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Analyse der Arbeitsmarktsituation in Deutschland und Reformansätze

Eine empirische und theoretische Darstellung der Entwicklung bis zum Jahr 2016

Hausarbeit 2016 45 Seiten

VWL - Arbeitsmarktökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1 1. Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes
1.1. Der Grundsatz für Arbeit und Beschäftigung
1.2. Deutschland im europäischen Vergleich
1.3. Der deutsche Arbeitsmarkt ab 2010
1.3.1. Arbeitsangebot
1.3.2. Arbeitsnachfrage
1.3.3. Zwischenfazit

Kapitel 2 2. Arbeitslosigkeit: Arten und Ursachen
2.1. Friktionelle Arbeitslosigkeit
2.2. Saisonale Arbeitslosigkeit
2.3. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
2.4. Strukturelle Arbeitslosigkeit
2.4.1. Sektorielle Ursachen
2.4.2. Technologische Ursachen
2.4.3. Regionale Ursachen
2.4.4. Globale Ursachen
2.4.5. Institutionelle Ursachen

Kapitel 3 3. Die Funktionsweise des Arbeitsmarktes
3.1. Der Arbeitsmarkt
3.2. Prämissen nach der klassischen Theorie
3.3. Das Arbeitsangebot
3.4. Die Arbeitsnachfrage
3.5. Das Marktgleichgewicht

Kapitel 4 4. Volkswirtschaftliche Denksätze zum Arbeitsmarkt
4.1. Marktwirtschaft und Tendenz
4.2. Die effektive Nachfrage

Kapitel 5 5. Reformansätze zur Lösung von Arbeitsmarktproblemen
5.1. Arbeitnehmeransätze
5.1.1. Lohnerhöhungen
5.1.2. Kurzarbeit und Qualifizierung
5.2. Arbeitgeberansätze
5.2.1. Senkung der Löhne und der Abgabelast
5.2.2. Flexibilisierung der Beschäftigungsformen
5.3. Resümee der staatlichen Aktivität

Schlussbetrachtung

Glossar

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Entwicklung der harmonisierten Arbeitslosenquote Deutschlands und der Europäischen Union von 2003 – 2015

Abbildung 2 Erwerbstätigenquote Älterer von 2010 zu 2014

Abbildung 3 Entwicklung der Erwerbspersonen und Erwerbstätigen und der Gesamtbevölkerung von 2010 – 2015

Abbildung 4 Entwicklung der Arbeitslosen& -quote von 2010–2015

Abbildung 5 Entwicklung der Stillen Reserve von 2010 – 2015

Abbildung 6 Entwicklung der Arbeitnehmeranzahl und Selbstständigen in Relation

Abbildung 7 Veränderung der sozialversicherungspflichtig-, geringfügig Beschäftigten & Beschäftigte in Arbeitsangelegenheiten von 2010 zu 2015

Abbildung 8 Entwicklung der Erwerbstätigkeit nach Wirtschaftssektoren von 2010 – 2015

Abbildung 9 Entwicklung Offener Stellen von 2010 – 2015

Abbildung 10 Entwicklung der Vakanzrate in Deutschland von 2010 – 2015

Abbildung 11 Saisonale Beschäftigungsveränderung im deutschen Bau- und Gastronomiegewerbe von März 2014 – März 2015

Abbildung 12 Entwicklung des preisbereinigten BIP und der sozialversicherungs- pflichtig Beschäftigten in Deutschland gegenüber dem Vorjahr in Prozent, 2006 – 2015

Abbildung 13 Entwicklung der deutschen Wirtschaftssektoren anhand ihres prozentualen Anteils an Erwerbstätigen im Inland von 1950 – 2015

Abbildung 14Angebotskurve von Lohn und Beschäftigung

Abbildung 15 Nachfragekurve von Lohn und Beschäftigung

Abbildung 16 Gleichgewichtsbildung auf dem Arbeitsmarkt

Abbildung 17 Stilisiertes Schema der General Theory

Abbildung 18. Vergleich Klassik – Keynesianismus

Abbildung 19 Arbeitskostenniveau im internationalen Vergleich, Verarbeitendes Gewerbe 2014, Deutschland = 100

Einleitung

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes hat elementaren Einfluss auf alle Marktteilnehmer. Um die Situation des deutschen Arbeitsmarktes zu erfassen, soll diese anhand der gängigen Indikatoren ausführlich analysiert und veranschaulichend dargestellt werden. Das temporäre Betrachtungsintervall soll sich dabei auf die aparte Entwicklung ab dem Ende der Finanzkrise bis zum Jahresschluss 2015 fokussieren.

