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Umgang mit risikobehafteten Entscheidungen

Hausarbeit 2010 11 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 INDIVIDUALENTSCHEIDUNGEN
2.1 ENTSCHEIDUNGSBEEINFLUSSENDE FAKTOREN
2.1.1 DAS RISIKOVERHALTEN DES ENTSCHEIDENDEN

3 RISIKOVERHALTEN IN GRUPPEN
3.1 RISIKOSCHUB
3.2 DIE HYPOTHESE DER VERANTWORTUNGSVERTEILUNG
3.3 DIE VERTRAUTMACHUNGS-HYPOTHESE
3.4 DIE SOZIALE WERT-HYPOTHESE
3.4.1 DIE ENTPFLICHTUNGS-HYPOTHESE
3.4.2 DIE HYPOTHESE RELEVANTER ARGUMENTE

4 UNSICHERHEITSVERMEIDUNG
4.1 ENTSCHEIDEN UNTER UNSICHERHEIT
4.2 ENTSCHEIDUNGSBEEINFLUSSENDE FAKTOREN

5 FAZIT
5.1 URSACHEN FÜR RISKANTE ENTSCHEIDUNGEN IN GRUPPEN
5.2 VOR- UND NACHTEILE VON GRUPPENENTSCHEIDUNGEN

6 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

7 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beantwortet folgende Fragen zum Thema Risiko: Wie verhalten sich Menschen in Risikosituationen? Welche sozialpsychologischen Phänomene treten im Zusammenhang mit Risiko auf? Was versteht man unter Risikoschub und wie entschei- den Gruppen über mehr oder weniger risikobehafteter Entscheidungen? Wie hängen Un- sicherheitsvermeidung (uncertainty avoidance) und Einstellung zu Risiko zusammen?

Im Jahre 1961 wurde von J.A.F. Stoner eine Magisterarbeit zum Thema Gruppenentscheidungen verfasst. Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Experimente führten zu dem Ergebnis, dass Gruppen wesentlich risikofreudiger entscheiden als der Einzelne.1 Dieses Phänomen bezeichnet die Literatur als Risikoschub. Es stellt sich daher die Frage ob wir in unserer Gesellschaft wichtige und riskante Entscheidungen lieber durch Einzelpersonen oder durch Gruppen fällen lassen?

2 Individualentscheidungen

Individuen treffen Entscheidungen aufgrund kognitiver Denkprozesse und der eigenen Persönlichkeit. Die Persönlichkeit eines Menschen besteht aus folgenden Komponenten:2

- Informationen aus dem Langzeitgedächtnis
- Überzeugungen (Selbsteinschätzung des Einzelnen, faktischem Wissen)
- Werte
- Kognitive Programme
- Suchstrategien
- Konfliktlösungsverhalten

Bei wichtigen Entscheidungen greift der Mensch auf die Erfahrungen seines bisherigen Lebens zurück. Diese Erfahrungen sind im Langzeitgedächtnis gespeichert und sind durch Bildung geprägt. Eine weitere wesentliche Rolle, im Entscheidungsprozess eines Einzelnen, spielt die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und das faktischen Wissen. Diese beiden Komponenten bilden die Überzeugung eines Individuums. Geprägt durch persönli- che Werte hängen Risikobereitschaft und Entscheidungsfreude von persönlichen Bedürf- nissen, Trieben und Einstellungen ab. Der Mensch stellt sich vor schwerwiegenden Ent- scheidungen folgende Fragen:

- Was möchte ich als nächstes Erreichen und was sind meine Bedürfnisse?
- Was sind meine Ziele und was bin ich bereit dafür zu geben?
- Was benötige ich um Glück zu empfinden und was bin ich bereit dafür zu riskie- ren?

Kognitive Programme ermöglichen dem Menschen sich zu ändern. Dies geschieht zum einen durch Lernen (Konditionierung und gezieltes Lernen) und zum anderen durch den Umgang mit anderen Menschen und Kulturen (Sozialisation). Im Rahmen der Konditionie- rung prägen sich häufige Vorgänge (Kaffeetrinken) und Tätigkeiten (Autofahren) durch die ständige Wiederholung ins Langzeitgedächtnis ein und können daher, teilweise unbe- wusst, bei Bedarf abgerufen werden. Sozialisation hingegen bewirkt die Übernahme von Einstellungen und Werten von jenen Personen und Gruppen mit denen wir uns täglich umgeben.

