor allem bei Jugendlichen, aus der Mode zu kommen scheint. Die Ursachen dafür sind vielfältig und der Mangel im Lesen erwächst nicht aus einem einzigen Grund. Doch zweifellos ist es Aufgabe der Schulen, diesem Trend entgegenzuwirken. Verschiedene Kampagnen in der Lehreraus- und fortbildung zielen auf eine Erhöhung der Zeit, die im Unterricht mit dem Lesen von Literatur verbracht wird, ab[2]. Dies betrifft nicht nur den Deutschunterricht, sondern auch die Fächer, in denen die Fremdsprachen vermittelt werden. Dass englischsprachige Kinder- und Jugendliteratur auch in Deutschland erfolgreich sein kann, zeigt nicht zuletzt der großartige Erfolg der Harry Potter Bücher der britischen Autorin J.K. Rowling. Dies legt die Vermutung nahe, englischsprachige Literatur auch zum größeren Bestandteil des Englischunterrichts werden zu lassen. Erfolgt dies in einer möglichst kreativen und somit schüleraktivierenden Art, so lassen sich eventuell mehr Jugendliche für das Lesen begeistern und beginnen im besten Fall mit dem Lesen englischsprachiger Texte auch in der Freizeit. Dies jedoch wäre nur eine wünschenswerte Folge des Einsatzes englischer Literatur im Unterricht. Primär geht es um die Frage, wie sich Kinder- und Jugendliteratur aus England kreativ in den Unterricht einbauen lässt. Dieser Frage wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Dabei wird zunächst eine Begriffsbestimmung von Kinder- und Jugendliteratur vorgenommen, erörtert, warum der Einsatz dieser Texte im Englischunterricht sinnvoll ist und welche didaktisch-methodischen Voraussetzungen für die erfolgreiche und effektive Arbeit mit dieser Literatur gegeben sein müssen. Anschließend an diesen theoretischen Teil folgt ein praxisorientiertes Beispiel, welches die Erkenntnisse aus dieser Arbeit berücksichtigt und zeigt, wie Kinder- und Jugendliteratur im Englischunterricht kreativ eingesetzt und behandelt werden kann.

2 Kinder- und Jugendliteratur als Medium im Englischunterricht

2.1 Arbeitsdefinition zur Kinder- und Jugendliteratur

Der Begriff der Kinder- und Jugendliteratur lässt sich ebenso schwierig definieren wie der Literaturbegriff selbst. Folgt man dem allgemeinen Verständnis von Literatur so folgt daraus auch die Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur als die Art der Literatur, die für Kinder und Jugendliche besonders geeignet oder ausschließlich für Personen dieser Altersgruppen geschrieben worden ist. Wie der Autor Carsten Gansel jedoch feststellt, lässt sich Literatur mithilfe verschiedener Kategorien als Kinder- und Jugendliteratur definieren[3]. Gansel formuliert dementsprechend beispielsweise drei Kategorien. Unter die intentionale Kinder-und Jugendliteratur ordnet er sämtliche Literatur ein, die für Kinder und Jugendliche als geeignete empfunden und eingestuft wird. Die spezifische Kinder-und Jugendliteratur umfasst alle fiktionalen und non-fiktionalen Texte, die explizit für diese Zielgruppe geschrieben worden sind. Und schließlich bezeichnet die dritte Kategorie, die Kinder- und Jugendlektüre, alle Texte, die von Kindern und Jugendlichen tatsächlich rezipiert und gelesen werden. Eine weitere Form, Literatur als Kinder- und Jugendliteratur einzustufen, erfolgt anhand der Bestimmung einiger typischer Charakteristika, die diese Form der Literatur kennzeichnen[4]. In den meisten Fällen tritt die Kinder- und Jugendliteratur in Form von Romanen oder Kurzgeschichten auf, wobei der Protagonist in diesen Werken in der Regel selbst ein Jugendlicher ist. Charakteristisch ist auch, dass Handlung und Thematik der Werke stets dem Alter und der Erfahrungswelt der Hauptfigur und somit auch des jugendlichen Lesers entsprechen. Betrachtet man die Handlungen, die in der Kinder- und Jugendliteratur thematisiert werden, so fällt auf, dass die Probleme und Herausforderungen der Jugendlichen, mit denen sie in ihrer Welt konfrontiert werden, Mittelpunkt der Jugendliteratur bilden. Darum wird diese Form der Literatur gelegentlich als ‚Problemliteratur‘ oder ‚Coming-of-Age-(Heranwachsenden-) Literatur‘ bezeichnet. Zwar lässt sich somit keine eindeutige und allumfassende Definition für Kinder- und Jugendliteratur herausarbeiten, in dieser Arbeit soll darunter jedoch die Art von Literatur verstanden werden, die von Gansel als spezifische Kinder- und Jugendliteratur bezeichnet wird und darüber hinaus auch die oben genannten Charakteristika aufweist.

