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Der Stellenwert des Städtetourismus. Historische Entwicklung, Bedeutung und Marketingstrategien

Hausarbeit 2016 14 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Fremdenverkehrsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Die Entdeckung des Städtetourismus

2 Städtetourismus
2.1 Die Geschichte des Städtetourismus bis heute
2.1.1 Die Grand Tour
2.1.2 Industrialisierung und die Weltausstellungen
2.1.3 Aktive Tourismuspolitik und die beiden Weltkriege
2.1.4 Wachstum seit den 1960er-Jahren bis heute
2.2 Arten des Städtetourismus
2.3 Quantitative und wirtschaftliche Daten
2.4 Stadtmarketing
2.5 Fallbeispiel Berlin
2.5.1 Konflikte durch die Wende
2.5.2 Kongress- und Messetourismus
2.5.3 Kulturtourismus
2.5.4 Fazit

3 Die Entwicklung des Städtetourismus

4 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Tourismus in Städten nach DTV

Abbildung 2: Wirtschaftsfaktor deutscher Städtetourismus 2004

Abbildung 3: Übernachtungen in Berlin von 1992 bis 2015

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Arten des Städtetourismus 8

1 Die Entdeckung des Städtetourismus

Der Städtetourismus wurde in der Tourismusforschung lange Zeit gegenüber dem Erholungstourismus in ländlichen Räumen vernachlässigt. Das lag vor allem an dem theoretischen Ansatz, dass „ Tourismus als notwendige Reaktion (Fliehbewegung) auf eine Verstädterung der Umwelt “ (Hartmann 1984, S. 71. Zit. nach: Anton, Quack 2005, S. 9) gesehen wurde. Die Städte wurden überwiegend als Quellgebiete und nicht als Ziele des Tourismus gesehen. Erst im Laufe der siebziger Jahre befasste sich die Forschung stärker mit dem Thema (Meier 1994, S. 104). Doch wie wichtig ist der Städtetourismus heutzutage und verdient er vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit? Angefangen mit der historischen Entwicklung und den verschiedenen Arten des Städtetourismus über die wirtschaftliche Bedeutung und Marketingstrategien bis zum Fallbeispiel Berlin wird ein Überblick über den heutigen Stand des Städtetourismus gegeben.

2 Städtetourismus

Bis heute gibt es keine allgemein anerkannte Definition von Städtetourismus. Die verschiedenen Definitionen unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich motivationaler, zeitlicher und räumlicher Aspekte (Anton, Quack 2005). Als Grundlage wird aber häufig Eberhard herangezogen: „ Wir können darunter (…) die Beziehungen und Erscheinungen verstehen, die sich aus dem vorübergehenden Aufenthalt Ortsfremder in Städten ergeben “ (Eberhard 1974, S. 20. Zit. nach: Anton, Quack 2005, S. 10).

2.1 Die Geschichte des Städtetourismus bis heute

Schon seit der Antike wurden Reisen in Städte unternommen und werden deshalb als Urform des Reisens bezeichnet. Die Gründe waren meist politisch, geschäftlich oder religiös. Zentren bildeten die Städte in Griechenland und die Stadt Rom (Meier 1994, S. 13).

2.1.1 Die Grand Tour

Als „ Wurzel des neuzeitlichen Tourismus “ (Steinecke 2011, S. 115) wird die Grand Tour gesehen. Seit dem 16. Jh. reisten junge Adelige durch Europa, um fremde Sprachen zu lernen, die wichtigsten kulturellen und politischen Zentren zu besuchen, wichtige Persönlichkeiten zu treffen, sich zu bilden und höfisch erzogen zu werden. Sie waren meist mehrere Jahre mit mehreren Dienern und Mentoren unterwegs. Die Reiseroute verlief üblicherweise von Großbritannien nach Frankreich, wobei ein längerer Aufenthalt in Paris geplant war. Italien war fester Bestandteil der Grand Tour aufgrund seiner kulturellen Leistungen. Danach führte die Rückreise über die Schweiz, Deutschland und die Niederlande wieder nach Großbritannien. In der Mitte des 18 Jh. änderte sich die Form des Reisens. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels verlor die Reise ihre Exklusivität. Durch die Industrialisierung konnte sich nun mehr und mehr das Bürgertum das Reisen leisten. Der Adel bevorzugte nun die binnenländischen Kurorte. Sie orientierten sich dabei am Verhalten der königlichen Familie und wollten sich vom Bürgertum abgrenzen. Da das Bürgertum nicht die finanziellen Mittel und die nötige Zeit im Vergleich zur Aristokratie hatten, fielen die Reisen kürzer aus. Im Vordergrund stand dabei die Besichtigung von Kulturdenkmälern (Steinecke 2011, S. 115ff).

