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Pädagogik im Sinne Immanuel Kants. Motivation und innere Haltung im Unterricht

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Nicht Gedanken, sondern denken lernen

3 Kant über Pädagogik

4 Unterrichten im Sinne Kants in der Theorie

5 Unterrichten im Sinne Kants in der Praxis

6 Fazit

7 Quellenangaben

1 Einleitung

Immanuel Kant (1724-1804) war ein großer Denker seiner Zeit, der die Philosophie in verschiedenen Bereichen, besonders durch die Reflexion auf die Bedingungen möglicher Erkenntnis, neu begründet hat. Als Vertreter der Aufklärung kennzeichnet er den Beginn der modernen Philosophie vor allem mit seinem Werk „Kritik der reinen Vernunft“. Er hinterlässt weitere bedeutende Schriften und beeinflusst andere Philosophen maßgeblich. Kant soll zudem ein eleganter und geistreicher Gentleman gewesen sein, der in seiner Heimatstadt Königsberg eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielte und von seinen Studenten als Universitätslehrer geschätzt wurde.[1] Im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent beschäftigte er sich in seinen Vorlesungen unter anderem mit der Pädagogik und der Erziehung des Menschen. Hier statuiert er eine sich aus der Vernunftbegabtheit des Menschen ergebende, natürliche Notwendigkeit von Erziehung des Menschen. Da jener jedoch zunächst nicht von Beginn seines Lebens dazu imstande ist, sich zu erziehen und zu bilden, bedarf er der Unterweisung von außen, der Edukation durch bereits erzogene Artgenossen.

Auch in unserem heutigen Leben scheint die Erziehung des Menschen eines der primären Lebensziele zu sein, die, wie Kant es beschreibt, zunächst durch andere Menschen erfolgt. Schon kleinen Kindern werden durch ihre Eltern Regeln auferlegt, im Kindergarten und vor allem durch die Schulpflicht werden sie dann zum festen Bestandteil des Lebens eines Individuums. Diese Thematik soll in der folgenden Arbeit näher betrachtet werden, jedoch möchte ich auch darauf eingehen, auf welche Art und Weise Kant selbst unterrichtete, welche Methodik des Lernens er vorschlug und ob es auch heute noch Möglichkeiten gibt, diese in der Schule anzuwenden.

So werde ich in meinem ersten Teil dieser Arbeit zunächst auf einen Auszug mit dem Titel „Nicht Gedanken, sondern denken lernen“[2] eingehen, um zu verdeutlichen, worauf es Kant beim Lehren und Lernen ankam, um daraufhin seine Definition von Pädagogik näher zu erläutern. Anschließend möchte ich den theoretischen Rahmen des Unterrichtens im Sinne Kants noch einmal resümieren, um im letzten Teil schließlich die Frage zu klären, ob solch ein Unterricht auch heute noch möglich ist.

2 Nicht Gedanken, sondern denken lernen

Schon 1746 unterrichtet der junge Kant (22 Jahre) in der Umgebung von Königsberg als Hauslehrer. Bis zu seiner Habilitation im September 1755 bleibt Kant auch Hauslehrer, doch danach wird er Privatdozent an der Universität Königsberg. Aber wie und nach welchen Prinzipien unterrichtet er?

