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Kommunikation in Kontaktanzeigen. Linguistische Textanalyse

Hausarbeit 2015 17 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

A: Theoretischer Teil

2. Textsorte und Textsortenbestimmung

3. Textsortendifferenzierung nach Brinker

4. Textsorte Kontaktanzeige
4.1 Struktur von Kontaktanzeigen
4.2 Funktion von Kontaktanzeigen

B: Empirischer Teil

5. Analyse von Kontaktanzeigen nach Brinker
5.1 Kontaktanzeige 1
5.2 Kontaktanzeige 2
5.3 Zusammenfassung

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungen

1. Einleitung

Kontaktanzeigen stehen nicht für die übliche Kommunikation, aber auch hier findet eine Art Dialog statt. Eine Person beschreibt sich selbst und versucht, bestimmte Personen anzusprechen. Kontaktanzeigen sind häufig Untersuchungsgegenstand auf etwaigen wissenschaftlichen Disziplinen. Es wird der Wandel von Rollen und Werten untersucht auf der soziologischen Ebene, nicht minder werden die Geschlechtsstereotypen und die Partnerwahl analysiert. Auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht stellen Heirats- und Kontaktanzeigen einen interessanten Untersuchungsgegenstand dar und werden als Exemplare einer Textsorte analysiert und beschrieben.

Diese Seminararbeit untersucht die Kontaktanzeigen und versucht zwei spezielle aus den Printmedien zu analysieren, um so Gemeinsamkeiten und Eigenschaften darzulegen. Sie gliedert sich in eienn theoretischen Teil, indem die Theorien von Gansel, Riemann und Brinker aufgezeigt werden, und einem empirischen Teil, indem zwei spezielle Kontaktanzeigen auf dieser Basis analysiert werden können. Dabei wird zuerst eine Bestimmung der Textsorte vollzogen, indem zu klären ist, was ein Text zum Text macht. Ferner wird speziell auf die Textsortendifferenzierung von Brinker eingegangen und diese theoretisch erläutert, um später eine Analyse dieser Grundlage durchführen zu können. In einem weiteren Kapitel wird der Begriff Kontaktanzeige näher definiert und welche Strukturen und Funktion sie hat. Desweiteren folgt eine Analyse anhand zwei selbst ausgewählter Kontaktanzeigen. Es wurde bewusst auf diese Zurückgegriffen, da diese nicht typisch sind.

Zur Analyse von Kontaktanzeigen gibt es ausreichend Literatur, speziell auch für die Thematik der Textsortenanalyse. Basis bilden hier die Werke von Gansel/ Jürgens, Riemann und Klaus Brinker. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung und einer Auswertung der Analysen.

A: Theoretischer Teil

2. Textsorte und Textsortenbestimmung

Beschäftigt man sich mit dem Begriff ‚Textsorte‘, so erfordert es zu klären, was und wann ein Text ein Text ist. Hierzu gibt es zahlreiche Forschungen auf sprachwissenschaftlicher und linguistischer Untersuchung. Ein Text ist nicht nur eine Aneinanderreihung inhaltlich aufeinander bezogener Sätze, da ein ÄText“ eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert bezeichnet.1 In der Textlinguistik werden diese Bedingungen, die einen Text zu einem Text machen, als Textualität bezeichnet. Dennoch ist jeder Text auch ein Repräsentant einer bestimmten Textsorte.

Es erfordert eine Einordnung in bestimmte Systeme, um Texte miteinander zu vergleichen, zu beschreiben oder zu charakterisieren. Texte lassen sich mit Hilfe von Textsorten klassifizieren. Diese Klassifikation ruht auf der Verbindung der Funktionalität und Situativität bestimmter kommunikativer Handlungen und ihrer sprachlichen Muster. In der Textlinguistik werden Texte miteinander verglichen, um gemeinsame Merkmale in einer Textsorte zusammenzufassen. Ferner ist es wichtig, dass der Produzent sowie der Rezipient über ein gemeinsames Wissen von Textsorten haben, um eine genaue Zuordnung zu bekommen. Margot und Wolfgang Heinemann definieren die Textsorte Äals ein kognitives Phänomen, als ein auf einer bestimmten Menge von übereinstimmenden Merkmalen basierender Operator für […]“2 Zuordnungsoperationen der Individuen.

Außerdem meint Gansel, dass Textsorten menschliches Handeln im Allgemeinen reflektieren und ihre Ausprägung in Kommunikationsbereichen erfahren.3 Desweiteren nehmen Gansel / Jürgens an, dass es nicht ausreicht, textinterne Merkmale für die Bestimmung von Textsorten heranzuziehen; "...[v]ielmehr ist die Ermittlung der Kommunikationsbereiche und ihrer funktionalen Ausdifferenzierung in gesellschaftlichen Systemen erforderlich."4

Für die Textklassifikation spielt der Kommunikationsbereich somit eine große Rolle. Ferner beschreibt Linke, dass Textsorten Gruppen von Texten sind, die sich durch bestimmte Bündel von Merkmalen auszeichnen.5 Textsorten werden noch differenziert in Textklassen.

Textklasse wird definiert Äals das Vorkommen einer Menge von Texten in einem abgegrenzten, durch situativ-funktionale und soziale Merkmale definierten kommunikativen Bereich, in dem sich Textsorten ausdifferenzieren. Textsorten sind nicht nur durch den Kommunikationsbereich determiniert, sie konstituieren ihn gleichfalls.“6

Somit ließe sich die Kontaktanzeige in die Klasse der Medientexte einordnen, die dagegen in die Textordnungen Journalismus, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit unterteilt werden kann. Die Kontaktanzeige zählt zum Journalismus. Eine weitere Ebene ist die der Textfamilie. Die Kontaktanzeige zählt hier zum Anzeigentext. Man kann bereits erste Schlüsse über Form und Funktion von Kontaktanzeigen erkennen, indem man sich die ersten augenscheinlichen Merkmale ansieht. Die Klasse der Medientexte beinhalten nicht allzu viele wissenschaftliche Formulierungen, also sind die Inserate mit höchster Wahrscheinlichkeit in der Umgangssprache verfasst. Ferner haben Anzeigentexte gewisse Formulierungen, die positive Selbstdarstellungen erwägen und möglicherweise auch werbenden Charakter enthalten.

3. Textsortendifferenzierung nach Brinker

Für die Untersuchung einer Textsorte gelten bei Brinker drei Hauptkriterien:

1. Textfunktion
2. Kontextuelle Kriterien
3. Strukturelle Kriterien

Die Textfunktion ist die Kommunikationsabsicht des Emittenten.7 Die Texte teilt er in fünf Klassen. Die erste Klasse ist die Klasse der ÄInformationstexte“, die zweite stellt die ÄAppelltexte“, die dritte ÄObligationstexte“, die vierte ÄKontakttexte“ und die fünfte die ÄDeklarationstexte“ dar.8 Ferner ist jeder Text an einem bestimmten Kontext und an einer Situation gebunden. Ein „Kontext“ beschreibt alle Elemente in einer Kommunikationssituation, die hilfreich zur Interpretation von Äußerungen herangezogen werden. Laut Auer gibt es drei verschiedene Elemente: Äsozial(...), situativ(...) [oder] sequentiell(...)“.9 ÄUnter Kontextualisierung wollen wir all jene Verfahren verstehen, mittels derer die Teilnehmer an einer Interaktion für Äußerungen Kontext konstituieren.“10

Kontext und Situation beeinflussen die Struktur. Brinker unterteilt die kontextuellen Kriterien in zwei weitere Gruppen und verwendet für sie die Termini ÄKommunikationsform“ und ÄHandlungsbereich“11 Die Kommunikationsform ist das verwendete Medium der Kommunikation, also zum Beispiel Telefongespräch, Email, SMS, Brief. Die Handlungsbereiche teilt Brinker auf den privaten und den öffentlichen Bereich, indem er zwischen öffentlicher und offizieller Situation unterscheidet. In dem privaten Bereich, wie der Name schon sagt, treten die Kommunikationspartner als Privatpersonen auf, somit gelten keine verbindlichen Regeln bei der Kommunikation. In dem offiziellen Bereich erscheinen die Kommunizierenden in einer öffentlichen Funktion (Beamter, Geschäftspartner usw.), hier herrschen hohe Regeln der Verbindlichkeit.

[...]


1 Vgl. Brinker, Klaus (62005): Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. Berlin. (Grundlagen der Germanistik; Bd. 29), S. 138.

2 Vgl. Margot Heinemann/ Wolfgang Heinemann (2002): Grundlagen der Textlinguistik. Tübingen, S. 129.

3 Vgl. Gansel, Christina/ Jürgens, Frank (²2007): Textlinguistik und Textgrammatik. Eine Einführung. Göttingen, S. 69.

4 Gansel, Christina/ Jürgens, Frank 2007, S. 57.

5 Vgl. Linke, Angelika/ Nussbaumer, Markus/ Portmann, Paul R. (52004): Studienbuch Linguistik. Ergänzt um einen Kapitel Phonetik/ Phonologie von Urs Willi. Tübingen (RGL), S. 278.

6 Linke, Angelika 2004, S. 70.

7 Vgl. Brinker, Klaus (41997): Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. Berlin. (Grundlagen der Germanistik; Bd. 29), S. 93.

8 Vgl. Brinker, Klaus 1997, S. 133.

9 Auer, Peter (1986): Kontextualisierungsverfahren. In: Studium Linguistik 19, S. 22

10 Auer, Peter 1986, S. 24.

11 Vgl. Brinker, Klaus 1997, 134.

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668287365
ISBN (Buch)
9783668287372
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339206
Note
Schlagworte
Linguistik Kontaktanzeigen Kommunikation Textsorte Printmedien

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Titel: Kommunikation in Kontaktanzeigen. Linguistische Textanalyse