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Die Entwicklung der Sprache im Krippenalter. Von „Heißblomblom“ und „Fotorat“

von Anne Freudig (Autor)

Hausarbeit 2016 38 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Bedeutung der Sprache

III. Die Sprachentwicklung
1. Voraussetzungen für den Spracherwerb
2. Spracherwerbstheorien

IV. Der Verlauf der Sprachentwicklung
1. Die Vorstufe des Spracherwerbs:
2. Das erste Lebensjahr:
2.1 Die Schrei- und Gurrphase (ca. 0.-3. Monat):
2.2 Die erste Lallphase (ca. 4.-8. Monat):
2.3 Die zweite Lallphase (ca. 8.-12. Monat)
3. Das zweite Lebensjahr:
3.1 Die Ein-Wort-Phase (ca. 1-1,5 Jahre):
3.2 Die Zwei-Wort-Sätze (ca. 1,5-2 Jahre)
3.3 Mehrwortsätze (ca. 2-2,5 Jahre)
3.4 Verbesserte Satzbildung und zweites Fragealter (ca. 2,5-3 Jahre)
3.5 Über die Bedeutungen der ersten Wörter:
4. Ab dem dritten Lebensjahr:

V. Zweisprachigkeit
1. Was bedeutet Zweisprachigkeit?
2. Der Verlauf des Zweitspracherwerbs:
3. Die Rolle der Erzieherin:

VI. Die Erzieherin als Sprachvorbild
1. Ein kleiner Fragenkatalog zur Unterstützung der Reflexion
2. Selbstreflexion zur Rolle als Sprachvorbild

VII. SPRACHFÖRDERUNG
1. Methoden der Sprachförderung
Literacy
Förderung der phonologischen Bewusstheit
Die Bilderbuchbetrachtung:

VIII. Sprachförderung im Alltag der U3

IX. Beobachtungen der Kinder der U3
1. Die Einjährigen:
2. Die Zweijährigen:

X. FAZIT

Literaturverzeichnis

Buchquellen:

Internetquellen:

I. Einleitung

Im Rahmen meiner Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin absolviere ich mein Anerkennungsjahr in einer Kindertagesstätte. Während meiner Zeit in der Einrichtung arbeite ich hauptsächlich in der U3-Gruppe, in denen sich zehn Kinder im Alter vom 11. Lebensmonat bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres befinden.

Schnell habe ich festgestellt, dass in der U3 noch deutliche Unterschiede in der Sprache zu erkennen sind, da sich jedes Kind aufgrund seines Alters auf einem anderen Entwicklungsstand befindet. Die Einjährigen kommunizieren noch viel mehr mit Gestik, Mimik und der Körpersprache und sind am lallen, während die Zweieinhalbjährigen bereits Ein- oder Zweiwortsätze und teils sogar schon Mehrwortsätze sprechen.

In der schulischen Ausbildung wurde die Sprachentwicklung bereits thematisiert. Während meiner Arbeit konnte ich einige praxisbezogene Aspekte wiedererkennen, wie z.B. dass Fehler nicht direkt korrigiert werden sollten. Da ich aber keinen Überblick mehr über den Verlauf der Sprachentwicklung hatte, mich aber die Sprachentwicklung in der Praxis sehr fasziniert hat, habe ich mich dazu entschlossen, einen Bericht über dieses doch sehr umfangreiche Thema zu schreiben.

Gerade um zu verstehen, wie Kinder auf Wortschöpfungen wie „Heißblomblom“ (Heßluftballon) oder „Fotorat“ (Fotoapparat) kommen oder mehr verstehen als sie sprechen können, habe ich mich mit der Theorie der Sprachentwicklung auseinandergesetzt.

In meinem Bericht möchte ich zunächst auf die Bedeutung der Sprache im Allgemeinen eingehen, bevor ich mich mit der Sprachentwicklung und ihren Theorien, dem Verlauf und den dafür benötigten Voraussetzungen beschäftige. Hierbei lege ich den Fokus auf das Alter von 1-3 Jahren, da ich mit dieser Altersgruppe in der U3 arbeite.

Anschließend gehe ich auf die Zweisprachigkeit und deren Erwerb ein.

Da ich als Erzieherin in vielen unterschiedlichen Situationen im Alltag mit den Kindern kommuniziere, habe ich mich zudem mit der Rolle als Sprachvorbild beschäftigt und mich selbst in meinem Sprachverhalten reflektiert.

