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Mobiltelefongespräche beginnen (deutsch-rumänisch kontrastiv)

Analyse aus gesprächsanalytischer Perspektive

Lizentiatsarbeit 2015 55 Seiten

Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gesprächsanalyse
2.1. Kurze Einführung
2.2. Die linguistische Gesprächsanalyse
2.2.1. Definition des Gesprächs
2.2.2. Einteilung der Gespräche
2.2.3. Gesprächskonstitutive Einheiten
2.2.4. Der Gesprächsschritt
2.2.4.1. Die Grundeinheit des Dialogs
2.2.4.2. Die Klassifikation von Sprecherwechselformen
2.2.4.3. Handlungstypen der Kommunikationsmittel
2.2.4.4. Die Struktur der Gesprächsschritte
2.2.4.5. Reaktionsmöglichkeiten auf einen initiierenden Schritt..
2.2.5. Die Gesprächssequenz
2.2.5.1. Themenarten des Gesprächs
2.2.5.2. Entstehung einer Gesprächssequenz
2.2.5.3. Die Funktion von Gesprächssequenzen
2.2.6. Die Gesprächsphase
2.2.6.1. Die drei Phasen eines Gesprächs
2.2.6.2. Die Gesprächseröffnung
2.2.6.3. Die Kernphase
2.2.6.4. Die Gesprächsbeendigung
2.2.6.5. Redekonstellationsmodelle
2.2.7. Das Ziel eines Gesprächs
2.2.8. Gesprächsmuster und Reparaturen von Gesprächen

3. Die Arbeitsmethode
3.1. Audioaufnahmen
3.2. Das gesprächsanalytische Transkriptionsverfahren (GAT)
3.2.1. Der Transkriptionskopf der rumänischen Mobiltelefongespräche
3.2.2. Der Transkriptionskopf der deutschen Mobiltelefongespräche
3.2.3. Erklärungen
3.2.4. Anmerkungen
3.3. Die Terminologie der Gesprächsanalyse
3.4. Anredeformen
3.5. Grußformeln

4. Das Korpus
4.1. Interpretation von Korpora
4.2. Notationen
4.3. Transkription von Anfangsphasen der aufgenommenen Mobiltelefongespräche
4.3.1. Rumänien
4.3.2. Deutschland

5. Kontrastive Analyse des Korpus ( rumänisch - deutsch )

6. Schlussfolgerung

7. Bibliographie
7.1. Sekundärliteratur
7.2. Zitierte Literatur
7.3. Hilfsmittel
7.4. Internetquellen

1. EINLEITUNG

Gegenstand der vorliegenden Arbeit, „Mobiltelefongesprlche beginnen (deutsch- rumänisch kontrastiv). Analyse aus gesprlchsanalytischer Perspektive“, sind die Anfangsphasen der Mobiltelefongespräche zwischen Studierenden. Ein kontrastiver Vergleich zwischen deutschen und rumänischen Anredeformen und Grußformeln wird dadurch gezogen.

Ich habe dieses Thema gewählt, weil es sehr aktuell ist und es führt besonders die heutige Jugendsprache in den beiden Ländern vor. Ich wollte damit die linguistischen Phänomene und die Entwicklung der Sprache in Deutschland und Rumänien aus gesprächsanalytischer Perspektive hervorheben.

Die Pragmatik, eine Disziplin der Sprachwissenschaft, beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen sprachlichen Zeichen und Sprechern. Sie analysiert Gespräche, mithilfe deren die Kommunikation realisiert wird. Dafür sind mindestens zwei Interaktanten, die ein Thema logisch der Reihe nach besprechen, notwendig. Die konstitutiven Einheiten eines Gesprächs sind: die Einleitungsphase, die Kernphase, die Beendigungsphase, die ich detailiert in dem zweiten Kapitel untersuchen werde.

Eine eigenständige Teildisziplin der Linguistik ist die Gesprächsanalyse, welche die Beschreibung und Erklärung gesprochener und dialogischer Sprache in der Gesellschaft anzielt.

