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Buchbesprechung zu: "Erfurt im 13. Jahrhundert" von Stephanie Wolf

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau
2.1. Äußerer Aufbau
2.2. Inhalt

3. Methodik

4. Einbettung in die Forschung
4.1. Berücksichtigung des Forschungsstandes
4.2. Rezensionen
4.3. Weiterer Verlauf der Forschung

5. Fazit

6. Literatur

6.1. Internetquellen

1. Einleitung

Für die Bearbeitung der Buchbesprechung im Rahmen der Prüfungsleistung für das Modul „Sächsische Landesgeschichte (8. - 16. Jahrhundert)“ habe ich mich für das Buch „Erfurt im 13. Jahrhundert: Städtische Gesellschaft zwischen Mainzer Erzbischof, Adel und Reich“ von Stephanie Wolf entschieden. Der Hauptgrund dafür ist die Tatsache, dass ich selbst in Erfurt geboren und aufgewachsen bin und daher nicht nur eine gewisse Verbundenh eit mit der Stadt, sondern auch ein großes Interesse an ihrer Geschichte besitze, was für die Anfertigung meiner ersten Hausarbeit nur von Vorteil sein konnte. Die Monographie ist im Jahr 2005 beim Böhlau Verlag als Band A/67 der Veröffentlichungsreihe „St ädteforschung“ des Instituts für vergleichende Städtegeschichte Münster erschienen und ist eine für den Druck überarbeitete Version der Dissertation der Autorin.

Über die Autorin selbst lässt sich nicht viel herausfinden, bis auf ihre Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Institut der Universität Jena im Vorfeld ihrer Dissertation1 brachte die Internet-Recherche keine weiteren Ergebnisse, was womöglich auch durch die Anzahl an Personen mit gleichem Namen erschwert wird. Lediglich das Vorwort, sowie die Rezensionen geben darüber Auskunft, dass Wolf im Jahr 2003 die Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena als Ergebnis vierjähriger Forschungstätigkeit einreichte und bei ihrer Arbeit von Prof. Dr. Matthias Regner angeregt und betreut wurde.2 Auch der weitere Werdegang der Autorin ist ungewiss - eine Literaturrecherche u.a. in der UB Leipzig führte zu keinen weiteren Veröffentlichungen, die der Dissertation folgten.3

In den folgenden Kapiteln werde ich mich intensiv mit der Monographie befassen und zunächst ihren äußeren Aufbau, also die Aufteilung und Struktur des Buches, untersuchen und anschließend in knappen Absätzen den Inhalt der einzelnen Kapitel der Abh andlung zusammenfassen. Im Anschluss folgt eine Untersuchung der Methoden, mit denen die Autorin die Fragestellungen ihrer Dissertation bearbeitet hat, wobei ein wenig auf die genutzten Quellen eingegangen wird. Im dritten und letzten Kapitel soll schließl ich dargestellt werden, inwiefern die Arbeit Wolfs als Teil der Erfurter und allgemeinen mitteleuropäischen Stadtgeschichtsforschung zu werten ist. Dabei werde ich mich größtenteils auf Rezensionen und Besprechungen aus diversen Fachzeitschriften stützen, da deren Autoren in der Regel über einen umfassenden Überblick der erscheinenden Fachliteratur verfügen und somit am ehesten die Bedeutung von Wolfs Arbeit einschätzen können. Darüber hinaus werde ich einige literarische Arbeiten untersuchen, die in der Ze it nach Wolfs Dissertation erschienen sind - gibt es Gegendarstellungen? Wurde Wolfs Arbeit von der Literatur berücksichtigt? Inwiefern spielen neue Funde der Archäologie oder der Quellenforschung eine Rolle bei der Bewertung des Buches? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen werden im Schlussteil meiner Hausarbeit zu einem persönlichen Fazit zusammengefasst, um die Buchbesprechung abzuschließen.

Das wichtigste Material für die Arbeit war selbstverständlich das Buch selbst, was vor allem in den ersten Kapiteln oftmals als einziger zitierter Titel erscheint. Erst beim Betrachten der Forschung wurden weitere Werke zurate gezogen und verglichen. Ich habe versucht, meine Darstellung an einigen Stellen durch die Rezensionen zu ergänzen und diese auch zitiert, sofern die besprochenen Sachverhalte durch sie bereits treffend beschrieben wurden. Im Anhang werden alle von mir berücksichtigten Titel nochmals aufgelistet.

2. Aufbau

2.1.Äußerer Aufbau

Die vorliegende Druckversion der Monographie umfasst insgesamt 358 Seiten - vor dem 310 Seiten langen Abhandlungstext stehen 48 mit römischen Zahlen durchnummerierte Seiten, die das Inhaltsverzeichnis umfassen, sowie ein Vorwort, ein Verzeichnis der Siglen und Abkürzungen und ein umfassendes Quellen- und Literaturverzeichnis. Dieses wird wiederum in ungedruckte Quellen, gedruckte Quellen und Literatur unterteilt und zeugt aufgrund seines Umfangs von der Gründlichkeit der Forschungsarbeit, die der Anfertigung der Dissertation vorausging.

Der eigentliche Text der Dissertation ist in neun Kapitel unterteilt, die allesamt mit römischen Zahlen nummeriert sind. Die Kapitel sind je nach Umfang des betrachteten Abschnitts unterschiedlich lang und mit einer oder mehreren Ebenen von Unterkapiteln zusätzlich gegliedert, wobei das achte und längste Kapitel „Die quasiautonome Stadt: Erfurt 1279-1290“ auch die stärkste Unterteilung aufweist. Auf den Inhalt der Kapitel und der Aufteilung der Darstellung in sinnvolle Abschnitte werde ich im folgenden Abschnitt genauer eingehen. Auf das neunte Kapitel, welches den Schlussteil der Arbeit darstellt, folgt ein längerer Anhang. Dieser besteht zunächst aus einem Exkurs, in dem eine Urkunde an die Erfurter Stifte St. Marien und St. Severi, die ursprünglich Erzbischof Siegfried II. von Mainz und dem Jahr 1203 zugeschrieben wurde4, neu analysiert und auf das Jahr 1233 unter Siegfried III.5 datiert wird - hier wird erneut deutlich, mit welcher Genauigkeit Stephanie Wolf die ihr vorliegenden Quellen bearbeitete. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Auflistung aller Ratsmitglieder der Ratsjahre von 1212-13116, eine Zusammenstellung der Angehörigen von fünf Ratsgeschlechtern inklusive zweier Stammbäume der Familie Lange und der Herren von Apolda und den „Index der Orts- und Personennamen“. Durch diese Anhänge wird die Arbeit zusätzlich bereichert7, ebenso wie durch den im Vorderdeckel abgebildeten Stadtplan Erfurts im 13. Jahrhundert, der eine hilfreiche Stütze bei der räumlichen Einordnung der geschilderten Ereignisse bietet.

2.2. Inhalt

Jedes der neun Kapitel, mit Ausnahme des letzten, betrachtet einen abgegrenzten zeitlichen Rahmen, oftmals mit einem zentralen Ereignis als Anhaltspunkt. Bis auf Kapitel I und IX sind sie durch Unterpunkte zusätzlich untergliedert. Bei einigen Kapiteln steht vor dem ersten Unterpunkt eine kurze Einleitung, die knapp zusammenfasst, was chronologisch gesehen zwischen dem vorherigen und neuen Kapitel geschah, oder parallel zu den bereits dargestellten Prozessen ablief und nun eine Rolle für das kommende Kapitel spielt.8 Längere Kapitel weisen zudem als letzten Unterpunkt eine Zusammenfassung auf, in der die zuvor geschilderten Aspekte nochmal in anderen Worten knapp wiedergegeben und von der Autorin gedeutet werden.9

Nach einer kurzen Einleitung, in der die Autorin die Wahl ihres Dissertationsthemas begründet, indem sie die große Bedeutung der Stadt Erfurt für das mittelalterliche Mitteldeutschland argumentiert, und die zentralen Quellen darlegt,10 folgt das erste Kapitel, „I. Zur Erfurter Bürgergemeinde im 12. Jahrhundert“. Es ist recht kurz gefasst und zeigt die Entwicklung Erfurts von der Ersterwähnung durch Bonifatius bis hin zur Jahrhundertwende des 12./13. Jahrhunderts. In diesem Kapitel werden auch Punkte genannt, warum vom Erfurt des ausgehenden 12. Jhd. bereits von einer „Stadt“ gesprochen werden kann, wobei insbesondere das zugestandene Freizinsrecht entscheidend ist.11 Dieses Freizinsrecht wird für den Rest der Darstellung eine wichtige Rolle spielen und wird deshalb detaillierter erläutert. Am Ende der Einleitung folgt eine Schilderung der Bedingungen, die die Entwicklung Erfurts im 13. Jahrhundert beeinflussen, bevor schließlich das zweite Kapitel, „II. Die Anfänge der bürgerlichen Selbstverwaltung im staufisch-welfischen Thronstreit“ beginnt.

Dieses ist wesentlich länger als das Erste und bereits in Unterpunkte unterteilt. Wie die Kapitelüberschrift bereits verrät, steht hier das Verhältnis der Erfurter zu den Parteien des deutschen Thronstreites im Mittelpunkt und wie die Bürgergemeinde das spannungsreiche Verhältnis nutzt, um sich ein wenig von der Herrschaft des Mainzer Erzbischofs zu lösen. Hier steht vor allem die Ersterwähnung eines Rates 1212 im Mittelpunkt, dessen Herausbildung in unmittelbarem Zusammenhang mit dem staufisch-welfischen Konflikt gestellt wird.12 Ebenso wird die Bedeutung der Stadt für jenen Konflikt vorgehoben, zum Beispiel während des Konfliktes zwischen Luitpold von Scheinfeld und Siegfried von Eppstein, die beide um das Amt des Mainzer Erzbischofs stritten13. Hier schlugen sich die Erfurter auf die Seite der staufischen Partei und somit gegen den päpstlich anerkannten Erzbischof Siegfried II., um sich so ein wenig mehr der Kontrolle des Mainzer Erzbischofs zu entziehen - eine Position, die die Stadt auch nach der Anerkennung Siegfrieds zunächst beibehielt.14 Im Anschluss wird die erste Ratsurkunde genauer untersucht und unter Zuhilfenahme des Freizinsregisters ermittelt, welche Personen zu den erwähnten burgenses gehören und welchen Einfluss sie innerhalb Erfurts hatten.15

Im Kapitel „III. Im Kampf um die Selbstbehauptung: Erfurter Bürger 1233/34“ steht nun ein neues zentrales Ereignis im Mittelpunkt der Darstellung: der Konflikt zwischen Erfurter Bürgern und dem Mainzer Erzbischof um die Heeresfolge beim Feldzug Kaiser Heinrichs VII. und die darauf folgende Reichsacht mit Kirchenbann.16 Davon ausgehend wird die Rolle der Erfurter für den Konflikt zwischen Friedrich II. und Heinrich VII. erläutert17, sowie für die Auseinandersetzungen zwischen Siegfried III. und dem Thüringer Landgraf Heinrich Raspe.18 Wird im Laufe des Kapitels meist die Stadt Erfurt als Ganzes betrachtet, geht Wolf anschließend nochmal genauer auf die innerstädtischen Verhältnisse während dieser Konflikte ein und wie sich diese auf die Entwicklung des Rates auswirkten.19

Das vierte Kapitel trägt zwar den Titel „Zwischen Erzbischof und Kaiser: Erfurts Autonomiestreben 1241-1244“20, behandelt aber die Entwicklung der Bürgergemeinde ab 1234 und die Verlagerung der Machtverhältnisse innerhalb der politischen Elite bis ins Jahr 1248.21 Der im Titel benannte Zeitraum stellt lediglich einen weiteren Konflikt zwischen Kaiser und Erzbischof dar, den die Erfurter erneut für ihr Streben nach Autonomie nutzen.22

Das fünfte Kapitel dreht sich vor allem um die im Titel erwähnte „Reform der Ratsherrschaft 1255“23, die von Wolf laut Rezensentin Ulrike Hohensee „als Wendepunkt für die Stadtverfassung“ betrachtet wird24, da mit ihr 30 weitere Familien Teil der politischen Elite der Stadt wurden. Wolf selbst betrachtet die Einführung der neuen Ratsverfassung als „sichtbarster Ausdruck eines umfassenden städtischen Wandlungsprozesses, der […] eine quasi autonom handelnde Stadtgemeinde hervorbrachte“.25 Anders als der Titel vermuten lässt, wird diese neue Ratsverfassung des Jahres 1255 erst im letzten Abschnitt des Kapitels thematisiert, vorher werden in Zusammenhang mit der Rolle Erfurts im thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg26 sowie dem Verhältnis der Stadt zum Mainzer Erzbischof Christian bzw. seinem Nachfolger Gerhard I. die Bedingungen erläutert, die zu dieser Ratsreform führten.27

