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Wie viel explizite Grammatik braucht der Mensch?

Lehrwerkanalyse "Magnet A2 Deutsch"

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprachbezogene Kognitivierung, Grammatikvermittlung, deklaratives und prozedurales Wissen

3. Grammatikvermittlung und erzieltes Wissen im Lehrwerk Magnet A2-Deutsch
2.1. Beschreibung des Lehrwerks Magnet A2-Deutsch
2.2. Explizite und implizite Grammatik im Lehrwerk
2.3. Begründung der Grammatikvermittlung durch die Aspekte aus dem Erfahrungswissen des Lehrenden
2.4. Bezug auf die Grammatikvermittlung und Förderung des deklarativen und prozeduralen Wissens im Lehrwerk

4. Schlussfolgerung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Der Begriff der Grammatik ist laut Funk/Koenig (1992:12) das komplette Regelsystem einer Sprache.

Die Grammatik o.a. Sprachlehre ist der Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit den sprachlichen Formen und deren Funktion im Satz, mit den Gesetzesmäßigkeiten und dem Bau einer Sprache beschäftigt. ( http://www.duden.de/rechtschreibung/Grammatik)

Folgende in mehreren Kapiteln strukturierte Arbeit, befasst sich mit der Frage „Wie viel explizite Grammatik braucht der Mensch?“ und den zusammenhängenden Aspekten.

Ziel der Arbeit ist die Annäherung und Auseinandersetzung an und mit dieser Frage.

Die Arbeit beginnt mit der Deskription für die Arbeit relevanter Termini.

Im weiteren Verlauf werden Teile des Lehrwerks „Magnet A2-Deutsch“ beschrieben.

Danach wird die implizite und explizite Grammatik-so wie sie im Lehrwerk dargeboten wird-dargestellt.

Es folgen die Begründung der Grammatikvermittlung durch die Aspekte aus dem Erfahrungswissen des Lehrenden und die Kommentierung des Bezugs auf die Grammatikvermittlung und Förderung des deklarativen und prozeduralen Wissens im Lehrwerk.

2. Sprachbezogene Kognitivierung, Grammatikvermittlung, deklaratives und prozedurales Wissen

„Unter ‚Kognitivierung‘ soll hier der Einsatz von auf Bewußtmachung zielenden unterrichtsmethodischen Verfahren (Lehrverfahren) verstanden werden. Dies umfaßt diejenigen unterrichtlichen Handlungsschritte des Lehrenden, die mit der Intention durchgeführt werden, bei den Lernern kognitives Lernen gezielt zu fördern.“ (Tönshoff in Gnutzmann/Königs 1995:226)

Die verschiedenen Bereiche fremdsprachlicher Regularitäten sind Gegenstand der Sprachbezogenen Kognitivierung. (Ebd.)

Ergo: Die sprachliche Kognitivierung kann in Zusammenhang mit dem Grammatikunterricht, als Bewusstmachung komplexer grammatischer Regelhaftigkeiten die eine Verständnishilfe darstellen soll, bezeichnet werden.

Unter Grammatikvermittlung kann laut Raabe (2001:72) das Erklären von Grammatik bezeichnet werden. Er ist der Ansicht, dass dieser Begriff zwar eindeutig erscheint, es allerdings nicht ist. (Ebd.) Der Terminus der Grammatik erfasst ein großes Spektrum sprachlicher Phänomene (z.B. Morphologie, Syntax etc.). Der Begriff der Vermittlung verweist auf ein ganzes Spektrum unterschiedlich stark verdeutlichender Lehrmaßnahmen. „Sie reichen von versteckt und eingeschlossen (also implizit) bis offen und deutlich (also explizit).“ (Ebd.:75)

Je nach Form der Vermittlung wird also zwischen impliziter und expliziter Grammatik bzw. zwischen impliziten und explizitem Lernen unterscheiden.

„Implizites Lernen ist immanent, unmerklich, beiläufig und ohne bewusste Operationen. Explizites Lernen ist absichtlich (intentional), wahrnehmend, offen. Es ist ein bewusstes Lernen, bei dem beispielsweise Fragen zur Sprache gestellt und Hypothesen getestet werden.“ (Ebd.: 85)

Zu den Zielen der Grammatikvermittlung gehört u.a. die Förderung des Wissens, jenes hier in deklarativem und prozeduralem Wissen kategorisiert werden kann. Als deklaratives Wissen wird das Wissen über Sachverhalte, wie z.B. Fakten und Begriffe bezeichnet. Der Erwerb findet durch Vermittlung statt. (http://zlb.uni-due.de/wiki/index.php?title=Deklaratives_Wissen ) Das prozedurale Wissen muss auf das bereits vorhandene deklarative Wissen zurückgreifen. Prozedurales Wissen ist daher das praktisch nutzbare Wissen, welches oft in Gestalt unbewusster Verarbeitungsroutinen auftritt. Unterteilen lässt es sich in Lernprozesse und Anwendungsprozesse. (http://zlb.uni-due.de/wiki/index.php?title=Prozedurales_Wissen)