In meiner Arbeit werden Audioaufnahmen von Mobiltelefongesprächen analysiert, beziehungsweise werden die Anleitungsphasen der deutschen und rumänischen Dialoge kontrastiv vergliechen. Die weiblichen und männlichen Probanden stammen aus verschiedenen Orten Deutschlands und Rumäniens, aber sie studieren zur Zeit in Jena (in Thüringen), respektive Bukarest. Ich habe die deutschen Anfangsphasen der Mobiltelefongespräche im Juli-August 2014 in Jena (in der Bundesrepublik Deutschland), aufgenommen, als ich dort Erasmusstudentin war. Insgesamt dauern die Audioaufnahmen 15 Minuten, je ca. 5 Sekunden. Die rumänischen Audioaufnahmen habe ich im Oktober, November, Dezember 2014 in Bukarest (Rumänien), gemacht. Im Ganzen dauern die aufgenommenen Mobiltelefongespräche 20 Minuten, je ca. 5 Sekunden. Die deutschen Studierenden sind zwischen 19 und 26 Jahren alt, während die rumänischen zwischen 19 und 23 Jahren alt sind. Die gleichberechtigten Teilnehmer sind Kommilitonen, Freunde oder Lebenspartner. Folglich sind die Gespräche privat und informell, sie finden im Wohnheim, an der Universität oder auf der Straße statt und gehören zu der Fernkommunikation per Handy.

Die verschiedenen Anrede- und Grußformen werden aus gesprächsanalytischer Perspektive untersucht. Sowohl im Deutschen, als auch im Rumänischen gibt es nominale und pronominale Anredeformen und unterschiedliche Grußformeln, die ich in dem dritten Kapitel erklärt und ausführlich in dem fünften Kapitel identifiziert und interpretiert habe. Die Auslegung berücksichtigt die Intonation, Aussprache, Dialekt, den Ursprung und ausländische Einflüsse der benutzten Wörter, welche den Sinn und das Ziel des Gesprächs enthüllen.

2. DIE GESPRÄCHSANALYSE

2.1. Kurze Einführung

Mehrere Forschungsrichtungen, die in den 60-er Jahre entstanden sind, gelten als Ergebnisse mehrerer Theorien in dem Bereich der mündlichen Kommunikation, wie folgt: die Sprechakttheorie, die Handlungs- und Tätigkeitstheorie, die amerikanische conversational analysis, die Arbeiten zur gesprochenen Sprache. Die Alltagssprache ist der Ausgangspunkt dieser Forschungen.

In Deutschland gibt es die folgenden Richtungen der Erforschung mündlicher Kommunikation: die Dialoganalyse, deren Vertreter Franz Hundsnurscher ist; die Diskursanalyse, die Dieter Wunderlich, Konrad Ehlich und Jochen Rehbein gegründet haben. Die bedeutendsten Vertreter der Gesprächsanalyse sind Kallmeyer W., Schütze F. und Gülich E.

2.2. Die linguistische Gesprächsanalyse

Die linguistische Gesprächsanalyse hat sich als selbstständige Teildisziplin der Sprachwissenschaft entwickelt und stellt sich zum Ziel die Beschreibung und Erklärung gesprochener und dialogischer Sprache in sozialen Situationen.

Kommunikation passiert zumindest zwischen einem Sprecher/Produzenten/Sender und einem Hörer/Rezipienten/Empfänger, die eine Wechselbeziehung pflegen.

Das Kapitel strebt an, die Themen, das Ziel, die Einheiten ( Schritt, Sequenz, Phase ) eines Gesprächs zu bestimmen. Die Entwicklung und die Funktion im Gespräch, die Arbeitsmethode werden auch analysiert.

