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Internetbasierte Kommunikation. Sprachwandel oder Sprachverfall?

Seminararbeit 2015 12 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1.) EinleitungSeite

2.) Merkmale der ChatkommunikationSeite

3.) Sprachwandel oder Sprachverfall durch internetbasierte KommunikationSeite
3.1 SprachverfallSeite
3.2 Sprachwandel-ein Ausbau der SpracheSeite

4.) FazitSeite

5.) QuellenangabenSeite

1. Einleitung

Immer wieder ist in den Medien zu horen, dass die Verwendung von Abkurzungen und Smilies in Chats, SMS und den sozialen Netzwerken der deutschen Sprache schaden. Haufig ist in diesem Zusammenhang von einem Sprachverfall die Rede. Lehrer und Schulen schlagen immer haufiger Alarm. Es heiKt, dass die Schuler nicht mehr in der Lage seien, korrekt nach der deutschen Rechtschreibung zu schreiben, sondern sich auch in der Schule immer haufiger der Chatsprache bedienen und nicht in der Lage seien, zwischen Chatsprache und dem, in der Schule angebrachten, Hochdeutsch zu unterscheiden. Seitens der Padagogen ist demnach deutlich von einem Sprachverfall durch internetbasierte Kommunikation zu sprechen. Auch in den Lehrplan, hat es das Thema der internetbasierenden Kommunikation und deren Einfluss auf die Sprache bereits geschafft.

Eine Veranderung der Sprache, sei es nun durch die Nutzung des Internets, oder wegen anderer Ursachen, ist in der Geschichte der Sprache schon immer zu verzeichnen. Die Sprache ist ein System, welche sich kontinuierlich weiterentwickelt und verandert. So ergibt sich auch die Frage, ob es sich wirklich um einen Sprachverfall handelt, oder ob es eher um einen, positiv zu wertenden, Sprachwandel geht. Diese Frage soil im weiteren Verlauf genauer beleuchtet werden.

2. Merkmale der Chatkommunikation

Vorab ist es notwendig, eine kurze uberblickende Darstellung zu geben, um welche sprachlichen Phanomene es in der Chatkommunikation geht. Fur die weitere Bearbeitung, soil die Chatkommunikation als Grundlage fur die Analyse dienen. Denn bei ihr handelt es sich um eine haufig verwendete und gut zu untersuchende Kommunikation die auf dem Internet basiert.

Chatkommunikation bzw. Chatbeitrage weisen einige charakteristische Merkmale auf, die es, um die Kommunikation zu untersuchen, zu wissen gilt. So findet man haufig jeweils nur kurze Beitrage des jeweiligen Chatters, auf die, mit meist ebenfalls kurzen geschriebenen Beitragen, geantwortet wird. Der Satzbau ist praktisch gestaltet und oft durch Ellipsen gekennzeichnet. Das hangt eng mit dem Zweck der schnellen und direkten Kommunikation zusammen. Vereinfachte kurze Satze ermoglichen ein schnelles Kommunizieren miteinander, wobei es mehr auf den Inhalt ankommt und nicht auf korrekte Rechtschreibung oder Grammatik.(vgl. Storrer/BeiKwenger. 2009, S. 5)

Ebenfalls kommt es ebenso haufig zu einer partiellen oder gar radikalen Kleinschreibung. Es ist schlicht zu aufwendungsintensiv die korrekte GroK-, und Kleinschreibung einzuhalten. AuKerdem kommt der Inhalt, selbst bei radikaler Kleinschreibung, in gleichem MaKe ruber, wie bei korrekter Schreibweise, welche den Schreibprozess verlangsamen wurde. Diese auftretenden orthographischen NormverstoKe, sind aber nicht direkt Indizien fur Kompetenzfehler des Schreibers. Viel mehr sind sie darauf zuruck zu fuhren, dass der Zweck des schnellen Kommunizieren im Vordergrund steht und man deshalb, insoweit der Inhalt und Sinn klar bleibt, auf Korrekturen verzichtet. Korrekturen werden nur dann durchgefuhrt, wenn sonst Missverstandnisse auftreten konnen.fvgl. ebd. S. 5 &7)