2.2 Gründe für den Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur im Englischunterricht

In fachdidaktischen Publikationen über den Einsatz von Literatur im Allgemeinen und Kinder- und Jugendliteratur im Speziellen im Englischunterricht finden sich viele Begründungen. Im folgenden Teil der Arbeit werden die zwei wichtigsten von diesen vorgestellt. Zuvor jedoch ist es notwendig, einen kurzen Exkurs zur fachdidaktischen Reformierung des modernen Englischunterrichts vorzuschalten.

2.2.1 Der Kompetenzbegriff im Englischunterricht

Im Dezember 2003 wurden die Bildungsstandards für die erste Fremdsprache – Englisch oder Französisch – für den Mittleren Schulabschluss (Jahrgangsstufe 10) von der Kultusministerkonferenz verabschiedet[5] und im darauffolgenden Jahr durch Bildungsstandards für den Hauptschulabschluss (Jahrgangsstufe 9) ergänzt[6]. Christiane Fäcke zufolge bilden diese Bildungsstandards „im Sinne von Regelstandards verbindliche Vorgaben für die beiden Bildungsabschlüsse“[7]. Ein wichtiger Aspekt in diesen Bildungsstandards ist die Ausbildung fachspezifischer Kompetenzen. Dies werden laut Franz Weinert verstanden als „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“[8].

Dieser Definition zufolge umschließt die Bedeutung von ‚Kompetenz‘ die Fähigkeit zur „Umsetzung von Wissen, Können und Einstellungen zur Lösung von ‚Aufgaben‘ und ‚Problemen‘“[9] und geht damit über das reine Verfügen über ‚träges‘ Wissen hinaus[10]. Im ersten Kapitel der Bildungsstandards für die erste Fremdsprache wird „die Befähigung zu erfolgreicher Kommunikation durch kommunikative Kompetenzen in anderen Sprachen als wichtige Voraussetzung für persönliche Entwicklung und beruflichen Erfolg festgestellt“[11]. Demzufolge sollte der schulische Fremdsprachenunterricht die Entwicklung von drei Kompetenzbereichen fördern: Methodenkompetenzen, interkulturelle Handlungsfähigkeit und kommunikative Kompetenzen, wobei letztere durch einen „erhöhten Anwendungsbezug des Sprachenlernens“ entwickelt werden sollen[12]. Die Beschreibung der zu erreichenden ‚funktionalen kommunikativen Kompetenzen‘ basiert auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen, welches „das untere Niveau einer selbstständigen Sprachverwendung repräsentiert“[13]. Das Ziel der Ausbildung dieses Kompetenzbereiches ist, dass die Schüler „sich handlungssicher verständigen“[14], dass sie die sprachlichen Strukturen „intentions- und situationsangemessen benutzen“[15] sowie „neue grammatische und lexikalische Elemente und Strukturen erkennen und zu bekannten fremdsprachlichen Inventaren in Beziehung setzen“[16]. Das oberste Ziel ist dabei stets die „gelungene Kommunikation“[17].

