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Metaphern. Die Wurzel allen Denkens?

Wie Metaphern unsere Sprache und unser Denken beeinflussen

von Alicia Benschen (Autor)

Essay 2016 16 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist eine Metapher?
2.1. Beispiele
2.2. Abgrenzung
2.3. Allgemeines Sprachverständnis

3. Relation zwischen Sprache und Denken

4. Wie beeinflussen Metaphern unser Denken?
4.1. Wirkung von Metaphern
4.2. Metaphern in den Medien, aktuelle Relevanz

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

8. Anhang

Metaphern Die Wurzel allen Denkens?

Wie Metaphern unsere Sprache und unser Denken beeinflussen

1. Einleitung

„Eine Eindämmung des Flüchtlingsstroms ist unumgänglich, um eine Überflutung Deutschlands durch eine unkontrollierbare

Asylantenwelle zu verhindern.“Deutschland 2015/2016

Wer sich derzeit in den Medien bewegt, wird früher oder später auch auf Aussagen dieser Art stoßen, wenn es in der aktuellen Politik um Menschen geht, die um ihr Überleben kämpfen und dafür aus ihrem Heimatland flüchten müssen, um einem Krieg zu entgehen in der Hoffnung von Mitmenschen in anderen Ländern aufgenommen zu werden. Bei einer Aussage wie der oben frei formulierten, scheint es recht offensichtlich, dass sie nicht nur aus einer, sondern direkt aus mehreren Metaphern besteht. Doch gibt es in der Alltagssprache viele Ausdrücke, die auf den ersten Blick eventuell nicht als Metapher zu erkennen sind, da sie tief in unserem Denken und in unserer Sprache „verankert“ oder „verwurzelt“ sind. Dementsprechend mühelos verständlich und automatisiert abrufbar sind Metaphern und doch lenken sie unser Denken durch bildhafte Untermalungen in bestimmte Bahnen.

Diesem Thema werde ich mich auf den folgenden Seiten widmen, indem ich zu Beginn die Frage stelle, was eine Metapher ausmacht und anhand einiger Beispiele eine grobe Eingrenzung vornehme, um dann auf der Basis der Metapherntheorie nach Lakoff und Johnson Sprache und Denken in Relation zueinander zu setzen. Dies führt zu der Frage, wie Metaphern unser Denken beeinflussen und wie sich die Medien dies in der heutigen Zeit zunutze machen können, um eine bestimmte Haltung in der Gesellschaft zu erzeugen.

2. Was ist eine Metapher?

2.1. Beispiele

Schon Aristoteles bemühte sich um eine möglichst präzise Definition einer Metapher und formulierte diese wie folgt:

„Eine Metapher ist die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art, oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere oder nach den Regeln der Analogie.“1

Metaphern entstehen demnach durch eine Übertragung. Sie schließen eine lexikalische Lücke, indem sie einen Begriff aus seinem ursprünglichen Bereich in einen anderen übertragen, um dort einen Begriff zu ersetzen.2 Wenngleich sich dennoch bis heute keine einheitliche Formulierung finden lässt und deshalb gerne mit Beispielen gearbeitet wird. Fälle, in denen es sich um eine solche Übertragung handelt, sind beispielsweise die folgenden:

Mauer des Schweigens ≈ Ablehnendes Schweigen
Auf einer Erfolgswelle reiten ≈ Über längere Zeit viel Erfolg haben
Eine Freundschaft mit Füßen treten ≈ Eine Freundschaft gering schätzen
Jemandem das Herz brechen ≈ Jemandem sein Lebensglück rauben
Der Mensch ist ein Wolf ≈ Der Mensch ist gefährlich, ein soziales Wesen

Ein wichtiger Vertreter der neueren Metapherntheorie ist Max Black, welcher die Interaktionstheorie entwarf. Demgemäß werden durch eine Metapher zwei verschiedene Gegenstände miteinander verbunden, die am besten als „Systeme“3 zu erfassen sind. Bei diesem Vorgang wird auf den ersten Gegenstand das „principal subject“ Wissen übertragen, welches in dem jeweiligen Sprachkreis generell mit dem zweiten Gegenstand dem „subsidiary subject“ assoziiert wird.4 Ein Beispiel hier wäre der Satz „Der Mensch ist ein Wolf.“, an welchem Black verdeutlicht, dass beide Pole miteinander interagieren. Das principal subject „Mensch“ wird wölfischer und das subsidiary subject „Wolf“ wird menschlicher. Dennoch bleibt eine gewisse Asymmetrie weiterhin vorhanden, sodass es nicht zu einer kompletten Verschmelzung kommt.

Metaphern können ferner in verschiedene Arten unterteilt werden. Die folgende Liste ist jedoch nicht abschließend und bietet hier nur einen groben Überblick.

Tote Metaphern deren metaphorischer Charakter nicht mehr ersichtlich ist ≈ „Tischbein“, „Handschuh“

Lexikalisierte Metaphern Tote Metaphern, die als Zweitbedeutung in den Wortschatz eingegangen sind: Schloss ≈ Burg, die ein Tal „abschließt“ Stehende Metaphern, die sich in vergleichbaren Zusammenhängen immer wieder finden, Redewendungen ≈ „ins Gras beißen“, „It’s raining cats and dogs.“

Euphemistische Metaphern ersetzen einen tabuisierten oder mit negativen Vorstellungen behafteten Ausdruck ≈ „Heimgang“ für „Sterben“.

