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Leistungsangst im Schulunterricht. Diagnostik mit dem Differentiellen Leistungsangst Inventar (DAI) und Entwurf einer Unterrichtsstunde

Hausarbeit 2014 24 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Abstract

2. Einleitung

3. Leistungsängstlichkeit: Entstehung, Folgen und deren Vorbeugung
3.1 Entstehung von Leistungsangst
3.2 Wissenschaftliche Theorien zur Entstehung von Leistungsangst
3.3 Vorbeugende Maßnahmen der Lehrkraft zur Vermeidung oder zum Abbau von Leistungsangst

4. Diagnostik von Leistungsängstlichkeit mit Hilfe des Differentiellen Leistungs- angst Inventars
4.1 Auslösebedingungen von Leistungsängstlichkeit
4.1.1 Repertoire- Unsicherheit (RU)
4.1.2 Wissensbezogene Angstauslösung (WA)
4.1.3 Sozialbezogene Angstauslösung
4.2 Manifestation von Leistungsängstlichkeit
4.2.1 Physiologische Manifestation (PHY)
4.2.2 Emotionale Manifestation (EMO)
4.2.3 Kognitive Manifestation (KOG)
4.3 Angstverarbeitung (Coping)
4.3.1 Gefahrenkontrolle (GK) durch produktives Arbeitsverhalten
4.3.2 Situationskontrolle (SK) durch Vermeiden und Mogeln
4.3.3 Angstkontrolle (AK) durch Relaxation und Antizipation
4.3.4 Angstunterdrückung (AU) durch Ablenkung und Bagatellisierung
4.3.5 Die ideale Copingstrategie nach Rost & Schermer (2008)
4.4 Angststabilisierende Formen
4.4.1 Externale Stabilisierung
4.4.2 Internale Stabilisierung

5. Didaktische Skizze
5.1 Begründung der Sitzungsgestaltung
5.2 Geplanter Ablauf der Stunde
5.3 Tatsächlicher Ablauf der Stunde
5.4 Reflexion

6. Bibliographie

1 ABSTRACT

Die folgende Seminararbeit zum Thema „Einsatz von Fragebogen - Differentielles Leistungsangst-Inventar (DAI)“ ist in zwei Hauptteile gegliedert: Zunächst wird in dem theoretischen Teil die Begrifflichkeit zu Leistungsangst analysiert und ein Profil von Leistungsängstlichen erstellt. In einem zweiten Schritt wird als Beispiel der Fra- gebogen „Differentielles Leistungsangst-Inventar“ (DAI) nach Rost & Schermer (2008) vorgestellt, wobei auf einzelne Bereiche des Fragebogens näher eingegangen wird.

Den zweiten Hauptteil dieser Arbeit bildet eine anschließende didaktische Skizze der Seminargestaltung zur Sitzung „Einsatz von Fragebogen - Differentielles Leistungs- angst-Inventar (DAI)“ vom 05.052014. Dabei wird der geplante Ablauf der Sitzung zunächst begründet und im Anschluss tabellarisch dargestellt. Danach soll skizziert werden, wie die Sitzung tatsächlich abgelaufen ist und die Sitzung reflektiert werden.

2 EINLEITUNG

In den letzten Jahren ist der Angstbegriff nicht nur im klassischen Feld der Psycho- logie vertreten, sondern gewinnt auch in pädagogischer Hinsicht immer mehr an Be- deutung. Der Begriff Angst ist in pädagogischer, psychologischer aber auch in soziologischer Hinsicht ein wichtiger Forschungsgegenstand geworden. Man be- schäftigt sich zunehmend mit der Frage nach der Entstehung von Ängstlichkeit, ihren Auslösern und deren Konsequenzen. Jeder kennt das Gefühl in bestimmten Situatio- nen Angst zu empfinden, die uns als bedrohlich erscheinen. Ferner ist Angst als sub- jektives Empfinden wahrzunehmen, weshalb jeder Angst anders empfindet.