Die interkulturelle Kompetenz beschreibt die „Befähigung zu Offenheit, Toleranz und Mündigkeit in einem zusammenwachsenden Europa“[18]. Sie beinhaltet zum einen die Ausprägung des Orientierungswissens, welches die Jugendlichen über ihre eigene und die fremde Kultur besitzen und entwickeln sollen. Zum anderen zielt die Entwicklung dieses Kompetenzbereiches auf einen verständnisvollen Umgang mit kulturellen Differenzen, die die Schüler zwischen ihrer eigenen Kultur und der anderen, von ihrer Erfahrung abweichenden, Kultur feststellen. Eine ausgeprägte interkulturelle Kompetenz soll somit den Schülern die sichere „Bewältigung interkultureller Begegnungssituationen“[19] ermöglichen. Und schließlich ist die methodische Kompetenz darauf ausgerichtet, „die Befähigung zum Arbeiten mit Texten und Medien […] [und] den Erwerb von Lerntechniken [zu entwickeln], um in kooperativer und selbstständiger Arbeit Sprachkenntnisse auszubauen“[20]. Neben der Vermittlung von Methoden der Textproduktion sowie der Textrezeption stehen hier vor allem die Interaktion und somit die Kommunikationsprozesse im Vordergrund. Darüber hinaus sollen die Schüler befähigt werden, Präsentationstechniken zu nutzen, selbstständig zu arbeiten, sowie die eigene Arbeit zu evaluieren und genutzte Methoden zu reflektieren.

2.2.2 Kompetenzerwerb durch Kinder- und Jugendliteratur

Dem oben dargestellten Kompetenzerwerb entspricht der Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur vollkommen. Im Folgenden soll dargestellt werden, inwiefern dies im englischsprachigen Fremdsprachenunterricht realisiert werden kann[21]. Wird Kinder- und Jugendliteratur im Englischunterricht schüleraktivierend eingesetzt, wird also aktiv mit dem Text gearbeitet, so folgt daraus direkt eine Förderung der Methodenkompetenz. Die Schüler erlernen durch die Arbeit am Text verschiedene Methoden der Texterschließung und Inhaltserarbeitung, beispielsweise das korrekte und effektive Vornehmen von Unterstreichungen. Unweigerlich folgt aus dem Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur auch eine Förderung der Text- und Medienkompetenz. Die Schüler lernen über die Literatur, die ihnen zur Verfügung gestellt wird, für sie teilweise noch unbekannte Gattungen und Textsorten kennen. Mit Hilfe der erlernten Methoden der Text- und Inhaltserschließung ist es darüber hinaus möglich, diese neuen Textsorten inhaltlich zu verstehen und somit eventuell bereits bekanntem zuzuordnen. Dadurch wird nicht nur das Weltwissen gefördert, sondern auch die Fähigkeit, diese neuen Texte in beliebigen Kontexten zu verstehen. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass insbesondere literarische Texte, welche in der Regel deutungsoffen und teilweise sogar mehrdeutig sind, nun leichter interpretiert und ausgelegt werden können. Die Schüler setzen dabei ihr Vorwissen, ihre eventuell vorhandenen eigenen Erfahrungen und Vorstellungen ein, um das Gelesene einzuordnen und für sich verständlich zu machen. Schließlich schult auch das Lesen fremdsprachiger Texte an sich[22]. Die Schüler fördern ihre Kompetenzen in der Aussprache und dem Verständnis von neuen Vokabeln und gar ganzen Sätzen und erlangen darüber hinaus die Fähigkeit längere Textabschnitte durchzuhalten. Wobei vor allem die letztere Fähigkeit in der Gegenwart mit ihren schnellen und wechselhaften Informationsfluten von immer größerer Bedeutung ist. Neben diesen beiden Kompetenzbereichen fördert der Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur auch die Ausbildung der kommunikativen Kompetenz[23]. Zu dieser Kompetenz zählt auch das Leseverstehen, welches selbstverständlich beim Lesen fremdsprachlicher Texte gefördert wird[24]. Abhängig von der Durchführung der Lektüre und der Vor- und Nachbereitung des Gelesenen im Klassenverband kommt es darüber hinaus auch zur Förderung der Kompetenz Sprechen. Letztlich fördert das Lesen fremdsprachiger Texte auch die interkulturelle Kompetenz. Das Lesen fremdsprachiger Literatur lässt die Schüler in eine andere Kultur eintauchen[25]. Gerade in der Jugendliteratur ist der Protagonist meist in demselben Alter wie die Leser, welche einen Perspektivwechsel vornehmen und versuchen müssen, sich in den Protagonisten hineinzuversetzen, um dessen Konflikt und die Handlung zu verstehen. Sind die Texte darüber hinaus authentisch, erhalten die Schüler unmittelbar durch die Figuren und die Handlung Informationen über die jeweils andere Kultur und einen Einblick davon, wie die Menschen dieser anderen Kultur über Dinge denken, über sie sprechen und ganz allgemein, wie sie die Welt mit ihren Augen sehen[26].