Suchstrategien nutzt der Mensch um seine Ziele zu erreichen. Er überlegt, welche Mittel für die Erreichung seiner Ziele notwendig sind. Ist er bereit dafür ein Risiko einzugehen? Gab es in der Vergangenheit ähnliche Entscheidungen? Eignet sich die alte Lösung auch für die momentane Entscheidung?

Geprägt durch die Persönlichkeit verfügt jeder Mensch auch über ein unterschiedlich aus- geprägtes Konfliktlösungsverhalten. Dabei steht die Beseitigung kognitiver Dissonanz im Vordergrund: Der Mensch ist sich durchaus der Tatsache bewusst, dass übermäßiger Alkoholkonsum zu einem ernst zu nehmenden, gesundheitlichen Risiko führt. Daher ver- ändert der Mensch die kognitiven Elemente (Alkohol = Risiko) so, damit aus den disso- nanten Beziehungen konsonante werden: „Ich kenne viele Personen, die viel mehr Wein trinken als ich und keine Probleme haben.“ Der erneuten Entscheidung, wieder Alkohol zu trinken, obwohl dies ein gesundheitliches Risiko darstellt, steht nun also nichts mehr im Weg.3

2.1 Entscheidungsbeeinflussende Faktoren

Die folgende Grafik beschreibt jene Faktoren die eine Entscheidung beeinflussen und gibt einen Überblick über das Risikoverhalten des Entscheidenden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entscheidungsfaktoren4

2.1.1 Das Risikoverhalten des Entscheidenden

Risikoscheue Personen werden jene Alternative wählen, bei der der geringste Verlust beziehungsweise das geringste Risiko besteht und bei der so wenig wie möglich Unan- nehmlichkeiten entstehen. Ist der Entscheidende aber risikofreudig so wählt er jene Alter- native, bei der der größte Nutzen oder Gewinn zu erwarten ist, ungeachtet der dadurch entstehenden Risiken. Risikoneutrale Personen hingegen wägen Risiko und Nutzen ab und entscheiden sich daraufhin für die im Durchschnitt günstigere Variante.5

3 Risikoverhalten in Gruppen

Vor allem im Berufsleben ist die Zusammenarbeit unterschiedlicher Personen unabding- bar. Dieses Zusammentreffen von unterschiedlichen Charakteren in allen möglichen Be- reichen verursacht immer wieder Probleme und stellt im beruflichen Alltag eine nicht un- wesentliche Herausforderung dar. Besonders schwierig gestaltet sich das Treffen von Entscheidungen im Rahmen einer Gruppe. Sind in solchen Entscheidungsprozessen obendrein noch Risiken zu berücksichtigen, so ist die Kenntnis einiger sozialpsychologi- scher Umstände besonders wichtig. Interessant ist vor allem, dass in Gruppen besonders risikofreudig entschieden wird. Dieses Phänomen wird in der Sozialpsychologie als Risi- koschub bzw. Risk-Shift bezeichnet.

3.1 Risikoschub

„Gruppenentscheidungen fallen nach zahlreichen experimentellen Untersuchungen erstaunlicherweise risikofreudiger aus als der Durchschnitt der Ansichten der Gruppenmitglieder vor einer gemeinsamen Diskussion.“6

Ein Risikoschub tritt bei Gruppenentscheidungen bereits dann ein, wenn die Personen im Vorfeld die Möglichkeit haben sich abzustimmen beziehungsweise über die Einstellung Anderer zum Thema im Vorfeld in Kenntnis gesetzt werden.

Eine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen des Risikoschubs und das Verhalten von Gruppen in Risikosituationen liefern folgende sozialpsychologischen Hypothesen:

- Die Hypothese der Verantwortungsverteilung
- Die Vertrautmachungs-Hypothese
- Die soziale Wert-Hypothese
- Die Entpflichtungs-Hypothese
- Die Hypothese relevanter Argumente

3.2 Die Hypothese der Verantwortungsverteilung

Bei Ein-Personen-Entscheidungen trägt der Entscheidende das komplette Risiko seiner Entscheidung selbst. Die Hypothese der Verantwortungsverteilung geht nun davon aus, dass Individuen in Gruppen nicht so vorsichtig wie Einzelpersonen entscheiden. Das kommt daher, da in der Gruppe etwaige negative Folgen der getroffenen Entscheidung auf die Gruppe verteilt werden und daher die eintretenden Folgen den Einzelnen weniger treffen als wenn diese Entscheidung alleine und selbstständig getroffen worden wäre. Die entscheidende Person trägt, in diesem Fall, das Risiko nicht alleine.