3. Grammatikvermittlung und erzieltes Wissen im Lehrwerk Magnet A2-Deutsch

2.1. Beschreibung des Lehrwerks Magnet A2-Deutsch

Bei dem Lehrwerk das hier benutzt wird, handelt es sich um das Werk mit Titel „Magnet A2-Deutsch für junge Lerner“ des Klett-Verlags. Der Titel des Lehrwerks ist Programm: Magnet will die Lernenden anziehen, ihr Interesse und ihre Neugier an der dt. Sprache und an den deutschsprachigen Nationen wecken und ihren Horizont erweitern.

Magnet richtet sich an junge Lerner ab 12 Jahren, die DaF von Beginn an lernen.

Zur Struktur ist folgendes festzuhalten: Das Lehrwerk orientiert sich am Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen. Es besteht aus einem Kursbuch, einem separaten Arbeitsbuch, einem Testheft, einem griechischen Begleitheft und dem Lehrerhandbuch.

Das Kursbuch besteht aus zehn Lektionen, die thematisch voneinander unabhängig sind. Jede Lektion gliedert sich in drei Präsentationsphasen (A, B, C), die jeweils einen Aspekt des Lektionsthemas beleuchten. Das Arbeitsbuch enthält Übungen zu jeder Lektion und Aufgaben zur weiteren Bewusstmachung und Festigung des Wortschatzes und der grammatischen Strukturen. Der Schwerpunkt liegt auf schriftlichen Aktivitäten. Die Arbeitsanweisungen sind sowohl im Kurs- als auch im Arbeitsbuch auf Deutsch.

Das Testheft enthält Tests zu den einzelnen Lektionen, die die grammatische und kommunikative Kompetenz der Lernenden prüfen und zur Lernfortschrittkontrolle eingesetzt werden können. Das griechische Begleitheft enthält das neu eingeführte Vokabular, das an den Texten des Kursbuches orientiert ist; dieses wird in Form von zweisprachigen Listen dargeboten. Hinzukommend bietet das Begleitheft weitere Aufgaben zu den vier Fertigkeiten, die parallel zum Lehrwerk (kapitelweise) bearbeitet werden können. Die Arbeitsanweisungen sind hier in griechischer Sprache herauszulesen.

2.2. Explizite und implizite Grammatik im Lehrwerk

Bei der grammatischen Struktur die ausgewählt wurde, handelt es sich um das Perfekt. Die Vermittlung ist sowohl implizit als explizit.

Bei der ersten Aufgabe, mit der die grammatische Struktur eingeführt wird, handelt es sich um eine Zuordnungsübung. Die Schüler sollen sechs Bildern bzw. einer Fotostory, Sätze zuordnen (siehe Anhang II und III). Hier liegt implizite Grammtikvermittlung vor. Den Schülern wird indirekt die Bildung des Perfekts (haben/sein+ ge- … -t/-en) und dessen Stellung im Satz (Position 2 und Satzende) vermittelt.

Ergo: die Auseinandersetzung mit dem neuen grammatischen Phänomen geschieht implizit bzw. unbewusst.

Bei der zweiten Aufgabe (siehe Anhang III) wird die zuvor bearbeitete Übung überprüft; die Schüler hören den Bericht und kontrollieren ihre Lösung zur Übung 1 (siehe Anhang II und III). Bei der dritten Aufgabe (siehe Anhang III) handelt es sich um eine weitere Zuordnungsübung. Die Aufmerksamkeit der Schüler wird hier auf die Verben in den aus Übung 1 und 2 bekannten Sätzen und somit auf die neue grammatische Struktur gelenkt.

Auch bei diesen zwei Übungen ist die Grammatikvermittlung implizit.

Laut Lehrerheft folgt anschließend daran die Besprechung der Bildung des Perfekts (siehe Anhang IV). Hier liegt explizite Grammatik vor. Die Darstellung der Grammatik ist beispielhaft und klar strukturiert; die Regeln sind vorformuliert und enthalten Lücken die ergänzt werden müssen.

Fazit: Die drei Übungen (siehe Anhang II und III) und die Regelbesprechung bzw. –formulierung geben zu verstehen, dass keine deduktive, also von den Regeln ausgehende Grammatik betrieben wird; die Regelformulierung folgt nicht direkt nach der ersten Übung; sie ist nicht komplett sondern muss ergänzt werden und lässt von den Lernenden mit Eigeninitiative entdecken.