2.2.1. Definition des Gesprächs

In den gegenwärtigen Deutschwörterbüchern definiert man das Gespräch als:

„mehrmaliger oder llngerer Wechsel von Rede und Gegenrede, Unterhaltung, Dialog“ (Wahrig, 1994)

„mündlicher Gedankenaustausch in Rede und Gegenrede über ein bestimmtes Thema“ (http://www.duden.de/rechtschreibung/Gespraech - 13.12.2014. 13:47)

Die Definition vom Wahrig Wörterbuch unterstreicht nur den Sprecherwechsel, während das Duden-Wörterbuch auch das mündliche Merkmal und das besprochene Thema hinzufügt. Infolgedessen geht es davon aus, dass ein Gespräch mindestens zwei Interaktanten, Sprecherwechsel, eine mündliche Realisierung und eine Ausrichtung auf ein bestimmtes Thema voraussetzt.

Ich halte die Definition von Brinker/Sager (1989) für Ausgangpunkt meiner These:

„Gesprlch ist eine begrenzte Folge von sprachlichen Äußerungen, die dialogisch ausgerichtet ist und eine thematische Orientierung aufweist.“1

Unter Äußerung ist es ein willkürlicher Abschnitt Rede von einer Person zu verstehen, vor dem und nach dem der andere schweigt. Wenn jeder der Reihe nach zu Wort kommt und ein Dialog entsteht, findet ein Sprecherwechsel statt. Die Interaktanten müssen sich auch einem bestimmten Thema anpassen, so dass es Kohärenz gibt.

Gespräche sind einigermaßen als begrenzte monologische Texte zu verstehen, weil Einleitungs-und Beendigungssignale erscheinen, die Einleitungs- und Beendigungsphasen aufweisen. Die Gesprächsanalyse befasst sich nur mit den natürlichen Gesprächen, die in natürlichen Kommunikationssiuationen entstehen. In der Gesprächskommunikation sind bestimmte Regeln zu beobachten, die die Sprachteilhaber als Ergebnis des Spracherwerbs unbewusst im Alltag, in Institutionen, in den Medien folgen. Nur wenn kommunikative Missverständnisse auftreten, gelten diese Regeln als wichtig in der Gesellschaft.

2.2.2. Einteilung der Gespräche

Die Gespräche können soziologisch aufgeteilt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

7. Mediengespräche, Interviews
8. Unterrichtsgespräche
9. Beratungsgespräche
10. Amtsgespräche
11. Gerichtsgespräche.

Die Gesprächstypologie von Brinker/Sager (1989)

1. Gesprächsgattungen:
1.1.natürliches Gespräch (geschieht in der Gesellschaft)
1.1.1. natürliches spontanes Gespräch
1.1.2. natürliches arrangiertes Gespräch
1.2.fiktives / fiktionales Gespräch
1.2.1. fiktives Gespräch (dient bestimmten Zwecken; z.B.: Planung eines Unterrichtsgesprächs)
1.2.2. fiktionales Gespräch (Bezeichnung in der fiktionalen Literatur; z.B.: dramatischer Dialog)
1.3.inszeniertes Gespräch (stellt eine zweite Wirklichkeit dar; z.B.: Theateraufführungen, Fernsehspiele, zu wissenschaftlichen Zwecken)

2. Raum-Zeit-Verhältnis (situationeller Kontext)
2.1.Nahkommunikation: zeitlich simultan und räumlich nah (voreinander)
2.2.Fernkommunikation: zeitlich simultan und räumlich fern (Telefongespräch)

3. Konstellation der Gesprächspartner
3.1.interpersonales dyadisches Gespräch
3.2.Gruppengespräch (mehr als zwei Beteligte)
3.2.1. in Kleingruppen
3.2.2. in Großgruppen

4. Grad der Öffentlichkeit
4.1.privat (die Atmosphäre ist familiär)
4.2.nicht öffentlich (nur Vertreter von Institutionen mitmachen)
4.3.halb öffentlich (zwischen einer Privatperson, die Kunde von einer Institution ist, und einem Agenten, Vertreter einer Institution)
4.4.öffentlich (man kann frei daran teilnehmen)

