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Napoleon Bonaparte und das Ende der Französischen Revolution

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 20 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Werdegang Napoleons: von Korsika nach Paris

2. Der Brumaire
a) Die Brumairianer
b) Motive für den Staatsstreich
c) Ein Plan und seine Durchführung

3. Das Konsulat
a) Die Verfassung des Jahres VIII
b) Das Reformwerk
c) Das Konkordat
d) Gegner im Inneren und Äußeren
e) Das Konsulat auf Lebenszeit

4. Das Kaiserreich
a) Die Verschwörung des Jahres XII und ihr politischer Nutzen
b) Der Kaiser der Franzosen
c) Die Eroberung Europas
d) Der Untergang

Fazit

Literatur

Einleitung

Die Regierungszeit Napoleon Bonapartes, die insgesamt knapp 16 Jahre französischer und europäischer Geschichte umspannte, kann auf unterschiedliche Weise interpretiert werden. Sie wird im allgemeinen zwischen zwei Blöcken der Geschichte liegend gesehen: der Französischen Revolution und der Restauration. Daraus könnte man auf den ersten Blick meinen, dass Napoleons Regime weder der Republik noch der wiederhergestellten Monarchie ähnele. Und tatsächlich entfernte sich sowohl die bürgerliche als auch die hochadelige Gesellschaft Frankreichs und Europas immer mehr vom französischen Kaiser, der sich und seiner Familie fast ganz Europa zur Herrschaft übergab und aus Europa ein ganz neues Staatengefüge formte, so dass in Deutschland sogar 1806 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu seinem Existenzende kam.

Napoleon sagte in einer Erklärung vom 15. Dezember 1799, also zu Beginn seiner Herrschaft: „Bürger, die Revolution hält an den Grundsätzen fest, die an ihrem Beginn standen. Sie ist beendet.“[1] Diese programmatische Ansage provoziert zwei Fragen: 1. Welches waren die Prinzipien, an die die Revolution gebunden war? und 2. Ist sie nun nach der dauerhaften Erfüllung dieser Prinzipen wirklich beendet? Es muss also feste Ziele gegeben haben, die erreicht worden sind. Waren das die Ziele der Ideologen, der Bürger, der Bauern, der Arbeiter, der gemäßigten Royalisten? Oder war das Ziel der Revolution einfach nur ein (manchmal vielleicht diffuses, nicht klar bestimmbares) Gefühl, dass sich die individuellen Lebensumstände bessern? Ein wichtiger Index der revolutionären Ziele war die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789, zu denen Freiheit und Gleichheit, Souveränität der Nation, freie Meinungsäußerung und Schutz des Eigentums gehörten.[2]

Die Aussage Napoleons, wenn man sie auf seine Person bezieht, wie es ja in der Fragestellung „Hat Napoleon die Revolution beendet?“ schon begründet liegt, führt zu einem neuen Problem. Man kann schwerlich sagen, dass eine einzelne Person eine Revolution, also einen Volks(!)aufstand, zu ihrem Ende führen kann. Sie kann höchstens als Leit- oder Führungsfigur Wege beschreiten, auf denen ihr das gesamte Volk nachfolgt. Mit der Erklärung zur beendeten Revolution wurde Napoleon zu ihrem Symbol. Aber nur wenn der allgemeine Frieden innerhalb einer Gesellschaft wiederhergestellt ist, kann man von einem Abschluss sprechen.

Zuerst soll gefragt werden, wer dieser Napoleon Bonaparte war, woher er kam und wie er in das höchste Amt des Staates gelangte. Danach werde ich kurz einen Blick werfen auf die Französische Revolution in ihrer Endphase und auf die Kräfte, die den Aufstieg des korsischen Generals zum Ersten Konsul der Republik beförderten. Ein dritter Themenblock wird sich mit der Konsulatszeit und dem französischen Kaiserreich beschäftigen.

Napoleon Bonaparte und das französische Kaiserreich sind vielbehandelte Themen nicht nur der akademischen Geschichtsschreibung. Die Schriften von Jean Tulard sind unerlässlich für den hier behandelten Themenkomplex, auch Georges Lefebvres Biographie von 1935 bietet immer noch eine exzellente Darstellung dieser widersprüchlichen Epoche. Ausführliche Einblicke in die Entstehung der Herrschaft Bonapartes geben Giesselmann und Wolloch, die Zusammensetzung und Motive der Brumairianer untersucht haben.