Vielen Forschern fällt es bis heute schwer eine generelle Definition von Angst zu bestimmen, weil Ängstlichkeit in nahezu allen Bereichen des Lebens auftaucht. Ge- nau diese Tatsache erschwert die Entwicklung einer einheitlichen Definition von Ängstlichkeit. Will man dennoch Angst begrifflich festhalten, so könnte man die Definition von Rost und Schermer (2008) hinzuziehen, die folgendes besagt:

[Bei Angst geht es um] einen phylo- wie ontogenetisch relativ früh auftretenden Spezialfall eines Erregungs- und Spannungszustandes mit besonderen somatischen, psychischen und behavioralen Empfindungen bzw. Reaktionen geht, der durch Vorwegnahme, aktuelle Empfindung oder Erinnerung einer subjektiv bedeutsamen, realen oder vorgestellten Unsicherheit („horror vacui“) oder Bedrohung (wie Versagen, Schmerz, Gefahr etc.) im weitesten Sinne gekennzeichnet ist. (Rost/ Schermer 2008: 13)

Folglich unterscheidet man heute unterschiedliche Arten und Formen von Ängstlich- keit. Ferner können wir unter sozialer Angst und Leistungsängstlichkeit unterschei- den. Wenn das Selbstbild und das Selbstwertgefühl sowie auch das Fremdbild gefährdet scheinen, spricht man von sozialer Angst. Diese Angst tritt häufig in zwi- schenmenschlichen aber auch in sozialen Situationen auf. So haben Schüler meistens Angst, wenn sie sich einer starken Beobachtung durch den Lehrer oder Schüler aus- gesetzt fühlen oder sich sogar einer Bewertung durch den Lehrer stellen müssen. Diese Angstform korreliert stark mit dem eigentlichen Thema unserer Arbeit, der Leistungsangst. Diese beiden Angstformen korrelieren, da Leistungen oft in Situatio- nen gefragt sind, in denen die Selbstaufmerksamkeit besonders hoch ist.

In unserer heutigen Gesellschaft wird die Manifestation von Gefühlen, in diesem Sinne Angst, als etwas Negatives oder sogar als Schwäche betrachtet. Dies erschwert den leistungsängstlichen Schülern den Umgang mit ihrer Leistungsangst. Viele Schü- ler neigen dazu Angst möglichst zu verheimlichen. Um diese Leistungsängstlichkeit bei Schülern diagnostizieren zu können, um letztlich diese behandeln zu können, haben Rost und Schermer das Konzept der differentiellen Leistungsangstdiagnostik (DAI) entwickelt, welches einen „ multifaktoriellen Ansatz beinhaltet und die se- quentiellen Bedingungen der Leistungsangst theoretisch fundiert berücksichtigt und in ihrer Wechselwirkung analysiert“. (Brigitte Rollett Diagnostica 1999: 168ff.)

Neben der Entstehung und Vorbeugung von Leistungsängstlichkeit, wird das diffe- rentielle Leistungsängstlichkeit Inventar ebenso Gegenstand unserer Arbeit sein.

3 LEISTUNGSÄNGSTLICHKEIT: ENTSTEHUNG, FOLGEN UND DEREN VORBEUGUNG

Angst im Sinne der Psychologie wird mit zahlreichen psychischen Störungen assozi- iert, welche subjektiv sehr intensiv erlebt wird. Leistungsängstlichkeit ist eine reakti- ons- beziehungsweise „situationsbezogene Stresssituation, die als Folge eines wahrgenommenen Ungleichgewichts zwischen selbst- und fremdgesetzten Leis- tungsansprüchen und der Leistungskapazität“ (Rost/Schermer 2006: 453) auftritt. Hochschulängstliche sind demzufolge im schulischen, im sozialen aber auch im Selbstkonzept stärker beeinträchtigt. Ferner wird schulische Leistungsangst (Prü- fungsangst, Testangst, test anxiety) oftmals von Schüler sehr subjektiv wahrgenom- men. Leistungsangst ist der Hauptträger für das Stresserleben vor, während und nach Prüfungen und ist von Ängsten zu unterscheiden, die sich auf die Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit (z.B. Höhenangst) oder der Antizipation von Schmerz (z.B. Angst vorm Zahnarzt) beziehen. Ferner lässt sich Leistungsangst als eine „Sta- te- Angst“ festhalten, wie Schüler nur in bestimmten Situationen mit Leistungsangst reagieren. Phänomene wie Schulphobie, darunter auch Schulbesuchsverweigerung und Schulschwänzen sind vom Begriff Leistungsängstlichkeit zu trennen, weil diese als Verhaltensstörungen und Disziplinproblemen betrachtet werden. Demzufolge ist Leistungsangst eine „soziale Angst“, bei der hoch Prüfungsängstliche ihre soziale Identität und ihren Selbstwert als bedroht empfinden und Versagensängsten koppeln. (Cortina 2008: 50)