Kant ist es wichtig, zunächst den Verstand seiner Schüler auszubilden. Er will ihnen keine Gedanken vermitteln, die sie nicht selbst verstehen und nachvollziehen können. Stattdessen sollen sie lernen, selbst zu denken und es soll gemäß der natürlichen Entwicklung gelehrt und gelernt werden, ohne ihr vorzugreifen. Kant kritisiert, dass dieser Aspekt in Schulen allerdings nicht berücksichtigt wird und „[d]aher entspringen die ewige[n] Vorurtheile der Schulen, welche hartnäckiger sind als die gemeinen, und die frühkluge Geschwätzigkeit junger Denker, die blinder ist als irgend ein anderer Eigendünkel und unheilbarer als die Unwissenheit.“[3] Das Wissen muss von unten aufgebaut werden, um Dinge wirklich durchdringen zu können und um ein unverdautes Halbwissen zu vermeiden. Geschieht dies nicht, „so erschnappt der Schüler eine Art von Vernunft, ehe noch der Verstand an ihm ausgebildet wurde, und trägt erborgte Wissenschaft, die an ihm gleichsam nur geklebt und nicht gewachsen ist, wobei seine Gemüthsfähigkeit noch so unfruchtbar wie jemals, aber zugleich durch den Wahn von Weisheit viel verderbter geworden ist“[4]. Deshalb soll der Verstand dahingehend ausgebildet werden, dass die Schüler selbst in die Lage versetzt werden, eigenständig zu denken, Schlüsse zu ziehen und somit Wissen selbst zu erlangen. Auch, wenn Schülern dies aufgrund ihrer „Ungeübtheit“[5] schwer fällt, sollen sie lernen, forschend und nicht dogmatisch zu denken: „Der den Schulunterweisungen entlassene Jüngling war gewohnt zu lernen. Nunmehr denkt er, er werde Philosophie lernen, welches aber unmöglich ist, denn er soll jetzt philosophieren lernen.“[6] Unmöglich ist das Erlernen der Philosophie allein aufgrund ihres Wesens, denn für sie existieren weder ein gemeinschaftlicher Maßstab, noch gesicherte Standards wie etwa in der Mathematik oder Geschichte, nach denen man sich richten könnte. Stattdessen ist die Philosophie eine forschende, nicht still stehende Wissenschaft, die daher nicht erlernt werden kann.

Kant lehrt seine Schüler des Weiteren, auch über ihn selbst in seiner Rolle als Dozent nachzudenken und sogar gegen ihn zu urteilen.[7] Er geht außerdem über seine Lehrtätigkeit an der Hochschule hinaus und nimmt sich auch außerhalb der Vorlesungen Zeit für seine Schüler. So geht er beispielsweise mit ihnen spazieren, um unverständlich gebliebene Aspekte noch einmal zu erklären. Kant hat Prinzipien, welche er für Lehrer und auch Schüler als erstrebenswert ansieht und die sich folgendermaßen zusammenfassen lassen könnten:

1. Die Unterrichtsstunde muss einen Unterhaltungswert haben
2. Man soll sagen, was man will und sagen, was man wollte
3. Üben, üben, üben
4. Fördern statt fordern

Es wird deutlich, dass es für Kant nicht nur ein Beruf war, Lehrer oder Erzieher zu sein, sondern es entsteht vielmehr der Eindruck, als habe er auch im Privatleben eine Lebensform an den Tag gelegt, mit der diese Prinzipien und Methoden absolut einher gingen.

Auch die Meinung seiner Schüler ehrt Kant, wenn der Dichter Johann Gottfried von Herder schreibt:

„Ich habe das Glück genossen, einen Philosophen zu kennen, der mein Lehrer war. Er hatte in seinen blühendsten Jahren die fröhliche Munterkeit des Jünglings, die, wie ich glaube, ihn auch in seinen spätestes Alter begleitet. Seine offene, zum Denken gebaute Stirn war ein Sitz unzerstörbarer Heiterkeit und Freude, die gedankenreichste Rede floss von seinen Lippen, Scherz und Witz und Laune standen ihm zu Gebot, und sein lehrender Vortrag war der unterhaltenste Umgang. [...] Menschen-, Völker-, Naturgeschichte, Naturlehre und Erfahrung waren die Quellen, aus denen er seinen Vortrag belebte [...] Er munterte auf und zwang angenehm zum Selbstdenken; Despotismus war seinem Gemüt fremd.“[8]

Von Herders Aussage über Kant zeigt, dass Kant seinen Prinzipien treu war und dass die Schüler und Studenten begeistert von ihm gewesen sein müssen.

