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Wettbewerbspolitik in Deutschland und deren Auswirkung auf den Mittelstand

Hausarbeit 2016 26 Seiten

VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wettbewerbstheorie
2.1 Definitionsansätze zum Wettbewerb
2.2 Wettbewerbsvoraussetzungen
2.3 Wettbewerbsstrategien
2.4 Ausprägungen der Wettbewerbstheorien
2.5 Funktionen des „fairen“ Wettbewerbs

3 Wettbewerbspolitik in Deutschland
3.1 Träger und Instrumente

4 Funktionen des Wettbewerbs
4.1 Freiheitsfunktion
4.2 Anpassungsfunktion
4.3 Innovationsfunktion
4.4 Verteilungsfunktion

5 Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG)
5.1 Ausprägung des UWG

6 Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)
6.1 Die vier Instrumente des GWB
6.2 Träger des GWB

7 Wettbewerb in Mittelstand

8 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die unterschiedlichen Strategien des Wettbewerbs

Abbildung 2: Zirkulare Interdependenz zwischen Wettbewerbsdeterminanten, Marktverhalten und Markergebnissen

Abbildung 3: Merkmale privater und staatlicher Wettbewerbsbeschränkungen

Abbildung 4: Übersicht über die wichtigsten UWG-Paragraphen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Schon Adam Smith hat darauf hingewiesen, dass der Wettbewerb nicht selfmaintaining ist, sondern durch Absprachen oder Monopolisierung beschränkt werden kann. Walter Eucken hat diesen Überlegungen wie folgt Ausdruck verliehen. Anbieter und Nachfrager suchen stets – wo immer es möglich ist – Konkurrenz zu vermeiden und monopolistische Stellungen zu erwerben oder zu behaupten. Ein tiefer Trieb zur Beseitigung von Konkurrenz und zur Erwerbung von Monopolstellungen ist überall und zu allen Zeiten lebendig. Warum sollen drei Bäcker in einer Stadt des 13. Jahrhunderts konkurrieren? Sie verabreden sich und bilden ein Monopol, und sie versuchen darüber hinaus, sich gegen weitere Konkurrenz abzuschirmen. Ähnlich war es vorher, ist es heute und wird es in Zukunft sein.“[1]

Im Jahre 1776 zeigte Adam Smith in seinem Werk ‚An InquiryIntothe Nature andCausesoftheWealthofNations‘, dass der Wettbewerb und das Problem von Monopolbildungen schon zu dieser Zeit von immenser Bedeutung war. Trotz der zeitlichen Differenz von fast 200 Jahren zwischen Walter Eucken und Adam Smith zeigte Eucken in seinem Zitat, dass die Monopolbildung immer ein Problem war und auch in Zukunft sein wird. Aber nicht nur die Bildung von Monopolen ist ein Problemfeld des Wettbewerbs – zahlreiche weitere Aspekte sollen im Folgenden aufgezeigt und diskutiert werden. In der BRD und auch in anderen Staaten dieser Welt ist es Aufgabe des Staates, den freien Wettbewerb durch entsprechende Rahmenbedingungen zu sichern und zu gewährleisten - er ist die Voraussetzung für Funktion und Bestand unseres Wirtschaftssystems. Diese Arbeit setzt sich mit der Wettbewerbspolitik der BRD auseinander. Zu Beginn werden die theoretischen Grundlagen des Begriffes „Wettbewerb“ anhand der Wettbewerbstheorie behandelt. Danach folgt die Wettbewerbspolitik als Schwerpunkt dieser Arbeit – schließlich wird auf die rechtlichen Grundlagen eingegangen.

2 Wettbewerbstheorie

Dieses Kapitel befasst sich mit der Theorie des Wettbewerbs. Dabei wird zunächst auf die Definitionsproblematik des Wettbewerbs eingegangen. Des Weiteren werdendie Voraussetzungen, Strategien und Theorien des Wettbewerbs behandelt.Als konkrete Beispiele der Theorien werden Liberalismus und Ordo Liberalismusgenannt. Abschließend sollen Funktionen des Wettbewerbs aufgezeigt werden.

2.1 Definitionsansätze zum Wettbewerb

Eine einheitliche Definition für den Begriff Wettbewerb ist in der Literatur nicht zu finden – teilweise verzichten manche Autoren (so z.B. Herdzina, 1999) sogar vollständig auf eine solche Erklärung. Einen möglichen Definitionsansatz liefert Gabler (1997).

„1. Allgemein: Unter Wettbewerb ist das Streben von zwei oder mehr Personen bzw. Gruppen nach einem Ziel zu verstehen, wobei der höhere Zielerreichungsgrad des einen i.d.R. einen geringeren Zielerreichungsgrad des/der anderen bedingt (z.B. sportlicher, kultureller oder wirtschaftlicher Wettkampf).

