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Die Wirkung des Vietnamkriegs

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 24 Seiten

Amerikanistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitende Worte

Krise in Vietnam 1954

Die Indochina-Konferenz

Die folgenden Jahre

Kriegseintritt

Bilanz eines Krieges

Auswirkungen in den USA

Der Krieg im Inneren

Widerstand der Studenten

Widerstand der Soldaten

Die Rolle der Medien

Ein anhaltendes Bild?

Abschließende Worte

Verwendete Literatur

Einleitende Worte:

Der Vietnamkrieg, also diese kämpferische Auseinandersetzung zwischen den USA und einem Teil von Vietnam ist den meisten Menschen ebenso ein Begriff, wie die beiden Weltkriege.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Es liegt darin begründet, dass die USA auch 30 Jahre nach Ende des Krieges noch Ergebnisverarbeitung und Bewältigung betreibt, was ihren Weg in Medien, Musik und auch Kunst gefunden hat. Somit ist das Thema auch für die nach geborenen Generation nach wie vor präsent und wird wohl auch weiterhin erhalten bleiben.

Mittlerweile gibt es unzählige Bücher und Filme, die sich mit dem Thema Vietnam, bzw. Vietnamkrieg beschäftigen. Viele dieser Werke haben bereits Kultstatus erreicht und sind aus unserer heutigen Film- und Fernsehwelt nicht mehr weg zu denken. Ein bis dahin unbekannter Regisseur drehte und produzierte unzählige Filme zum diesem Thema und wurde auf diese Art eine Ikone unserer Zeit: Oliver Stone ist sein Name, den heute jedem Film-interessierten, durch seine Filme wie Platoon oder auch Geboren am 4 Juli, ein Begriff ist, genauso, wie die Figur des John Rambo. In den gleichnamigen Filmen wird sich ebenfalls mit dem Krieg und der Reaktion auf diesen beschäftigt.

Diese intensive Beschäftigung mit der Thematik war allerdings nicht immer gegeben. In Schulbüchern aus den USA wird das Thema sehr zwiespältig behandelt: In einem Buch aus dem Jahr 1973 beschreibt man den (zu dieser Zeit noch laufenden) Konflikt noch sehr optimistisch und sagt, dass Amerika in dieser Auseinandersetzung zeigt, dass die USA zu mehr fähig ist, als sie eigentlich in der Lage sein sollte, wenn man bedenkt, dass sie sich an ihre eigenen Grundlagen von Moral und Gerechtigkeit hält. Man wertete Rückschläge und Verluste ab und formulierte es auf eine andere Weise: Man gehe davon aus, dass dieser Konflikt helfen würde, die USA auch in Zukunft in ihren Aktionen zu stärken.1

Dass die Sichtweise der USA bezüglich Vietnam sich in nur ein paar Jahren komplett wandeln sollte, bestätigt ein weiteres Schulbuch aus dem Jahr 1976, welches also ein Jahr nach Ende des Krieges herausgegeben wurde. In diesem Buch fehlt jede Referenz auf den Krieg. Er wird mit keinem Wort erwähnt, was nicht gerade auf Konfliktbewältigung und Wille zur kritischen Beschäftigung mit dem Thema schließen lässt.2 Es scheint fast so, als ob die „Wunde" noch zu frisch gewesen sei, um dieses Kapitel in das Buch einfließen zu lassen.

Doch wie kommt es zu solch zwiespältigen Betrachtungen und wieso beschäftigt man sich heute wieder mit der Thematik und versucht diese zu bewältigen? - Um diese Frage zu klären ist es notwendig sich in einem ersten Schritt einen Überblick über den Konflikt und dessen groben Verlauf zu verschaffen und sich danach in einem zweiten Schritt mit der Rezeption zu beschäftigen. Dabei soll die Frage verfolgt werden, in wie weit sich der Konflikt in Vietnam auf das Amerikabild der Amerikaner auswirkte und in wie weit auf den Konflikt reagiert wurde.