2.1.2 Industrialisierung und die Weltausstellungen

Zu Ende des 18. Jh. stiegen die Touristenzahlen deutlich. Dabei nahmen mehrere Erfindungen neben dem wirtschaftlichen Wachstum und dem gesellschaftlichen Wandel eine wichtige Rolle ein. Die Eisenbahn und das Dampfschiff ermöglichten die Überwindung größerer Distanzen in einer kürzeren Zeit. Auch die Bequemlichkeit und das Transportvermögen nahmen im Vergleich zur Kutsche zu. Thomas Cook trug wesentlich zur Entwicklung des Städtetourismus bei. Die von ihm organisierte Eisenbahnreise zwischen Loughborough und Leicester im Jahre 1841 gilt als die erste Pauschalreise. Darunter ist die Verknüpfung von Fahrt, Unterkunft, Verpflegung und Reiseleitung zu einem Preis gemeint. Wegen seines Erfolgs veranstaltete er immer neue Reisen, unter anderem zur Weltausstellung 1851 in London. Allgemein waren die Welttaustellungen ein Tourismusmagnet und trugen zu einem Boom im Städtetourismus bei. Allen voran Paris stellte immer wieder neue Besucherrekorde auf. Auf den Weltausstellungen wurden zunächst technische Errungenschaften ausgestellt und präsentiert. Aber auch große Bauwerke, wie der Eiffelturm, wurden im Rahmen der Weltausstellung errichtet (Steinecke 2011, S. 118f).

2.1.3 Aktive Tourismuspolitik und die beiden Weltkriege

Bereits im 19. Jh. entstanden Verkehrs- und Verschönerungsvereine. Diese Zusammenschlüsse aus Hoteliers, Gastwirten, Verkehrsunternehmern und Einzelhändlern verfolgten mit den ebenfalls gegründeten städtischen Verkehrsämtern mehrere Ziele. Sie wollten die infrastrukturelle und kulturelle Ausstattung sowie die Tourismuswerbung und Öffentlichkeitsarbeit fördern und damit das wirtschaftliche Potenzial des Städtetourismus besser nutzen. Nach Ende des ersten Weltkrieges betrieben die Städte aktive Tourismuspolitik durch direkte Förderungen. Auch indirekte Investitionen in Kunstausstellungen, Theater, das Ausstellungs-, Kongress- und Messewesen spielten dabei eine Rolle. Als Folge des zweiten Weltkrieges trafen den Städtetourismus erhebliche Einbrüche. Viele Gästebetten wurden von den Besatzungs-mächten für die Unterbringung von Flüchtlingen, Verwundeten oder dem eigenen Personal zweckentfremdet. Allein 1950 betraf dies 22 % aller Gästebetten. Viele Unterkünfte wurden in Folge des Krieges auch zerstört. So belief sich die Zahl der Fremdenbetten in Berlin vor dem Krieg noch auf über 25000, danach waren es nur noch 1500. Auch die Energie- und Lebensmittelknappheit erschwerten die Situation zusätzlich. Das Reisen wurde für potentielle Touristen außerdem durch zerstörte Verkehrsinfrastruktur, fehlende Geldwertstabilität und administrativen Probleme aufgrund der Besatzungszonen erschwert (Steinecke 2011, S. 120f)

2.1.4 Wachstum seit den 1960er-Jahren bis heute

Am Anfang der 1960er-Jahre lag die städtetouristische Nachfrage noch unter der gesamten touristischen Nachfrage, wuchs aber dennoch und gewann stetig an Bedeutung. Eine erhebliche Dynamik erfuhr der Städtetourismus seit Mitte der 1970er-Jahre. Mehrere Faktoren unterbrachen allerdings das sonst kontinuierliche Wachstum. Dazu zählen unter anderem Ereignisse wie die Erdölkrise 1973, das Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 und der Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001. Aber auch schlechte Konjunkturlagen haben zur Folge, dass Unternehmen, die sich meist prozyklisch verhalten, weniger Geschäftsreisen veranstalten. Schlechte Währungsdisparitäten führen hingegen zu einem Rückgang ausländischer Touristen. Ein Beispiel hierfür wäre ein schwacher Dollarkurs, der das Reisen für US-amerikanische Touristen teurer macht. Dennoch wuchs der Städtetourismus in den 1980er- und 19990er-Jahren weiter. Zum einen investierten die Städte in die kulturelle Infrastruktur, um ihre Attraktivität aufzuwerten. Zum anderen wurden die Sanierung historischer Stadtkerne, die Durchgrünung und die Verkehrsberuhigung durch Mittel zur städtebaulichen Erneuerung im Rahmen des Städtebauförderungsgesetzes möglich (Steinecke 2011, S. 121f).