„Bereits Kogan & Wallach nahmen an, dass eine individuelle Risikoentscheidung durch die Furcht des Entscheidungsträgers vor der Verantwortung für mögliche negative Ent- scheidungskonsequenzen bestimmt sei. In der Gruppensituation kommt es nun zu einer Verteilung der Verantwortung auf die beteiligten Diskussionspartner mit der Folge einer emotionalen Entlastung und einem damit verbundenen Anstieg der Risikobereitschaft.“7

Die vielfach aus der Hypothese der Verantwortungsverteilung abgeleiteten Annahmen, dass:

1. die Intensivität des Risikoschubs mit steigender Gruppengröße zunimmt (Verant- wortung verteilt sich auf immer mehr Personen)
2. und, dass der Risikoschub bei anonymer Entscheidung der Gruppenmitglieder ebenfalls intensiviert wird (der negativen Entscheidungskonsequenz kann so noch besser ausgewichen werden) konnten wissenschaftlich in Experimenten nicht bestätigt werden.

3.3 Die Vertrautmachungs-Hypothese

Je intensiver sich ein Gruppenmitglied oder auch eine Einzelperson mit einer risikobehafteten Situation oder auch einer Entscheidung auseinandersetzt, desto höher ist deren Risikobereitschaft. Da sich die betroffenen Personen mit einem Thema intensiv auseinandersetzen und dadurch in gewisser Weise zu Experten des Themas werden, sinkt auch deren Unsicherheit. Reduzierte Unsicherheit führt aber zu schnellen Entscheidungen bei gleichzeitiger höherer Risikobereitschaft.

„Im Rahmen der Vertrautmachungs-Hypothese werden auch Argumente für und gegen ein Risiko gesammelt, während gleichzeitig innere Diskussionen stattfinden, in der die Argumente überwiegen, die der sozial gewünschten Argumentationsrichtung entspre- chen.“8

3.4 Die soziale Wert-Hypothese

„In bestimmten Kulturen und Gesellschaften stellt Risikofreudigkeit einen sozialen Wert dar, dem, wenn er in einer Entscheidungssituation aktualisiert wird, jedes Individuum möglichst nahezukommen sucht.“9

Diese Hypothese besagt also, dass Personen dazu neigen, die eigene Risikobereitschaft dem Wert der sozialen Norm anzupassen. Entsprechend der kulturellen Einstellung zum Thema Risiko kommt es daher in einzelnen Kulturen zu sehr risikobehaftetem Handeln während in anderen wertorientierten Kulturen Sicherheit gelebt wird und dort riskantes Handeln abgelehnt wird. Die soziale Wert-Hypothese unterteilt sich in zwei Varianten:

3.4.1 Die Entpflichtungs-Hypothese

„Die Entpflichtungs-Hypothese nimmt an, dass eine Person in einem risikohaltigen Entscheidungsprozess Tendenzen zeigt, einen Kompromiss zu schließen zwischen einer Idealvorstellung bezüglich extremen Risikos oder extremer Vorsicht einerseits und der sozial akzeptierten Norm andererseits, die ein gemäßigtes Entscheidungsverhalten erfordert. Wird also eine Person in einem sozialen Vergleichsprozess mit der Extremposition einer anderen Person konfrontiert, zB mit besonders risikoreicher Einstellung, dann verkörpert diese Person das Ideal, und eine Person, welche selbst eine gemäßigte Einstellung vertritt, fühlt sich durch dieses Modell zur Nachahmung veranlasst und dadurch von der gemäßigten, sozial akzeptierten Norm entpflichtet.“10

3.4.2 Die Hypothese relevanter Argumente

Die „Hypothese relevanter Argumente“ betrachtet die in der Gruppe vorkommenden Wertvorstellungen. Die vorgebrachten Argumente entsprechen der Wertigkeit und Einstellung der Gruppenmitglieder und werden daher glaubwürdig und überzeugend präsentiert. Grundsätzlich vorsichtige Menschen werden daher im Rahmen des Risikoschubs beeinflusst und sind bereit, risikoreichere Entscheidungen zu unterstützen. Als Einzelperson würde sie solche Entscheidungen nie treffen.

