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Schwangerschaftsabbruch als umstrittenes Recht? Ethische, religiöse und rechtliche Positionen zum §218 StGB

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Schwangerschaftsabbruch
2.1 Definition
2.2 Methoden

3 Historische Entwicklung

4 Gesetzliche Grundlagen
4.1 Strafgesetz
4.2 Beratungsregelung
4.3 Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG)

5 Ethische Argumentation
5.1 Position von Wolfgang Huber
5.2 Position Eberhardt Schockenhoff
5.3 Position Feministinnen

6 Fazit

7 Quellenangaben
7.1 Literatur
7.2 Internet

1 Einleitung

In dieser Seminararbeit werde ich mich mit verschiedenen rechtlichen, ethischen und religiösen Sichtweisen zum Thema Schwangerschaftsabbruch auseinandersetzen, da dies schon über einen langen Zeitraum ein kontroverses Thema darstellt. Viele Frauen befinden sich häufig in einer ambivalenten Situation, die sie innerlich zerreißt, wenn aus verschiedenen Gründen darüber nachgedacht wird, eine Schwangerschaft abzubrechen. Um eine Entscheidung zu finden, müssen zwangsläufig auch die eigenen moralischen Grundsätze mit einbezogen werden. Zu Beginn dieser Arbeit werde ich eine Definition des Schwangerschaftsabbruchs aufzeigen und kurz auf die Methoden eingehen, die dazu angewandt werden. Anschließend gehe ich näher auf die rechtlichen Grundlagen ein und werde die historische Entwicklung des Paragraphen §218 StGB in groben Zügen darlegen. Im Hauptteil meiner Arbeit stelle ich die ethischen Argumentationen von Wolfgang Huber, Eberhardt Schockenhoff und die Position der Feministinnen gegenüber. Abschließend fasse ich meine gesammelten Ergebnisse zusammen und ziehe ein Fazit.

Da ich nur eine begrenzte Anzahl an Seiten zur Verfügung habe, werde ich nicht auf alle vorherrschenden Positionen eingehen können und den historischen Verlauf nur sehr komprimiert darlegen.

2 Der Schwangerschaftsabbruch

Im Jahr 2010 konnten in Deutschland 110 400 Schwangerschaftsabbrüche registriert werden. Erst wenn man diese Zahl den 678 000 Geburten gegenüberstellt, wird deutlich, dass rund 16,2 % der Geburten abgebrochen werden, obwohl eine Vielzahl an Möglichkeiten der Empfängnisverhütung zur Verfügung stehen. (vgl. Huber 2015, S.39) Auf der Internetseite des Statistischen Bundesamtes ist zu sehen, dass die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2015 bei 99200 liegt. Leider kann ich dem nicht die Geburtenzahl genüberstellen, da diese nur vom Jahr 2014 verfügbar ist. Für das Jahr 2014 sind 99 700 Schwangerschaftsabbrüche und 715 000 Geburten registriert worden. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist der Prozentsatz der abgebrochenen Geburten auf 13,9 Prozent gesunken. (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Geburten/Geburten.html ) (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2015/03/PD15_085_233.html )

2.1 Definition

Ein Schwangerschaftsabbruch, welcher im allgemeinen Sprachgebrauch eher als Abtreibung bekannt ist, lautet in medizinischen Fachkreisen abruptio graviditatis oder auch induzierter Abort. Damit ist die absichtliche vorzeitige Beendigung einer unerwünschten oder die Gesundheit der Frau gefährdenden Schwangerschaft gemeint.

Davon zu unterscheiden ist der übergeordnete medizinische Begriff Abort; dieser umfasst auch eine natürliche Fehlgeburt. Abort steht für das vorzeitige Ausstoßen eines Fötus.

Rechtswissenschaftlich liegt ein Schwangerschaftsabbruch laut §218 Absatz 1 Strafgesetzbuch erst dann vor, wenn eine Schwangerschaft nach Einnisten (Nidation) des befruchteten Eies in der Gebärmutter abgebrochen wird. Auf die gesetzlichen Grundlagen werde ich aber im vierten Kapitel noch genauer eingehen.

2.2 Methoden

Grundsätzlich kann zwischen medikamentösen und instrumentellen Formen des Schwangerschaftsabbruches unterschieden werden. Mitunter werden auch zwei Methoden miteinander kombiniert. Welche Methode gewählt wird, ist abhängig vom Stadium der Schwangerschaft, der Indikation und der medizinischen Vorgeschichte der Mutter.