Wenn man Leistungsangst als das Bedrohungserleben in evaluativen Situationen betrachtet, können subjektives Erleben und situativer Kontext nicht separiert werden. Demnach ist Leistungsängstlichkeit nicht als ein generelles, sondern viel mehr als ein situationsgebundenes Persönlichkeitsmerkmal (trait) zu betrachten. Trotzdem ist festzustellen: Auch, wenn Leistungsangst nicht etwas Universelles ist, haben hoch Leistungsängstliche generell überdurchschnittlich Angst. Laut Spielberger und Vagg haben leistungsängstliche Schüler „ ein erhöhtes Angstniveau […] neigen dazu, eva- luative Situationen als bedrohlicher zu empfinden als wenig ängstliche Schüler […]

(Cortina 2008: 50). Leistungsangst kann sich mit Konstrukten wie Mathematikangst, Testangst, Unterrichtsangst, Schulangst, Prüfungsangst überschneiden. Und lässt sich als ein Phänomen verstehen, dass sowohl externale als auch internale Ursachen aufweist. Ferner können Familienangehörige aber auch die Schule bei der Entstehung von Leistungsängstlichkeit bei Schülern erheblich beitragen. In der Forschung sind sich die meisten darin einig, dass sich Leistungsangst auf drei Ebenen widerspiegeln kann, nämlich auf physiologischer, kognitiver und Verhaltens- ebene. Bei der physiologischen Reaktion ist das Nervensystem stark erregt, welche erhöhte Herzklopfen, einen erhöhten Puls und Blutdruck aber auch eine schnellere Atemfrequenz, Schwitzen und verstärktem Harndrang zur Folge hat. Der kognitive Aspekt, welcher aufgrund der zahlreichen empirischen Forschungen als sehr gut erforscht gilt, charakterisiert das bewusste Erleben in einer Prüfungssitu- ation. Diese Forschungsarbeiten zur Erfassung von Leistungsängstlichkeit haben einige Übereinstimmungen in Bezug auf den kognitiven Aspekt der Leistungsangst.

Es gibt zwei Gruppen der angstbezogenen Kognition in Leistungssituationen: die Wahrnehmung körperlicher Erregungssymptome, wie das Erröten des Gesichts oder das Zittern der Hände (emotionality), während die Besorgniskognition (worry) von Gedanken über Folgen möglichen Misserfolgs in der Prüfung oder soziale Ver- gleichsprozesse handelt. Zur Lösung einer Prüfungsaufgabe ist die angstinduzierte Kognition irrelevant, weil diese, mit Kognitionen, die zur Lösung der gestellten Auf- gabe dienen, korreliert. Zu Beginn einer Prüfung tauchen Emotionality Kognitionen, welche zu Beginn einer Prüfung auftreten, reduzieren sich im Laufe dieser, während Worry- Kognitionen über die Prüfung hinaus fortbestehen. Obwohl Emotionality- Kognition und Worry- Kognitionen irrelevant zur Bewältigung der Aufgabe sind, haben diese jedoch negative Auswirkung auf die erbrachte Leistung, vor allem die Worry- Kognition. Wie hoch die Leistungsangst ist, hängt vom erforderten Niveau der Prüfung ab. Der Verhaltensaspekt bezieht sich auf Unterschiedlichkeiten zwi- schen hoch und niedrig leistungsängstlichen Schülern, jedoch nicht in der Prüfungs- situation, sondern in Hinblick auf die Vorbereitungsphase auf eine Prüfung und die Strukturierung des Gelernten. Hoch Leistungsängstliche Schüler schieben den Lernstoff meist vor sich bin, bis es zu spät wird alles ordentlich zu lernen. Demzu- folge bereiten sie sich, im Gegensatz zu Niedrigprüfungsängstliche planlos vor, weil sie das Gelernte in kurzer Zeit schlecht strukturieren können. Auch wenn Hochprü- fungsängstliche in der Regel mehr Gesamtlernzeit opfern, nutzen sie diese nicht ef- fektiv und lernmaximierend aus. (vgl. Cortina 2008: 51 ff)

