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Sexualität in der Zufriedenheitsforschung

©2013 Hausarbeit 10 Seiten

Zusammenfassung

Die Frage nach dem Glück ist ein Thema, mit dem sich die Philosophie schon lange beschäftigt; schon Sokrates und seine Schüler setzten sich mit der Thematik des Glücks auseinander, wie es bestimmt und zu erreichen sei. Viele Denker verknüpften mit dem Glück eine normative Ethik, andere dagegen, vor allem im angelsächsischen Raum. wendeten sich dem Hedonismus bzw. dem Utilitarismus zu.

Dieser Frage geht die Lebenszufriedenheitsforschung nach. Ann Bowling definiert die Lebenszufriedenheit als das subjektive Gefühl von Wohlbefinden, Glück und Zufriedenheit.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Sexualität in der Zufriedenheitsforschung
Sexualität – eine Definition
Forschungsthesen
Drittvariablen
Operationalisierung
Sexual desire:
Sexual health:
Sexual satisfaction:

Diskussion

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Frage nach dem Glück ist ein Thema, mit dem sich die Philosophie schon lange beschäftigt; schon Sokrates und seine Schüler setzten sich mit der Thematik des Glücks auseinander, wie es bestimmt und zu erreichen sei. Viele Denker[1]verknüpften mit dem Glück eine normative Ethik, andere dagegen, vor allem im angelsächsischen Raum. wendeten sich dem Hedonismus bzw. dem Utilitarismus zu. Dieser Frage geht dieLebenszufriedenheitsforschung[2] nach. Ann Bowling definiert die Lebenszufriedenheit als das subjektive Gefühl von Wohlbefinden, Glück und Zufriedenheit (vgl. Bowling 1997).

Timo Airaksinen widmet sich in seinem Aufsatz „Desire and Happiness“ derliberal theory of happiness, die besagt, dass „a person is happy if she gets what she wants and desires. In this sense, desires arehappiness-makers“ (Airaksinen 2012:395). