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Von der Wolle zum Faden. 6 Konzepte für den Textilunterricht (Grundschule 1.-4. Klasse Werken)

Wolle kämmen, Nadelfilzen, Nassfilzen u.v.m.

Unterrichtsentwurf 2009 12 Seiten

Werken, Textiles Werken

Leseprobe

Inhalt

1. Dokumentation „Der Stoff aus dem die Kleider sind: Wolle – und was alles daraus werden kann“
1.1 Hintergrundinformationen für die Kursplanung
1.2 Kursinhalte im Überblick

2. Dokumentation der einzelnen Kurstermine (1-6)
2.1 Das Schaf
2.2 Besuch bei den Schafen
2.3 Der rote Faden
2.4 Besuch im Märchencafe
2.5 „feste arbeiten“
2.6 Handwerkstatt

3. Resümee

1. Dokumentation „Der Stoff aus dem die Kleider sind: Wolle – und was alles daraus werden kann“

Der Kurs „Wolle – und was alles daraus werden kann“, der im Modellprojekt „Kleider machen Leute“ gefördert wurde, soll im folgenden in Planung und Durchführung detailliert dokumentiert werden, um interessierten Pädagogen ein Unterrichtskonzept zur Nutzung in Schulunterricht, offener Jugendarbeit und/oder Ferienprogrammen an die Hand zu geben.

1.1 Hintergrundinformationen für die Kursplanung

In diesem Kurs ermöglichen wir den Kindern das grundlegende Verständnis dafür, welche Tier- und Pflanzenfasern sich zum Verarbeiten im Hinblick auf textiles Gestalten eignen. Insbesondere das Thema Wolle zieht sich wie ein roter Faden durch alle Kursstunden. Warum verwenden wir eigentlich Schafwolle? Die besonderen Eigenschaften der Schafwolle werden durch die eigene Bearbeitung vom „Schafspelz“ bis zum sauberen und kardierten Vlies selbst erfühlt und erfahren. In der weiteren Verarbeitung lernen die Kinder die alten Kulturtechniken des Filzens und Spinnens kennen und produzieren eigene Filzstoffe und Wollfäden. Gerade das Fadenspinnen wird zu einer elementaren Erfahrung, die Verbindung zu Material und Produkt schafft und darüber hinaus zur Wertschätzung der Arbeit anderer führt. Omas selbst gestrickte Socken, aber auch der gekaufte Wollpullover, werden über die eigene Arbeit fortan mit Hochachtung erlebt. Der eigene Umgang mit Material und das Experimentieren mit Form und Farben bringt die Kinder zur Auseinandersetzung mit der künstlerischen Komponente von existentiell notwendigen Tätigkeiten, in diesem Fall mit der Herstellung von Kleidung.

Die durch die Kleidung äußerlich sichtbare Verbundenheit von Pflanze, Tier und Mensch rückt in diesem Kurs in den Blickpunkt. Die Erkenntnis, das der Mensch rein materiell von der Natur abhängig ist, soll den Kindern einen bewussten und achtsamen Umgang mit den Produkten, die der Mensch von je her seinen Mitgeschöpfen verdankt, nahe bringen.

Vorweg zum Thema Filzen und Spinnen:

Diese Fertigkeiten sollten von der Kursleiterin natürlich ausprobiert und wenn möglich selbst in einem Kurs (z.B.: VHS) geübt werden. Gerade zum Filzen sind in letzter Zeit eine Menge Bücher erschienen, die auch zur Selbstanleitung geeignet sind. Sowohl die Technik des Nassfilzens, als auch das Nadelfilzen wird ausführlich und gut in folgenden Büchern dargestellt:

Rotraud Rheinhard, Filzen von Tieren und Figuren, 2001 Verlag freies Geistesleben(auch die Anfertigung eines Lämmchens in der Aufbautechnik ist beschrieben)

Ursula Müller-Wüstemann, Filzen – Schmuck und Accessoires, 2003 Christophorus-Verlag (Beschreibung von Grundtechniken und teilweise einfach herzustellenden Kleinigkeiten)

Zum Nadelfilzen hier ein kleiner Überblick:

Zum Nadelfilzen eignet sich am besten kardiertes (gekämmtes) Schafwollflies, bzw. die sogenannte Märchenwolle.

Außerdem benötigt man eine Schaumstoffunterlage (ca. 5 cm hoch) und mittelstarke Filznadeln – mit oder ohne Halterung.

Die Wolle zur Bearbeitung grob in Form legen, bzw. zusammenrollen. Dann mit der Filznadel locker vorfilzen. Durch häufiges Einstechen in die Ränder die Formen herausarbeiten. Auch von den Seiten einstechen. Dabei darauf achten, dass die Filznadel immer gerade (senkrecht) in die Wolle herein und heraus bewegt wird, da schon leichte Verbiegungen zum Abbrechen der Nadel führen! Das Modell immer wieder wenden, damit es nicht auf die Unterlage gefilzt wird und alle Seiten gleichmäßig verfilzen.

