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Gibt es eine allgemeingültige Definition des Bildungsbegriffs?

Hausarbeit 2014 13 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

3. Darstellung der Definitionen
3.1. „Bildung“ aus pädagogischer Sichtweise
3.2. „Bildung“ aus soziologischer Sichtweise
3.3. „Bildung“ aus psychologischer Sichtweise

4.Analytischer Teil
4.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
4.1.1. Vergleich unter dem Aspekt „Einfluss“
4.1.2.Vergleich unter dem Aspekt „Voraussetzungen“
4.1.3.Vergleich unter dem Aspekt „Ziele/ Ergebnisse“
4.1.4. Vergleich unter dem Aspekt „geschichtlicher Kontext“
4.2. Minimal- Konsens
4.3. Diskussion über die Frage: „Gibt es eine allgemeine Definition?“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Bildungsbegriff ist allgegenwärtig, er ist nicht nur einer der Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft, sondern auch in vielen anderen Disziplinen vertreten und gehört zur Alltagssprache der Deutschen. Nicht nur deswegen ist er so interessant, sondern auch, weil es seit Jahrhunderten verschiedene kontroverse Bildungstheorien gibt.

In dieser Arbeit wird unter der Fragestellung „Gibt es eine allgemein gültige Definition des Bildungsbegriffs?“ geforscht, was „Bildung“ überhaupt bedeutet bzw. welche Faktoren beim Definieren eine Rolle spielen.

Hierfür wird die Begriffsentstehung knapp umrissen, um die Wandlung des Begriffs deutlich zu machen. Des Weiteren werden verschiedene Lexikon- bzw. Wörterbuchartikel aus pädagogischer, soziologischer und psychologischer Sichtweise dargestellt und unter verschiedenen Schwerpunkten miteinander verglichen. Hierfür werden pro Disziplin mehrere Quellen benutzt, da in ihnen verschiedene wichtige Aspekte zu finden sind. Dabei ist zu beachten, dass nur in wenigen soziologischen und psychologischen Wörterbüchern eine Definition von Bildung zu finden war und diese meist knapp sind. Anschließend folgt eine Diskussion über die oben genannte Frage.

Bei dem Bildungsbegriff ist es schwierig, sich nur auf eine Worterklärung zu beschränken, da hierbei interessante Aspekte wie den Zusammenhang von Bildung und sozialer Ungleichheit nicht berücksichtigt werden können, was vor allem in den letzten Jahren ein wichtiges Thema geworden ist.

2. Historischer Kontext

Der Anfang des Bildungsdenkens führt bis in die Antike zu Platon und Isokrates zurück. Für Isokrates war jemand gebildet, der „Urteilskraft in den wesentlichen Dingen des praktischen Lebens, angenehme und gute Umgangsformen und Selbstbeherrschung sowie Bescheidenheit besitzt.“[1]

Das erste Mal wörtlich die Rede von Bildung war allerdings erst im 14. Jahrhundert. Dort bezog er sich, aufgrund der Verwandtschaft mit dem Wort „Bild“, vorerst auf die äußere Erscheinung des Menschen. In dem Zusammenhang war der Begriff theologisch geprägt, da er von dem Mystiker Meister Eckhart in Verbindung mit einer Bibelstelle, die sich auf die Gottesebenbildlichkeit bezieht, gebracht wurde.[2]

Aus historischer Sicht ist der Begriff der Bildung auch als „Reaktion auf den Erziehungsbegriff [zu] verstehen“.[3] Der Bildungsbegriff aber, bezieht sich, hingegen zu dem Begriff der Erziehung, auf den, der sich bildet, also auf den „Vorgang des Sich-Bildens bzw. der Selbstbildung“ und nicht auf den Vorgang von anderen erzogen/gebildet zu werden. Bildung wirkt sich also von innen, Erzie­hung von außen aus.[4]