Unabhängig der Entwicklungstendenzen ist Arbeitslosigkeit eine dauerhaft präsente Thematik. Aus diesem Grund widmet sich das anschließende Kapitel ihrer Formen und Ursachen. Fraglich ist, worin sich diese unterschieden und ob es eine Gewichtung ihres Stellenwertes gibt?

Um die Arbeitsmarktproblematiken zu lösen ist ein grundlegendes Verständnis für die Funktionsweise des Arbeitsmarktes unabdingbar. Daher soll diese im 3. Kapitel, unter Einbeziehung der klassisch-volkswirtschaftlichen Denkanschauung, erläutert werden. Neben der Klassischen besteht eine weitere Sichtweise, welche der Vorausgegangenen gegenüber gestellt werden soll.

Im abschließenden Kapitel wird eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Reformansätzen angestrebt. Diese sollen erläutert und in Hinblick auf ihre makroökonomische Wirkung zur Lösung von Arbeitslosigkeit simultan beurteilt werden.

Kapitel 1 1. Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes

1.1. Der Grundsatz für Arbeit und Beschäftigung

Um in Deutschland ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht zu erreichen, wurde im Jahr 1967 das Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstum der Wirtschaft erlassen. Darin sind mehrere Zielstellungen normiert. Neben einem stetigen und angemessenen Wirtschaftswachstum ist u.a. die Ausrichtung auf Sicherung eines hohen Beschäftigungsstandes inkludiert.1

Beschäftigung und Arbeit sind für die ökonomische Existenz- und Entwicklung des einzelnen Bundesbürgers von ausschlaggebender Bedeutung.2 Ebenso bestimmt die Auslastung des Produktionsfaktors Arbeit i.S.v. Arbeitskräften, neben dem Faktor Kapital und weiteren, das Produktionspotenzial und die Leistungsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft. Folglich hat die Beschäftigungssituation einen maßgeblichen Einfluss auf den Wohlstand und das Voranschreiten dieser.3

1.2. Deutschland im europäischen Vergleich

Vor mehr als 10 Jahren ist Deutschland noch als „Kranker Mann Europas“ tituliert worden. Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Stillstand gepaart mit einer bis dato steigenden Arbeitslosigkeit prägte das Bild, welches 2005 in ihren Maxima mit über 5 Mio. Menschen ohne Arbeit gipfelte.4 Seit den damaligen Arbeits- und sozialpolitischen Reformen, worunter die Agenda 2010 und die Hartz IV Gesetze fallen, hat sich die Situation Deutschlands wesentlich verbessert. Selbst zur Zeit der Wirtschaftskrise 2008/ 2009 konnte sich Deutschland im Gegensatz zum europäischen Trend behaupten und baute seinen Erfolg ab 2010 kontinuierlich aus. Seit einigen Jahren ist es zur Wachstums- & Konjunkturlokomotive geworden und weist mit seiner harmonisierten Arbeitslosenquote (-> siehe Glossar) den niedrigsten Wert in der EU auf.5

Abbildung 1 Entwicklung der harmonisierten Arbeitslosenquote Deutschlands und der Europäischen Union von 2003 – 2015 6

1.3. Der deutsche Arbeitsmarkt ab 2010

Die Situation am deutschen Arbeitsmarkt stellt sich als vielschichtige Kombination einer Reihe von Indikatoren dar. Deshalb stützt sich diese Darstellung auf sorgfältig ausgewählte Kennzahlen, welche präsentiert und aggregiert werden, umso die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes ab 2010 zu analysieren. Zur analytischen Strukturierung bietet sich die Einteilung der Indikatoren nach dem Arbeitsangebot und der Arbeitsnachfrage an.7

1.3.1. Arbeitsangebot

Entgegen dem vorausgegangen Abwärtstrend wuchs der deutsche Bevölkerungstand seit Anbeginn des neuen Jahrzehnts bis 2015 von 80,2 Millionen um 2,0 % auf 81,8 Mio. Der darin, gemäß ILO8, verfügbare Anteil an Erwerbspersonen steigerte sich parallel von 43,8 Mio. um 2,5 % auf 44,9 Mio. Folglich hat sich das Angebot an Arbeitskräften und somit das Arbeitskräfte- bzw. Erwerbspersonenpotenzial der deutschen Volksgemeinschaft positiv entwickelt.