So lange filzen, bis die Figur (in diesem Fall ein Schäfchen) die gewünschte Form und Proportion hat. Um dies zu erreichen können immer wieder neue Wollflöckchen aufgenadelt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Arbeitsmaterial: Schaumstoffunterlage, Wollvlies, Filznadel mit Halterung

Im Folgenden gehe ich davon aus, dass die Kursleitung mit der Filztechnik einigermaßen vertraut ist und beschreibe die Techniken daher nicht im einzelnen.

Das gleiche betrifft das Spinnen. Am Spinnrad spinnen können heutzutage nur noch wenige Menschen. Eine schöne Gelegenheit also, diese fast vergessene Kulturtechnik in diesem Kurs für Kinder einmal in den Blickpunkt zu rücken. Das Lernen am Rad braucht allerdings einige Übung, so dass die Kursleiterin es zu diesem Anlass nicht extra lernen muss. Vielleicht gibt es aber jemanden, der zu einer Demonstration im Kurs bereit ist und sein Spinnrad mitbringt?

Das Spinnen mit der Handspindel ist dagegen leichter und kann schnell erlernt werden. Eine Anleitung liegt den Spindeln bei. (z.B. „Spinnen mit der ALS-Handspindel“, Bestell-Nr. 34.400, ALS-Verlag)

Tolle Anregungen zum Arbeiten mit dem Faden, findet man im Werkbuch von
Petra Kathke, Sinn und Eigensinn des Materials, Band 2, 2007 Cornelsen Verlag.

Spaß und Freude an der Handarbeit sind natürlich die Voraussetzung um den Kindern das Interesse an den im Kurs angeregten Tätigkeiten zu vermitteln und das Material „Wolle“ so erfahrbar zu machen. In diesem Sinne wünsche ich allen Kursleiterinnen und Kurskindern eine anregende Arbeit mit dem vorliegenden Konzept.

1.2 Kursinhalte im Überblick

Mit der folgenden Kursbeschreibung wurde der dokumentierte Kurs über die Schulleitung der Grundschule angekündigt:

Der Stoff aus dem die Kleider sind: Wolle – und was alles daraus werden kann!

Warum verwenden wir eigentlich Schafwolle zur Herstellung von Kleidung?

Die vielen positiven Eigenschaften der Schafwolle gilt es zu entdecken und natürlich auch bei der Arbeit einzusetzen und auszuprobieren. In diesem Kurs lernen wir die Grundlagen des sogenannten Naßfilzens. Wir filzen ein Schäfchen aus flauschiger Wolle und stellen auch bunte Filzstoffe zur Weiterverarbeitung her.

Wie die Wolle vom „Schafspelz“ zum schönen bunten Wollvlies wird, werden wir Schritt für Schritt betrachten und auch einzelne Arbeitsschritte selbst ausprobieren.

Im Verlauf des Kurses werden wir uns außerdem mit dem Spinnen beschäftigen.

Einen Faden zu spinnen ist nicht ganz einfach. Es braucht also einige Übung, bevor wir – zunächst mit der Hand, dann mit der Spindel – einen fortlaufenden Faden produzieren können. Gemeinsam wollen wir uns dann das Spinnrad genau ansehen und aus einem Wollvlies einen ersten Faden „herausfließen“ lassen. Die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten eines Fadens interessieren uns ebenso, wie die Bedeutung die dem Spinnen in verschiedenen Märchen zukommt.

Modalitäten:

Wöchentlich stattfindender Kurs mit 8 Kindern im Rahmen der betreuten Ganztagsschule, 6 Termine á 2 Unterrichtsstunden

Alter: Kinder ab 6 Jahren (1. – 4. Klasse)

Veranstaltungsorte: Raum der Grundschule und Handwerkstatt in der alten Papierfabrik E.

Zeit: 14.30 – 16.00 Uhr

Materialkosten: 15 € zahlbar durch die Eltern

Die weiteren kalkulierten Kosten von nochmals 15 € pro Kind (gesamt 30 € Kursgebühr) müssen mit der jeweiligen Schule und deren Finanzierungsmöglichkeiten ausgehandelt werden.

2. Dokumentation der einzelnen Kurstermine (1-6)

Die folgende Dokumentation des Kurses gibt für jeden einzelnen Termin eine Ablaufbeschreibung mit jeweils angehängten Informationen, bzw. Anleitungen oder Fotos und die Angabe der jeweils benötigten Materialien.