3. Darstellung der Definitionen

3.1. „Bildung“ aus pädagogischer Sichtweise

In der Pädagogik wird darauf Wert gelegt, dass man die Entstehung des Bildungsbegriffs kennt.[5] Denn alte Bedeutungen wie „Schöpfung, Gestaltung, Verfertigung, Verfeinerung und Bildnis“ sind auch heute noch im übertragenen Sinne erhalten geblieben.[6] Auch wenn schon in der Antike von dem Begriff die Rede war, wurde er erst im 18.Jh. in die pädagogische Fachsprache übernommen. Dort wurde er zuerst mit Entwicklung verbunden und ließ sich mit Heraus­bildung übersetzen.[7]

Bei einer Begriffsdefinition spielt auch die Aufklärungsbewegung und die „Emanzipation“ von Kirche und Staat eine Rolle. Der Mensch, der von Natur aus „Vernunft“ besitzt, sei zur Freiheit, „Mündigkeit“ bzw. zum Selbstdenken aufgerufen, wodurch man Bildung erwirbt.[8]

Einen großen Einfluss übt außerdem die Bildungstheorie von W. von Humboldt auf die heutige Bedeutung aus. So verknüpfte er Bildung mit der Erfüllung der menschlichen Bestimmung und der „Entfaltung der menschlichen Kräfte“.[9] Der Zweck des Menschen sei „die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.“[10] Der Mensch solle somit seine Fähigkeiten so gut und so gleichmäßig wie möglich ausbilden und miteinander verbinden.

Der Bildungsbegriff bezieht sich auch auf die Beziehung zwischen Mensch und Welt. So z.B. legen die Erziehungswissenschaftler M. Horkheimer und W. Klafki Wert darauf, dass der Mensch die Möglichkeit haben soll, die Gesellschaft mitbestimmen zu können. W. Klafki definiert Bildung als Fähigkeit zur „Selbstbestimmung“, „Mitbestimmung“ und „Solidarität“. Solidarität meint hierbei Verantwortung gegenüber anderen zu übernehmen.[11]

Auch die Pädagogen T. Litt und H. Weinstock haben den Bildungsbegriff, in Verbindung mit Arbeit, Technik und Politik, neu definiert. Als „entscheidendes Moment“ von Bil­dung sehen sie die „Auseinandersetzung mit dem Anderen und Fremden, das Aushalten von Widersprüchen und das Ertragen von Spannungen und Antinomien“.[12]

Bildung wird oft mit Schule in Verbindung gebracht, aber sie darf nicht nur auf schulische Leistungen reduziert werden, da Bildung im ganzen Leben erweitert, bzw. erworben wird.[13] Wobei Bildung immer auch „Ausbildung“ sei und als solche „ein organisierter Prozeß“. Hierbei sei Bildung zwar ein „Angebot von außen“, aber nur vom Mensch selbst zu verwirklichen.[14]

Außerdem habe nicht jeder hat die gleichen Voraussetzungen für den Bildungserwerb, sondern „je umfassender, gründlicher und lebendiger die geistigen, seelischen und körperlichen Kräfte des Einzelnen dafür entwickelt werden“, desto größer sei die Chance auf Bildung. Entscheidend dabei ist aber, dass Bildung auch von äußeren Umständen wie „materiellen Voraussetzungen“ und „sozialpsychologische[n] Bedingungen“ abhängig sei.[15]

3.2. „Bildung“ aus soziologischer Sichtweise

In der Soziologie wird der Bildungsbegriff ohne Einfluss des historischen Hintergrunds verwendet. Er sei so „neutraler“ als in der Pädagogik.[16]

Voraussetzung um Bildung zu erwerben, sei die vorhandene „Bildungsfähigkeit und Bildungs­bedürftigkeit“ des Menschen.[17] Vor allem Bildungseinrichtungen, die „Lern- und Sozialisationsprozesse“ ermöglichen, seien Orte, an denen Bildung erworben wird.[18] In diesem Zusammenhang bezeichnet der Begriff „die Entwicklung des Kindes und Jugendlichen zu individueller Handlungsfähigkeit und zu sozialer Kompetenz“.[19] In Verbindung dazu versteht man unter Bildung auch die Fähigkeit, Kenntnisse, die vor allem durch schulische „Sozialisation“ erlangt werden, „zu reproduzieren“.[20]