2.2.3 Aktivierung und Motivation durch Kinder-und Jugendliteratur

Unzweifelhaft führt der Einsatz von literarischen Texten zur Erhöhung der Schüleraktivität. Dies liegt schon vor allem im Prozess des Lesens an sich begründet. Das Lesen und Erschließen eines Textes ist ein höchst individueller Vorgang und nur von jedem Schüler selbst durchführbar. Werden spannende und für die jeweilige Klasse geeignete Texte im Unterricht gelesen und behandelt, so sorgt allein diese Spannung für eine Motivation der Schüler und sie folgen dem Unterricht aktiver und aufmerksamer[27]. Da das Lesen von jedem Schüler individuell durchgeführt wird, interpretiert auch jeder Leser den Text in einer individuellen Weise. Darüber hinaus ruft der entsprechende Text bei jedem Schüler andere Reaktionen und Emotionen hervor. All dies sorgt für ein erhöhtes Bedürfnis beim Schüler über diese Erfahrungen, Eindrücke und Gedanken zu sprechen, selbst wenn es in der Fremdsprache geschieht[28]. Dies fördert nicht nur die bereits erwähnte kommunikative Kompetenz, sondern bewirkt den Einsatz der Fremdsprache also „nicht nur für pragmatisch-funktionale Zwecke […], sondern um etwas Eigenes auszudrücken und um etwas darüber zu erfahren, was andere denken und empfinden“[29]. Dieser Austausch von Gedanken und Empfindungen bedarf jedoch neben einem guten Klassenklima eine deutliche Zurücknahme der Lehrkraft vom Unterrichtsgeschehen sowie die Offenheit des Lehrers für die individuellen Auffassungen und Interpretationen der Schüler[30]. Um einen regen Austausch innerhalb der Klasse zu ermöglichen sollte der Lehrer auf keinen Fall seine Interpretation des Textes in den Mittelpunkt des Unterrichts stellen, beispielsweise indem er die Schüler durch gezielte Fragen zu einer bestimmten, seiner Auslegung entsprechenden, Erkenntnis lenkt. Wird dieser wichtige Faktor in der Unterrichtsplanung berücksichtigt, kann der Einsatz von Kinder-und Jugendliteratur die Motivation und Aktivität der Schüler fördern[31]. Die oben dargestellten Gründe rechtfertigen somit den Einsatz spezieller Literatur für Kinder und Jugendliche aus der didaktischen Perspektive.[32]