Im Anschluss daran erläutere ich verschiedene Methoden, wie die Sprachentwicklung in der von mir beobachteten Krippe gefördert wird und beschreibe Beobachtungen, die ich in den letzten Wochen im Alltag an den Kindern gemacht habe, bevor ich abschließend ein Fazit zum Thema Sprachentwicklung ziehe.

II. Die Bedeutung der Sprache

Bevor ich auf die Sprachentwicklung eingehe, habe ich mich damit befasst, was unter dem Begriff „Sprache“ zu verstehen ist und welche Bedeutung damit verknüpft wird.

Was ist Sprache? Wie hat sich die Sprache entwickelt? Und vor allem: Wie erlernt ein Mensch die Sprache, die mit ihrer komplexen Grammatik und dem immens großen Wortschatz so gewaltig ist, dass es an ein Wunder gleicht, sie zu beherrschen?

Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Menschheit schon seit Jahrhunderten.

Ein bekanntes Beispiel hierfür ist ein Experiment, das der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. zu Beginn des 13. Jahrhunderts durchgeführt hatte und mit dem er die Ursprache der Kinder herausfinden wollte. Ohne jegliche Interaktionsmöglichkeiten und Zuneigung wurden Kinder sprachlich sich selbst überlassen. Die Folge war, dass alle Kinder wegen fehlender sprachlicher Stimulation gestorben sind[1].

Dass die soziale Interaktion und die Zuneigung einer Bezugsperson die Grundlage für den Spracherwerb bildet, hat man also schon vor einigen Jahrhunderten feststellen können.

Heute weiß man, dass durch Sprache soziale Beziehungen gebildet werden, ohne die Entwicklung nicht stattfinden könnte – denn Entwicklung vollzieht sich stets in Abhängigkeit von der Interaktion mit dem sozialen Umfeld[2].

Sprache ermöglicht es dem Menschen, auf eine einfache Weise in Kommunikation mit dem sozialen Umfeld zu treten und so sein eigenes Weltbild den anderen mitzuteilen, andere Ansichten kennenzulernen und sein Weltbild stets weiterzuentwickeln.

Daher ist die Sprache eng mit der Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen verbunden sowie mit der emotionalen und kognitiven Entwicklung.

Die Sprache ist demnach „untrennbar verbunden mit den Lern- und Entwicklungsprozessen“ eines Menschen[3].

Durch Sprache, ob nun mündlich oder schriftlich, können individuelle Erfahrungen, Wissen und Meinungen der Umwelt mitgeteilt werden und gilt neben der Schrift als eine Schlüsselkompetenz für die Bildungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen[4].

Sprache hat also für die ontogenetische Entwicklung des Menschen eine essenzielle Bedeutung und ist daher auch im Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder im Alter von 0-10 Jahren verankert. Hier stellt Sprache einen eigenen Bildungsbereich dar.

Gerade um zu verstehen, wie Kinder auf Wortschöpfungen wie „Heißblomblom“ (Heßluftballon) oder „Fotorat“ (Fotoapparat) kommen oder mehr verstehen als sie sprechen können, habe ich mich mit der Theorie der Sprachentwicklung auseinandergesetzt.

III. Die Sprachentwicklung

1. Voraussetzungen für den Spracherwerb

Es scheint fast unmöglich zu sein, eine Sprache mit ihrer Grammatik und dem immens großen Wortschatz innerhalb einiger Lebensjahre zu erlernen. Und dennoch entwickelt sich die Sprache bei Kindern in den ersten Lebensjahren so rasant, dass es an ein Wunder grenzt.

Als ich mich näher mit dem Thema beschäftigt habe, tauchten einige Fragen auf, die ich zunächst beantworten möchte, bevor ich auf die einzelnen Phasen des Spracherwerbs eingehe.

Was ermöglicht es Kindern, die Sprache so rasant zu erlernen? Welche Voraussetzungen müssen dazu gegeben sein und wie kann das Kind im Spracherwerb unterstützt werden?

Dem Menschen ist die Fähigkeit zum Spracherwerb angeboren. Stimmbänder, Zunge, Rachen, Zwerchfell, Lippen und das Gehör bilden zusammen die biologische Grundvoraussetzung für den Erwerb der Sprache.

Eine weitere Voraussetzung ist die soziale Interaktion mit der Umwelt. So orientieren sich Kinder z.B. an Sprachvorbildern, die in der Regel die Bezugspersonen sind[5]. Auf Sprachvorbilder werde ich im Verlauf des Berichtes noch genauer eingehen.

Dass ein Baby, mit dem sehr wenig gesprochen wird, sehr wenig Interesse an seiner Umwelt zeigt, hatte auch Friedrich II. bereits mit seinem Experiment bewiesen.