2.3. Begründung der Grammatikvermittlung durch die Aspekte aus dem Erfahrungswissen des Lehrenden

Raabe (2002: 85ff) beschränkt sich bei der Frage „Wie viel explizite Grammtikvermittlung braucht der Mensch?“ auf zehn Aspekte. Mit Hilfe dieser wird in den folgenden Abschnitten die Entscheidung des Lehrwerks, die Grammatik explizit bzw. implizit zu vermitteln gerechtfertigt, doch zunächst ein paar Worte zu den Aspekten: Der Lernmodus der zur Differenzierung in implizites und explizites Lernen einführt, das biologische Alter der Lernenden und die kritische Phase, nach der die Lernenden mehr von Grammatikerklärungen profitieren, die Leistungskontrolle, die die Perspektive der Lehrenden öffnet, die Phasen des Lernens, die Lernschwierigkeit, die Struktur der Zielsprache, der Erstspracheneffekt, die sprachliche Systemdistanz zwischen der ersten und der später gelernten Fremdsprache, die sprachlichen Lernziele und die Geschichte und Tradition, konstituieren diese Aspekte.

Bei den Aspekten, die die Entscheidung des Lehrwerks, die Grammatik sowohl explizit als auch implizit zu vermitteln rechtfertigen, handelt es sich um den ersten, den dritten, den vierten, den fünften, den sechsten, den siebten, den neunten und zehnten Aspekt.

Zum Lernmodus ist folgendes festzuhalten: die zu Beginn vorliegende implizite Lernhaltung löst im Weiteren Verlauf des Unterrichts offene Grammtikvermittlung aus; es handelt sich um komplexe aber gut erklärbare Regeln des Perfekts; das Zusammenspiel zwischen Formen verdeckter und offener Vermittlung ist erkennbar. Vorige zeitlich begrenzte Lernzustände leiten zum Lernstil des analytischen Lerntyps über. Dieser möchte die Fremdsprache bewusst und im Detail verstehen, er bevorzugt also mit Logik aufgebaute, explizite Kognitivierung (das ist vor allem in Griechenland der Fall).

Der Aspekt der Lernzielkontrolle rechtfertigt ebenfalls die explizite Lernhaltung im Lehrwerk. In Griechenland ist vorrangiges Ziel des Erlernens einer Fremdsprache, der Erwerb eines Zertifikats; die Lerner bereiten sich u.a. dafür vor Prüfungen abzulegen; voriges setzt eine Leistungsmessung bzw. Leistungskontrolle voraus.

Auch der vierte Aspekt, der Aspekt der Phasen des Lernens rechtfertigt den Einsatz der expliziten Grammatikvermittlung im Lehrwerk. Das Werk ist für Anfänger konzipiert; diese befinden sich in der Hauptlernphase, die laut Raab (2002: 88) den Schwerpunkt der systematisch geplanten, häufig expliziten Grammtikvermittlung bildet.

Das Perfekt ist für die meisten Lerner Deutschlerner ein Problemfall, eine Lernschwierigkeit und somit kommen wir zum fünften Aspekt. Um Fehler systematisch vorzubeugen wird hier (siehe Anhang IV) konsequent explizite Grammatikvermittlung eingesetzt. „Je differenzierter das grammtische System der Zielsprache ist, desto größer wird der Aufwand an explizite Grammtikvermittlung eingeschätzt.“ (Raab 2002: 88) Beim Perfekt handelt es sich um ein „komplexes Gebilde“. Dessen Besonderheiten müssen effektiv vermittelt werden, denn nur so kann der richtige Gebrauch gesichert werden.

Die Struktur der Zielsprache Deutsch und somit kommen wir zum sechsten Aspekt, rechtfertigt ebenfalls die explizite Grammatikvermittlung im Lehrwerk. Die griechische Sprache ist grammatisch gesehen eine „reiche“ Sprache. Ihre Sprecher, so Raab (2002:89) könnten als stärker bewusst lernend gelten.

Voriger Aspekt hängt meiner Ansicht nach mit dem Aspekt der die Geschichte und Tradition anbetrifft, zusammen. Die Lernenden wachsen in Griechenland mit einer expliziten Lernhaltung auf. Diese Lernhaltung wir auch beim Fremdsprachenerwerb bevorzugt. Innovative, alternative Verfahren und auch die implizite Lernhaltung werden von vielen teilweise abgelehnt.

Fazit: Vorige Tatsachen rechtfertigen die explizite Grammtikvermittlung im Lehrwerk.

Auch der neunte Aspekt rechtfertigt die „bewusste“ Vermittlung der Grammatik iMagnet A2-Deutsch. Zwar ist heute das grammatische Wissen kein eigenständiges Ziel im FSU in Griechenland, allerdings hat die explizite Grammatikvermittlung einen hohen Stellenwert.

Alles in Allem: Acht von den zehn Aspekten Raabs rechtfertigen die explizite Grammatikvermittlung des Lehrwerks und dessen Lernhaltung.

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Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668312845
ISBN (Buch)
9783668312852
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337523
Institution / Hochschule
Ελληνικό Ανοικτό Πανεπιστήμιο (Fernuniversität Patras)
Note
Schlagworte
grammatik mensch lehrwerkanalyse magnet deutsch

Autor

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