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Populismus Messung des AFD-Parteiprogrammes. Die Wahlprogramme zur Europawahl 2014

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 12 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Populismus
2.1 Definition des Begriffes „Populismus“
2.2 Rechts- und Linkspopulismus in Deutschland

3 Populismus-Messung mittels einer computerbasierten Inhaltsanalyse
3.1 Durchführung der computerbasierten Inhaltsanalyse
3.1.1 Ergebnis der computerbasierten Inhaltsanalyse

4 Schluss/Fazit

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Seit ihrem Gründungsparteitag am 14. April 2013 ist die AfD(Alternative für Deutschland) Teil der Parteienlandschaft in Deutschland. Bei den Bundestagswahlen 2013 erreichte die AfD 4,7%( statistisches Bundesamt, 31.10. 2014) der Wählerstimmen und scheiterte somit nur knapp an der 5%- Hürde. Trotz dieses Scheiterns sorgte das beachtliche Ergebnis für die gerade erst neu gegründete Partei für große mediale Aufmerksamkeit. Wahlerfolge feierte die AfD im Jahr 2014 bereits vier Mal: Zuerst bei den Europawahlen im Mai 2014, bei denen sie 7,1 % der Wählerstimmen errangen und dann in Sachsen, Brandenburg und Thüringen, wo die AfD bei den Landtagswahlen jeweils zweistellige Prozentzahlen erreichte und damit in den jeweiligen Landtag einzog.

Die AfD wird häufig als „Anti-Euro-Partei“ und als „rechtspopulistisch“ deklariert. (Giesa, 2014) Sich selbst sieht die AfD als eine Partei, die aus der Mitte der Gesellschaft kommt und weder als rechts noch links eingestuft werden möchte.

Von Seiten der Etablierten Parteien(CDU/SPD) erfährt die AfD Ablehnung. Aufgrund der enormen Präsenz in den Medien, welche auf die Wahlerfolge dieser „neuen“ Partei zurückzuführen ist und aufgrund des besonders lauten Populismus-Vorwurfs gegen die AfD auch und besonders von Seiten der etablierten Parteien drängt sich die Frage auf:

Wie populistisch geprägt ist die Politik der AfD im Vergleich zur Politik der Etablierten Parteien(CDU/SPD)?

In dieser Hausarbeit werde ich mithilfe einer computerbasierten Inhaltsanalyse die Wahlprogramme der drei oben genannten Parteien zur Europawahl 2014 vergleichen. Die Grundlage meiner Inhaltsanalyse bilden die Wahlprogramme zur Europawahl, da die AfD noch kein ausführliches Parteiprogramm besitzt, sondern lediglich über Richtlinien verfügt. Des Weiteren können Wahlprogramme als das Dokument gesehen werden, welches den deutlichsten Überblick darüber gibt, für was eine Partei zu einem gewissen Zeitpunkt steht (Rooduijn und Pauwels 2011:1274). Die Populismus-Messung mithilfe einer Inhaltsanalyse wurde schon häufiger durchgeführt. Unter anderem führten Rooduijn und Pauwels eine Inhaltsanalyse der Wahlprogramme populistischer Parteien in verschiedenen westeuropäischen Ländern durch, darunter auch das Wahlprogramm der Linkspartei. Mein Vorgehen zur Messung von Populismus anhand der Wahlprogramme der drei oben genannten Parteien orientiert sich sehr stark an dem von Rooduijn und Pauwels. Der Fokus dieser Arbeit liegt nicht hauptsächlich darauf, zu messen ob und wie stark populistisch geprägt die Politik der AfD ist, sondern vielmehr darauf, ob die AfD im Gegensatz zu den Etablierten wirklich so viel populistischere Politik betreibt wie ihr vorgeworfen wird. Ziel dieser Hausarbeit ist es, den Populismus-Vorwurf gegen die AfD methodisch zu bestätigen.

Meine Hausarbeit gliedert sich wie folgt: Zuerst geht es um die Definition des Begriffes „Populismus“ und um den rechten und linken Populismus in Deutschland. Danach folgt die Durchführung und das Ergebnis der computerbasierten Inhaltsanalyse.

