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Berufseinstieg nach der Förderschule. Gibt es eine Alternative zur Werkstatt für Menschen mit Behinderung?

Seminararbeit 2016 13 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von „Behinderung“

3. Die Entwicklung der Werkstatt für behinderte Menschen

4. „Nächster Halt Werkstatt“- Warum eigentlich?

5. Die Möglichkeiten in der WfbM

6. Gibt es Alternativen zur „Werkstatt“?

7. Eine Alternative zur Werkstatt: Integrationsfachdienste

8. Resümee

9.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserem Grundgesetz gibt es eine gesetzliche Verankerung, welche besagt, dass ein Beruf sowohl frei gewählt werden darf (Artikel 12 Absatz 1 GG).

Des Weiteren ist gesetzlich festgelegt worden, dass es keine Benachteiligungen auf Grund von Behinderung geben darf, dies gilt für den Bereich der Berufswahl eben so wie für alle anderen Lebensbereiche.

Leider sieht die Realität jedoch anders aus: Kaum ein Schüler, der eine Förderschule verlässt findet Anschluss auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Schülerinnen und Schüler (im Folgenden mit „SuS“ abgekürzt) aus allen Förderbereichen haben es durch ihre eingeschränkten kognitiven und/oder körperlichen Fähigkeiten schwer, einen Zugang zur reguläre Arbeitswelt zu finden. Häufig treten die Schulabgänger von Förderschulen aller Förderbereiche direkt nach Schulabgang in die zwei jährige Eingangsphase einer „Werkstatt für Menschen mit Behinderung“ (im Folgenden mit WfMb) ein, welche allerdings meist nahtlos in einem Wechsel in ein festes Arbeitsverhältnis innerhalb der „Werkstatt“ endet. In dieser Ausarbeitung sollen verschiedenen Fragen nachgegangen werden:

1. Wieso scheint der Weg von einer Förderschule in die WfbM alternativlos zu sein?
2. Welche Alternativen gibt es für SuS auf einem Weg in den ersten Arbeitsmarkt, fernab von einer Eingliederung in eine WfbM

Als letzter Schritt in der Ausarbeitung soll ein Resümee die Möglichkeit bieten, sich mit der Frage zu beschäftigen, unter welchen Bedingungen eine Alternative zur Werkstatt für behinderte Menschen sinnvoll ist und unter welchen Bedingungen eine Werkstattbeschäftigung vielleicht sogar alternativlos bleibt.

2. Definition von „Behinderung“

Sprechen wir im Bezug auf die betroffene Personengruppe beim Thema der Werkstätten für behinderte Menschen von „Behinderung“ meinen wir damit den Oberbegriff dessen, was die unterschiedliche Formen der körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigung ausmacht.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO („Wordl-Health-Organisation“) unterscheidet bei der Definition des Begriffes in drei Unterschiedliche Bedeutungen.

1. impairment (Schädigung)
2. disability (Beeinträchtigung)
3. handicap (Behinderung)

1. Der Begriff der „Schädigung“ meinte eine organische Schädigung, welche eine Dysfunktion im physiologischen, anatomischen oder psychologischen Bereich mit sich bringt. Diese Form der Behinderung ist häufig äußerlich sichtbar.
2. „Beeinträchtigung“ mein die individuelle Konsequenz einer Schädigung bezogen auf bestimmte Aktivitäten und Fähigkeiten körperlicher und geistiger Natur
3. „Handicap“ oder „Behinderung“ meint die erlebte Benachteiligung des Menschen aufgrund seiner „Schädigung“. Der Begriff beschreibt das soziale Phänomen, welches bei vorliegender Behinderung durch das Umfeld oder die Anforderungen sichtbar wird. „Die Behinderung“ ist somit die vorhandene Schwierigkeit ein oder mehrere Tätigkeiten entsprechend der geltenden Anforderungen der Gesellschaft, entsprechend des Alters, Geschlechtes oder ähnlichen Komponenten, zu erfüllen.

Wenn wir also im Zusammenhang von Werkstätten für Menschen mit Behinderung von eben dieser „Behinderung“ sprechen, meinen wir damit also einen verallgemeinerten Begriff. Gerade im Umfeld einer solchen WfbM sind die vorliegenden Behinderungsformen so vielfältig, dass es notwendig ist, sich sprachlich solch einer Verallgemeinerung zu bedienen. Gedanklich sollte man dabei jedoch nicht vernachlässigen, wie viele unterschiedliche Formen der Behinderung der Begriff miteinschließt.

3. Die Entwicklung der Werkstatt für behinderte Menschen

Begonnen als „Bastelstube“ in den Jahren nach Kriegsende 1950, entwickelte sich „die Werkstatt“ bis zum Beginn der 1960er Jahre, zu einem Konzept der sogenannten „beschützenden Werkstatt“. Ziel dieser Einrichtung sollte die Integration durch Arbeit in einem geschützten Umfeld sein, welches durch arbeitsbegleitende Betreuung eine Befriedigung von psychosozialen Bedürfnissen erbringen sollte. Die behinderten Menschen, die diese „beschützenden Werkstätten“ besuchten bekamen also die Gelegenheit sich zu beschäftigen und zu sozialisieren. Allerdings gab es für die Aufnahme in die Werkstätten keine Kriterien und sie waren individuell selbst organisiert (vgl. Schlummer/Schütte 2006, S.62).