Begünstigen kommt der Anteil der sogenannten stillen Reserve9 hinzu. Dessen ungeachtet ist dieser Indikator von keiner amtlichen Statistik erfasst, sondern beruht lediglich auf Schätzungen, weshalb er hinsichtlich seiner Aussagekraft nachgelagert ist. Die Stille Reserve muss jedoch der Rechnung hinzugefügt werden, um die Vollständigkeit des Arbeitskräftepotenzials und dessen Definition zu wahren.10

Die Erwerbsquote

Die Erwerbsquote ist ein zentraler und übergeordneter Indikator, welcher die Intensität der Teilhabe der Bevölkerung eines Landes am Erwerbsleben und somit das Arbeitskräfteangebot am Arbeitsmarkt misst. Zu den Erwerbspersonen zählen sowohl die Erwerbstätigen, als auch die Erwerbslosen. (Anzahl Erwerbspersonen = Erwerbstätige + Erwerbslose).11 Parallel zum absoluten Anstieg an Erwerbspersonen hat sich auch die Erwerbsquote (Quotient = Erwerbspersonen / Bevölkerung x 100) von 2010 mit 54,6 zu 2015 auf 54,9 % erhöht. Somit nahm die Intensität zu.

Die Erwerbstätigenquote

Die Erwerbstätigenquote stellt den Anteil der Erwerbstätigen (Bevölkerung im Alter von 15 und mehr Jahren) einer Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung derselben Altersgruppe dar. Bei Vergleichen bezieht sich die Bezugsgröße auf Personen in fixierten Altersgruppen.12 Diese veranschaulicht somit die Höhe des tatsächlichen Ausschöpfungsgrades der Ressource Arbeit in einer Volkswirtschaft. Unter Einbezug der aktuellsten statistischen Erhebungen hat sich beispielgebend die Erwerbsbeteiligung der Generation 55+ von 2010 zu 2014 bemerkenswert entwickelt. Auch wenn die Erwerbsbeteiligung mit zunehmenden Alter von Gruppe zu Gruppe sinkt, steigerten sich die Erwerbsquoten innerhalb alle Altersgruppierungen. Besonders prägnant ist dabei die Altersgruppe der 60 – 65 Jährigen. Dessen Erwerbstätigenquote stieg von 40,8 % auf 52,3 % um +11,5 %. Selbst die Gruppe der regulär rentenfähigen Personen im Altersintervall von 65 – 70 betätigte sich zunehmend am Erwerbsleben.

Abbildung 2 Erwerbstätigenquote Älterer von 2010 zu 201413

Die Erwerbstätigenanzahl

Die Anzahl an Erwerbstätigen in Deutschland ist ein wichtiger Indikator und hat sich seit 2010 zu 2015 von 41. Mio. um +2 Mio. erhöht (+4,9 %). Dieser Anstieg auf 43 Mio. Erwerbstätigen begründet den höchsten Stand in der Zeitgeschichte Deutschlands14 und ist folglich positiv zu werten.

Um die Struktur des Arbeitsangebots offen zu legen, kann die Gruppe der Erwerbspersonen und -tätigen nach verschiedenen Gesichtspunkten gegliedert werden, um aus den entsprechenden Klassifikationen spezifische Entwicklungstendenzen zu dezidieren. Beispielgebend kann eine Unterteilung nach bildungs-, herkunfts-, alters- oder geschlechtsspezifischen Merkmalen vorgenommen werden.

