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Diagnostik und Förderung von Schülerleistungen. SELLMO-Test zur Diagnose von Lernschwierigkeiten

Praktikumsbericht / -arbeit 2016 18 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Personenbeschreibung ... 3

2. Diagnoseanlass und Hypothese ... 5

3. Hypothetische Auswahl diagnostischer Methoden ... 6

4. Durchführung des Testverfahrens ... 7


4.1. Einleitung ... 7
4.2. Dokumentation der Testergebnisse ... 7
4.3. Interpretation der Ergebnisse ... 9

5. Fördervorschläge ... 10

6. Reflexion der Fallarbeit ... 11

Anhang:

Protokoll des Erstgesprächs

1. Personenbeschreibung

Bei dem von mir befragten Kind handelt es sich um den 14 Jahre alten Schüler (anonym). Dieser besucht die achte Klasse der Oberschule seines Wohngebietes. An (anonym) fällt zunächst das eher als südländisch zu beschreibende Aussehen auf – schwarzes, glattes Haar, gebräunte Haut, dunkelbraune Augen, etc. Dies, zusammen mit seinem exotischen Vornamen (er trägt den deutschsprachigen Nachnamen seiner Mutter, den ich zu Zwecken der Anonymität nicht erwähne) lässt auf eine migrationsspezifische Herkunft schließen. Während des Gesprächs stellte sich heraus, dass (anonym)s Vater aus Bulgarien stammt und als Gastarbeiter nach Deutschland kam. Die Eltern des Jungen haben sich aber bereits getrennt, als er drei Jahre alt war. Seine Mutter lebt nun mit einem neuen Lebensgefährten zusammen und hat mit diesem auch eine kleine Tochter. Zudem hat (anonym) noch eine weitere jüngere Schwester, die noch vom gemeinsamen Vater ist und einen Halbbruder, den sein Vater mit dessen neuer Lebensgefährtin hat. Seinen Vater, der mittlerweile in Hessen lebt, sieht (anonym) ungefähr einmal im Monat, entweder über ein Wochenende oder in den Schulferien auch länger. (anonym) lebt zusammen mit seiner Mutter, deren Lebensgefährten (den er trotz der fehlenden Ehe als seinen Stiefvater bezeichnet) und den beiden Schwestern in einer kleinen Neubauwohnung, in der er selbst sein eigenes Zimmer besitzt, während die beiden Mädchen sich ein Zimmer teilen. Sowohl seine Mutter als auch ihr Lebensgefährte sind berufstätig – während sein „Stiefvater“ als verkehrspsychologischer Berater im Rahmen der MPU tätig ist arbeitet (anonym)s Mutter als selbstständige Kosmetikberaterin, die, ähnlich wie Pharmareferenten, Kosmetikprodukte für verschiedenen Firmen bewirbt und zu verkaufen versucht. Dabei hat sie bereits mehrere Auszeichnungen für besonders gewinnreiche Monate o.Ä. erhalten, die mir (anonym) bei unserem Gespräch auch stolz präsentierte. Dadurch ist die Familie finanziell gut abgesichert, hat aber selten Geld über, um sich größere Anschaffungen oder einen ausgedehnten Familienurlaub leisten zu können. Taschengeld bekommt (anonym) nur von seiner Uroma, muss dieses jedoch mit der älteren seiner beiden Schwestern teilen.

In der Schule sehen (anonym)s Leistungen eher durchwachsen aus. Während er in den Sprachfächern Deutsch und Englisch sowie in Geschichte im guten 2er-Bereich steht, tendiert er in Mathematik, Physik und Geographie zur 4 oder 5. Seine guten Leistungen in Geschichte begründet er damit, dass er sich sehr für Geschichte interessiert und es ihm dadurch wesentlich mehr Spaß macht, zu lernen. Die schlechten Leistungen wiederum schiebt er in erster Linie auf die Lehrerin, die sowohl Mathematik und Geographie unterrichtet und seiner Meinung nach einen schlechten Unterrichtsstil hat, da sie ständig Arbeiten im Unterricht einsammelt und so keine Möglichkeiten bietet, sich auf die Bewertung von Leistungen vorzubereiten, was laut seiner Aussage von dem Großteil der Klasse kritisiert wird. Zudem hat er Schwierigkeiten im Fach Biologie. Auch hier wird dies in der Unterrichtsweise des Lehrers begründet, der zu sehr auf dieBewertung von mündlicher Arbeit oder Gruppenleistungen (z.B. Protokolle beim Experimentieren) achtet, statt auf das Abfragen von Lernwissen. Jedoch ist (anonym) auch zur Selbstreflexion fähig. So berichtete er mir davon, wie er ein Versuchsprotokoll und eine anzufertigende Klimatabelle nach eigenen Angaben „vermasselt“ hat. Er sagte von sich selbst, dass er eher in sprachlichen Fächern begabt ist, als in solchen, „die mit Köpfchen zu tun haben“. Um seine Leistungen in Mathematik zu verbessern, nahm er Nachhilfeunterricht bei einem Freund von mir (der auch den Kontakt vermittelte) und sah diesen als sehr hilfreich an, da er durch die Nachhilfe viele Rechnungen erstmals verstand und in vielen mathematischen Aufgaben erst den Sinn erkannte, was ihn dann dazu motivierte, sich intensiver damit zu befassen. Was ich sehr interessant fand, war die Tatsache, dass (anonym) in der Schule nur selten Hausaufgaben erteilt bekommt, weil dies seiner Aussage nach an der Schule so nicht üblich ist (abgesehen vom Vorbereiten von Vorträgen, Gedichte lernen oder dem Beenden der Stundenarbeit).