Die Qualität des Spracherwerbs wird durch das sprachliche Klima und das Bildungsniveau in der Familie beeinflusst. So zeigen Kinder mit wenig sprachlicher Anregung oder mit Eltern mit Migrationshintergrund eher Defizite in der Sprachentwicklung als andere Kinder.[6]

Eine weitere biologische Voraussetzung ist, dass das Zentralnervensystem in der Lage ist, Sprache in Form von ankommenden Reizen wahrzunehmen, zu verarbeiten und aktives Sprechen zu ermöglichen.

Mit der Zeit spezialisiert sich die rechte Gehirnhälfte auf die Verarbeitung emotionaler Reize und natürlicher Geräusche. Letzteres ist besonders wichtig, damit das Kind Sprache von Nebengeräuschen unterscheiden kann. Die linke Gehirnhälfte verarbeitet währenddessen sprachliche Informationen[7].

Neben biologischen Voraussetzungen spielen auch sensomotorische Faktoren beim Spracherwerb eine wichtige Rolle. Unter Sensomotorik ist die „Verbindung zwischen Sinneseindrücken und kindlichen Eigenaktivitäten“[8] zu verstehen. Auf einkommende und verarbeitete Reize durch Sinneseindrücke reagiert das Kind mit motorischen Handlungen. Hier spielt wieder, wie oben bereits kurz erwähnt, die Unterscheidung von wichtigen und unwichtigen Reizen eine Rolle.

Über die einzelnen Sinne werden Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, die durch aktives Tun besser gespeichert werden.

Während das Hören die Voraussetzung für das Erlernen der Lautsprache ist und durch das Hören der eigenen oder einer anderen Stimme zum weiteren Sprechen animiert wird, kann das Kind über den Tastsinn bereits einige Begriffe wie „rund“ oder „eckig“ direkt durch Berührungen erfahren.

Beim Aufbau des Sprachverständnisses spielt der Sehsinn eine wichtige Rolle. Durch Blickkontakt zu einem Gegenstand oder einer Handlung wird das Gesprochene mit dem visuellen Reiz verknüpft. Zudem kann das Kind die Lippen- und Mundbewegungen sehen, um die Lautbildung zu unterstützen.

Da das Sprechen ein komplizierter Ablauf von verschiedenen Bewegungen darstellt, wird auch die Motorik des Kindes angesprochen. Zum Sprechen der einzelnen Laute müssen z.B. bestimmte Muskeln und die Zunge bewegt werden[9].

2. Spracherwerbstheorien

Der Begriff des Spracherwerbs beinhaltet das „Erlernen der Regeln der jeweiligen Muttersprache, [...] [und] zu lernen, wie mit Sprache eigene Gedanken und Gefühle ausgedrückt, wie Handlungen vollzogen und die von anderen verstanden werden können. Hierbei sind auch nonverbale Signale wie Mimik und Gestik bedeutsam.“[10]

Der Frage, wie Kinder die Bausteine einer Sprache in so kurzer Zeit erlernen können, sind viele Wissenschaftler, Pädagogen und Psychologen nachgegangen. Auf der Suche nach Spracherwerbstheorien bin ich auf sehr viele unterschiedliche Theorien gestoßen, von denen ich einige kurz vorstellen möchte.

Skinners Theorie des „Behaviorismus“ besagt, dass ein universaler Lernmechanismus angeboren ist. Durch Imitation und Verstärkung (bzw. Belohnung) wird die Sprache erworben. Die Umwelt reagiert auf richtige Lautäußerungen positiv verstärkend. Je öfter also ein Wort verstärkt wird, desto mehr festigt es sich beim Kind. Nach Skinner wird der Spracherwerb des Kindes demnach durch die Reaktionen der Umwelt gestaltet. Die Voraussetzung ist allerdings, dass das Kind spontan Laute produziert, die von der Umwelt verstärkt werden können.

Chomsky hingegen war der Meinung, dass die Grammatik zu komplex sei, als dass sie ein Kleinkind innerhalb weniger Jahre allein durch Imitation erwerben könnte.

Mit seiner Theorie des „Nativismus“ geht Chomsky davon aus, dass ein angeborener Mechanismus für den Spracherwerb sorgt.

Nach dem Nativismus lernt ein Kind die Muttersprache nicht Satz für Satz, sondern erwirbt die spezifischen Regeln, die so umfangreich sind, dass sie nur durch einen angeborenen Spracherwerbsmechanismus erklärt werden können.