3 Kant über Pädagogik

Was versteht Kant aber nun unter den Begriffen Pädagogik und Erziehung? Was denkt und schreibt Kant selbst zu diesen Themen? Hierzu erscheint 1803 Kants Schrift „Über Pädagogik“, welche sehr ausführlich ist und auf die hier nur auszugsweise eingegangen werden soll. Kant versucht zu erklären, wie sich die Erziehung von Kindern und Jugendlichen vollziehen sollte und so schreibt er, dass schon ein junges Kind daran gewöhnt werden müsse, bestimmten Maximen zu folgen. Es soll schon früh lernen, nach Maximen zu handeln und sie auch selbst einzusehen:

„Die moralische Kultur muss sich gründen auf Maximen, nicht auf Disziplin. Diese verhindert die Unarten, jene bildet die Denkungsart. Man muss dahin sehen, dass das Kind sich gewöhne, nach Maximen, und nicht nach gewissen Triebfedern zu handeln. Durch Disziplin bleibt nur eine Angewohnheit übrig, die doch auch mit den Jahren verlöscht. Nach Maximen soll das Kind handeln lernen, deren Billigkeit es selbst einsieht. Dass dies bei jungen Kindern schwer zu bewirken, und die moralische Bildung daher auch die meisten Einsichten von Seiten der Eltern und der Lehrer erfordert, sieht man leicht ein.“[9]

Zum beruflichen Können eines Lehrers und der Eltern gehört es also auch, dem Kind beizubringen, einsichtig zu sein. Dies soll aber keineswegs unter Zwang erfolgen, sondern auf eine solch verständliche Art und Weise, die es dem Kind ermöglicht, die Regeln zu begreifen und von selbst einzusehen.

Der Lehrer soll einen Charakter im jungen Menschen gründen, der fähig ist, nach bestimmten Maximen zu handeln. Kant befürwortet die Vermittlung eines gewissen Planes (Zeit zum Schlaf, zur Arbeit, zur Ergötzung), dem Kinder folgen sollen, um Zuverlässigkeit zu erlernen. Ebenso wichtig ist der Gehorsam des Kindes. Der Lehrer soll dem Kind einen freiwilligen Gehorsam vermitteln, da dieser als Voraussetzung für das spätere Leben eines Bürgers gilt. Der Lehrer selbst ist dabei verpflichtet, alle Kinder gleich zu behandeln, um zu verdeutlichen, dass alle die gleichen Rechte und Pflichten haben und sie gewissermaßen alle dem gleichen Gesetz unterliegen. Diesbezüglich ist beim Unterrichten auch zu beachten, dass den Kindern neben der Berücksichtigung ihrer Neigungen auch deutlich vermittelt wird, Regeln einzuhalten und gewissen Pflichten nachzukommen:

„Man redet immer so viel davon, alles müsse den Kindern in der Art vorgestellt werden, daß sie es aus Neigung täten. In manchen Fällen ist das freilich gut, aber vieles muss man ihnen auch als Pflicht vorschreiben. Dieses hat nachher großen Nutzen für das ganze Leben. Denn bei öffentlichen Abgaben, bei Arbeiten des Amtes, und in vielen anderen Fällen kann uns nur die Pflicht, nicht die Neigung leiten.“[10]

[...]


[1] Vgl. Kühn, Manfred: Kant. Eine Biographie. München: Beck 2003.

[2] Kant, Immanuel: Nicht Gedanken, sondern denken lernen. In: Meyer, Kirsten (Hg.): Texte zur Didaktik der Philosophie. Stuttgart: Reclam 2010. Im Folgenden: Didaktik der Philosophie.

[3] Didaktik der Philosophie, S. 71.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Ebd., S. 73.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Vgl. Ebd., S. 74.

[8] Schultz, Uwe: Immanuel Kant. Reinbek: Rowohlt 1988, S.30.

[9] Kant, Immanuel: Über Pädagogik. In: Beutler, Kurt; Horster, Detlef (Hg.): Pädagogik und Ethik. Ditzingen: Reclam 1996, S.36.

[10] Ebd., S. 38.

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668265653
ISBN (Buch)
9783668265660
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336604
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
pädagogik sinne immanuel kants motivation haltung unterricht

Autor

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