Laut Robert-Koch Institut ist die Vakuumaspiration in den Jahren 1996 bis 2010 die am häufigsten verwendete Methode, um eine Schwangerschaft abzubrechen. Seit Aufzeichnung der Statistik wurde die Vakuumaspiration in 81% der Fälle angewendet, gefolgt von der Curettage mit nur 11%.

Bei der Vakuumaspiration (Absaugmethode) wird der Embryo mitsamt der Plazenta abgesaugt. Dazu wird eine Kanüle in die Gebärmutter eingeführt und Unterdruck erzeugt. In einigen Fällen muss die Gebärmutter zusätzlich noch ausgeschabt werden, wenn die Ultraschalluntersuchung ergibt, dass noch Überreste vorhanden sind. Die Absaugmethode ist nur bis zur 12. Schwangerschaftswoche geeignet.

Vorteile gegenüber der „Ausschabung“ alleine, sind die geringere Erweiterung des Gebärmutterhalses, die schnellere und schonendere Entleerung des Uterus, der geringere Blutverlust und das niedrigere Verletzungsrisiko für die Patientin.

Bei der Curettage („Ausschabung“) wird der Gebärmutterhals gedehnt und der Uterus mit einer stumpfen Curette oder der Abortzange entleert. Häufig wird dies mit Historische Entwicklung der Verwendung eines Saugrohres kombiniert, um das Verletzungsrisiko für die Mutter zu verringern.

Eine der medikamentösen Formen des Schwangerschaftsabbruches ist das Präparat Mifegyne oder auch Mifepriston, welches als „Abtreibungspille“ bekannt ist. Das Medikament darf allerdings nur 63 Tage nach der letzten Regelblutung angewandt werden. Nach Untersuchung der Schwangeren wird zwischen 200 und 600 mg Mifepriston in Tablettenform verabreicht. Zwei Tage später erhalten sie weitere 400 Mikrogramm Misoprostol. Eine Woche später findet eine Nachkontrolle statt, da in wenigen Fällen noch eine Curettage notwendig ist.

Darüber hinaus können auch andere Medikamente für einen medikamentösen Abbruch verwendet werden, wie zum Beispiel die hoch dosierte Vergabe des Hormons Prostaglandine, welches dazu führen kann, dass der Embryo stirbt und Wehen eingeleitet werden. (vgl. Wilkitzki 1981, S. 32ff; Hoffmann 2014, S. 28ff)

3 Historische Entwicklung

Im Reichsstrafgesetzbuch vom 15. Mai 1871 waren die Bestimmungen zum Schwangerschaftsabbruch erstmals im Paragraphen 218 StGB enthalten. Jeder der an einer Abtreibung beteiligt war, erhielt Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Bei einem entgeltlichem Abbruch sogar zehn Jahre. Eine psychische Belastung der Schwangeren stellte damals keine Legitimation dar. Der Paragraph 218 StGB enthielt über Jahrzehnte ein absolutes Verbot der Abtreibung.

Im Jahr 1920 unternahm die SPD den Versuch, das der Schwangerschaftsabbruch straflos blieb, wenn dieser von der Schwangeren oder von einem approbierten Arzt innerhalb der ersten 3 Monate vorgenommen wird. Dieser Versuch blieb jedoch erfolglos.

Am 11. März 1927 entschied das Reichsgericht das Strafmaß zu reduzieren, da das ungeborene Leben gegenüber der Gesundheit und des Lebens der Schwangeren das „geringere Rechtsgut“ darstelle. Zahlreichen Juristen, Ethikern und Biologen missfiel diese Entscheidung. (vgl. Filip 2013, S.11)

In der NS-Zeit stellte das „Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ die gesetzliche Grundlage für Abtreibungen dar. Ob ein Schwangerschaftsabbruch notwendig war entschied ein Gutachter. Trieb eine Frau ein gesundes „arisches“ Kind ab, musste sie mit der Todesstrafe rechnen. (vgl. ebd.)

Nach der Teilung Deutschlands in DDR und BRD gab es keine übereinstimmende Regelung mehr. Im Jahr 1972 wurde in der DDR die Fristenregelung eingeführt,sodass eine Abtreibung bis zur 12. Schwangerschaftswoche ohne weitere Voraussetzungen erlaubt war.

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Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783656989158
ISBN (Buch)
9783656989165
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337429
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen – Münster
Note
1.7
Schlagworte
schwangerschaftsabbruch recht ethische positionen stgb

Autor

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