Das Klassenklima ist hierbei vor allem davon geprägt, dass die Klasse ständig eine andere Klassenlehrerin hatte, da diese immer kurz nach ihrem Antritt wegen Schwangerschaft den Posten wieder abgeben mussten. Erst seit der siebten Klasse ist die jetzige Lehrerin mit der Klassenleitung betreut und hat sich mittlerweile etabliert. Vorher gab es jedoch in der Klasse einige Probleme mit Störungen und mangelnder Disziplin, da keine der Lehrerinnen lang genug verantwortlich war, um sich Vertrauen und Autorität in der Klasse aufzubauen. Darüber hinaus gibt es auch in (anonym)s Klasse einige Schüler, die aus verschiedenen Gründen gehänselt werden. (anonym) behauptet von sich selbst, dass er sich darum bemüht, auch mit den „Mobbingopfern“ den Kontakt zu pflegen, gibt jedoch zu, sich nicht immer zu trauen, weil er nicht genauso von seinen Mitschülern gehänselt werden möchte. Dennoch macht er sich Sorgen um die schulische Leistung eines der gehänselten Kinder, da dieses immer schlechtere Leistungen in der Schule erbringt und er ihm eigentlich helfen will, bessere Noten zu bekommen. Generell findet er, dass er mit jedem seiner Mitschüler gut zurecht kommt, allerdings nur mit einigen wenigen wirklich befreundet ist. Jedoch verbringt er hier nur mit seinem engsten Freund viel Zeit nach der Schule, da die anderen weiter von ihm weg wohnen.

Trotz der langen Schultage (in der Regel bis zur achten Stunde) findet (anonym) noch Zeit und Motivation für zahlreiche Aktivitäten sowohl an der Schule als auch außerhalb. An seiner Schule ist er als „Chef“ der sogenannten „Schülerfirma“ tätig. Diese ist für den Kiosk der Schule zuständig und versorgt die Kinder mit Essen und Getränken in den Pausen. Darüber hinaus nimmt er mit seiner Klasse an einem Projekt teil, das sich im Rahmen eines Schüleraustauschs mit der Kultur eines fremden Landes beschäftigt und unter Aufsicht des Lehrers einen Ausflug der Klasse vorbereitet und Anträge an geldgebende Verbände ausarbeitet. Auch außerhalb der Schule ist (anonym) sehr aktiv: er ist Mitglied in einem Tischtennis-Verein und trifft sich mit Freunden für andere sportliche Aktivitäten, wie z.B. Fussball spielen oder Kanu fahren. Neben den sportlichen Aktivitäten nutzt (anonym) als „Spieletester“ die Angebote der Computerspielschule Leipzig, wo er einbis zwei Mal die Woche für wenige Stunden aktuelle Computerspiele spielen kann. Die meisten dieser Aktivitäten betreibt er zusammen mit seinem besten Freund, der im Haus nebenan wohnt. Dieser Freund dient für (anonym) auch als eine Art Vorbild, da er immer sehr gute Leistungen in der Schule erbringt und (anonym) auch das eine oder andere Mal in der Schule hilft.

Im Gegensatz zu vielen Jugendlichen in seinem Alter besitzt (anonym) kein Handy (seine Mutter ist davon überzeugt, er brauche so etwas auch nicht) und lediglich einen veralteten Computer, den er nutzt, um für die Schule zu recherchieren oder mit seinem Vater über Skype zu telefonieren. Stattdessen liest er sehr gern und trifft sich persönlich mit seinen Freunden, statt mit ihnen über WhatsApp, Facebook oder dergleichen zu kommunizieren.

Bei seiner Zukunftsperspektive ist (anonym) noch recht unentschlossen. Er würde am liebsten einen Beruf in der Gastronomie ausüben, am ehesten in der Hotel-Branche, weiß aber auch, dass dieses Berufsfeld besonders anstrengend ist. Alternativ könnte er sich eine Tätigkeit im Informatikbereich vorstellen, zum Beispiel als Programmierer. Jedoch wird er in dieser Hinsicht davon abgeschreckt, dass ein Beruf als Informatiker auch gute Leistungen in Mathematik und Physik benötigt, wodurch ihm seine Leistungen in den Fächern noch größere Sorgen bereiten. Und erst im Berufsleben möchte er sich mit Mädchen beschäftigen - zur Zeit habe er noch keinerlei Interesse am anderen Geschlecht, erst wenn er einen ssicheren Beruf hat, könne er sich auch für eine Freundin oder Ehefrau begeistern.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668284661
ISBN (Buch)
9783668284678
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338872
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
diagnostik förderung schülerleistungen sellmo-test diagnose lernschwierigkeiten

Autor

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Titel: Diagnostik und Förderung von Schülerleistungen. SELLMO-Test zur Diagnose von Lernschwierigkeiten