2. Wirtschaftlich: Überträgt man diese sehr allgemein gefasste Wettbewerbsvorstellung auf das Wirtschaftsleben, so ist Wettbewerb begrifflich durch folgende Merkmale charakterisiert: Existenz von Märkten mit mindestens zwei Anbietern oder Nachfragern, die sich antagonistisch (im Gegensatz zu kooperativ) verhalten, d.h. durch Einsatz eines oder mehrerer Aktionsparameter zu Lasten anderer Wirtschaftssubjekte verbessern wollen; damit ist eine Komplementarität von Anreiz- und Ordnungsfunktion gegeben, die im sog. Sozialistischen Wettbewerb (sozialistische Marktwirtschaft) fehlt.“[2] Jedoch sollte es gar nicht die Aufgabe eines Ökonomen sein, den Begriff Wettbewerb zu definieren. Vielmehr hat er als Erfahrungswissenschaftler die Aufgabe, ökonomische Vorgänge zu erklären, anstatt der metaphysischen Frage ‘Was ist Wettbewerb? nachzueifern:[3] „Erfahrungswissenschaftliche Analyse beginnt nicht mit einem Begriff, sondern mit einem Problem.“[4] Wettbewerb ist nicht gleich Wettbewerb – er zeichnet sich durch ein breites Spektrum aus und unterliegt einer dynamischen Weiterentwicklung.

2.2 Wettbewerbsvoraussetzungen

Wettbewerb zeichnet sich durch Rivalitätsverhalten aus. Tritt an dessen Stellesolidarisches Verhalten, so fehlt es an Wettbewerb und demzufolge an Steuerung kraft.Aus diesem Grunde müssen Anbieter und Nachfrager gewillt sein, sichwettbewerblich zu verhalten. Äußere Bedingungen hierfür sind:

1. Eigentums- undVerfügungsrechte über Güter und Dienstleistungen,
2. Gewerbe- und Investitionsfreiheit,
3. Vertrags- und Konsumfreiheit,
4. stabiles Geldsystem,
5. Wettbewerbsfreiheit.[5]

Dabei ist die Wettbewerbsfreiheit unbestrittenes Ziel in allenmarktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften.[6] Dauerhaft kann Wettbewerbnur dann erhalten werden, wenn Anbieter und Nachfrager die Chance haben, denMarkt ungehindert zu betreten. Problematisch hierbei sind zu hohe Markteintrittsschranken(z.B. Anzahl Ärzte pro Einwohner) bzw. zu hohe Marktaustrittsschranken(z.B. Agrar-Subventionen).[7] Solange eine der folgenden Voraussetzungen nicht erfüllt ist, kann marktwirtschaftlicherWettbewerb nicht entstehen - zumindest wird seine Wirkung dadurchverschlechtert. Wettbewerbsvoraussetzungen sind Markttransparenz,Entscheidungsfreiheit, ausreichende Ausstattung mit finanziellen, technischenund personellen Ressourcen, Wille zur wettbewerblichen Auseinandersetzung,Flexibilität und offene Märkte. Diese Aufzählung ist in der Literatur nicht unumstrittenund kann fallweise von Oltens Katalog abweichen.

2.3 Wettbewerbsstrategien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Die unterschiedlichen Strategien des Wettbewerbs[8]

Um die Wettbewerbsziele sinnvoll zu erreichen, bedarf es verschiedener Aktionsparameter. Man unterscheidet zwischen drei unterschiedlichen Bereichen: der Preis, die Qualität und die Wahrnehmung der Leistung. Auf diese Bereiche konzentriert sich der Wettbewerb entweder allein oder in Kombination.[9]

2.4 Ausprägungen der Wettbewerbstheorien

Die Wettbewerbstheorien sind Grundlage für das wettbewerbspolitische Leitbild. Sie stellen ein bestimmtes System von wissenschaftlich fundierten Aussagen dar, welche Tatsachen, Erscheinungen, Prozesse und zugrundeliegende Gesetzmäßigkeiten sinnvoll erklären.[10] Im Laufe der Zeit haben sich diese ständig weiterentwickelt. Ihre historische Entwicklung wird meist in folgendem Drei-Phasen-Schema dargestellt:

- Phase I Klassische dynamische Wettbewerbstheorie (Liberalismus)

- Phase II Statische Gleichgewichtstheorie mit dem Leitbild der vollkommenen Konkurrenz und dem Versuch einer Annäherung an die Marktrealität.

- Phase III Dynamische Wettbewerbstheorie der „workablecompetition“.

Es folgen nun zwei bedeutende Wettbewerbstheorien.

2.5 Funktionen des „fairen“ Wettbewerbs

Fraglich ist, ob fairer Wettbewerb ein Ziel oder lediglich ein Instrument der marktwirtschaftlichen Ordnung darstellt. Wettbewerbsfunktionen werden unterschieden nach den wirtschaftspolitischen Primärzielen (Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Sicherheit und Wohlstand), welche ihren Ursprung in den politischen Grundzielen fanden. Aufgabe der Wettbewerbsfunktionen ist die Realisierung dieser Primärziele. Die Funktionen des (fairen) Wettbewerbs sind nach Olten:

- die Freiheitsfunktion – Wettbewerb setzt einerseits Freiheit voraus, andererseits schafft er Freiheitsspielräume

- die Kontrollfunktion – Kontrolle des Wirtschaftsprozesses

- die Lenkungsfunktion – Koordination, Anpassung, Anreiz, Auslese u.a.