Das sechste Kapitel fokussiert sich ausschließlich auf die innerstädtischen Verhältnisse der Jahre 1256-1274, in denen der neu zusammengesetzte Rat an vielen Stellen „in die inneren Angelegenheiten der Stadt, nämlich in Bezug auf Markt und Handel […], die Judengemeinde, die Ansiedlung von Augustiner-Eremiten und das Verhältnis zu den erzbischöflichen Amtleuten“28 einzugreifen versucht, um seine Herrschaft über die Stadt weiter zu festigen. Dieses Eingreifen führt schließlich zum „Konfliktjahr 1275“, das vom siebten Kapitel behandelt wird. Hier rückt der Fokus wieder auf die Außen beziehungen der Stadt und die Beteiligung des immer mächtiger werdenden Erfurter Rates als Territorialmacht an den Konflikten im Umland, wie z.B. der Erfurter Grafenfehde.29

[...]


1.http://www.hsozkult.de/person/beitraeger-8033 (10.09.15)

2. WOLF, Stephanie, Erfurt im 13. Jahrhundert. Städtische Gesellschaft zwischen Mainzer Erzbischof, Adel und Reich, Köln 2005, S. VIII

3. https://katalog.ub.uni-leipzig.de/Author/Home?author=Wolf%2C%20Stephanie (11.09.15)

4. WOLF, Erfurt im 13. Jahrhundert, S. 269 ff

5. Da in der Urkunde nur von einem Erzbischof Siegfried von Mainz die Rede ist, lässt sich erst durch eine Datierung ermitteln, welcher Siegfried gemeint war.

6. WOLF, Erfurt im 13. Jahrhundert, S. 266 ff.

7. vgl. RITZERFELD, Ulrich, Rezension von: . WOLF, Stephanie, Erfurt im 13. Jahrhundert. Städtische Gesellschaft zwischen Mainzer Erzbischof, Adel und Reich, Köln 2005. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte (2008), Heft 63, S. 298

8. Beispiele hierfür u.a. WOLF, Erfurt im 13. Jahrhundert, S. 109, 151

9. Beispiele hierfür u.a. ebenda, S. 81, 148, 256

10. WOLF, Erfurt im 13. Jahrhundert, S. 1-4

11. ebenda, S. 5 ff.

12. ebenda, S. 20: „Dem staufisch-welfischen Thronstreit kommt unbestritten eine wichtige Bedeutung für die Entfaltung bürgergemeindlicher Strukturen zu“

13. ebenda, S. 21

14. ebenda, S. 26. Zum Parteiwechsel der Erfurter weiter ab S. 45

15. ebenda, S. 36-45

16. WOLF, Erfurt im 13. Jahrhundert, S. 52 f.

17. ebenda, S. 54 f.

18. ebenda, S. 68 f. Zur Position des Erzbischofs Siegfried III. innerhalb des Reiches und das Verhältnis zur päpstlichen Kurie genauer S. 61-67

19. ebenda, S. 75-81

20. ebenda, S. 84 f.

21. vgl. hierzu WITTERN, Susanne, Rezension von: WOLF, Stephanie, Erfurt im 13. Jahrhundert. Städtische Gesellschaft zwischen Mainzer Erzbischof, Adel und Reich, Köln 2005. In: Jahrbuch für die Geschichte Ost- und Mitteldeutschlands: Zeitschrift für vergleichende und preußische Landesgeschichte (2009), Heft 55, S. 386

22. WOLF, Erfurt im 13. Jahrhundert, S. 89 f.

23. ebenda, S. 109

24. HOHENSEE, Ulrike, Rezension von: Stephanie Wolf: Erfurt im 13. Jahrhundert. Städtische Gesellschaft zwischen Mainzer Erzbischof, Adel und Reich, Köln 2005. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters (2008), Heft 64, Seite 815 f. Hierzu ebenfalls RITZERFELD, Rezension, S. 299

25. WOLF, Erfurt im 13. Jahrhundert, S. 109

26. ebenda, S. 110 f.

27. ebenda, S. 114 f. bzw. zu Gerhard I. S. 125 f.

28. WITTERN, Rezension, S. 386

29. WOLF, Erfurt im 13. Jahrhundert, S. 175 f.

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668311732
ISBN (Buch)
9783668311749
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338869
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Schlagworte
buchbesprechung erfurt jahrhundert stephanie wolf

Autor

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Titel: Buchbesprechung zu: "Erfurt im 13. Jahrhundert" von Stephanie Wolf