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Die Falange. Faschismus in Spanien

von Veronika V. (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Die Falange
2.1 Parteigeschichte
2.2 Gründer der Partei
2.3 politische und ideologische Schwerpunkte

3. Faschismus
3.1 Faschismusbegriff
3.2 Einordnung der Falange

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Eine Definition von Faschismus gestaltet sich sehr schwer. In der Forschung gibt es keine eindeutige Faschismusdefintion, da dieser Begriff keine bestimmten politischen Aussagen enthält, wie man das in der Definition von Sozialismus oder auch Kommunismus findet. Zu den wohl bekanntesten Faschismusbewegungen zählen der deutsche Nationalsozialismus und die Regierung unter Benito Mussolini in Italien. Aber auch in anderen europäischen Ländern gab es , vor allem während der Zwischenkriegszeit, faschistische Gruppierungen. Diese sind nicht so bekannt, weil es die Mehrzahl nicht geschafft hatte die Regierung zu übernehmen, wie es in Deutschland und Italien der Fall war.

Auch in Spanien spricht man von einem Faschismus. Die spanische Falange wird in der Literatur häufig als eine faschistische Bewegung bezeichnet.1 Zudem wird die Falange meist mit dem Franco-Regime verbunden. Dies ist deshalb der Fall, da die Partei, die „Falange Espanola Tradicionalista y de las JONS“, welche durch das Vereinigungsdekret aus dem Jahr 1937 entstand, genau den Namen trug, den die politische Bewegung unter José Antonio Primo de Rivera in den Jahren 1933 bis 1936 trug. Dennoch sind klare Unterschiede zwischen dieser Einheitspartei und der „alten“ Falange erkennbar. Die ursprüngliche Falange wurde von José Antonio Primo de Rivera, dem Sohn des Ex-Diktators Miguel Primo de Rivera, gegründet. Die politische Bewegung hatte das Ziel einen neuen spanischen Staat zu errichten und verfolgten bestimmte Ideale, um die in der Zeit der Zweiten Republik herrschende Krisenstimmung zu überwinden. In diesen Jahren kam man natürlich in Kontakt mit dem Faschismus und stimmte diesem, vor allem in dem Punkt der extremen Nationalität, überein. Und trotzdem findet man in Schriften von Primo de Rivera auch Aussagen in denen er sich vom Faschismus explizit distanziert. Es stellen sich nun folgende Fragen: Kann man die Falange unter den Begriff des Faschismus stellen? Sind die politischen Zielvorstellungen und die Ideologie der Partei faschistischer Art? Mit diesen Fragen wird sich folgenden Arbeit auseinandersetzen.

Das Thema Faschismus taucht häufig in der Literatur auf. Wolfgang Wippermann setzt sich mit der Geschichte des Faschismus auseinander.2 Auch zieht er in einem seiner Werke einen Vergleich zwischen den verschiedenen faschistischen Bewegungen in Europa während der Zeit von 1922 bis 1982.3 Auch genannt werden muss das Werk von Stanley Payne, in dem er die Geschichte und das Wirken europäischer Faschismusbewegungen aufzeigt.4 Insgesamt ist eine große Anzahl an Literatur über Faschismus vorhanden.

Payne hat zudem eine wissenschaftliche Arbeit über die Geschichte der Falange bis zu ihrer Zwangsvereingung unter Franco verfasst. Diese enthält Angaben über die Person José Antonio Primo de Rivera und die Entwicklung der spanischen Bewegung. Auch hier geht der Autor am Ende auf den Faschismus ein.5 Im Allgemeinen gibt es einige gute wissenschaftliche Beiträge zur spanischen Falange. Hier ist Bernd Nellessen zu nennen, der auf den historischen Kontext der Falange eingeht und viel Sachkenntnis mit einbringt. Allerdings kommt der Eindruck auf, dass der Autor in einigen Dingen sehr schnell urteilt.6 Außerdem beschäftigt sich Manfred Böcker7 mit der Ideologie und dem Programm der Falange Espanola und Norman Meuser8 geht in seiner Veröffentlichung auf die Einstellungen Primo de Riveras im Bezug auf Staat, Nation und Politik ein. Zum Thema spanischer Bürgerkrieg ist auch Walter L. Bernecker zu nennen, der sich insgesamt instensiv mit dem Bürgerkrieg und den jeweiligen Begleitumständen, befasst hat. Es zeigt sich, dass die Thematik durchaus viele Wissenschaftler beschäftigt hat und auch immer noch beschäftigt. Die Arbeit wird sich im ersten Hauptpunkt mit der Falange als Partei beschäftigen. Zuerst wird die Parteigeschichte, von der Gründung durch José Antonio Primo de Rivera über die Vereinigung mit der Juntas de Ofensiva Nacional Sindicalistica (JONS) und schließlich bis zur Vereinnahmung der Partei durch Franco, aufgeführt. Es werden die verschiedenen Phasen der politischen Bewegung aufgezeigt. Dem folgend dann eine kurze Vorstellung der Gründer, vor allem José Antonio Primo de Rivera. Primo de Rivera gilt als die wichtigste Person im Bezug auf die Falange Espanola und deshalb wird in der Hauptsache seine Biographie vorgestellt. Dieser Punk wird abgeschlossen, indem auf die politischen und ideologischen Schwerpunkte der Falange eingegangen wird. Diese Darstellung bezieht sich hauptsächlich auf den 27-Punkte-Plan der Bewegung.