Die Gründe für das heute noch immer anhaltende Wachstum sind vielfältig. Früher wurde meist nur ein ein- bis zweiwöchiger Urlaub unternommen. Heutzutage geht dabei der Trend zu mehr Zweit- und Drittreisen, die auch kürzer ausfallen. Hier bieten sich vor allem die Städte als ideales Reiseziel an. Ursachen dafür sind hohe verfügbare Einkommen bei einem Teil der Bevölkerung, Zunahme der 50+-Generation und mehr Ein- und Zweipersonenhaushalte ohne Kinder. Neben diesen sozio-ökonomischen Faktoren spielt auch die Erweiterung des Angebotsportfolios hinsichtlich Kultur-, Unterhaltungs-, Event- und Shoppingangeboten eine Rolle. Dadurch stehen den Touristen in den Städten noch mehr Möglichkeiten der Aktivitätsgestaltung zur Verfügung, was wiederum zu besserer Anziehungskraft führt. Nicht zu vergessen ist aber auch die Entwicklung der Low Cost Carrier. Diese ermöglichen das günstige und schnelle Reisen in die Städte (Kagermeier 2016, S. 205f). Auf aktuelle Zahlen wird im Rahmen der wirtschaftlichen Bedeutung der Städtetourismus in Kapitel 2.3 eingegangen.

2.2 Arten des Städtetourismus

Wie auch schon bei der Festlegung einer allgemeinen Definition für den Städtetourismus gestaltet sich dies auch bei der Einteilung in verschiedene Arten als schwierig. Oft wird eine Unterteilung anhand der Motive des Stadtbesuches erstellt (vgl. Abb. 1). Diese werden in einem ersten Schritt in private und berufliche Motive eingeteilt und anschließend dem Tages- oder Übernachtungstourismus zugeordnet, wobei es teilweise Überschneidungen gibt. Die Schwierigkeit der Einteilung des Städtetourismus ergibt sich folgendermaßen. Bei einer Fahrradtour oder einer Wanderung lassen sich beispielsweise die Motive hauptsächlich als freizeitorientiert einordnen. Städte haben aber meist ein breites Angebot an verschiedenen Aktivitäten aufgrund ihrer Zentralität. Sie besitzen daher ein Koppelungspotenzial, was bedeutet, dass Touristen zum Beispiel neben dem Besuch einer Kultureinrichtung auch in den verschiedenen Geschäften einkaufen gehen. Die Besucher einer Stadt sind deshalb meist nicht eindeutig einem Motiv für den Stadtbesuch zuzuschreiben. Ähnlich verhält es sich bei den Geschäftsreisen, oft als MICE-Tourismus (Meetings, Incentive, Conventions, Exhibitions) bezeichnet. Städte bieten dafür ideale Voraussetzungen durch die gut ausgebaute Übernachtungsinfrastruktur und Erreichbarkeit. Es lässt sich hier zwar das berufliche Motiv als Hauptgrund für den Stadtbesuch ausmachen, dennoch kann auch hier beispielsweise der Besuch einer Messe mit der Besichtigung der Stadt kombiniert werden. Es werden also häufig geschäftliche und kulturelle Motive sowie Vergnügungsmotive vermischt. Der klassische Städtetourist ist daher von stark hybriden Besuchsmotiven gekennzeichnet und nicht, wie in Abbildung 1 suggeriert wird, klar einteilbar (Kagermeier 2016, S. 206).