5. Soziales Verhältnis der Gesprächspartner
5.1.symmetrisches Verhältnis (gleich)
5.2.asymmetrisches Verhältnis (verschieden)
5.2.1. anthropologisch bedingt
5.2.2. soziokulturell bedingt
5.2.3. fachlich und sachlich bedingt (hängt von übernommenen Fachkenntnissen der Sprecher)
5.2.4. gesprächsstrukturell bedingt

6. Handlungsdimensionen des Gesprächs
6.1.direktiv (ein oder mehrere Sprecher müssen ein bestimmtes Verhalten zeigen)
6.2.narrativ
6.3.diskursiv
6.3.1. alltäglich
6.3.2. wissenschaftlich

7. Bekanntheitsgrad der Gesprächspartner (beeinflusst das Sprechen)
7.1.vertraut
7.2.befreundet, gut bekannt
7.3.bekannt
7.4.flüchtig bekannt
7.5.unbekannt

8. Grad der Vorbereitetheit der Gesprächspartner (hängt vom Ziel ab)
8.1.nicht vorbereitet
8.2.routiniert vorbereitet
8.3.speziell vorbereitet

9. Themafixiertheit des Gesprächs (ein oder mehrere Themen)
9.1.nicht themafixiert
9.2.themabereichfixiert
9.3.speziell themafixiert

10. Verhältnis von Kommunikation und nichtsprachlichen Handlungen
10.1. empraktisch (ihr Sinn bezieht sich zu außersprachlichen Handlungen)
10.2. apraktisch (haben keine gesprächsbegleitenden Funktionen).2

2.2.3. Gesprächskonstitutive Einheiten

Die gesprächskonstitutiven Einheiten: Schritt, Sequenz und Phase werden durch die Gesprächsanalyse auf den verschiedenen sprachtheoretischen Ebenen: Äußerungsebene, Bedeutungsebene, Handlungs- und Beziehungsebene bestimmt.

Man kann die Gespräche aus struktureller und prozeduraler Perspektive analysieren. Die Grundeinheit des Gesprächs ist der Gesprächsschritt und die komplexeren Einheiten sind die Sequenz und die Phase, die als Abfolge oder Kombinationen von Gesprächsschritten verstanden werden können. Die Sprache hat ihr eigenes Regelsystem und zielt die Bildung grammatischer richtiger Sätze an. Die Komplexität der Gespräche bezieht sich auf die folgenden Ebenen: die kommunikativ-pragmatische Ebene, die den Handlungscharakter der gesprächskonstitutiven Einheiten (Schritt, Sequenz, Phase) beschreibt; die semantisch-thematische Ebene, die auf das Subjekt des Gesprächs verweist; die grammatische Ebene, die die Syntax der Gesprächsbeiträge überprüft.

2.2.4. Der Gesprächsschritt

2.2.4.1. Die Grundeinheit des Dialogs

Die Grundeinheit eines Dialogs ist der Gesprächsschritt, der Goffmnann als „alles das, was ein Individuum tut, und sagt, wlhrend es an der Reihe ist“3 definiert. Aber die Gesprächspartner äußern sich sowohl durch Hörersignale, wenn sie nicht an der Reihe sind, wie zum Beispiel Partikeln oder Kurzäußerungen: ja, mhm, stimmt, genau, ich weiß, ja gut, na gut, na ja, eben, ich weiß nicht, die Aufmerksamkeit, Zustimmung, Ablehnung signalisieren, als auch durch die nonverbale Rückmeldung: Gestik-Mimik, wie zum Beispiel: Kopfnicken, Kopfschütteln, Blickkontakt. Diese zählen zu Antwortsignalen, die der Hörer als Antwort auf die Vergewisserungsformeln (nicht?; ja?) benutzt. Man nennt sie auch Kontaktsignale in der Gesprächsanalyse und sie sind Teil des Rückmeldeverhaltens - „back- channel-behavior“.