1. Werdegang Napoleons: von Korsika nach Paris

Napoleon Bonaparte wird als Sohn von Letizia und Charles Buonaparte am 15. August 1769 in Ajaccio auf der Insel Korsika geboren. Die Familie stammte ursprünglich aus Norditalien und im 17. und 18. Jahrhundert finden sich mehrere Mitglieder der Familie im Rat der Alten von Ajaccio. Nach der französischen Annexion der Insel im Vertrag von Versailles vom 15. Mai 1768 schloss sich Charles Buonaparte der französischen Partei an, wohl mehr aus existenziellen denn aus ideologischen Gründen; seine Ehe mit Letizia brachte zwölf Kinder hervor, von denen acht überlebten. Der Vater, Charles, wurde Anwalt im Conseil supérieur vom Korsika und 1777 Abgeordneter des Adels. Auf Reisen nach Versailles, auf die er seine zwei ältesten Söhne, Joseph und Napoleon, mitnahm, wurden ihm für diese Schulplätze in Frankreich vermittelt. Napoleon, der jüngere, sollte die Militärlaufbahn einschlagen und wurde auf entsprechende Schulen in Brienne (1799-84) und Paris geschickt. Diese Ausbildungszeit war für Napoleon keine leichte: die Integration fiel ihm schwer, er fühlte sich als Außenseiter. Nach seiner Ausbildungszeit diente er als Sekondeleutnant im Artillerieregiment La Fère in Valence, verbrachte aber viele Urlaubsmonate in der Heimat Korsika, um dort zusammen mit seinem Bruder Joseph zu versuchen, dem Clan der Buonapartes mehr Einfluss zu verschaffen. Es ist bezeugt, dass er in dieser Zeit während seines Garnisonlebens viel las. Überhaupt war der junge Bonaparte durchaus intelligent, im Selbststudium beschäftigte er sich mit Geographie, Geschichte, Politik und Wirtschaft.

Der Ausbruch der Revolution veränderte auch in Korsika die Machtverhältnisse und die Familie Buonaparte musste nach erfolglosen Versuchen, an der Macht teilzuhaben, auf das französische Festland emigrieren. Als Haupternährer der Familie (sein Vater war im Jahr 1785 verstorben) nahm Napoleon wieder ohne Unterbrechungen an den Kampfhandlungen der jungen Republik teil. Ein Plan zur Befreiung von Toulon von englischen Truppen brachte ihm die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten. Diese konnten junge, gut ausgebildete und ideologisch unbelastete Militärs gut gebrauchen Überhaupt gehörte das Militär zu den Gewinnern der Revolution, denn zum ersten Mal konnten auch die Nichtadligen Offizierskarieren absolvieren[3]. Napoleon wurde nach dem Erfolg seiner Taktik (nach der Kapitulation Toulons am 20. Dezember 1793) zum Brigadegeneral ernannt, auf Vorschlag des jüngeren Bruders von Maximilien Robespierre, dem Kommissar Augustin Robespierre. Diese Verbindung sollte ihm bald darauf, nach dem Sturz der Jakobiner am 9. Thermidor (27. Juli 1794) eine zehntägige Gefangennahme einbringen. Da aber keiner der gegen ihn vorgebrachten Anklagepunkte bestätigt werden konnte, wurde er wieder freigelassen. Spätestens jetzt musste dem 25jährigen Brigadegeneral Bonaparte klar sein, wie leicht man sich durch die Wahl eines politischen Lagers im revolutionären Frankreich kompromittieren konnte.

Für das Direktorium, das mit der Verfassung des Jahres III als neues Regime eingesetzt wurde, schlug Napoleon unter dem Kommando von Barras einen royalistischen Aufstand in Paris am 13. Vendémiaire (5. Oktober 1795) nieder. Unter dem Patronat von Barras, einem der fünf Direktoren, wurde der „General Vendémiaire“ zum General der Armee des Innern und später, am 2. März 1796 zum Oberbefehlshaber der Armee in Italien ernannt. Ein paar Tage später heiratete er Josephine de Beauharnais, eine Mätresse von Barras. An einer Liebesheirat soll nicht gezweifelt werden, jedoch bleibt es Fakt, dass er mit dieser Heirat auch die Bindung an die Partei, die Frankreich beherrschte, festigte.[4]

1796 und 1797 errang Napoleon in schneller Folge Siege in Italien und wurde dadurch zu einer politischen Kraft. Er verfügte über eine Armee, beachtliche Kriegsbeute, Zeitungen, und führte schließlich eigenmächtig Friedensverhandlungen mit Österreich, die im Friedensvertrag von Campo Formio am 17. Oktober 1797 abgeschlossen wurden. Das Volk war begeistert, aber Napoleon hielt sich nach seiner Rückkehr nach Paris politisch bedeckt. Das Direktorium wollte nach dem Friedensschluss mit Österreich nun gegen England vorgehen. Am 19. Mai 1798 schiffte sich Napoleon mit 30.000 Mann nach Ägypten ein; ein Wahnsinnsplan, England in einem vom französischen Einfluss weit entfernten, wenig bekannten Gebiet einen entscheidenden Treffer versetzen zu wollen. Der Plan ging letztendlich auch schief, für Napoleon entpuppte sich die weite Entfernung vom politischen Zentrum Paris als Nachteil, und so kehrte er am 16. Oktober 1799 ohne den Befehl zur Rückkehr erhalten zu haben nach Paris zurück. Seiner Popularität hat die Ägypten-Expedition aber keinen Abbruch getan, denn sie scheiterte vollends erst nach seiner Abreise. Nach seiner Ankunft in Paris verband sich das Schicksal Bonapartes mit dem von ganz Frankreich.

