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Grammatik und ihre Vermittlung im Fremdsprachenunterricht. Proaktive sprachbezogene Kognitivierung (DaF Niveau A1+)

Unterrichtsentwurf 2014 19 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Theoretischer Teil

2. Anwendungsteil
2.1. Planung des Grammatikunterrichts: Bedingungs- und Wahlfeld
2.1.1 Beschreibung der Lernergruppe und der Lehrinstitution
2.1.2 Sachanalyse
2.1.3. Didaktische Analyse
2.1.4. Methodische Analyse
2.2 Durchführung des Grammatikunterrichts

3. Beurteilung des Grammatikunterrichts

4. Schlussfolgerung

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

0. Einleitung

Der Begriff der Grammatik ist laut Funk/Koenig (1992:12) das komplette Regelsystem einer Sprache. Heute stellt sie zwar nicht das Ziel des Unterrichts dar, sie wird allerdings als relevant und eine Voraussetzung für die Beherrschung einer Sprache angesehen und kann jmd. beim Lesen, Hören, Sprechen und Schreiben helfen. (Vgl. Funk/Koenig 1991:13).

Die vorliegende Arbeit befasst sich theoretisch und praktisch gesehen mit der proaktiven sprachbezogene Kognitivierung. Ziel der Arbeit ist die Planung einer Unterrichtseinheit mit Grammatik als Schwerpunkt darzustellen und deren Durchführung und Beurteilung schriftlich darzulegen. Die Arbeit beginnt mit der Deskription für die Arbeit relevanter Termini. Im weiteren Verlauf wird der „Unterrichtsentwurf“ bzw. die „Unterrichtsskizze“ dargestellt und das Unterrichtsvorhaben begründet. Danach wir die Durchführung der geplanten Unterrichtseinheit beschrieben. Anschließend daran folgt die Evaluation des Grammatikunterrichts.

1. Theoretischer Teil

Laut Raabe (2002:76) ist der Grammatikunterricht ein integraler Bestandteil des FSU und daher ist das konkrete Planen der sprachbezogenen Kognitivierung (differenziert wird in proaktive und reaktive Kognitivierung) o.a. Grammatikvermittlung von Relevanz.

Bei jeder Unterrichtsplanung müssen die anthropogenen und die sozial-kulturellen Bedingungen, die das sogenannte Bedingungsfeld konstituieren, berücksichtigt werden.

Die anthropogenen Voraussetzungen haben ihren Ausgangspunkt oder auch Ursprung in dem am Lehr- und Lernprozess beteiligten Personen. Seitens der Lernenden sind das im Großen und Ganzen: der Alter- und Entwicklungsstand, das (Des-)Interesse, die Anzahl der TN, die Konzentrationsfähigkeit, die Dauer des Kurses, die vorgängige Lernerfahrungen, die Erwartungshaltung und die Einstellung. Seitens des Lehrers können das folgende Voraussetzungen sein: die pädagogischen Kenntnisse und Fähigkeiten, vorgängige Erfahrungen, die Kreativität. Die sozial-kulturelle Voraussetzungen haben ihren Ausgangspunkt in der Gesellschaft, der Kultur, die Verfassung, in den sozialen Bedingungen der Lernergruppe, in den Besonderheiten der Institution Schule (Bsp.: die Schulform: Gesamtschule). (Vgl. Schmidt 2001:484ff).

Die anthropogenen- uns sozial-kulturellen Voraussetzungen sind Bedingungs- oder auch Voraussetzungsfelder. Es sind Dinge die der Lehrer nicht beeinflussen kann, es sind vorgegebene, bestimmte Dinge.

Bei der Planung einer Unterrichtseinheit muss auch das Wahlfeld berücksichtigt werden; Hier müssen die Unterrichtende ihre eigenen Entscheidungen treffen. Der Lehrer muss selbst über Intentionalität, Thematik, Methodik und Medienwahl entscheiden. (Ebd.) Dies kann mit Hilfe einer Sach-, einer didaktischen und einer methodischen Analyse erfolgen. Bei der Sachanalayse wird laut Raabe die gewählte grammatische Struktur die eingeführt werden soll, unter fachwissenschaftlichen Aspekten betrachtet. Bei der didaktischen Analyse geht es um die Lernziele. Um die konkrete methodische Planung der Grammatikvermittlung, den Arbeits- und Sozialformen und den Einsatz von Medien, geht es bei der methodischen Analyse. Acht gegeben werden muss auf die Interdependenz der einzelnen Komponenten des Bedingungs-und Wahlfeldes, denn jede Veränderung hat auch auf andere Teilbereiche dieser Felder Auswirkungen. (Ebd., 486)