Abbildung 3 Entwicklung der Erwerbspersonen und Erwerbstätigen und der Gesamtbevölkerung von 2010 – 201515

Erwerbslose & -quote (nach ILO)

Die Zahl der Erwerbslosen wird in Deutschland anhand der Arbeits­kräfte­er­he­bung (Labour Force Survey) gemessen. Konkretisiert durch die international geltende Definition der International Labour Organization (ILO) zählen zur Erwerbslosigkeit nicht er­werbstätige Personen von 15 bis 74 Jahren, welche in den vier Wochen vor der Be­fra­gung aktiv nach einer Tätigkeit ge­sucht haben und eine solche innerhalb von zwei Wochen aufnehmen könnten. Diesbezüglich ist es unerheblich, ob die betreffenden Personen bei einer staatlichen Institution gemeldet sind und dort Sozialleistung beziehen. Die Er­werbs­lo­sen­quote errechnet sich als Anteil der Erwerbs­losen an allen Er­werbs­per­so­nen.16 Ihre volkswirtschaftlich positive Entwicklung ist in der Abbildung 1. 1. auf Seite 8 wiedergegeben.

Arbeitslose & -quote (nach SGB)

Arbeitslosigkeit entsteht, wenn das Angebot an Arbeitskräften (Erwerbspersonen) von der Nachfrage nach Arbeitskräften bzw. dem Angebot an Arbeitsplätzen, nicht vollständig ausgeschöpft wird.17 Die Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtet monatlich in der Statistik der Ar­beits­losen gemäß ihrer Definition nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) über die Arbeitslosigkeit in Deutschland und deren Strukturen. Neben den absoluten Werten zeigen die Arbeitslosenquoten die relative Unterauslastung des Arbeitskräftean­gebots an.18

Abbildung 4 Entwicklung der Arbeitslosen & -quote von 2010 – 201519

Trotz geringer Rückläufigkeit 2013 hat sich sowohl die Anzahl von Arbeitslosen, als auch die Quote von 2010 zu 2015 wesentlich verbessert.

Verdeckte Arbeitslosigkeit

Das Erwerbspersonenpotenzial setzt sich aus den Erwerbstätigen, den registrierten Arbeitslosen und den verdeckten Arbeitslosen, der sogenannten Stillen Reserve, zusammen. Laut Bundesagentur für Arbeit gehören zur Letzteren insbesondere:

Personen, die beschäftigungslos, verfügbar und arbeitssuchend sind, ohne als Arbeitslose registriert zu sein,

Personen, welche die Arbeitsuche entmutigt aufgegeben haben, jedoch bei guter Arbeitsmarktlage Arbeitsplätze nachfragen würden,

Personen, die aus Arbeitsmarktgründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und

Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in Warteschleifen des Bildungs- und Ausbildungssystems, jedoch nicht beispielsweise Beschäftigte mit 1-Euro-Jobs, die erwerbstätig sind.20

Ausschlaggebend ist, dass der Arbeitsmarkt keine oder unzureichende Beschäftigungsmöglichkeiten bietet und Personen daher keiner Beschäftigung nachgehen.21 Auf Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat die Stille Reserve im Zuge der erfolgreichen Arbeitsmarktentwicklung seit 2010 bis 2015, trotz einmaligen Anstiegt 2013, einen enormen Rückgang um 52,7 % verzeichnet.

Abbildung 5 Entwicklung der Stillen Reserve von 2010 – 2015.22

1.3.2. Arbeitsnachfrage

Zentraler Indikator der Arbeitsnachfrage ist die Veränderung der Zahl der abhängig und selbstständig Beschäftigten. Weiterer Indikator ist die Beschäftigungsentwicklung nach Wirtschaftssektoren, als auch die Anzahl offener Stellen. Bei der Betrachtung ist entscheidend, wo und in welchem Maße die Ressource Arbeit nachgefragt und genutzt wird.

Erwerbstätigenstruktur des Arbeitsangebots

Erwerbstätige sind Personen die einer oder mehreren, auf wirtschaftlichen Erwerb gerichteten Tätigkeiten nachgehen. Für die Zuordnung ist es unerheblich, ob aus dieser Tätigkeit der überwiegende Lebensunterhalt bestritten wird oder nicht. Zu der Unterkategorie der Arbeitnehmer zählen die sozialversicherungspflichtig und geringfügig entlohnten Beschäftigten, Beamte und Beschäftigte in Arbeitsgelegenheiten (-> siehe Glossar). Zum anderen gibt es die Kategorie der Selbstständigen (einschließlich Mithelfenden).23

Die Anzahl an Selbstständigen stieg von 2010 zu 2012 um +100.000 Personen (+ 2,2 %) und entwickelte sich somit parallel zu den positiven Entwicklungstrend der Erwerbstätigen. Ab 2013 war der Entwicklungstrend der Selbstständigen jedoch rückläufig und sank zu 2015 insgesamt um -300.000 Personen (-6,5 %). Folglich hat sich der Anfangsbestand der Selbständigen von 2010 zu 2015 von 4,5 Mio. auf 4,3 Mio. um -200.000 Personen reduziert (-4,4 %).