- die Verteilungsfunktion – unterstellt die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Umwelt[11]

3 Wettbewerbspolitik in Deutschland

Im gegenwärtigen System der freien Marktwirtschaft müssen für die Wettbewerbspolitik zahlreiche Voraussetzungen (Determinanten) erfüllt sein. Aus diesemGrunde entwickelte der workable-competition-Ansatz ein System, in dem sämtlicheFaktoren des Wettbewerbsverhaltens und des Wettbewerbsprozesses alsMarktstruktur bezeichnet wurden. Diese Marktstruktur (z.B. homogenes Polypol)geht als entscheidender Bestandteil in das gesamte System der Determinantenein. Ein neuerer Ansatz nach Herdzina ergänzt die bisherigen Determinanten umweitere Wettbewerbsdeterminanten – den sog. „Basicconditions“. Diese Determinantenbilden mit den Marktergebnissen und dem Marktverhalten eine Wechselbeziehung– es entsteht ein Kreislauf. Des Weiteren existieren Nebenvariablen,die diesen beeinflussen.22 Zur Veranschaulichung des Kreislaufes und zur Übersichtder Determinanten siehe Abb. 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung2: Zirkulare Interdependenz zwischen Wettbewerbsdeterminanten, Marktverhalten und Markergebnissen[12]

Dem Staat stehen verschiedene wettbewerbspolitische Ansätze zur Verfügung. So hat er zum einen die Möglichkeit, vollständig auf eine Wettbewerbspolitik zu verzichten. Dieser Ansatz wird Laissez-faireApproach genannt, er vertraut ganz auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Diese Position ist insofern kritisch, da der Wettbewerbsprozess ohne staatliche Steuerung zur Selbstzerstörung neigt. Der zweite mögliche Ansatz ist der sog. structureApproach. Er stellt die Aufrechterhaltung wettbewerblicher Marktstrukturen in den Vordergrund. Diese wird durch Verhandlungs- und Behinderungsstrategien und durch ein Verbot der Konzentrationsstrategie erreicht. Der dritte Ansatz, genannt RegulationApproach, hat sich zum Ziel gesetzt, die Herausbildung von Marktmacht nicht zu verhindern. Dazu korrigiert eines staatlichenMissbrauchs Kontrolle das Marktverhalten und das Marktergebnis. Der ownershipapproach, als vierte mögliche Position, ersetzt den staatlichen Missbrauch Aufsicht durch eine Verstaatlichung der marktbeherrschenden Unternehmen.[13]

Sowohl der dritte als auch der vierte Ansatz verleiht dem Staat sehr große Macht. Über kurz oder lang wird die freie Marktwirtschaft durch eine Planwirtschaft ersetzt werden. Insbesondere in der vierten Variante kommt es durch die Überführung der Unternehmen in Gemeineigentum zu extremen Versorgungsengpässen der Bevölkerung. Aus diesem Grunde ist es von immenser Bedeutung, ein ausgewogenes System zwischen staatlicher Einmischung und Selbstregulierung des Marktes zu schaffen. Der Staat sollte dabei sinnvollerweise nach dem Grundsatz „so viel als nötig, sowenig als möglich“ verfahren. Am besten wird dies durch den zweiten Ansatz realisiert.

3.1 Träger und Instrumente

Die Instrumente der Wettbewerbspolitik sind Wettbewerbsbeschränkungen. Unter Wettbewerbsbeschränkungen versteht man konkrete Handlungen der Marktteilnehmer, die sich auf Kosten anderer Marktteilnehmer versuchen, Vorteile zu verschaffen. Dies erreichen sie dadurch, dass sie deren Entscheidungs- und Handlungsfreiheiten beeinträchtigen oder sogar beseitigen.[14]

Um die große Menge der wettbewerbsbeschränkenden Strategien übersichtlich darzustellen, bedarf es einer sinnvollen Gliederung. Eine mögliche Systematisierung unterscheidet nach der Richtung wettbewerbsbeschränkender Handlungen:

[...]


[1] Schmidt / Binder (1998)

[2] Gabler Wirtschafts-Lexikon (2014)

[3] vgl. Herdzina (1999)

[4] Ingo Schmidt, Justus Haucap (2013)

[5] vgl. Philipp Hufenbecher (2000)

[6] vgl. Dichtl / Issing (2003)

[7] vgl. Günther Hörn (2014)

[8] Quelle: Schnabl (1998)

[9] vgl. Schnabl (1998)

[10] vgl. Günter Hörn (2014)

[11] vgl. Schnabl (1998)

[12] Quelle: Herdzina (2011)

[13] vgl. Schmidt/Binder (2005)

[14] vgl. Fritz Rittner, Meinrad Dreher, Michael Kulka (2014)

Details

Seiten
26
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668269439
ISBN (Buch)
9783668269446
Dateigröße
761 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337636
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Stuttgart
Note
2,0
Schlagworte
Wettbewerbspolitik BRD Mittelstand Adam Smith Monopolbildung

Autor

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Titel: Wettbewerbspolitik in Deutschland und deren Auswirkung auf den Mittelstand