Der H|rer kann auch durch Kommentare wie „ach Gott!; ach so!“ unabsichtlich den Sprecher unterbrechen, obwohl er nicht gleich zu Wort kommen möchte. Das kann dennoch auch ein Versuch des Hörers sein, die Sprechrolle zu erlangen, aber er kann sich nicht durchsetzen.

2.2.4.2. Die Klassifikation von Sprecherwechselformen

Im Vergleich zu einem (monologischen) Text ist der Sprecherwechsel in einem Gespräch zu bemerken. Auf folgende Weise kann man Sprecherwechsel klassifizieren:

a) nach der Art des Entstehens
b) nach der Art des Verlaufs

Sprecherwechsel kann so entstehen:

a) durch Aufforderung = Fremdzuweisung
b) durch Selbstwahl = Selbstzuweisung

Bei der Aufforderung äußert der Sprecher/ Gesprächspartner/ Gesprächsleiter bestimmte verbale oder nonverbale Signale als Gesprächsschritt, beispielsweise: Frage + Namensnennung/Kopfnicken. Bei der Selbstwahl kann der Hörer den Sprecher unterbrechen oder nicht. Im ersten Fall ist eine Simultansequenz zu beobachten. “Nach der Art des Verlaufs ergeben sich: der glatte Wechsel - Übernahme der Sprecherrolle durch Fremdzuweisung oder Selbstwahl (ohne Simultansequenz) / Sprecherwechsel nach der Pause - der Sprecher beendet seinen Gesprächsschritt und es gibt eine längere Pause / Sprecherwechsel nach Unterbrechung. Der Hörer versucht den Gesprächsschritt zu übernehmen zu einem Zeitpunkt, zu dem der Sprecher ihn nicht übergeben will.“4 Auf diese Weise entsteht eine längere Simultansequenz. Wenn sich der Hörer durchsetzt und seine Rolle beansprucht, dann gibt es Sprecherwechsel, weil der Unterbrechungsversuch des Hörers nicht akzeptiert wird.

„Der Sprecherwechsel hängt ab von:

- der Art der Sprechsituation: Spontaneität, der Anzahl der Beteiligten und Rollenverhältnis
- dem sozialen Status der Kommunikationsteilnehmer: Gleichberechtigung vs. Nichtgleichberechtigung
- der Organisiertheit des Gesprächs: vorgeplant vs. ungeplant ab.“5

2.2.4.3. Handlungstypen der Kommunikationsmittel

Durch sprachliche und/oder nicht sprachliche Kommunikationsmittel werden die Gesprächsschritte (kommunikative Handlungen) realisiert. Sie haben folglich eine kommunikative Funktion, die einen Handlungstyp ausdrückt. Den Handlungstyp kann man infolgedessen durch sprachliche, beziehungsweise grammatische Mittel andeuten, wie zum Beispiel:

- Satztyp - Frage, Aufforderungs-, Aussagesatz der traditionellen Grammatik: ich verspreche, ich rate dir;
- Satzmuster: Modus, Tempus, Numerus, Person sind zu beachten;
- Abtönungspartikeln: aber, doch, bloß, nur;
- Modalwörter: bestimmt, zweifellos, hoffentlich.

2.2.4.4. Die Struktur der Gesprächsschritte

Einfach oder komplex, die Gesprächsschritte bestehen entweder aus einem Satz, oder aus mehreren Sätzen. Sprachliche und parasprachliche Mittel werden gebraucht, so dass man ein Gespräch aufbaut. Solche Mittel sind:

- prosodische Mittel ( Tonhöhenverlauf, Sprechpausen )
- lexikalische Mittel ( und, also, nicht, ja, ich meine, ich glaube) → dadurch er|ffnet der Sprecher das Gesprlch; Er|ffnungssignale wie „ja“ oder Schlusssignale wie „ja?“; Gliederungssignale, die oft unklar sind, können mit anderen Mitteln benutzt werden: Formulierungshandlungen - Anrede und Namensnennung; die Partikel „ja“ stellt sowohl ein Sprechersignal, als auch ein Gliederungssignal dar.