2.2. Abgrenzung

Während also bei der Metapher ein Sachverhalt durch die Darstellung in einem anderen Sachverhalt verständlich gemacht wird, kann hingegen durch eine Metonymie „eine Sache mittels ihrer Beziehung zu einem anderen Sachverhalt“ konzeptualisiert werden.5 Hier finden sich Beispiele wie:

„Das Weiße Haus hat entschieden“

„The ham sandwich left without paying.“ Sie trank eine Flasche Wein.

Eine Metonymie liegt folglich vor, wenn der ersetzende Begriff aus dem Inhaltsbereich des ursprünglichen Wortes stammt („Flasche Wein“ aus dem Feld des Gegenstandsbereiches „Wein“ oder etwa „ham sandwich“ aus dem Bereich der „Person“, welche das Sandwich gegessen hat), aber keineneigentlichenTeil von diesem darstellt. Dabei können weiterhin die Bedeutungen verschiedener Begriffspaare vertauscht werden, wie zum Beispiel Ursache und Wirkung oder Raum und Rauminhalt.

Ebenso können Metaphern von Hyperbeln abgegrenzt werden, welche sich durch starke Übertreibungen auszeichnen. Aussagen wie „Ich habe es Dir schon 1000 Mal gesagt.“ oder „Er war ein Heiliger.“ beinhalten eventuell einen wahren Kern, wohingegen die Metapher „Er war ein Engel.“ nie wahr sein kann. Ähnlich verhält es sich auch mit Ironie, welche grundsätzlich das Gegenteil des Gesagten meint, wie beispielsweise in dem folgenden Fall:

Anna kommt nach Hause. Der Hund hat die Wohnung verwüstet.

Anna:„Das ist ja eine schöne Bescherung!“

Wobei in Fällen der Ironie der Kontext hinzugezogen werden muss und vieles vom Tonfall oder der Gestik und Mimik des Sprechers abhängt. Fehlen diese, wird es ungleich schwerer Ironie zu entschlüsseln. Liest man das Beispiel ohne zu wissen, dass es sich um Ironie handelt, könnte man also auch meinen, dass Anna sich tatsächlich darüber freut, dass der Hund die Wohnung verwüstet hat, weil sie eventuell gerne aufräumt oder das Chaos liebt. Kommt jedoch Wissen über Annas Haltung hinzu, etwa dass sie mit hoch erhobenen Armen die Wohnung betritt und in einem eindeutigen Tonfall ihre Empörung äußert, wird es leichter dies zu erkennen. Demnach liegt bei Ironie die Spannung zwischen Satzinhalt und derHaltungdes Sprechers, da er das Gesagte nicht genau so meint, sondern in den meisten Fällen das propositionale Gegenteil ausdrücken möchte.

2.3. Allgemeines Sprachverständnis

Faszinierend ist die Tatsache, wie gefestigt die Anwendung von Metaphern im allgemeinen Sprachgebrauch ist. In vielen Situationen fällt es uns schwer, die in einen Satz integrierte Metapher auszumachen. Dieser Umstand macht deutlich, wie beinahe unmöglich es wäre, sich vorzunehmen im Alltag komplett auf metaphorische Ausdrücke verzichten zu wollen. Von Leonard Bloomfield, dem Urheber der US-amerikanischen Sprachwissenschaften, stammt das provokante Statement, in der klassischen Sprache sei entweder alles metaphorisch oder nichts. Wie erklärt sich nun dieses Statement? Jedes Mal, wenn wir über etwas sprechen, betrachten wir das Gesagte auf der Basis unserer Erfahrungen, welche wir in vielen verschiedenen Situationen erprobt und überarbeitet in unserem „Codesystem“ abgespeichert haben. Solche Verknüpfungen von realitätsbezogenem Inhalt und kumuliertem Sinn des geschriebenen oder gesprochenen Wortes ereignen sich in der zwischenmenschlichen Kommunikation fortlaufend. Es ist dabei ganz gleich, ob wir etwa ein Haus als ‚Haus‘ bezeichnen und damit im wörtlichen Sinne eine Gebäude meinen oder aber zum Beispiel den Kontinent Europa als „unser gemeinschaftliches Haus“ im politischen Sinne postulieren. Sprachliche Metaphern ermöglichen demnach einen neuen und anderen Blick auf die Zielsphäre (dazu mehr in Abschnitt 3) oder sie zwingen uns einen solchen Blick auf. Im einen Fall gelten sie als geistreich, im anderen als beeinflussend. Es bleibt jedoch Ansichtssache, was davon auf die jeweilige Metapher zutrifft.

[...]

1Fuhrmann, 2001, 21, 1457b7 ff.

2Schlüter, 1983, S. 31

3Black, 1962, S. 44

4Black, 1962, S.40ff.

5Lakoff/ Johnson, 1998, S.50

Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668294608
ISBN (Buch)
9783668294615
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339476
Note
Schlagworte
Metaphern Philosophie Sprache Denken Medien Redewendungen bildhafte Sprache Metonymie Hyperbel Lakoff Johnson ontologisch Beeinflussung Ironie Davidson Kövesces Flüchtling Humboldt Max Black

Autor

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    Alicia Benschen (Autor)

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