Mit Hilfe dieses Mechanismus’ erwirbt das Kind die Muttersprache unabhängig von seiner kognitiven Entwicklung, während die Umwelt nur Anlässe zum Sprechen liefert.

Piaget geht davon aus, dass der Spracherwerb auf ganzheitlichen, konkreten Erfahrungen beruht. Seine Theorie des „Kognitivismus“ verknüpft die kognitive Entwicklung mit der sprachlichen.

Unter der Fragestellung: „Welche Denkleistung muss das Kind vollziehen können, um Sprache erwerben und kommunizieren zu können“, stehen hier die pragmatischen und kommunikativen Aspekte der Sprache im Vordergrund.

Das Kennen der Objektpermanenz und die Entwicklung der Symbolfunktion von Dingen befähigen das Kind, Sprache als System von lautlichen Symbolen für (nicht) vorhandene Objekte verwenden zu können.

Eine weitere wichtige Fähigkeit ist nach Piaget der Perspektivenwechsel, durch den das Kind die Dinge aus der Sicht des Gegenübers betrachten kann.

Die Grundlage zum Spracherwerb sind demnach ganzheitliche, konkrete Erfahrungen der Umwelt mit allen Sinnen: der Erwerb von Vorstellungen von Gegenständen wird immer weiter verfeinert, verinnerlicht und dann durch ein Wort symbolisiert.

IV. Der Verlauf der Sprachentwicklung

Bevor ich den Verlauf der Sprachentwicklung darstelle, möchte ich erwähnen, dass die Altersangaben als Richtangaben zu verstehen sind. Da die Sprachentwicklung individuell verläuft und jedes Kind sein eigenes Tempo hat, müssen die Altersangaben als Durchschnittswerte angesehen werden. Ebenso ist wichtig zu erwähnen, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen fließend sind.[11]

Im Folgenden werden zunächst die Phasen der Sprachentwicklung nach einer gängigen Einteilung dargestellt und beschrieben, welche sich häufig in der Literatur finden lässt. Neben dieser Einteilung lassen sich in der Literatur noch weitere, umfangreichere Beschreibungen der Sprachentwicklung finden, von denen im Anschluss – ergänzend zu der gängigen Einteilung – Elemente der Spracherwerbstheorie nach Butzkamm und Butzkamm aufgegriffen werden sollen.

1. Die Vorstufe des Spracherwerbs:

Die erste Begegnung mit Sprache macht das Ungeborene bereits im Mutterleib. Ab dem fünften Monat kann es Geräusche und Stimmen wahrnehmen[12].

Das Ungeborene ist zudem in der Lage, die Stimmungsschwankungen der Mutter sowohl an der Stimme als auch am Hormonspiegel wahrzunehmen[13].

Neben der Entwicklung der schon genannten benötigten Organe stimuliert das Ungeborene durch das Daumen lutschen seine Lippen, die Zunge und den Gaumen[14].

2. Das erste Lebensjahr:

2.1 Die Schrei- und Gurrphase (ca. 0.-3. Monat):

Seine Stimme nutzt das Neugeborene zum ersten Mal beim Geburtsschrei, durch den die Mutter animiert wird, das Kind zu beruhigen. Somit kommt es zur ersten stimmlichen Kommunikation zwischen dem Neugeborenen und seiner Umwelt[15].

Während der ersten Lebensmonate teilt das Neugeborene sich durch Weinen, Schreien oder Jauchzen seiner Umwelt mit und drückt auf diese Weise Wohlbefinden oder Unbehagen aus.

Mit etwa sechs bis acht Wochen kommuniziert das Kind mit Gurren und Explosivlauten.

Ein Explosivlaut ist ein „Laut, bei dessen Artikulation der von innen nach außen drängende Luftstrom für einen Moment völlig gestoppt wird.“[16] Die Explosivlaute brauchen nicht erlernt werden, da sie von allen Babys auf der Welt geäußert werden. Sie sind Reaktionen auf körperliche Bedürfnisse oder Aktivitäten und damit werden sie vom Kind eher unabsichtlich geäußert.

Bis zum dritten Monat kann das Kind das Schreien auch dazu einsetzen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen[17].

Das Kind produziert Lautketten, Gurrlaute und Vokale, die zudem variiert oder wiederholt werden. Die primären Bezugspersonen reagieren auf solche Laute, indem sie diese mit höherer Tonlage und melodischer wiederholen. Auf diese Weise entsteht ein Dialog mit dem Kind. Dies wird als „interaktive Beteiligung der Eltern“[18] bezeichnet. Unterstützt wird der Dialog durch Berührungen, Gestiken und Mimiken sowie dem Blickkontakt.