2.1 Das Schaf

8 Kinder zwischen sechs und neun Jahren sind zum ersten Termin der Nachmittags-AG – Wolle über die betreute Grundschule angemeldet.

An sechs Nachmittagen wird uns das Thema „Wolle – und was alles daraus werden kann“ beschäftigen.

Zur Einführung ins Thema sprechen wir über Schafe:

Ihren Charakter und ihren „Ruf“ (freundlich/sanft/dumm/ ängstlich/Herdentier), ihren Nutzwert für uns (Wolle) und . . .Schäfchen zählen . . .zum Einschlafen! Unterstützend wirken einige Bilderbücher

(s. Anhang 1) die die Runde machen und die wir im Verlauf des Kurses immer mal wieder anschauen, oder auch vorlesen. Auch in der Stadtbücherei kann man zum Thema „Schaf „ reichlich fündig werden.

Den Einstieg in die praktische Arbeit beginne ich mit einer Frage, die im Bauernhofbuch gestellt wird:

„Was muss mit der geschorenen Wolle alles passieren, bevor die Tante einen Pullover für die Kinder daraus stricken kann?“

Die Antworten kommen angesichts der bereitgelegten gewaschenen Rohwolle und zwei Paar Handkarden recht schnell:

1. Schafe scheren
2. Wolle waschen
3. Wolle kämmen (kardieren)
4. Wolle spinnen
5. Wolle färben
6. Wolle stricken

Wir beginnen heute mit Punkt drei. Jeweils zwei Kinder arbeiten dabei zusammen mit einem Paar Handkarden. Beide Kinder legen Wollsträhnen auf eine der Bürsten. Dann hält eines der Kinder diese Bürste fest, das andere zieht die zweite Bürste darüber. Dieser Vorgang wird mehrmals hin und her, das heißt von einer Kardätsche zur anderen, wiederholt. Auf diese Weise wird die Wolle gelockert und gekämmt, Schmutzteilchen fallen heraus und sie wird weich und flauschig zur Weiterverarbeitung, dem Spinnen. (s. Anhang 2)

Da es nur zwei Handkardenpaare gibt, beginnen die anderen vier Kinder die Arbeit an einem Schäfchen, das gewissermaßen als Identifikationsobjekt der AG – Wolle fungiert und bei jedem Termin ein wenig weiterbearbeitet wird.

Wir beginnen damit einen länglichen Körper aus naturfarbenem Wollvlies zu rollen und diesem dann mit der Filznadel eine Form zu geben.

Das Nadelfilzen ist allerdings mit Kindern von sechs/sieben Jahren nicht gut zu bewerkstelligen. Immer wieder bricht eine Nadel, oder die Kinder konzentrieren sich nicht auf die Arbeit, was zu „Fingerpieksern“ führt. Für dieses Mal darf trotzdem jeder einen ovalen Schafskörper versuchen, der dann mit Namen versehen, bis zum nächsten Mal aufgehoben wird. Trotz des größeren Aufwandes bietet sich hier doch eher das Naßfilzen an.

Das Kardieren geht dagegen gut von der Hand. Auch die größeren Jungen haben Spaß an dieser Tätigkeit, da hier auch körperliche Anstrengung gefragt ist.

Nach einiger Zeit werden die Arbeiten (Kardieren und Filzen) getauscht. Jedes Kind darf sich eine Handvoll kardierte Wolle mit nachhause nehmen. Das weiche und flauschige Material kommt dem kindlichen Bedürfnis nach „Anfassen“ sehr gelegen, die Geruchsprobe rief dagegen bei einigen Kindern Wiederwillen hervor, da noch ein wenig vom Schaf zu riechen ist.

Zum Abschluss dieses Nachmittags kündige ich für die nächste Woche einen Besuch bei „den Schafen“ an. Vereinbart ist dies bei einer Familie im Dorf, die von der Schule aus gut zu Fuß erreichbar ist.

Benötigte Materialien:

Gewaschene Rohwolle, naturfarbenes Wollvlies, 2 Paar Handkarden (alles über Traub Wolle traubwolle@aol.com zu bestellen)

Filznadeln, Schaumstoffunterlagen (aus dem Hobbyladen)

Anhang 1:

Bücher und Bilderbücher zu den Themen „Schaf“ und „Wolle“:

z.B.: Pixi-Serie 189-Nr.1702 (Shaun das Schaf); 109-Nr.926 (Wolle für den Hasen); 149-Nr.1330 (der rote Faden); Jutta Bauer, Selma, 1997 Lappan Verlag; Jan Barger, 1995 Gerstenberg Verlag;

Salembier und Carstens, Komm mit ins Tierreich, Hemma Verlag

Anhang 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Handkarden (Kardätschen) und Rohwolle

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668276482
ISBN (Buch)
9783668276499
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336821
Note
Schlagworte
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