Für die Vermittlung der Grammatik gibt es unterschiedliche Phasenmodelle. Sehr verbreitet ist das klassische Modell, das in Präsentationsphase, kognitive Phase, Übungs-, Transfer und Kontrollphase unterteilt wird. (Vgl. Raabe 2002:93) Diese Phasen sind laut Raabe eng miteinander verzahnt und überlappen sich ständig. (Ebd., 93f) Natürlich kann das Standartverfahren des klassischen Modells variiert werden. (Ebd., 95f)

Beim objektsprachlichen, visualisierenden, signalgrammatischen und verbal-metasprachlichen Verfahren, handelt es sich um Vermittlungsformen, um die sogenannten Kognitivierungsmodi. (Ebd., 98ff)

Die Übersetzung und das verbale Verfahren der „stimmlichen Hervorhebung“ bzw. „betonten Wiederholung“ sind Komponenten des objektsprachlichen Verfahrens. (Ebd.) Visuelle Mittel der Kognitivierung wie z.B. Symbole, Diagramme, Schemata und Skizzen, also nichtsprachliche Erklärungsverfahren, die das Gedächtnis stützen, sind Elemente des visualisierenden Verfahrens. (Ebd.) Beim signalgrammatischen Verfahren werden graphische Gestaltungsmittel angewandt. (Ebd.) Erklärungen zur Sprache oder Regelformulierungen in der Metasprache sind Bestandteil des verbal-metasprachlichen Verfahrens. (Ebd.)

Der Differenzierungsgrad von Regeln, der u.a. die Kriterien zur Regelformulierung und zwei Regeldimensionen (Verstehensregeln, Monitorregeln) anbetrifft, die Kognitivierung durch Sprachvergleich (interlingual und interlingual), die Sprachwahl (Fremdsprache-Muttersprache-funktionale Einsprachigkeit), die Bewusstmachung der Grammatik mit der Hilfe der induktiven1 bzw. deduktiven2 Methode und die Terminologie (Raabe spricht von der Funktion des „advance organizer“ 3 und des „concluding organizer“4), das sind alles „Bausteine“ der kognitiven Phase.

2. Anwendungsteil

Neben dem Unterrichten selbst, ist die Vorbereitung und Planung des Unterrichts eine der Haupttätigkeiten der Lehrenden. „Mit Unterrichtsplanung wird jener Teil der Unterrichtswirklichkeit bezeichnet, in dem Entscheidungen darüber fallen, wie der Unterricht im Einzelnen ablaufen soll […].“ (Peterßen 1995:11)

Didaktiker haben als Hilfsmittel unterschiedliche Konzepte und Unterrichtsmodelle entwickelt; das Konzept das hier zur Unterrichtsplanung und –vorbereitung benutzt wird, ist das Konzept bzw. Schema der schriftlichen Fixierung in Form einer Lehrskizze (siehe Anhang II-IV). Die Vorlage die hier benutzt wird ist die von Ehnert; Diese umfasst folgende Faktoren die die Durchführung der Unterrichtseinheit bestimmen: Ziele/Unterrichtsschritte, Interaktionen/Unterrichtsgeschehen, Sozialformen, Medien, Erläuterungen und Zeit. Die Lehrskizze ist im Anhang wiederzufinden. Das Didaktische Vorgehen wird als Text im Unterkapitel 2.2. wiedergegeben. Die Transfer- und die Kontrollphase sowie die Übungsphase nach der kognitiven Phase werden, sowohl in der Lehrskizze als auch bei der Deskription der Durchführung des Grammatikunterrichts, nicht mit eingeschlossen. Bei der Vermittlung des grammatischen Phänomens stütze ich mich auf eigens entworfene Materialien.

2.1. Planung des Grammatikunterrichts: Bedingungs- und Wahlfeld

In diesem Teil der Arbeit werde ich als Erstes meinen Kurs beschreiben. Anschließend daran werde ich mich u.a. mit der grammatischen Struktur die neu eingeführt werden sollte auseinandersetzen; D.h. es wird eine Sach-, eine didaktische und eine methodische Analyse durchgeführt.