2 Populismus

2.1 Definition des Begriffes „Populismus“

Bevor wir mit der Messung von Populismus beginnen können, müssen wir zuallererst den, in der europäischen politischen Landschaft negativ konnotierten Begriff „Populismus“ definieren. Rensmann(2006:1)schreibt Folgendes zum Populismus-Vorwurf: “Der Vorwurf populistisch zu agieren, wird heute zumeist dann in Stellung gebracht, wenn dem politischen Gegner unterstellt wird, er polarisiere und simplifiziere bei komplexen Sachverhalten um opportunistisch einer augenblicklich wahrgenommenen Stimmung oder Mehrheitsmeinung zu entsprechen und aus dieser skrupellos politisch Kapital zu schlagen(Rensmann, 2006:1).“

(Mudde 2004:543) definiert Populismus als eine Ideologie, welche die Gesellschaft in zwei homogene und feindliche Gruppen geteilt betrachtet, auf der einen Seite das „Volk“ auf deranderen Seite die „korrupte Elite“ Außerdem sei der Populismus eine Ideologie, welche Politik als Ausdruck des allgemeinen Volkswillens sieht. Das heißt, der Populismus bestehe aus zwei Bestandteilen: „people-centrism“ und „anti-elitism“. „People-centrism“ bedeutet, dass das Volk im Mittelpunkt steht und nicht die Eliten. Der Anti-Elitismus („anti-elitism“) steht für die ablehnende Haltung gegenüber den Herrschenden und Einflussreichen.

Der Ausgangspunkt eines jeden Populisten ist die Zentralität des Volkes (Ionescu und Gellner 1969:4; Mèny und Surel 2002). Des Weiteren sind Populisten negativ gegenüber Eliten eingestellt, da sie der Zentralität des Volkes im Wege stehen (Mudde 2004).

Laut Freeden(1998) ist der Populismus keine klare Ideologie wie Liberalismus oder Sozialismus, er sei lediglich eine “thin Ideology“(keine ganze Ideologie). Es muss aber auch gesagt werden, dass das Phänomen des Populismus schwierig zu definieren ist, da er sehr komplex, kontextabhängig und veränderlich ist (Decker, 2006:81).

2.2 Rechts- und Linkspopulismus in Deutschland

In Europa feiern die rechtspopulistischen Parteien große Erfolge, dies belegen die Wahlergebnisse in den jeweiligen Ländern. Beispielsweise die „Front National“ in Frankreich mit der charismatischen Parteivorsitzenden Marine Le Pen. Der Rechtspopulismus[1] verfügt über eine solide Erfolgsgrundlage, welche wohl auch in der nächsten Zeit bestehen bleibt (Decker 2006:191 f.). In Deutschland hat der Rechtspopulismus in der Vergangenheit keine Erfolge in der Größenordnung der „Front National“ oder anderer populistischer Parteien vorweisen können. Rechtspopulistische Parteien wie die Republikaner oder die Partei Rechtsstaatlicher Offensive (Schill-Partei) konnten nur auf kommunaler- und Länderebene Erfolge feiern (Decker 2006: 191 f.). Weitere erwähnenswerte rechtspopulistische Parteien in der deutschen Parteienlandschaft sind die „Statt-Partei“ und der „Bund freier Bürger“. Diese als rechtspopulistisch deklarierten Parteien, die hier aufgezählt wurden haben viele Gemeinsamkeiten. Fast alle Parteien entstanden aus Abtrünnigen etablierter Parteien oder zumindest versteht man sich als Gegenbild zu den herkömmlichen Parteien (Decker 2006: 195). Außerdem kann festgehalten werden, dass all diese Parteien eine große Schar Protestwähler hinter sich vereinen. (Decker, 2006:201) meint:“[…], dass die neuen Parteien Ausdruck einer tiefgreifenden Vertrauens- oder Repräsentationskrise der demokratischen Politik sind, die auf die desintegrativen Wirkungen der heutigen Modernisierungsprozesse zurückgeführt werden kann.“ Zuspruch finden die Populisten bei den Verlierern der Gesellschaft. Das größte Problem der rechtspopulistischen Parteien in Deutschland war und ist die Unterwanderung durch rechtsextreme Personen. Nicht einmal gemäßigte Vertreter des Rechtspopulismus sind davor geschützt von Rechtsextremen unterwandert zu werden (Decker, 2006:202).