Entgegen der Abnahme an Selbstständigen profitierte die Kategorie der Arbeitnehmer besonders von der anhaltend positiven Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Nach dem Inländerkonzept (-> siehe Glossar) wuchs ihre Anzahl seit 2010 zu 2015 jährlich im Durchschnitt um +440.000 Personen. Insgesamt stieg die Anzahl um 2,2 Mio. von 36,5 Mio. auf 38,7 Mio. (+6 %). Folglich ist die Dominanz der Arbeitnehmernachfrage, als auch die kontinuierliche Wachstumsentwicklung besonders kennzeichnend für den deutschen Arbeitsmarkt.

Abbildung 6 Entwicklung der Arbeitnehmeranzahl und Selbstständigen in Relation24

Dabei stieg maßgeblich die Zahl der der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 28,69 Mio. auf 30,82 Mio. um +2,14 Mio. Personen (+7,4%). Der Anfangsbestand der marginal Beschäftigten (geringfügig entlohnte, sowie Personen mit Arbeitsgelegenheiten) hat sich hingegen von 2010 zu 2015 hingegen von insgesamt 5.336.000 auf 4.874.000 um -462.000 Personen verringert (-8,7 %). Augenscheinlich folgte ein wesentlicher Übergang von existenz- und erwerbsunterstützenden zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Letztere stellt im Zusammenspiel mit ihrer absoluten Zunahme und der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns25 seit 01.01.15 eine wesentliche Verbesserung für den Einzelnen dar. In Hinblick auf die unterschiedlichen volkswirtschaft- lichen Beschäftigungstheorien ist die Abschätzung eines Mindestlohneffekts auf die Beschäftigung mit Unsicherheiten behaftet.26

Abbildung 7 Veränderung der sozialversicherungspflichtig-, geringfügig Beschäftigten & Beschäftigte in Arbeitsangelegenheiten von 2010 zu 201527

Strukturelle Arbeitsnachfrage

Um genauere Kenntnisse über die strukturelle Arbeitsnachfrage einer Volkswirtschaft zu erlangen, kann diese anhand der Beschäftigungsentwicklung ihrer Wirtschaftszweige differenziert werden. Im Primärsektor (Urproduktion) sank die Anzahl der Erwerbstätigen erstmals seit sechs Jahren von 0,7 Mio. auf 0,6 Mio. um -100.000 Personen (– 14,3 %). Im Gegensatz dazu erhöhte sich die Anzahl der im Sekundärsektor, d.h. im Produzierenden Gewerbe (einschließlich dem Baugewerbe) Tätigen von 2010 zu 2015 um +500.000 Personen auf 10,5 Mio. (+5 %). Einen besonders deutlichen Zuwachs verzeichnete der deutsche Dienstleistungssektor (Tertiärsektor). Seit 2010 stieg die Anzahl an Beschäftigten kontinuierlich und jahresdurchschnittlich um +320.000 Personen. Insgesamt nahm die Anzahl um 1,6 Mio. (+5,3 %) von 30,3 Mio. auf 31,9 Mio. zu. Es wird somit deutlich, dass der Faktor Arbeit überproportional im Dienstleistungssektor nachgefragt wird. Ebenso resultiert daraus, dass sich der geschichtliche Entwicklungstrend28 Deutschlands fortsetzt.

Abbildung 8 Entwicklung der Erwerbstätigkeit nach Wirtschaftssektoren von 2010 – 2015.29