2.2.4.5. Reaktionsmöglichkeiten auf einen initiierenden Schritt

In einem Gespräch unterscheidet man zwischen respondierenden (reagierenden) und initiierenden (reaktiven) Schritten. Auf einen initiierenden Schritt gibt es drei Reaktionsmöglichkeiten:

1. „Akzeptierung: der Angesprochene erfüllt die Erwartungen und Verpflichtungen (Frage - Antwort) = Responsivität
2. Zurückweisung: der Angesprochene lehnt die Obligationen, die sich aus dem initiierenden Gesprächsschritt ergeben - keine Antwort auf eine Frage = Nonresponsivität
3. Selektion: der Angesprochene ist grundsätzlich bereit die Obligationen zu erfüllen, geht aber nur teilweise auf die Erwartungen ein = Teilresponsivität.“6

2.2.5. Die Gesprächssequenz

2.2.5.1. Themenarten des Gesprächs

In einem Gespräch, wo man ein umfangreiches Thema angeht, sind Wiederaufnahmen wichtig für die Gesprächskohärenz. Das Thema kann:

- deskriptiv (beschreibend)
- narrativ (erzählend)
- explikativ (erklärend)
- argumentativ (begründend) sein.

Diese können unterschiedlich kombiniert werden. Jedes Thema deutet spezifische Schritte an. In dem Fall einer argumentativen Themenentfaltung muss der Sprecher Argumente aufzählen und eine Logik folgen, so dass er seine These stützt.

2.2.5.2. Entstehung einer Gesprächssequenz

Wenn die verschiedenen Sprecher mindestens zwei Gesprächsschritte machen, entsteht eine Gesprächssequenz, die ein bestimmtes Thema folgt. Die Gesprächsschritte besitzen sowohl einen Handlungscharakter, als auch einen Sprechhandlungstyp - das kann ein Vorwurf, ein Versprechen, eine Bitte, eine Behauptung sein. Die kommunikative Absicht des Sprechers ist nicht das einzige Merkmal eines Handlungstyps. Die möglichen Positionen im Gesprächsverlauf sind genauso wichtig. Im Falle direktiver Sprechhandlungen, drückt die initiative Position eine Aufforderung, eine Bitte, oder eine Anweisung aus, während die reaktive Position (beim Fragen) - Entschuldigungen, Rechtfertigungen, Danksagungen ausdrückt. Ein aufschlussreiches Beispiel stellt eine Vorwurfshandlung dar, auf die man mit den Sprechhandlungstypen: sich rechtfertigen/ sich entschuldigen/ sich bestreiten reagieren kann. Saks, Schegloff und Jefferson unterstreichen den Zusammenhang zwischen präzisen Gesprächsschritten und nennen ihn „bedingte Erwartbarkeit“ (1992) (vgl. Vorlesungen 1964-65). Folglich führt ein bestimmter Handlungstyp zu einem anderen: Gruß - Gegengruß, beispielsweise. Die sozialen Konventionen zwingen diese Folgehandlung auf.

Paarsequenzen bestehen aus zwei Gesprächsschritten verschiedener Sprecher (initiierenden - reaktiven Gesprächsschritten) : Frage - Antwort / Gruß - Gegengruß / Angebot - Annahme / Angebot - Ablehnung / Abschied - Abschied / Bitte - Vesprechen / Rechtfertigung - Vorwurf / Vorwurf - Entschuldigung - Folgen. „Das Prinzip der <<bedingten Erwartbarkeit>> beinhaltet auch, dass alle Abweichungen vom konventionellen Schema eine besondere Bedeutung erhalten.“7 Die Gesprächsschritte müssen nicht immer in einer Gesprächssequenz aufeinander folgen. Dazu gehören die Nebensequenzen - Zwischenfragen.