Der Newcomer AfD ähnelt in vielerlei Hinsicht den oben genannten Parteien. Die gegenseitige Annäherung der etablierten Parteien hat eine positive Auswirkung auf die politischen Gelegenheitsstrukturen für Newcomer wie die AfD (Kitschelt und Mc Gann, 1995). Die AfD ähnelt, was den schnellen Erfolg direkt nach Gründung angeht der „Partei rechtsstaatlicher Offensive“(Schill-Partei). Außerdem hängt der Erfolg der rechtspopulistischen Parteien sehr stark von einer Person ab, bei der AfD ist das Bernd Lucke, bei der Schill Partei war es der Gründer Ronald B. Schill selbst (Decker, 2006:196). Ob die AfD auch irgendwann in der Bedeutungslosigkeit verschwindet wie die Schill-Partei wird die Zukunft zeigen.

Der sogenannte Linkspopulismus hatte im Deutschland nach der Wende, besonders in den neuen Bundesländern mehr Erfolg als die Rechtspopulisten. Wenn man die Jahre seit der Wende betrachtet, hat die PDS, ab 2007 dann als „Die Linke“[2] aktiv, in der Bundesrepublik bis heute auf Länder- sowie auf Bundesebene gute Wahlergebnisse erzielt im Vergleich zu den rechtspopulistischen Parteien.

Die Linkspartei weist aber auch viele Gemeinsamkeiten mit den Rechtspopulisten auf. Dazu schreibt (Decker, 2006:209 f.):“Der linke Populismus von PDS und Linkspartei weist nicht nur mit Blick auf Agitationsformen und Stilmittel, sondern auch in programmatisch-ideologischer Hinsicht verblüffende Ähnlichkeiten mit seinen rechten Gegenstücken auf.“ Z.B. ist der Erfolg der Linkspartei, wie bei den meisten rechtspopulistischen Parteien auch stark von einer charismatischen Führungsperson abhängig. Bei der Linkspartei nimmt diese Rolle der langjährige Partei- und Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi ein (Decker, 2006:207).

Der große Vorteil der Linkspopulisten in Deutschland ist, dass sie nicht wie die Rechtspopulisten mit Stigmatisierung aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands zu kämpfen haben. Auch die AfD hat mit dieser Stigmatisierung zu kämpfen.

3 Populismus-Messung mittels einer computerbasierten Inhaltsanalyse

Wie schon in der Einleitung der Hausarbeit erwähnt, werde ich mithilfe einer computerbasierten Inhaltsanalyse die Wahlprogramme zur Europawahl 2014 der drei von mir ausgewählten deutschen Parteien (AfD, SPD, CDU) auf Populismus hin überprüfen. Ich wählte explizit diese drei Parteien aus, da die SPD und die CDU als etablierte Volksparteien sich vortrefflich für einen Vergleich mit der vermeintlich populistischen AfD eignen.

Die Inhaltsanalyse habe ich mit dem Programm Yoshikoder durchgeführt. Yoshikoder ist ein plattformübergreifendes, vielsprachiges Inhaltsanalyse-Programm(yoshikoder.org). Eine klassische Inhaltsanalyse hätte den zeitlichen Rahmen dieser Hausarbeit gesprengt, deshalb fiel die Wahl auf die deutlich einfacher durchzuführende und weniger zeitaufwendige computerbasierte Inhaltsanalyse.

Die Messeinheit dieser Populismus-Messung sind Wörter (Begriffe). Durchgeführt wurde diese Messung mit einem Wörterbuch, welches von Rooduijn und Pauwels speziell für die Messung von Populismus erstellt wurde. Das Wörterbuch besteht aus Begriffen, welche laut Rooduijn und Pauwels Indikatoren für Populismus sind.