2. Der Brumaire

a) Die Brumairianer

Der erfolgreiche General Bonaparte wurde schon bald nach seiner Rückkehr von einer Gruppe kontaktiert, die unzufrieden mit der damaligen Staatsführung des Direktoriums war. W. Giesselmann kennzeichnet diese Gruppe der „Brumairianer“ (benannt nach dem Monat des Staatsstreiches im Revolutionskalender) mit „gemeinsamen Grundhaltungen wie ,Konservatismus’, Haltung der Mitte, Mäßigung und Neigung zu Wandel und Anpassung, aber auch in politischen Mitteln und Methoden, deren Wahl recht opportunistisch und skrupellos gewesen ist“.[5] Die Gruppe, die, wie Giesselmann zeigt, eine Basis von ca. 500 Männern hatte, stammte zu 70% aus der politischen Elite des direktorialen Systems[6]. Die einflussreichsten Männer waren die Minister Talleyrand, François-Neufchâteau, Duval und Lambrechts sowie die zum Zeitpunkt des Staatstreiches noch amtierenden Direktoren Sieyès, Roger Ducos, der Polizeiminister Fouché und der Justizminister Cambacérès. Auch Napoleons Brüder Joseph und Lucien, letzterer war im Oktober 1799 zum Präsidenten des Rates der 500 gewählt worden, schlossen sich der Verschwörergruppe an.

Nach der Direktorialverfassung war eine Revision derselben erst nach Ablauf von mindestens neun Jahren möglich.[7] Um ihren „parlamentarischen Gewaltstreich[8], wie er von Sieyès geplant wurde, erfolgreich zu gestalten, mussten sich die Brumairianer mit einem führungsstarken Armeegeneral verbinden. Bonaparte war nicht die erste Wahl von Sieyès, der nach einem Schwert suchte, das seinem Staatsstreich die nötige Machtbasis gab. Aber die anderen vier Generäle, die vor Bonaparte auf Sieyès’ Wunschliste standen (Joubert, Jourdan, Moreau, Bernadotte), waren entweder tot, politisch inkompatibel oder zu zaghaft.

b) Motive für den Staatsstreich

Von einer neuen Regierung erhoffte man sich eine Sicherung der innenpolitischen Lage gegen Aufstände von royalistischer und jakobinischer Seite sowie auch eine Sicherung nach außen, das hieß die Sicherung der natürlichen Grenzen Frankreichs vor ausländischen Invasionen, wie sie zu Zeiten der Ersten Koalition 1792/1793 die Republik bedroht hatten. Außerdem erstrebte die konservative Bourgeoisie „ein Regime mit einer stärkeren Exekutive, das sich Respekt verschaffen und einen Schlussstrich unter die Revolution ziehen würde[9], d.h. Festigung und Ausbau der erzielten materiellen und politischen Errungenschaften. Der Verkauf der Nationalgüter sollte ein für allemal sanktioniert werden und die Ergreifung der Macht durch die großbürgerliche Partei, eine der Gewinnerinnen der Revolution,[10] sollte unangetastet die politische Zukunft bestimmen. Die Regierung des Direktoriums wird in der Literatur allgemein als schwach und unpopulär charakterisiert[11]: die innenpolitische Lage war aufgrund der schwachen Exekutivgewalt instabil, v.a. die Wegelagerei und die seit 1793 anhaltenden Aufstände in der Vendée konnten nicht unter Kontrolle gebracht werden. Dazu kamen noch gravierende verwaltungstechnische, finanzielle und wirtschaftliche Probleme. Letztere waren bedingt durch eine lange Periode der Depression von 1796 bis 1801.[12] Alle diese Umstände brachten dem Direktorium Unpopularität ein, die auch die militärische Expansion nicht kompensieren konnte.

[...]


[1] Proklamation der Konsuln über die Beendigung der Revolution (15. Dezember 1799), in: Grab: Die Französische Revolution, S. 300f.

[2] Grab: Die Französische Revolution, S. 37ff.

[3] Vgl. Tulard: Frankreich im Zeitalter der Revolutionen, S. 177f.; dort gibt er für den 1. Juni 1795 107 Adlige gegen 290 Nichtadlige in den höheren militärischen Rängen an.

[4] Tulard: Napoleon oder Der Mythos des Retters, S. 90.

[5] Giesselmann: Die brumairianische Elite, S.283.

[6] Ebd., S. 314f.

[7] Die Direktorialverfassung (22. August 1795), 13. Teil: Revision der Verfassung, in: Grab (Hg.): Die Französische Revolution, S. 274f.

[8] Ausdruck bei Tulard: Frankreich im Zeitalter der Revolutionen, S. 160.

[9] Dufraisse: Napoleon, S. 43.

[10] Vgl. Tulard: Frankreich im Zeitalter der Revolutionen, S. 171f.

[11] Hauptsächlich aufgrund der Berichte der Staatsräte vom Jahr IX, wie Tulard zeigt (Tulard: Napoleon oder Der Mythos des Retters, S. 121ff.).

[12] Tulard: Napoleon oder Der Mythos des Retters, S. 125.

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638342858
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33940
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,0
Schlagworte
Napoleon Bonaparte Ende Französischen Revolution

Autor

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Titel: Napoleon Bonaparte und das Ende der Französischen Revolution