4 Unsicherheitsvermeidung

„Die Unsicherheitsvermeidung ist jener Grad, in dem die Mitglieder einer Kultur sich durch ungewisse oder unbekannte Situationen bedroht fühlen.“11

Menschen werden im täglichen Leben sowohl als Individium als auch in der Gruppe mit Risikosituationen konfrontiert. Das Verhalten in Risikosituationen ist von Mensch zu

Mensch unterschiedlich. Personen die im Straßenverkehr einen riskanten Fahrstil an den Tag legen, neigen beispielsweise auch auf der Skipiste zu rasanten und riskanten Manövern. Möglicherweise lassen sich diese Personen auch im Geschäftsleben schneller auf Risiken ein, als Personen die Risikosituationen meiden und anstelle des Risikos der Sicherheit den Vorzug geben. In risikobehafteten Situationen entscheiden Individuen oder Gruppen zwar unterschiedlich, dennoch ist im Allgemeinen ein gemeinsames Muster erkennbar. Stephan Dhal beschreibt dieses Muster als Kulturdimension. Die Kulturdimension der Risikobereitschaft beziehungsweise der Unsicherheitsvermeidung kann anhand des Unsicherheitsvermeidungsindex gemessen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Unsicherheitsvermeidungsindex12

„ Die Bereitschaft Risiko einzugehen, und ohne direkte Sicherheit zu leben ist eine Kultur- dimension. ( … ) Kulturen wie die Amerikanische, aber auch Großbritannien, Schweden und Dänemark empfinden Risiko eher als Herausforderung als bedrohlich. Nicht zuletzt, sind z.B. amerikanische Banken dafür bekannt, daßsie z.B. Kredite einfach vergeben und damit selbstverständlich ein erhöhtes Risiko eingehen. In Ländern wie Griechenland, Spanien, Italien und Deutschland sieht die Situation anders aus: Risiko bedeutet Bedro- hung. So ist z.B. das deutsche Ausbildungssystem eine wahre Hommage an die Unsi- cherheitsvermeidung: Selbst zum Verkaufen von Brötchen gibt es eine Ausbildung. Diese Vorstellung ist z.B. in Großbritannien absurd - wo z.B. jemand der Französisch studiert hat durchaus als Berater in einer Bank arbeiten kann. Aber auch Rechtsextremismus kann mit Risikobereitschaft in Zusammenhang gebracht werden: Denn was fremd ist, ist bedrohlich. Chinatown in London und New York sind touristische Attraktionen und beliebte Ausflugsziele der Einheimischen, klein Istanbul in einer deutschen Stadt wird von den meisten Deutschen eher gemieden. So wird auch z.B. beim Kochen in Spanien fast aus- schließlich auf die erprobte einheimische Küche zurück gegriffen - in jedem Supermarkt in Großbritannien kann man hingegen Zutaten für Indische, Chinesische und eine Vielzahl anderer Speisen ohne Probleme bekommen. “ 13

[...]


1 vgl. Sader M., S. 12, Juventa Verlag München, 1991

2 vgl. Artikel aus dem Web: Schwamm, Daniel: Entscheidungstheorie

3 vgl. Aronson E., Wilson T., Akert R., S. 188, 4. Auflage, Pearson Education GmbH, 2004

4 Grafik Quelle: Schneider W., S. 31, Manz Verlag, Wien, 2008

5 vgl. Schneider W., S. 32, Manz Verlag, Wien, 2008

6 vgl. Fischer, Lorenz, S. 617, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2. Auflage, Oldenburg, 2006

7 Thomas A, S. 181, Verlag für Psychologie, Band 2, Göttingen, 1992

8 Thomas A, S. 182, Verlag für Psychologie, Band 2, Göttingen, 1992

9 Thomas A, S. 183, Verlag für Psychologie, Band 2, Göttingen, 1992

10 Thomas A, S. 184, Verlag für Psychologie, Band 2, Göttingen, 1992

11 Siedenbiedel G, S. 155, Lucius Verlag, Stuttgart, 2008

12 Hofstede G, S. 157, Deutscher Taschenbuchverlag, 1997

13 vgl. Artikel aus dem Web: Dahl, Stephan: Introduction to Intercultural Communication

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668295681
ISBN (Buch)
9783668295698
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339741
Institution / Hochschule
FH OÖ Standort Steyr
Note
1,0
Schlagworte
risikobehaftete Entscheidungen Individualentscheidungen Risikoverhalten Unsicherheit

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