Die Chatkommunikation zeichnet sich ebenso durch eine direkte Art der Kommunikation aus. Somit kommt sie nah an die mundliche Kommunikation heran. Daraus folgt, dass der Sprachstil der in Chats verwendet wird, viele Merkmale der mundlichen Kommunikation aufweist.(vgl. Kapitel 3) Hier zu nennen sind zum Beispiel Regionalismen oder Dialektnacharmungen. Anstelle von dem korrekten nicht wird nich verwendet oder das im rheinischen Raum gerne verwendete dat und wat fur das hochdeutsche das und was. Auch Verschmelzungen sind Merkmale des Sprachstils. Hast du wird zu haste und aufdem verschmilzt zu aufm usw.. Die Parameter die im Vergleich zur mundlichen Kommunikation fehlen, werden bei der Chatkommunikation durch Emoticons[1], Aktionsworter und Akronyme[2] dargestellt.(vgl. Storrer/BeiKwenger .2009, S. 5)

3. Sprachwandel oder Sprachverfall durch internetbasierte Kommunikation 3.1. Sprachverfall:

,, Das Gefuhl des Sprachverfalls trugt nicht" (Guratzsch2013) titelt die Welt online. So oder so ahnlich ist die weitverbreitete Meinung der Medien und der Gesellschaft zum Thema Internetkommunikation und deren Einfluss auf die Sprache.

Es scheint jedoch bei dem Thema der internetbasierten Kommunikation eine zweigeteilte Meinung zu geben. Wahrend sie fur die Sprachwissenschaftler eine Faszination darstellt, ist der Normalburger davon uberzeugt, dass mit dem Wandel der Sprache, durch die Internetkommunikation, ein Sprachverfall einhergeht.(vgl. ebd.) Es wird kritisiert, beziehungsweise in Frage gestellt, ob in naher Zukunft die Sprachgemeinschaft uberhaupt noch Zugang findet, zu groRen deutschen Kulturleistungen. Ob sie zum Beispiel auch in Zukunft noch in der Lage ist, Goethe, Kant .Lessing, Schiller oder andere philosophische und literarische Vertreter der deutschen Kultur zu verstehen. Dankwart Guratzsch kritisiert in der Welt, dass die Gefahr des Sprachverfalls in der Schule, speziell im Deutschunterricht, eine groRe Rolle spielt, aber in dieser Form, unter den Sprachforschern nicht zur Debatte steht. Das Problem sieht Guratzsch auch darin, dass eben jene Sprachforscher und Linguisten die sind, welche letztendlich fur die Ausbildung der Deutschlehrer zustandig sind. (vgl. ebd.) Es ist auch die Rede, vom Verlust des Vokabulars der deutschen Hochsprache und auch dies wird klar als ein Indiz fur den Sprachverfall gewertet. Es verschwinden immer mehr Vokabeln des elaborierten Code[3] aus dem Wortschatz der folgenden Generationen. Hinzu kommt, dass genauso haufig Vokabeln ersetzt werden durch Vokabeln, die eher dem mundlichen zugesprochen werden, welche aber immer mehr Einkehr in die Schriftlichkeit finden. Dies ist laut Guratzsch ein alarmierendes Argument fur einen ,,Sprach- und Kulturverfall". (ebd.)

Ebenso, darf nicht auRer Acht gelassen werden, dass die Sprachkultur allgemein immer noch dazu dient, sich in einer gewissen Art und Weise auszuweisen und darzustellen. Sie wird als Ausweis fur kulturelle Identitat genutzt. Man sieht die Gefahr auch im Verlust der kulturellen Identitat.(vgl. ebd.) Es lasst sich demnach festhalten, dass die Befurworter dafur, dass die Internetbasierte Kommunikation, charakterisiert durch ihre Merkmale, einen Sprachverfall darstellen, aus den Reihen der allgemeinen Gesellschaft stammen und sich auf ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen beziehen. Haufige Klagen, kommen Seitens der Lehrer oder Eltern, welche sich konkret auf die Leistungen der Schuler im schriftlichen Bereich beziehen.(vgl.ebd.)