3. Der Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur im Fremdsprachenunterricht

3.1 Die Auswahl geeigneter Texte

Die Abkehr von den klassischen Lehrplänen als Grundlage des Englischunterrichtes erwirkte auch die Auflockerung des sogenannten Kanons an einer Schule bewährter Literatur, welche in der vorgeschriebenen Jahrgangsstufe abgearbeitet werden musste. Im modernen Englischunterricht ist es nun möglich und auch angebracht außerhalb dieses Kanons nach geeigneter Literatur für den Unterricht zu suchen und diese zu behandeln. Da die Auswahl der geeigneten Texte maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg des Unterrichts über und mit dieser Literatur hat, sollte die Lehrkraft einige Punkte bei der Textauswahl beachten, die im Folgenden überblickshaft dargestellt werden sollen. Zuallererst sollte der Lehrer auf den Preis des gewünschten Werkes achten. Um auch den Familien mit geringen Einkommen und knappen Haushaltsbudget den Erwerb der benötigten Texte zu ermöglichen, sollte immer auf eine preiswerte Taschenbuchausgabe des gewünschten Werkes zurückgegriffen werden. In der Literatur werden darüber hinaus die sogenannten simplified readers[33] als die zu bevorzugenden Texte genannt. Diese sind in der Regel gekürzt und mit grammatischen Anmerkungen versehen. Vor allem in den unteren Klassenstufen erleichtern diese Ausgaben den Schülern das Verständnis des Textes. Es wird jedoch auch darauf hingewiesen, in den höheren Klassenstufen und vor allem in der Oberstufe an Gymnasien die authentischen Originale zu bevorzugen. Begründet wird dies zum einen durch den motivierenden Effekt des Originals und zum anderen erhalten die Schüler durch diese Originalausgaben ein unverfälschtes Bild der englischen Sprache mit den entsprechenden Feinheiten in Satzbau und Grammatik. Darüber hinaus sind diese Originaltexte ein greifbares Beispiel für die englische Lesekultur. Liegt der Text sprachlich zudem leicht über dem Niveau der Schüler, hat diese Herausforderung, das Gelesene zu verstehen ebenfalls bis zu einem gewissen Grad einen positiven Einfluss auf die Motivation der Klasse, sich mit dem Text zu beschäftigen. Ein weiterer Faktor bei der Textauswahl bildet die Länge. Um die Behandlung des Textes gut in den Unterricht einbetten zu können, wird eine maximale Länge von rund 300 Seiten empfohlen. Die ausgewählten Texte sollten selbstverständlich an den Interessen und Bedürfnissen der Schüler ausgerichtet sein. Dies betrifft sowohl den Inhalt als auch die sprachlichen Fähigkeiten, die die Schüler bereits besitzen. Über die Möglichkeit der Förderung der sprachlichen Kompetenz durch den Einsatz von sprachlich herausfordernder Literatur wurde oben bereits berichtet. Im Hinblick auf die Gründe für den Einsatz der Kinder- und Jugendliteratur ist es wichtig, bei der Auswahl der Texte auf deren Übereinstimmung mit den übergreifenden Lernzielen des Fremdsprachenunterrichts wie dem Kompetenzerwerb und mit dem Thema der jeweiligen Unterrichtseinheit zu achten. Dementsprechend sollte der ausgewählte Text auch die Möglichkeit der weiteren analytischen und kreativen Arbeit bieten und nicht nach der Lektüre erschöpft sein. Zu guter Letzt sollte der ausgewählte Text auch dem Lehrer selbst gefallen. Schließlich erzeugt dies nicht nur eine Motivation der Lehrkraft für das Thema, welche sich auf die Schüler überträgt, sondern erleichtert diesem den kreativen Umgang mit dem ausgewählten Text.

[...]


[1] Vgl. Zeit Online (2008): „Vergeht den Deutschen die Lust am Lesen?“, < http://www.zeit.de/online/2008/50/lesen-studie/komplettansicht> (15.07.2014).

[2] Vergleiche dazu beispielsweise die Kampagne „Lesen!“, die Schüler und Lehrer unterschiedlicher Klassenstufen mit Tipps zu aktueller Kinder- und Jugendliteratur für den Unterricht und Freizeit versorgt.

[3] Vgl. dazu und im Folgenden: Gansel, Carsten (2010): Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Vorschläge für einen kompetenzorientierten Unterricht. Berlin: Cornelsen Scriptor, S. 13.

[4] Vgl. Lamb, Nancy (2001): Crafting Stories for Children, Cincinnati: Writer's Digest Books, S. 24.