3.1 ENTSTEHUNG VON LEISTUNGSANGST

Bevor die wissenschaftlichen Theorien zur Entstehung von Leistungsangst vorge- stellt werden, gehen wir auf die wesentlichen Bedingungsfaktoren zur Entstehung von Angst ein. Zunächst ist auf das Lehrerverhalten hinzuweisen. Ein zu stark ge- lenkter autoritärer Lehrer, der zudem noch ein stark herrisches Verhalten aufweist, löst in Schülern Angst aus. Das heißt, dass ein Lehrer einen Schüler nicht vor der Klasse bloß stellen darf, in dem er ihn beispielsweise tadelt, oder demütigt. Aber auch Zuwendungsentzug oder die Nichtbeachtung eines Schülers können Leistungs- angst im Schüler hervorrufen. Im Hinblick auf den Inhalt und Vermittlung des Lehr- stoffes ist zu erwähnen, dass dieser weder kompliziert noch unverständlich gestaltet sein darf. Auf diese Weise kann man Schüler, die sowieso dazu neigen leistungs- ängstlich zu sein, verwirren. Auch auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Schülers sollte man stets achten. Ferner sollte man die Intelligent des Schülers nicht überfordern oder überbeanspruchen. Schüler, die sprachlich nicht begabt sind oder Schwierigkeiten bei der Aufmerksamkeit und Konzentration aufweisen, sind meist leistungsangstgefährdet.

Strenge Benotung aber auch die subjektive Evaluation eines Schülers statt seiner eigentlichen Leistung, können Leistungsangst bei diesem provozieren. (vgl. Rost/Schermer 2006: 452)

Im Hinblick auf die Prüfungssituation bezogen ist zu sagen, dass fremde Arbeitsumgebungen aber auch die Ungewissheit über die Lehrziele den Schüler desorientierenkönnen. Um Leistungsängstlichkeit bei Schülern zu verhindern, sollte auf Verwendung unfairer Aufgaben aber auch auf unangekündigte Tests verzichtet werden. Ferner muss eine Transparenz in Hinblick auf die Lehrziele und die Prüfungsanforderungen und Kriterien der Leistungsbewertung geschaffen werden. In Bezug auf das Schüler- Schüler- Verhältnis, lässt sich feststellen, dass die Rivalität und Konkurrenz statt Kooperation und Unterstützung ebenfalls Leistungsangst bei Schülern schaffen kann. Deshalb sollte stets auf ein angenehmes Schul- und Klassenklima geachtet werden. Mobbin g und Hänseleien können auch Leistungsangst beiSchülern entstehen lassen. (vgl. Rost/ Schermer 2006: 453)

Ein wichtiges Phänomen, wenn nicht eines der Wichtigsten, ist das Verhalten der Eltern im Hinblick auf das Kind und die Einstellung dieser in Hinblick auf die Schule. Unzureichende elterliche Zuwendung, oder gar nur durch Leistungserfüllung, ist für ein Kind destruktiv. Die überhöhten Leistungsansprüche der Eltern oder das Desinteresse dieser im Hinblick auf die Schule können Leistungsangst beim Schüler verursachen. Die ständige Infragestellung der Funktion und der Lehrmethoden der Lehrkraft seitens der Eltern können den Schüler verwirren. (vgl. Rost/ Schermer 2006: 453)

Im Hinblick auf die Entstehung von Leistungsangst bei Schülern konnte man aber zudem auch wesentliche Verbindungen zur Schule feststellen. Hochängstliche Schü- ler werden meist als Außenseiter betrachtet und nehmen in Peer- Gruppen meist irrelevante Plätze ein. Sie haben meist ein eher negatives Selbstbild und werden von ihrer Umwelt weniger respektiert. Von Seiten der Lehrer und Eltern werden Hoch- ängstliche meist in ihrer kognitiven Kapazität unterschätzt. Oft machen sich Hoch- ängstliche durch nervöses Verhalten, schlechte Arbeitshaltung, mangelnde Aufgabenzuwendung und aufgabenunspezifische Arbeitsweisen negativ bemerkbar.

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Details

Seiten
24
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668269705
ISBN (Buch)
9783668269712
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v335572
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Pädagogische Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
leistungsangst schulunterricht diagnostik differentiellen inventar entwurf unterrichtsstunde

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