Die zwei von Mudde definierten Kernmerkmale des Populismus „people-centrism“ und „anti-elitism“ sind nicht beide für die computerbasierte Inhaltsanalyse geeignet. Erstere ist mithilfe von einzelnen Wörtern sehr schlecht zu messen, denn „people-centrism“ könnte z.B. mit Wörtern wie „wir“ und „uns“(z.B. „wir, das Volk“ oder „unsere Stimme“) gemessen werden. Gleichzeitig könnten sich diese Wörter aber nicht nur auf das Volk, sondern auch auf die jeweilige Partei beziehen, die das Wahlprogramm verfasst hat. Aus diesem Grund haben Rooduijn und Pauwels entschieden sich nur auf Wörter zu fokussieren, die sich auf „anti-elitism“ beziehen (Rooduijn und Pauwels 2011:1275). Deshalb beinhaltet das Wörterbuch nur Begriffe die „anti-elitism“ entlarven sollen.

Laut Rooduijn und Pauwels (2011:1275) basiert die Auswahl der Begriffe für das Wörterbuch auf empirischen und theoretischen Schlussfolgerungen. Sie sammelten Begriffe, welche häufig von populistischen Parteien in ihrem Wahlprogramm benutzt wurden um ihre negative Haltung gegenüber Eliten Ausdruck zu verleihen. Die Begriffe wurden in vier verschiedene Sprachen übersetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Quelle: (Rooduijn und Pauwels, 2011:1283)

Die Fokussierung auf den „anti-elitism“ und das Auslassen der Messung von „people centrism“ führt dazu, dass diese computerbasierte Inhaltsanalyse deutlich weniger valide ist als die klassische Inhaltsanalyse. Dafür ist die Reliabilität bei der computerbasierten Inhaltsanalyse zu 100% gegeben, da die Messergebnisse bei wiederholter Messung reproduzierbar sind (Himme, 2007:375).

3.1 Durchführung der computerbasierten Inhaltsanalyse

Zur Durchführung der computerbasierten Inhaltsanalyse mit Yoshikoder: Die Inhaltsanalyse mit Yoshikoder ist ohne großen Zeitaufwand durchzuführen, man muss lediglich die Parteiprogramme in eine Textdatei umwandeln und kann diese dann mühelos mithilfe des zuvor eingegeben Wörterbuchs analysieren. Yoshikoder sucht dann in dem ihm vorliegenden Text nach Wortübereinstimmungen. Die Wortübereinstimmungen zwischen dem jeweiligen Wahlprogramm (Text) und dem Wörterbuch gibt Yoshikoder dann an. Die Gesamtwortanzahl des zu analysierenden Dokuments gab Yoshikoder nicht an, aus meiner Sicht ist jedoch die Gesamtwortanzahl zusätzlich von Bedeutung für die Auswertung. Aus diesem Grund und auch um das von Yoshikoder ermittelte Ergebnis zu überprüfen, führte ich die gleiche computerbasierte Inhaltsanalyse mit dem Programm Antcoc durch. Antcoc gab mir die Gesamtwortanzahl an und bestätigte das mit Yoshikoder ermittelte Ergebnis.

[...]


[1] Oberbegriff für Parteien und Bewegungen, welche sich durch Europaskepsis und Islamfeindlichkeit auszeichnen. Des Weiteren sehen sie sich als Sprachrohr einer sogenannten „schweigenden Mehrheit“.

[2] politische Partei, entstanden 2007 durch Schulterschluss der Linkspartei. PDS und der WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit)

Details

Seiten
12
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668294646
ISBN (Buch)
9783668294653
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339738
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Sozial-und Wirtschaftswissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
AfD Populismus SPD CDU Etablierte Parteien Europawahl 2014 Inhaltsanalyse Populismusmessung

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Titel: Populismus Messung des AFD-Parteiprogrammes. Die Wahlprogramme zur Europawahl 2014