Offene Stellen

Ein weiterer und wichtiger Arbeitsmarktindikator ist die Verfügbarkeit an offenen Stellen, welche statistisch erfasst werden. Es handelt sich dabei um die Gesamtheit von Arbeitsplätzen, welche neu geschaffen, nicht besetzt sind oder demnächst frei werden und zu deren Besetzung der Arbeitsgeber aktive Schritte unternimmt, um innerhalb eines bestimmten Zeitraums die Stelle zu besetzen.30 Ein Anstieg von offenen Stellen ist zweifach positiv zu werten. Zum einen erhöht es die Beschäftigungsalternativen und folglich die Wahrscheinlichkeit des Transfers von Arbeitslosen in die Erwerbtätigkeit. Zum anderen ist auch ein begünstigender konjunktureller Indikator, da die Unternehmen vorwiegende bei guter wirtschaftlicher Lage ihre Arbeitskapazitäten erhöhen.31 Von 2010 zu 2015 stieg die Anzahl der gemeldeten Stellen von 359.300 auf 568.700 um insgesamt +209.400 (+58,2 %). Trotz einmaligen Rückgangs im Jahr 2013 um -9 % im Vergleich zum Vorjahr, verzeichnet die Nachfrage nach Arbeitskräften im Durchschnitt zweistellige Wachstumsraten.

Abbildung 9 Entwicklung Offener Stellen von 2010 – 201532

Dabei bemisst sich die Intensität der Arbeitskräftenachfrage durch die Vakanzrate. Diese misst den Anteil der offenen Stellen an der Gesamtheit aller Stellen am Arbeitsmarkt.33

Diese lässt sich, analog zu vorherigen Indikatoren, ebenso spezifiziert betrachten. Die Vakanzrate Deutschlands stieg vom Jahr 2010 zu 2015 von 2 % auf 2,5 %.

Abbildung 10 Entwicklung der Vakanzrate in Deutschland von 2010 – 201534

1.3.3. Zwischenfazit

Im Hinblick auf die Darstellung der Arbeitsmarktsituation in Deutschland sehe ich die eingangs formulierte Behauptung35 zur positiven Entwicklung Deutschlands, nach Herrn Professor Dr. Wolfgang Wiegard36, als bestätigt.

Hinzu kommt, dass sich der begünstigende Arbeitsmarkttrend, in Anbetracht der Pressemeldungen des Bundesamtes für Statistik ab 2016 und den darin enthalten aktuellen Werteangaben, bis dato fortsetzt.

Trotz der positiven Arbeitsmarktentwicklung und unter Berücksichtigung der massiven Zunahme an verfügbaren Stellen, bleibt jedoch ein gewisser Bestand an Arbeitslosen nicht aus.

Kapitel 2 2. Arbeitslosigkeit: Arten und Ursachen

Arbeitslosigkeit ist auf verschiedene Ursachen zurück zu führen. Im Folgenden schließe ich mich der Kategorisierung des Statistischen Bundesamtes an, welches die Formen gemäß ihrer Ursächlichkeit in friktionelle, saisonale, konjunkturelle und strukturelle Ar­beitslosigkeit untergliedert.

2.1. Friktionelle Arbeitslosigkeit

Friktionelle Arbeitslosigkeit wird auch unter dem Synonym der Fluktuationsarbeitslosigkeit oder der Sucharbeitslosigkeit verwendet. Bei Verlust oder Aufgabe eines Arbeitsplatzes und der Aufnahme einer neuen Beschäftigung ist ein lückenloser Übergang nicht immer gewährleistet. Folglich entstehen Phasen kurzzeitiger Arbeitslosigkeit, wie zum Beispiel durch Abweichungen zwischen Schul- oder Bundeswehrentlassungsterminen und Einstellungsterminen.37 Das Ausmaß dieser Form von Arbeitslosigkeit hängt auch von der Arbeitsmarktinstitutionen und dem Einsatz der Arbeitsvermittlung der Bundesagenturen für Arbeit ab. Weil die Bundesinstitution im Gegensatz zum Arbeitslosen über ein großes Arbeitsstellenrepertoire verfügt, soll eine effektive und effiziente Arbeitsvermittlung dazu führen, dass Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage schnell und passend kongruieren.

Gemessen an ihrer Quote von unter 1 Prozent38 der Anzahl an Erwerbspersonen39, nimmt diese sehr kurzfristige Form von Arbeitslosigkeit lediglich einen geringfügigen Stellenwert ein.

2.2. Saisonale Arbeitslosigkeit

Die regelmäßig jahreszeitbedingte Unterauslastung von bestimmten Wirtschaftssektoren einer Volkswirtschaft wird als saisonale Arbeitslosigkeit bezeichnet. Hervorgerufen wird diese durch die schwankende Nachfrage an Arbeitskräften, welche zum Beispiel klimatisch bedingt im Winter auftritt.40

[...]


1 § 1 Satz 2 Stabilitätsgesetz.