Der zweite Hauptpunkt beschäftigt sich mit dem Faschismus. Zuerst wird der Faschismusbegriff erarbeitet, wobei hier vor allem die Ausführungen von Stanley Payne als Grundlage dienen, und danach wird die Falange als Partei in den Kontext des Faschismusbegriffs gestellt. Den Schluss der Arbeit bildet ein Fazit, in dem nochmals die Ergebnisse der Untersuchung kurz zusammengefasst werden. Es soll zudem versucht werden, die anfangs gestellten Fragen zu beantworten.

2. Die Falange

2.1 Parteigeschichte

Die Parteigeschichte der spanischen Falange kann man in drei Abschnitte gliedern. Nach der Gründung kam eine kurze Zeit, in der man als eine eigene politische Gruppierung bestand. Doch schon kurz darauf ging man eine Fusion mit der als faschistisch geltenden Gruppe, die „Juntas de Ofensiva Nacional Sindicalista“, ein. Der dritte Abschnitt bildete dann die Vereinigung der Falange mit den übrigen Parteien durch das Vereinigungsdekret vom 19. April 1937, durchgeführt durch General Francisco Franco.

Der 29. Oktober 1934 ist der Tag, an dem José Antonio Primo de Rivera die politische Gruppierung „Falange Espanola“ in Madrid gründete. Neben Primo de Rivera sind noch weitere Mitbegründer zu nennen: Garcia Valde Casas, Sánchez Mazas und Ruiz de Alda.9

Obwohl die neu gegründete Gruppe zunächst von einem Triumvirat, bestehend aus José Antonio Primo de Rivera, Sánchez Mazas und Riuz de Alda, geführt wurde, hatte Primo de Rivera die leitenden Oberhand. Als im November des Jahres 1933 Parlamentswahlen in Spanien stattfanden, ging die Rechten zusammen mit den Linken als Sieger hervor. Auch der Gründer der Falange bekam ein Mandat in der Cortes. Dies erreichte er durch die Unterstützung einer rechten Gruppierung aus dem südlichen Teil Spaniens.10 Dadurch hatte Primo de Rivera die Möglichkeit aktiv an der Politik seines Landes mitzuwirken.

Die Mitglieder der Falange bestanden zum größten Teil aus früheren Anhängern des Diktators Miguel Primo de Rivera, darunter waren Monarchisten, Militärs und vielen Intellektuellen. Die Falange selbst sah sich nicht als eine Partei an. Man bezeichnete sich als eine politische Bewegung oder Gruppierung.11 Der Grund dafür lag wohl daran, dass man sich nicht auf die Seiten der Rechten, Linken oder auf Seiten des Zentrum festlegen wollte.

Kurz nach der Gründung der Falange Espanola unter José Antonio Primo de Rivera, kam es zu einer Vereinigung mit den „Juntas de Ofensiva Nacional Sindicalitica“ (JONS). Die JONS wurde im Jahre 1931 von Ledesma Ramos gegründet.12 Bei dieser Gruppierung kann man von einer radikalen Organisation sprechen. Mit dem Ziel der Stärkung der Bewegung kam es am 4. März 1934 zur Vereinigung beider Gruppen zur „Falange Espanola de las Juntas de Ofensiva Nacional Sindicalitica“ (FE de las JONS).13 Die Grundanschauung beider politischer Bewegungen stimmten überein. Man bekannte sich für eine Einheit des Vaterlandes, gegen den Marxismus und den Parlamentarismus. Auch die Durchführung einer wirtschaftlichen Reform zählte zu den gemeinsamen Zielen.14 Es wurden die Zeichen und die Fahne der ehemaligen JONS, Jcoh und Pfeile auf einer schwarz-roten Fahne, übernommen.15 José Antonio Primo de Rivera wurde bei dem ersten Nationalkongress der Bewegung zum alleinigen Anführer gewählt. Zu erwähnen ist zudem noch, dass die FE de las JONS während ihres Wirkens eine Studenten Gewerkschaft gegründet hatten, die sogenannte Sindicato Espanol Universitario (SEU). Wieder ein Hinweis darauf, dass viele Anhänger der Falange aus der spanischen Studentenschaft kamen.