Die Sprachwissenschaftler hingegen sind gegenteiliger Meinung. Man spricht seitens der Wissenschaftler vielmehr von einem Sprachwandel, welcher keineswegs negativ zu bewerten istfvgl. Herbold 2013). Sie sehen ausschlieRlich eine Gefahr darin, dass die Schreiber nicht mehr in der Lage waren, zu unterscheiden wann es angemessen ist, welche Art der Sprache man verwendet. Also nur dann, wenn die neue mundliche Schriftlichkeit Einzug finden wurde in journalistischen Prosa, wissenschaftliche Texte oder Belletristikbestunde theoretisch eine Gefahr.fvgl. ebd.)

3.2. Sprachwandel-ein Ausbau der Sprache

Die linguistischen Erklarungsansatze sprechen sich deutlich gegen einen Sprachverfall durch internetbasierte Kommunikation aus. (vgl. Storrer 2013) Die linguistische Fachliteratur wertet die Entwicklung der Sprache nicht als Verschlechterung der Schriftkultur, sondern viel mehr als eine neue Form, welche sich unter neuen medialen Rahmenbedingungen entwickelt. (vgl. Storrer 2013 S. 172f.)

Zunehmend wird in den neuen Medien die Schrift dafur genutzt, sich direkt im Alltag dialogisch auszutauschen. Dafur charakteristisch, ist das interaktionsorientierte Schreiben. Es unterscheidet sich wesentlich vom textorientierten Schreiben, welches Anwendung findet, bei dem Verfassen von wissenschaftlichem oder journalistischem Schreiben. Beim interaktionsorientierten Schreiben, steht im wesentlichen die Interaktion im Vordergrund und nicht, wie bei dem textorientierten Schreiben, das Schreibprodukt. Durch die im Vordergrund stehende Interaktion, ist es demnach nur wenig erforderlich die geschriebenen Texte zu verbessern und zu uberarbeiten, denn dies wurde die schnelle Interaktion nur behindern. Es geht mehr um die Schnelligkeit der Reaktion und nicht vordergrundig um die Pragnanz des Ausdrucks, oder um die Verwendung des elaborierten Code. Ebenso unterscheiden sich die Produkte des interaktionsorientierten Schreibens und die des textorientierten Schreibens in ihrem Zweck des weiteren Gebrauchs. Die Produkte des textorientierten Schreibens sollen langfristig und fur groRen Massen angelegt sein. Dies erfordert eine korrekte und uberarbeitete Sprache. Diese Erforderlichkeit entfallt, wie schon erwahnt, bei der interaktionsorientierten Sprachhaltung, denn bei ihr geht es um die Kommunikation die in einem Moment stattfindet und um den Inhalt der speziell in diesem Moment wichtig ist und auf den in Interaktionen direkt reagiert wird.(vgl. ebd. S.172 f.)

[...]


[1] Emoticon: Kunstwortaus Emotion (engl. fur Gefuht) und Icon (engl. fur Symbol). Emoticons sind ASCII- Zeichen (z.B.oder :-(]], die in textbasierten Kommunikationsmedien wie E-Mail oder Chat die Gestik und Mimik, wie sie in der direkten Kommunikation existieren, ersetzen.fGabler Wirtschaftslexikon, 2016]

[2] Aus den Anfangsbuchstaben oder -silben einer Wortgruppe oder eines Kompositums gebildete Abkurzung, die als Wort verwendet wirdfGluck, Sprachlexikon, 2010]

[3] Bezeichnung des britischen Soziolinguisten B. Bernstein (*1924) fur die sprachliche Ausdrucksfahigkeit von Angehorigen der Mittelschicht, gegenuber dem restingierten Code u.a. von hoherer Differenziertheit, groflerer Wortschatz, komplexerer Syntax, geringerer Verwendung von klischeehaften Wendungen gekennzeichnet (vgl. Brockhaus 1988, S. 247)

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656988878
ISBN (Buch)
9783656988885
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337388
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
14 Punkte
Schlagworte
internetbasierte kommunikation sprachwandel sprachverfall

Autor

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Titel: Internetbasierte Kommunikation. Sprachwandel oder Sprachverfall?