2 vgl. Altmann, J. (2007). Seite 98.

3 vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Website.

4 vgl. Felbermayr, G., Knoche, M. & Wößmann L. (2016), Seite 98/99.

5 vgl. Felbermayr, G., Knoche, M. & Wößmann L. (2016), Seite 96/97.

6 eigene Darstellung auf Angaben des Statistischen Amtes der europäischen Union.

7 zur Spezifizierung der Begriffe: Arbeitsangebot & -nachfrage, siehe Kapitel 3.

8 zum Begriff: „ILO“, siehe Seite 10 – Erwerbslose & -quote.

9 zum Begriff: „Stille Reserve“, siehe Seite 12 – Verdeckte Arbeitslosigkeit.

10 vgl. Piekenbrock, D. (2003). Seite 96.

11 vgl. Piekenbrock, D. (2003). Seite 96.

12 vgl. Statistischen Bundesamtes. Website. Stichwort: Glossar zum Arbeitsmarkt.

13 eigene Darstellung auf Angaben des Statistischen Bundesamtes. Website.

14 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Website.

15 eigene Darstellung auf Angaben des Statistischen Bundesamtes. Website. Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung auf Grundlage früherer Zählungen und des Zensus ab 2011 und absolute Werte aus der Pressemitteilung Nr. 001 vom 04.01.2016 gemäß Labour-Force-Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

16 vgl. Statistischen Bundesamtes. Website.

17 vgl. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2001). Seite 76.

18 vgl. Statistischen Bundesamtes. Website.

19 eigene Darstellung auf Angaben der Bundesagentur für Arbeit, Statistik. Website.

20 vgl. Instituts für Arbeitsmark- & Berufsforschung - Onlinepublikation 1.

21 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Website.

22 eigene Darstellung auf Angaben des Instituts für Arbeitsmark- & Berufsforschung - Onlinepublikation 1.

23 vgl. Statistischen Bundesamtes. Website. Stichwort: Glossar zum Arbeitsmarkt.

24 eigene Darstellung auf Angaben des Statistischen Bundesamtes. Website. Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung auf Grundlage früherer Zählungen und des Zensus ab 2011 und absolute Werte aus der Pressemitteilung Nr. 001 vom 04.01.2016 gemäß Labour-Force-Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

25 § 1 Mindestlohngesetz.

26 zum differenzierten, volkswirtschaftlichen Denkansatz, siehe Kapitel 4.

27 eigene Darstellung auf Angaben des Instituts für Arbeitsmark- & Berufsforschung - Onlinepublikation 2.

28 zur erweiterten Darstellung: Sektorielle Entwicklung Deutschlands, siehe Abb. 3. 2.

29 eigene Berechnung und Darstellung auf Angaben des Instituts für Arbeitsmark- & Berufsforschung - Onlinepublikation 2.

30 vgl. Statistisches Amt der europäischen Union. Website.

31 zum spezifizierten Hintergrund: Grenznutzentheorem, siehe Kapitel 3.4.

32 eigene Berechnung (Originalwerte im Jahresdurchschnitt) und Darstellung auf Angaben des Statistischen Bundesamtes. Website.

33 vgl. Statistisches Amt der europäischen Union. Website.

34 eigene Darstellung auf Angaben des Bundesinstituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Website.

35 zur Behauptung: Kapitel 1.2.

36 Wolfgang Wiegard *17.02.1946, ehemaliger Professor für Volkswirtschaft Regensburg und Tübingen, als auch ehemaliger Beirat beim BMF und Vorsitzender des Sachverständigenbeirates.

37 vgl. Altmann, J. (2007). Seite 93/ 94.

38 vgl. Statistisches Bundesamt. Website. Fachbereich: Arbeitsmarkt.

39 zum Begriff: Erwerbspersonen, siehe Kapitel 1.3.1.

40 vgl. Statistisches Bundesamt. Website. Fachbereich: Arbeitsmarkt.

Details

Seiten
45
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668265271
ISBN (Buch)
9783668265288
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336508
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,5
Schlagworte
Arbeitsmarkt Arbeitsmarktreform Finanzkrise Arbeitsmarktproblematik klassisch-volkswirtschaftliche Denkanschauung

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Titel: Analyse der Arbeitsmarktsituation in Deutschland und Reformansätze