Außerdem sei „Bildung“ ein Prozess und gleichzeitig das Ergebnis „der Mit­teilung und Entwicklung von Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wert­haltungen, Gefühlen, Einstellungen usw.“ Das Produkt dessen ist die Persönlichkeit des Menschen, die erst durch diesen Prozess entsteht.[21] Dies geschieht „indem er in Auseinandersetzungen mit den […] materiellen, geistigen, und kulturellen Angeboten seiner Umwelt zu einer bestimmten strukturell-existentiellen Verfassung seines Wertens, Wollens, Wissens und Fühlens gelangt.“[22] Hierzu gehört auch, dass der Mensch kritisch gegenüber herrschenden Meinungen wird und Widersprüche akzeptiert.[23] Da diese Meinungs bildung meist durch die soziale Umwelt geprägt ist, „sind Prozesse, Ergebnisse und Substanzen von Bildung auch bevorzugter Gegenstand der Soziologie“.[24]

[...]


[1] Groothoff, Hermann: [Art.] „Bildung“. In: Ders. (Hrsg.): Pädagogik. Frankfurt am Main und Hamburg 1964, S. 35.

[2] Koller, Hans- Christoph: Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft. 2. Auflage Stuttgart 2004, S. 73.

[3] Vgl. Koller 2004, S. 71, Zusatz v. L. Römer

[4] Koller 2004, S. 71.

[5] Vgl. Einleitung

[6] Vgl. Schaub, Horst/ Zenke, Karl G.: [Art.] „Bildung“. In: Dies. (Hrsg.): Wörtebuch Pädagogik. Grundlegend überarb. aktualisierte und erw. Neuausg. München 2007, S. 100.

[7] Vgl. Schaub/Zenke 2007, S. 100.

[8] Vgl. Schaub/Zenke 2007, S. 100.

[9] Koller 2004, S. 75.

[10] Koller 2004, S. 75, zit. n. von Humboldt.

[11] Koller 2004, S.105-106.

[12] Böhm, Winfried: [Art.] „Bildung“. In: Ders. (Hrsg.): Wörterbuch der Pädagogik. 15., überarb. Aufl. Stuttgart 2000, S. 76.

[13] Vgl. Andresen, Sabine: Bildung. In: Andresen, Sabine/Casale,Rita/Gabriel, Thomas/Horlacher, Rebekka/Larcher Klee, Sabina/Oelkers, Jürgen: Handwörterbuch Erziehungswissenschaft. Weinheim und Basel 2009, S. 77.

[14] Vgl. Groothoff 1964, S. 36.

[15] Vgl. Andresen 2009, S. 77, grammatikalische Anpassung von L. Römer.

[16] Vgl. Fuchs- Heinritz, Werner[Art.] „Bildung“. In: Fuchs-Heinritz, Wener/Klinke, Daniela/Lautmann, Rüdiger/Rammstedt, Otthein/Stäheli, Urs/Weischer, Christoph/Wienold, Hanns (Hrsg.): Lexikon zur Soziologie. 5., überarb. Aufl. Wiesbaden 2011, S. 99.

[17] Hillmann, Karl- Heinz: [Art.] „Bildung“. In: Ders. (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. 5.,vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage Stuttgart 2007, S. 101.

[18] Vgl. Fuchs- Heinritz 2011, S. 99.

[19] Fuchs- Heinritz 2011, S. 99.

[20] Vgl. Lamnek, Siegfried: [Art.] „Bildung“. In: Reinhold, Gerd (Hrsg.): Soziologie- Lexikon. 3., überarb. und erw. Aufl. München, Wien und Oldenbourg 1997, S. 63.

[21] Vgl. Hillmann 2007, S. 101.

[22] Hillmann 2007, S. 101, Auslassung v. L. Römer.

[23] Vgl. Lamnek 1997, S. 64.

[24] Lamnek 1997, S. 64.

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668288379
ISBN (Buch)
9783668288386
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339247
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Schlagworte
gibt definition bildungsbegriffs

Autor

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