Erst 1974 mit der Umbenennung in die „Werkstatt für Behinderte“ (WfB) wurden grundsätzliche Anforderungen an die Aufnahme in eine WfB festgelegt. Das Ziel sollte sein, dass ein Mindestmaß an wirtschaftlicher Verwertbarkeit der Arbeitsleistung erreicht werden konnte(ebd.). Die Arbeit der Menschen in der WfB sollte also erkennbaren wirtschaftlichen Nutzen mit sich bringen. Diese Anforderung wurde im gleichen Jahr auch im Schwerbehinderten-Gesetz festgehalten (§52 Abs.3 SchwbG).

1980 wurde mit der Einführung einer gemeingültigen Werkstättenverordnung der „Grundsatz der einheitlichen Werkstatt“ festgelegt. Neben der Einführung eines Eingangsverfahrens für die Menschen mit Behinderung, die in die Werkstatt kamen, wurde ihnen auch Rechte zur Mitwirkung und Mitbestimmung in der Werkstatt zu gesichert. Es wurde ein Anerkennungsverfahren für diese „Werkstätten für Behinderte“ festgelegt, welches mit einer unabdingbaren, nachzuweisenden fachlichen Qualifikation des betreuenden Fachpersonals einherging (ebd.).

Seit dem Inkrafttreten des neunten Sozialgesetzbuches (SGB IX) am ersten Juli 2001 bekamen die jetzt als „Werkstätte für behinderte Menschen“ (WfbM) bezeichneten Institutionen neue Schwerpunkte in ihrer Arbeit hinzu. Der Fokus liegt fortan auf den Aspekten der „Rehabilitation und Teilhabe“ (ebd.). Sie soll als Stätte der beruflichen Bildung nicht nur der persönlichen Entwicklung des einzelnen Werkstattbeschäftigten dienen, sondern vor allem für eine Eingliederung in das Arbeitsleben für die Jenigen sorgen, die auf Grund ihrer (mehrfachen) Schwerbehinderung sonst keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben.

4. „Nächster Halt Werkstatt“- Warum eigentlich?

Neben der gesetzlichen Verankerung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch die Teilhabe am Arbeits leben im Sozialgesetzbuch (genauer: SGB I § 10) stellt Arbeit zusätzlich eine „Möglichkeit zur Identitätsentfaltung“ dar.

Laut Fischer (2011, S. 60) „kann davon ausgegangen werden, dass Arbeit als eine zentrale soziale Situation in der modernen Gesellschaft gewertet werden muss, die über Chancen und Möglichkeiten im persönlichen Leben (mit) entscheidet und Möglichkeiten zur Identitätsentfaltung bereitstellt“. Arbeiten bringt also neben ihrer Funktion zur Versorgung von Grundbedürfnissen noch weiteres Nutzen für die Arbeitnehmer mit sich und spielt eine große Rolle für die Charakterbildung der heranwachsenden Schulabgänger. Trotz Zusicherung der Teilhabe an Arbeit und somit an ihrer Bedeutung für das Leben der Arbeitnehmer im Sozialgesetzbuch, sehen die tatsächlichen Teilhabe-Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung ganz anders aus.

Am Ender einer Schullaufbahn an einer Förderschule wird meist kein anerkannter Schulabschluss erreicht. Dieser wird allerdings benötigt, um eine Berufsausbildung anzufangen. Da Schulabgängerinnen und -abgänger von Förderschulen werden somit erst automatisch als Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsplätze disqualifiziert und es entsteht eine Chancenungleichheit zwischen ihnen und anderen potenziellen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern, die keine Behinderung haben und eine Regelschule besucht haben, an der die Möglichkeit zum Erhalt eines Bildungsabschlusses bestand (vgl. Hinz/Boban, 2001, S.17).

Auf Grund dieser beschränkten Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung entstanden in Deutschland unterschiedliche Möglichkeiten, die, alternativ zu einer Vollausbildung, neue Perspektiven für die betroffene Personengruppe bieten sollen.

Laut Schartmann (2001, S.1) bieten sich den Schulabgängern von Förderschulen alternativ zur regulären Vollausbildung folgende Möglichkeiten:

1. Eine abgestufte Ausbildung nach §§ 25 BBiG (Berufsbildungsgesetz)
2. Die sogenannten Förder-Lehrgänge in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit

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Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668253599
ISBN (Buch)
9783668253605
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v335408
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Schlagworte
berufliche Rehabilitation WfbM Berufseinstieg Förderschule Alternative Behindertenwerkstatt

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Titel: Berufseinstieg nach der Förderschule. Gibt es eine Alternative zur Werkstatt für Menschen mit Behinderung?