Im Laufe des Jahres 1934 kam es immer wieder zu inneren Auseinandersetzungen in der Falange. Es bildeten sich zwei Flügel, zwischen denen eine Art Machtkampf ausbrach. Es handelte sich hierbei um den Flügel um José Antonio Primo de Rivera und auf der anderen Seite der kämpferische Teil um Ledesma Ramos, der mehr Aktionismus forderte. Primo de Rivera konnte sich durchsetzen und schloss zu Beginn des Jahres 1935 Ledesma aus der Falange aus.16 Für die anstehenden Februarwahlen im Jahr 1936 war die FE gezwungen sich einer anderen Gruppierung anzuschließen. Ohne einen Bündnispartner hätte die politische Bewegung wohl keine Chance auf einen Platz im spanischen Parlament. Es wurde versucht ein Bündnis mit der katholischen CEDA-Koalition zu schließen, doch dies scheiterte. Auch ein Gespräch mit der „syndikalistischen Partei“ brachte keine Ergebnisse.17 Nachdem auch die versuchte Verbindung mit den gemäßigten Sozialisten scheiterte, wandten sich die Gründer der Falange an den Mitlitärverband Unión Militar Espanola (UME), um mit dieser Gruppe einen Putsch auszulösen. Doch auch dies scheiterte. Der Plan wurde vom damaligen Chef des Oberkommandos des Heers, General Franco , zurückgewiesen.18

Nach der Vielzahl von Rückschlägen zog die spanische FE allein, ohne Bündnispartner, in den Wahlkampf und war chancenlos. Man konnte keinen Parlamentssitz erringen und als Sieger der Wahl trat die linke Front hervor. Schon kurz nach der Wahl wurde von der neuen Regierung ein Amnestiegesetz verabschiedet, durch welches eine große Anzahl von rechtmäßig verurteilten Putschisten von 1934 frei kamen.19 José Antonio Primo de Rivera verlor seinen Sitz im Parlament und damit auch seine Immunität und war so der neuen Regierung schutzlos ausgeliefert. Der von der Regierung ausgeübte Druck auf die Opposition, führte schließlich zur Zwangsschließung der politischen Zentren der Falange Espanola. Kurz darauf, am 14. März 1936, wurde die politische Bewegung Primo de Riveras verboten. In einer groß angelegten Aktion wurden der Führer und wichtige Führungspersönlichkeiten der FE verhaftet und kurz darauf auch umgebracht.20 Die Falange Espanola wurde dadurch in den Hintergrund gedrängt und standen ohne Führung da. Durch die Schließung der Zentren in den einzelnen Provinzen waren die lokalen Gruppierungen nun auf sich allein gestellt. Anfangs übernahm Primo de Riveras Bruder, Miguel Primo de Rivera, die Führung der Organisation, die nun im Untergrund agierte. Nach dessen Verhaftung im Juli 1936 erhielt Fernando Primo de Rivera, wiederum ein Bruder, die Leitung. Doch auch er wurde verhaftet und im August diesen Jahres erschossen.21 Es wurde durchaus versucht die Gruppierung mit einer Führungspersönlichkeit auszustatten, doch durch den ausgeübten Druck der Regierung war dies schwer umzusetzen. Anzumerken ist außerdem noch, dass der spanische Gerichtshof im Sommer 1936 ein Urteil des Madrider Gerichts bestätigt hatte, welches besagt, dass es sich bei der FE um keine illegale Bewegung handelt, die sich an die Vorschriften hält. Die Linke Volksfront hatte dieses Urteil nicht veröffentlicht und hält die politischen Büros der Bewegung geschlossen und das Verbot wurde nicht aufgehoben.22