Krise in Vietnam:

Dr. phil. Marc Frey, Mitarbeiter an der Universität Bonn schreibt dazu in seinem Buch Geschichte des Vietnamkriegs. „Der Vietnamkrieg war die längste militärische Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts. Er begann [...] während des zweiten Weltkrieges. Erst dreißig Jahre später endete er mit dem Rückzug der Vereinigten Staaten [...]. "3 Genau genommen ist die Auseinandersetzung, die wir heute als Vietnamkrieg kennen nur eine Phase des Konflikts in Vietnam. Richtig wird diese Phase als zweiter Indochinakrieg bezeichnet, die letzte Etappe des Krieges in Vietnam. Dem ging natürlich ein erster Indochinakrieg voraus. Als Indochina werden die heutigen Länder Vietnam, Laos und Kambodscha, die französische Kolonien waren bezeichnet.4 Die Auseinandersetzungen begannen 1945 als Kampf zwischen Kommunisten unter Leitung von Ho Chi Minh und der französischen Kolonialmacht in Vietnam.5 Diese erste Phase verlief bis in das Jahr 1954.6 Während dieser Zeit wurde Frankreich von den USA unterstützt, damit der Fortbestand des Kolonialgebiets gesichert sein konnte.7

Auch wenn die USA zu Beginn nicht Hauptakteur der Auseinandersetzung waren, finanzierten sie bereits den ersten Indochinakrieg der Franzosen zu 87%.8 So schien es nicht verwunderlich und eher als eine logische Konsequenz, dass die USA von passiver Beteiligung in eine aktive umschwenkte.

1954:

1954 sollte im Konflikt in Vietnam Veränderungen bringen. Die Niederlage der Franzosen, eine Teilung des Landes und eine tragendere Rolle der USA sollte nur einige wenige Veränderungen sein. Was war 1954 geschehen, dass solch starke Veränderungen mit sich brachte?

Frankreich hatte wohl den Krieg in Vietnam unterschätzt. Im Jahr 1954 entschied eine Schlacht bei Dien Bien Phu unter anderem über den weiteren Verlauf des Krieges. Frankreich musste hohe Verluste hinnehmen9 und hatte zu allem Überfluss auch zu Hause in Frankreich kaum noch Befürworter des Krieges. Die Einstellung des Volkes hatte sich verändert. Zu Beginn des Krieges waren noch 37% der Franzosen für den Krieg, 1954 waren es gerade mal noch 8%.10 Von der Opposition in Frankreich wurde der Krieg nur als „schmutziger Krieg " tituliert.11

Bereits im Vorfeld wurde seitens der USA immer wieder Bedenken über einen positiven Ausgang für Frankreich geäußert, die sich mit 1954 bewahrheiteten. Die USA hätte durch aktive Hilfe dem Krieg einen anderen Verlauf geben können, allerdings war aktive Unterstützung durch Entsendung eigener Soldaten und Truppen an dem Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, Präsident Eisenhower und der Haltung Frankreichs gescheitert.12 Nach der verlustreichen Schlacht war es allerdings Zeit eine neue Strategie zu starten. Frankreich kapitulierte am 7. Mai 1954, nachdem sie 55 Tage in Dien Bien Phu eingekesselt waren und unter Dauerbeschuss gestanden hatten. Diese Kapitulation sollte zur Folge haben, dass Frankreich sich aus Indochina zurückzog.13

Die Indochina-Konferenz:

Bereits einen Tag nach der Kapitulation Frankreichs wurde Friedensverhandlungen aufgenommen.14 Bis zum 21 Juli 1954 verhandelten Vietnam, Laos, Kambodscha, Frankreich, Großbritannien, Volksrepublik China, UdSSR und die USA über einen weiteren Verlauf.15 Die Vereinigten Staaten nahmen offiziell nur als Beobachter an der Konferenz Teil.16 Die Ergebnisse der Konferenz bestanden in einem Waffenstillstand17 und die temporäre Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades. Weiter sollte die Chance gegeben werden und darauf hin gearbeitet werden, dass im ganzen Land freie Wahlen abgehalten werden dürfen und vor allem können. Das wurde zwar im Vertrag verankert, allerdings wurde das nicht genauso in der Realität umgesetzt, da Süd-Vietnam nicht wollte, dass der kommunistische Norden sie auf diese Weise besiegen könnte.18

Obwohl die USA den Vertrag über Waffenstillstand, Teilung, Grenze und freie Wahlen im Juli 1956, nicht unterzeichneten, unterstützen sie diesen, da ihre Interessen größtenteils eingeflossen waren.19

Die folgenden Jahre:

Die USA sah sich als militärische Berater und Unterstützer in der Folgezeit. Von 1955 bis 1961 wurden ca. 1000 Militärberater in Laos und Vietnam stationiert und die Regierung subventionierte den Wiederaufbau mit über einer Milliarde Dollar.20 Der amtierende Präsident der USA, John F. Kennedy, stand vor einer wichtigen Entscheidung, wie man mit der Lage in Vietnam weiter verfahren sollte, da sich im kommunistischen Norden eine große Gruppe von Guerillas, als Vietcong bekannt, befand. Diese wurden von China unterstützt und es schien für ihn nur eine Frage der Zeit, bis es erneut zu Kampfhandlungen kommen könnte. Jedoch war er auch der Meinung, wenn man sofort eingreifen würde, man den Kampf ohne einen Krieg beenden könnte. Man sollte sich dabei laut der „couterinsurgency-Doktrin21 - unterhalb der Schwelle eines Krieges mit einer Mischung von wirtschaftlichen, psychologischen und militärischen Maßnahmen " organisieren und auf diese Weise den Krieg, ohne Krieg gewinnen.22 Seiner Berater waren allerdings nicht der gleichen Meinung, wie der Präsident und setzten sich dafür ein, auch die „schwache " Regierung Südvietnams unter ihre Kontrolle zu bringen. Es ist nicht komplett klar welche Ziele der Präsident mehr favorisierte, die eigene Taktik oder die seiner Berater. Fakt ist allerdings: Bis Ende des Jahres 1963 stieg die Zahl der Militärberater auf 1600023 an und die finanzielle Unterstützung wurde verdreifacht.24 Bevor Kennedy sein weiteres Vorgehen mit Vietnam in die Tat umsetzen konnte, wurde er am 22. November 1963 in Dallas ermordet.25 Allerdings äußerte Kennedy kurz vor seinem Tod noch das Vorhaben die Truppen aus Vietnam komplett abzuziehen.26 Durch seinen Tod nahm die Geschichte allerdings eine andere Wendung.

Kriegseintritt:

Ganz entgegen Kennedy entschloss sich der folgende Präsident, Lyndon B. Johnson, mit aller Härte durchzugreifen. Zu instabil schien ihm das ganze Land, als es ohne Kampf in die richtige Richtung zu lenken sei.27

Man entschloss sich das verbündete Südvietnam mit Hilfe der USA in die „richtige Richtung " zu lenken, ihnen zu helfen von Nordvietnamesen besetzte Teile, wieder zurück zu erobern und begann am 2. März 1965 durch die Bombardierung Nordvietnams den Krieg.28 Eine offizielle Kriegserklärung wurde nie ausgesprochen, doch Johnson betrachtete die Bombardierung als Ersatz für diese. Bereits am 8. März landeten die ersten Kampftruppen in Vietnam, die nicht mehr als Militärberater eingestuft wurden.29

Innerhalb des nächsten Jahres wuchs die Truppenstärke der Amerikaner in Vietnam auf 180000 Menschen an.30 Das sollte allerdings nur der Anfang sein und es entwickelte sich ein Kampf, den selbst Verteidigungsminister Robert McNamera, nicht nachvollziehen konnte und verurteilte. Er sah es bereits 1965 für unmöglich an, den Krieg zu gewinnen, schwieg jedoch bis 196731, als er es wie folgt formulierte: „ Das Bild der größten Supermacht der Welt, die wöchentlich 1000 Zivilisten tötet oder schwer verwundet, um ein kleines, zurückgebliebenes Land zum Einienken zu zwingen für ein höchst umstrittenes Ziel, ist kein schönes". 32

[...]


1 Schafer/Augspurger/McLemore, United States History, S.685f.

2 King/Anderson/Anderson, Windows on our World - The United States.

3 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 9.

4 Heideking/Mauch, Geschichte der USA, S. 316.

5 Heideking/Mauch, Geschichte der USA, S. 316.

6 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 11ff.

7 Zinn, Eine Geschichte des amerikanischen Volkes, S. 402.

8 Steininger, Der Vietnamkrieg, S. 17.

9 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 33ff.

10 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 33.

11 Sieburg, Französische Geschichte, S. 168.

12 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 25fif.

13 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 36.

14 Heideking/Mauch, Geschichte der USA, S. 316.

15 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 36.

16 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 316.

17 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 39.

18 Gettleman/Franklin/Young, Vietnam and America, S. 103ff.

19 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 39.

20 Mauch, Amerikanische Geschichte, S. 127.

21 Broschk, IMS (02/08), S. 9f.

22 Mauch, Amerikanische Geschichte, S. 127f.

23 Dippel, Geschichte der USA, S.113.

24 Mauch, Amerikanische Geschichte, S. 128.

25 Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, S. 99.

26 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 92fff.

27 Horlemann/Gäng, Vietnam, S. 161f.

28 Horlemann/Gäng, Vietnam, S. 174.

29 Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, S. 105.

30 Horlemann/Gäng, Vietnam, S. 174.

31 Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, S. 105.

32 Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 127.

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668277984
ISBN (Buch)
9783668277991
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338467
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Historisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
wirkung vietnamkriegs

Autor

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