Tabelle 1: Arten des Städtetourismus

Quelle: Steinecke 2011, S. 124

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf dieses Problem reagierte der deutsche Tourismusverband und entwarf in seiner Grundlagenstudie zum Städte- und Kulturtourismus (DTV 2006) eine andere Unterteilung (vgl. Abb. 2). Es findet eine Unterscheidung von primärem und sekundärem Städtetourismus statt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Haupt- und Nebenmotiven. Das Hauptmotiv des primären oder kulturorientierten Städtetourismus ist die Stadt an sich. Hier steht die Besichtigung von Baukultur und kulturellen Einrichtungen im Vordergrund. Beim sekundären Städtetourismus stellen diese Aktivitäten nur die Nebenmotive dar. Die Stadt dient dabei primär als Raum für die Hauptmotive Shopping, Events, Business und vieles mehr (Kagermeier 2016, S. 207f; DTV 2006, S. 7ff).

Abbildung 1: Tourismus in Städten nach DTV

Quelle: Deutscher Tourismusverband 2006, S. 8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Quantitative und wirtschaftliche Daten

Um 41 % nahm die Zahl der gewerblichen Betten in den deutschen Städten innerhalb von zwölf Jahren zu. Es fand also ein erheblicher Kapazitätsausbau statt während die Bettenauslastung 2005 durchschnittlich 37,6 % betrug und damit im Vergleich zu 1993 nur etwas darunter lag. Auf der Nachfrageseite stiegen die Übernachtungen um 40,2 % und die Ankünfte in den Städten um 57,6 %. Aufgrund der Tendenz zu kürzeren Reisen ist diese Entwicklung umso bemerkenswerter. Im Vergleich zum Übernachtungstourismus mit einem Anteil von nur 13 % hat der Tagestourismus mit 82 % einen erheblich größeren Anteil an der Gesamtheit der Aufenthaltstage in deutschen Städten von insgesamt 2,2 Milliarden im Jahre 2004. Das schlägt sich auch in der Umsatzwirkung nieder. Hier entsteht durch den Tagesausflugsverkehr 50,74 Mrd. € Umsatz, der gewerbliche Übernachtungstourismus sorgt hingegen nur für 14,17 Mrd. €. Einzelhandel und Gastronomie sind dabei die Hauptprofiteure (vgl. Abb. 2). Insgesamt fand gegenüber 1993 eine enorme Gesamtumsatzsteigerung von über 120 % statt (DTV 2006, S. 18ff).

Abbildung 2: Wirtschaftsfaktor deutscher Städtetourismus 2004

Quelle: Heineberg 2014, S. 408

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Stadtmarketing

Früher noch als Aufgabe von privatwirtschaftlichen Unternehmen gesehen, ist Marketing heute mehr und mehr in den Rathäusern der Städte präsent. Die Gründe dafür liegen an der zunehmenden Konkurrenz der Städte untereinander. Dabei geht es nicht nur um Touristen, sondern auch um den Zuzug von neuen Einwohnern oder Unternehmen. Daraus haben sich mehrere Bereiche innerhalb des Stadtmarketings gebildet, die unterschiedliche Ziele und Zielgruppen verfolgen. Zu nennen sind hier das Tourismusmarketing für Besucher, das Standortmarketing für Unternehmens-ansiedlungen, das Citymarketing für Geschäfte in der Innenstadt und das kommunale Marketing für die Bewohner der Stadt. Im Zentrum steht dabei immer die Stadt als Produkt, welches unter Einfluss von Angebot und Nachfrage vermarktet werden soll (Freyer 2005, S. 29ff).

Das Hauptziel des Stadtmarketings ist … eine bestimmte Stadt nach innen und außen, d. h. für ihre Bewohner und für Auswärtige, attraktiv zu machen und ihr ein positives Image zu verschaffen oder es zu verstärken“ (Paesler 2007, S. 781)

Zunehmender Tourismus steht in enger Wechselwirkung mit der Lebensqualität der Stadtbewohner. Es entstehen Einkommen, Beschäftigung und insbesondere Freizeiteinrichtungen, die sowohl Touristen als auch Einwohnern zur Verfügung stehen. Während früher vor allem sogenanntes Mikromarketing von touristischen Einzelunternehmen betrieben wurde, geht der Trend inzwischen zu überbetrieblichen und kooperativen Marketingvereinigungen, die Makromarketing betreiben. Auch zwischen mehreren Städten können solche Marketing- und Werbegemeinschaften entstehen. Beispiele in Deutschland sind die Magic Cities Germany, die Küsten- und Hansestädte oder die Historic Highlights of Germany. In Europa sind die Art Cities of Europe zu nennen (Freyer 2005, S. 34f).

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Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783656987055
ISBN (Buch)
9783656987062
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337070
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Geographie
Note
1,7
Schlagworte
stellenwert städtetourismus historische entwicklung bedeutung marketingstrategien

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