2.1.1 Beschreibung der Lernergruppe und der Lehrinstitution

Bei der Lerngruppe handelt es sich um zwölf Kinder im Alter von 11-12 Jahren. Sieben davon sind weiblichen, fünf männlichen Geschlechts. Die Schüler und Schülerinnen sind alle griechischer Herkunft, das Sprachniveau ist A1+. Sie haben Lernerfahrung aus dem Kindergarten, dem muttersprachlichen Unterricht in der Grundschule. Sie haben Englisch als erste Fremdsprache und ein Jahr DaF- Erfahrung. Bei der Institution handelt es sich um ein Sprachenzentrum in Katerini. Das Sprachenzentrum bietet das Erlernen von Deutsch, Englisch und Französisch an (je nach Sprache Niveau A1-C1/C2- Teilnahme gegen Gebühr). Im Sprachenzentrum sind insgesamt sechs Fremdsprachenlehrer bzw. Kursleiter eingestellt und 65 Lernende eingeschrieben. Folgende Medien sind vorhanden: Beamer, Interaktiver Whiteboard, Laptop, CD-Player, OHP, Fernseher. Die curricularen Vorgaben schreiben vor, dass am Ende des Jahres A2 erreicht werden muss.

Zum Lernerprofil: Die Teilnehmer sind Deutschland, der D-A-CH Kultur und der deutschen Sprache gegenüber positiv gestimmt; Sie sind offen und interessiert für landeskundliche Informationen und möchten die Sprache so gut wie möglich beherrschen. Alle Teilnehmer möchten das Goethe-Zertifikats A2: Fit in Deutsch 2 erwerben.

Zu der Gruppendynamik ist folgendes festzuhalten: Es gibt ein gutes Verhältnis zwischen den Kursteilnehmern und es herrscht eine angenehme Atmosphäre.

2.1.2 Sachanalyse

Im grammatischen Lehrprozess der anstand hat folgendes eine Rolle gespielt: die Form, die Bedeutung und die Funktion der Modalverben „dürfen“, „ können“, „müssen“. Das nötige Wissensfundament das verschafft wurde lautet wie folgt: Modalverben treten in einem Satz meistens mit einem zweiten Verb, dem "Vollverb", auf. Das Vollverb steht im Infinitiv am Satzende. Das Modalverb wird konjugiert und zeigt die Person an. Bsp.:Maria(Position 1)darf(Modalverb/Position 2)am Samstagabend mit ihren Freundinnen ins Kino(Mittelfeld)gehen(Vollverb/Satzende/Infinitiv).

Modalverben verändern den Inhalt eines Vollverbs. Sie "modifizieren" es:Bsp.: 1.Maria geht am Samstag mit ihren Freundinnen ins Kino.(= Sie wird nicht zu Hause sein, weil sie mit ihren Freundinnen ins Kino geht.) 2. Maria darf am Samstagabend mit ihren Freundinnen ins Kino gehen.(=Marias Eltern sind mit dem Kinobesuch einverstanden.)3. Maria kann am Samstagabend mit ihren Freundinnen ins Kino gehen.(=Sie hat die Zeit und das Geld um ins Kino zu gehen.)

Es gibt sechs Modalverben: dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen. In dieser Unterrichtseinheit werden wie erwähnt drei davon eingeführt. Alle Modalverben werden in der 1. und 3. Person, Singular wie Plural, gleich konjugiert.

Das Modalverb "dürfen" benutzt man in folgenden Situationen: 1. Jemanden eine Erlaubnis erteilen2.Ein Verbot aussprechen / jmd. etwas verbieten (dürfen + Verneinung)Das Modalverb "können" benutzt man in den folgenden situativen Rahmen benutzt: 1.Jemanden eine Erlaubnis erteilen (auch mit dürfen)2.Eine Fähigkeit haben (etwas gelernt haben)3.Eine Möglichkeit haben4.Eine Unfähigkeit ausdrücken + Verneinung. Das Modalverb "müssen" benutzt man in folgenden Konstellationen:1.einen Befehl äußern 2.etwas nicht müssen (= Negation + brauchen zu + Infinitiv) 3.eine Notwendigkeit 4.Schlussfolgerung.