[5] Vgl. z.B. Tesch, Bernd (2007): „Bildungsstandards: die Kastanien im Feuer (Bedingungen gelingender Implementation)“. In: Der Fremdsprachliche Unterricht Französisch 88 (47), S. 8. und Christ, Ingeborg (2007): „Der Französischunterricht angesichts der ‚Bildungsstandards‘“. In: Französisch heute 2 (38), S. 184.

[6] Fäcke, Christiane (2010): Fachdidaktik Französisch. Tübingen: narr Verlag, S. 77.

[7] Ebd. , S. 77. Nieweler (in: Bildungsstandards – Rundum-Sanierung, S. 3) definiert neben Regelstandards auch die Begriffe Minimal- und Maximalstandards und grenzt diese damit voneinander ab. Er betont zudem, dass die Klieme-Expertise der KMK empfohlen hatte, Mindeststandards festzulegen. Die KMK entschied sich dennoch für die Festlegung von Regelstandards anstatt von Mindeststandards, da letztere der KMK zufolge erst nach einem längeren Prozess der Erfahrung formuliert werden können.

[8] Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.) (2007): Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards - Expertise, Bonn, Berlin, S. 19. Siehe auch Nieweler: „Bildungsstandards – Rundum-Sanierung“, S. 2-5.

[9] Fä>

[10] Vgl. ebd., S. 78.

[11] Christ: „Der Französischunterricht angesichts der ‚Bildungsstandards‘“, S. 184.

[12] Ebd., S. 185.

[13] Ebd., S. 186.

[14] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (2004): Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/ Französisch) für den Mittleren Bildungsabschluss, München. , S. 10.

[15] Ebd., S. 10.

[16] Ebd., S. 11.

[17] Ebd., S. 16.

[18] Christ: „Der Französischunterricht angesichts der ‚Bildungsstandards‘“, S. 186.

[19] Ebd., S. 186.

[20] Ebd., S. 187.

[21] Vgl. Nünning, Ansgar; Surkamp, Carola (2006): Englische Literatur unterrichten, Seelze-Velber: Klett, Kallmeyer, S. 22 – 32.

[22] Vgl. Gehring, Wolfgang (2010): Englische Fachdidaktik : Theorien, Praxis, forschendes Lernen, Berlin: Schmidt, S. 152.

[23] Vgl. Nünning; Surkamp: Englische Literatur unterrichten, S. 22ff.

[24] Vgl. Gehring: Englische Fachdidaktik, S. 152.

[25] Vgl. Decke – Cornill, Helene; Küster, Lutz (2010): Fremdsprachendidaktik, Tübingen: Narr, S. 252ff.

[26] Vgl. Ebd., S. 253f.

[27] Vgl. Ebd., S. 252.

[28] Vgl. Nünning; Surkamp: Englische Literatur unterrichten, S. 15.

[29] Zitiert nach: Nünning; Surkamp: Englische Literatur unterrichten, S. 14.

[30] Vgl. dazu und im Folgenden Gehring: Englische Fachdidaktik, S. 152.

[31] Vgl. Decke – Cornill; Küster: Fremdsprachendidaktik, S. 252f.

[32] Dieser Abschnitt basiert im Wesentlichen auf den Darstellungen von Nünning; Surkamp: Englische Literatur unterrichten, S. 39 – 50. Hier werden die vorgestellten Kriterien noch weiter vertieft.

[33] Dieser Begriff wurde in Ebd., S. 45 verwendet.

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668248809
ISBN (Buch)
9783668248816
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v335057
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Anglistik/Amerikanistik
Note
1,3
Schlagworte
Englisch Fachdidaktik Kinderliteratur Literatur Jugendliteratur kreativer Umgang mit Literatur im Fremdsprachenunterricht literarische Texte Fremdsprachenunterricht Kompetenz Kompetenzbegriff im Englischunterricht Textauswahl kreative Gestaltung der Lesephasen pre-reading while-reading post-reading

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