Durch die Interaktion mit den Bezugspersonen bekommt das Kind bereits erste Informationen, wie seine Muttersprache aufgebaut wird[19].

2.2 Die erste Lallphase (ca. 4.-8. Monat):

In der ersten Lallphase kombiniert das Kind einen Konsonant mit einem Vokal. Die so entstandenen Silben werden vom Kind wiederholt und es äußert z.B. „Ma-Ma“ oder „Ba-Ba“.

Es empfindet es als angenehm und schön, wenn die Zunge den Gaumen oder die Lippen berührt und entwickelt aus diesen Kombinationen ein Spiel[20].

Während das Kind etwa in den ersten drei Monaten seines Lebens noch in der Lage ist, auch Laute zu bilden, die nicht in seiner Muttersprache vorkommen, hat ein etwa sechs Monate altes Kind die gesamten Laute der Muttersprache durch das ständige Hören gespeichert und äußert nur noch diese Laute.

Hinzu kommt auch die Speicherung von der Betonung, dem Rhythmus und der Sprachmelodie. Das Kind weiß, dass die unterschiedlichen Tonlagen auch unterschiedliche Bedeutungen haben. So kann es sich je nach Tonlage um eine Aussage oder eine Frage handeln.

Neben dem Spracherwerb entwickelt sich auch allmählich das Sprachverständnis durch die unterschiedlichen Gestiken und Mimiken der Bezugsperson sowie der Sprachmelodie und dem Rhythmus. „Das Sprachverständnis beschreibt die menschliche Fähigkeit, Bedeutung und Sinn von Sprachlauten zu erfassen.“[21] Während der ersten Lallphase lernt das Kind erste Schlüsselwörter zu verstehen, auf die es mit Gestik und Mimik sowie Freude oder Abneigung reagiert. Auf diese Weise kann das Kind bereits mit seiner Umwelt kommunizieren ohne sprechen zu können[22].

2.3 Die zweite Lallphase (ca. 8.-12. Monat)

Mit dem Spiel der Bildung von Kombinationen aus einem Konsonant und einem Vokal entstehen immer längere Silbenfolgen. Während in der ersten Phase die Lallproduktion durch Freude an der Bewegung der Zunge oder Kreisbewegungen animiert wurde, reagiert das Kind nun auch auf das Hören der eigenen oder einer fremden Stimme mit der Produktion von Lallfolgen.

Das Kind kann zudem schon einige einfache und oft genannte Wörter wie seinen Namen erkennen und verstehen[23].

[...]


[1] http://www.wissen.de/welche-sprachexperimente-machte-friedrich-ii-mit-kindern (Zugriff am 02.02.2016)

[2] Sprachentwicklung, Sprachstörung, Sprachförderung – Ein Praxistest für Erzieherinnen, S. 7

[3] Sprachentwicklung, Sprachstörung, Sprachförderung – Ein Praxistest für Erzieherinnen, S. 7

[4] s.o.

[5] Kein Kinderkram! Band 1, S. 219

[6] Bildung von Anfang an – BEP für Kinder von 0-10 Jahren in Hessen, S. 66

[7] Kindergarten Heute – Sprachentwicklung und Sprachförderung – Grundlagen für die pädagogische Praxis, S. 3

[8] Kindergarten Heute, S. 3

[9] Kindergarten Heute, S. 3f.

[10] Klann-Delius, G. (1999). Spracherwerb. Stuttgart: Metzler. S. 22.

[11] vgl. Kein Kinderkram! Band 1, S. 222

[12] Sprachentwicklung und Sprachförderung bei Kindern, S. 10

[13] Wie Kinder sprechen lernen, S. 8

[14] Sprachentwicklung und Sprachförderung bei Kindern, S. 10

[15] Kindergarten Heute, S. 5

[16] http://www.duden.de/rechtschreibung/Explosivlaut (Zugriff am 06.03.2016)

[17] Kein Kinderkram! Band 1, S. 220

[18] Kindergarten Heute, S. 5

[19] Kindergarten Heute, S. 5f.

[20] Kein Kinderkram! Band 1, S. 221

[21] http://flexikon.doccheck.com/de/Sprachverständnis (Zugriff am 06.03.2016)

[22] Kindergarten Heute, S. 6

[23] Kein Kinderkram! Band 1, S.221

Details

Seiten
38
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668268272
ISBN (Buch)
9783668268289
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337579
Note
1,0
Schlagworte
entwicklung sprache krippenalter heißblomblom fotorat

Autor

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    Anne Freudig (Autor)

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