Nach dem Sieg der Regierung wurden die Pläne, ausgehend von Militärs sowie von Politikern, für einen Aufstand durchgeführt. Zunächst lehnte die FE die Teilnahme an einem Putsch ab. Auch Briefe von José Antonio Primo de Rivera aus dem Gefängnis heraus bestätigen, dass er gegen einen solchen Aufstand war. Dennoch schloss sich eine Gruppe von FE-Mitgliedern den Aufständischen an, bis sich dann die komplette Falange Espanola am Beginn des Bürgerkriegs auf Seiten der Putschisten begab.23

Der Generalissimo Franco fand im Jahr 1937 mehr und mehr Einzug in die Politik Spaniens. Er war es, der durch das erlassene Vereinigungsdekret vom 19. April 1937 die Falange Espanola mit allen anderen politischen Gruppierungen und Parteien unter Zwang vereinigte.24 Nun hatte Franco eine einzige, ihm hörige Bewegung unter sich. Diese Bewegung trug nun den Namen „Falange Espanola Tradicionalista y de las JONS“. Das Gedankengut Primo de Riveras spielte immer noch eine große Rolle, da Mitglieder der alten Falange mitgewirkt haben. Doch ihr Einfluss im Regierungskabinett Francos schwand mit der Zeit deutlich.25

Noch zu erwähnen ist, dass die FE in ihrer aktiven Zeit immer wieder finanzielle Probleme hatte.

[...]


1 Payne, Stanley: Falange. A History of Spanish Fascism. S. 4; Beyme, Klaus von: Vom Faschsimus zur Entwicklungsdikatur. Machtelite und Opposition in Spanien. S. 33.

2 Wippermann, Wolfgang: Faschsimus. Eine Weltgeschichte vom 19. Jahrhundert bis heute. Darmstadt 2009.

3 Ders.: Europäischer Faschismus im Vergleich 1922- 1982. Frankfurt am Main 1983.

4 Payne, Stanley: Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung. München 2001.

5 Ders.: Falange. A History of Spanish Fascism. Stanford 1961.

6 Nellessen, Bernd: Die verbotene Revolution. Aufstieg und Niedergang der Falange. Hamburg 1963.

7 Böcker, Manfred: Ideologie und Programmatik im spanischen Faschismus der Zweiten Republik.Frankfurt am Main 2006.

8 Meuser, Norman: Nation, Staat und Politik bei José Antonio Primo de Rivera. Faschismus in Spanien? Frankfurt am Main 1995.

9 Geinitz, Frank Peter: Die Falange Espanola und ihr Gründer José Antonio Primo de Rivera (1903-1936). Im Rahmen der Bewältigung der Vergangenheit der Zweiten spanischen Republik (1931-1939). München 2005. S. 115.

10 Meuser, Norman: Nation, Staat und Politik bei José Antonio Primo de Rivera. S. 19.

11 Geintiz, Frank Peter: Die Falange Espanola und ihr Gründer José Antonio Primo de Rivera (1903-1936). S. 118.

12 Meuser, Norman: Nation, Staat und Politik bei José Antonio Primo de Rivera. S. 20.

13 Böcker, Manfred: Ideologie und Programmatik im spanischen Faschismus der Zweiten Republik. S. 31.

14 Geinitz, Frank Peter: Die Falange Espanola und ihr Gründer José Antonio Primo de Rivera (1903-1936). S. 118.

15 Payne, Stanley: Falange. A History of Spanish Fascsim. S. 47.

16 Nellessen, Bernd: Die verbotene Revolution. S. 90-91.

17 Geinitz, Frank Peter: Die Falange Espanola und ihr Gründer José Antonio Primo de Rivera (1903-1936). S. 121.

18 Ebd.: S. 121.

19 Ebd.: S. 122.

20 Nellessen, Bernd: Die verbotene Revolution. S. 98.

21 Geintiz, Frank Peter: Die Falange Espanola und ihr Gründer José Antonio Primo de Rivera (1903-1936). S. 122.

22 Ebd.: S. 122.

23 Nellessen, Bernd: Die verbotene Revoluiton. S. 143-144.

24 Ebd.: S. 150.

25 Geinitz, Frank Peter: Die Falange Espanola und ihr Gründer José Antonio Primo de Rivera (1903-1936). S. 123.

Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668258310
ISBN (Buch)
9783668258327
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336249
Note
1,3
Schlagworte
Faschismus Franco-Regime Nationalsozialismus Spanien Falange

Autor

  • Veronika V. (Autor)

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Titel: Die Falange. Faschismus in Spanien