2.2.5.3. Die Funktion von Gesprächssequenzen

Nach dem Kriterium der Bedeutung bestimmter Sequenztypen können Sequenzen für die Imagearbeit klassifiziert werden. Goffman (1974) definiert „Image“, das einen sozialen Wert darstellt, als „das alltlgliche Selbstbild eines jeden, das unbewusst bleiben kann und im allgemeinen Gegenstand automatisierter Handlungen ist.“8 Jeder Sprecher versucht sein Image aufrechtzuhalten und ein Gleichgewicht anzustreben. Von der Imagearbeit ergeben sich zwei Klassen von Gesprächssequenzen: die bestätigende Sequenz vs. die korrektive Sequenz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es gibt vier Grundtypen der Bestätigung:

- Sympathie bzw. Interessenbekundung (Typ I) - interpersonale Themen Informationsfrage - Höfliche Auskunft Selbstlob - Zustimmung / Bestätigung Interessenwerbung - Interessenbekundung Interessierte Frage - Dank / Auskunft Kompliment / Lob - Dank / Zustimmung / Abschwächung

- Höfliche Angebote (Typ II) - interpersonale Themen Höfliches Angebot / Dank / Akzeptieren Einladung - Dank / Höfliche Ablehnung Willkommenheißen - Dank

- Ratifizierung (Typ III) - spezielle Funktionen Mitteilung (über Veränderung) Anerkennung / Würdigung / Zustimmung / Glückwunsch / Beileidsbezeugung Anerkennung / Zustimmung / Glückwunsch / Beileidsbezeugung / Dank / Abschwächung

- Zugänglichkeitsbekundung (Typ IV) - spezielle Funktionen Begrüßung - Begrüßung Verabschiedung - Verabschiedung Eröffnung - Bestätigung Beendigung - Bestätigung“9

Man kann auch verschiedene Typen kombinieren, die mehrgliedrige Sequenzen aufbauen.

Im folgenden Beispiel sind die Schritte in einer Vorwurfssequenz zu beobachten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es ist auch zwischen Entschuldigungen und Rechtfertigungen in einem Gespräch zu unterscheiden. Man kann die volle Verantwortung für die in Frage stehende Handlung übernehmen oder man kann die im Vorwurf ausgedrückten negativen Bewertungen der Handlung anerkennen. Der Reagierende übernimmt die volle Verantwortung für die verurteilte Handlung, aber nicht die negative Bewertung, durch eine Rechtfertigung.,

[...]


1 Brinker, K./Sager, S.: Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1985.

2 Brinker, K./Sager, S.: Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1985.

3 Goffman, E.: Das Individuum im öffentlichen Austausch. Mikrostudien zur öffentlichen Ordnung. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1974, S. 201.

4 Fierbințeanu, I.H.: Mündliche Abschlussprüfungen. Analyse aus gesprächsanalytischer Perspektive. Editura Universității din București, București 2008, S. 26f.

5 Ebd., S. 27.

6 Fierbințeanu, I.H.: Mündliche Abschlussprüfungen. Analyse aus gesprächsanalytischer Perspektive. Editura Universității din București, București 2008, S. 28.

7 Fierbințeanu, I.H.: Mündliche Abschlussprüfungen. Analyse aus gesprächsanalytischer Perspektive. Editura Universității din București, București 2008, S. 30.

8 Goffman, E.: Das Individuum im öffentlichen Austausch. Mikrostudien zur öffentlichen Ordnung. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1974.

9 Fierbințeanu, I.H.: Mündliche Abschlussprüfungen. Analyse aus gesprächsanalytischer Perspektive. Editura Universității din București, București 2008, S. 30f.

Details

Seiten
55
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668264717
ISBN (Buch)
9783668264724
Dateigröße
891 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336363
Institution / Hochschule
University of Bucharest
Note
Schlagworte
Gesprächsanalyse Grußformeln Telefonieren Mobiltelefongespräche

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