2.1.3. Didaktische Analyse

„In jedem Unterricht geht es um bewusst angestrebte Veränderungen der Lernenden. Ziel jeden Unterrichts ist es dafür zu sorgen, dass der Lernende am Ende der Stunde „weiter“ ist als zu Beginn der Stunde.“ (Bimmel/Kast/Neuner 2003:30)

Die neuen Kenntnisse (deklaratives Wissen), die die Schüler und Schülerinnen bei der Unterrichtseinheit erwerben sollen sind die Modalverben „dürfen“, „können“, „müssen“, und das neue Vokabular (Verkehrszeichen/-regeln).

Zu den Kompetenzen die erworben bzw. trainiert werden sollen. Gehören das selektive Leseverstehen und die grammatische Kompetenz (S-O-S Prinzip);

Zu den affektiven und sozialen Zielen, die erreicht werden sollen gehören: die Zusammenarbeit, das gegenseitige Helfen und Achten, der Abbau von Vorurteilen; die Medien, Farben und Bilder werden benutzt, damit die Motivation der Schüler und Schülerinnen steigt.

2.1.4. Methodische Analyse

Die im Unterkapitel 2.1.3. formulierten Ziele sollen erreicht werden und es wird deshalb wie folgt vorgegangen: Bei der Vorentlastungsphase auch Einführungsphase genannt, ist vorrangiges Ziel die Neugier der Teilnehmer auf das Kommende zu verstärken. Die Schüler sollen darin Interesse finden, Hypothesen zu bilden und aktiv am Unterricht teilzunehmen; hinzukommend wird ihr Vorwissen aktiviert. Bei dieser Phase wurde der Versuch gestartet einfallsreich zu sein und die Einführung so interessant wie möglich zu gestalten; dafür wurde das visuell-akustische Mittel des Videos eingesetzt.

Das Lesematerial das benutzt wird ist authentisch, da damit das Interesse der Schüler geweckt und ein kommunikativ-orientierter Unterricht, gestaltet werden kann.

Beim selektiven Leseverstehen sollen konkrete Informationen ausgearbeitet werden; die Schüler sollen darin trainiert werden denn: das Sammel und Erarbeiten von Informationen wird auch im Alltag gefordert. Das S-O-S Prinzip wird angewandt, da auf diese Weise das selbstentdeckende Lernen gefördert und die Grammatik induktiv erarbeitet wird. Die Lerner sollen die Regel selber entdecken; dies fördert das autonome Lernen. Die Teilnehmer lernen auf diese Weise indirekt auch in anderen Fällen, autonom zu agieren.

2.2 Durchführung des Grammatikunterrichts

Der Lehrer begrüßt zu Beginn der Stunde die Schülerinnen und führt sie in die Thematik ein. Bei der Einführungsphase/Vorentlastung wird ein Video1 gezeigt.2 Es folgt die Präsentation eines Textes3 mit dem Titel „Gib acht beim Verkehr-Die Straße ist kein Spielplatz“ (siehe Anhang V). Mitgereicht wird eine Kopie (siehe Anhang VI) mit einer richtig-falsch Aufgabe, damit das Lesen zielgerichtet ist. Es folgt die Verständnissicherung. Danach wird mit Hilfe des S-O-S Prinzips das neue grammatische Phänomen (die Modalverben „dürfen“, „können“, „müssen“ ) eigeführt und die Regeln für deren Bildung und Stellung im Satz erarbeitet (siehe Anhang VII-VIII). Im Anschluss daran wird die neu eingeführte grammatische Struktur in weiteren Übungen angewandt. Es folgt die Hausaufgabenerteilung und das Singen eines Liedes.4

[...]


1 Beim induktiven Verfahren geht man von der Regel zum Bespiel hin.

2 Beim deduktiven Verfahren geht man vom Beispiel zur Regel hin.

3 Der grammatische Fachbegriff hat die Funktion eines ‚advance organizer‘, wenn er am Anfang der Kognitivierung steht. Der Terminus gibt dem was folgt, den Namen und stimmt die Lernenden darauf ein, ihn im weiteren Unterrichtsverlauf mit Inhalt zu füllen.

4 Der grammatische Fachbegriff hat die Funktion eines ‚concluding organizer‘, wenn er am Ende der Kognitivierung steht. Der Terminus steht für eine Zusammenfassung und bringt die Kognitivierung auf den Punkt.

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668325326
ISBN (Buch)
9783668325333
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337502
Note
Schlagworte
grammatik vermittlung fremdsprachenunterricht proaktive kognitivierung niveau

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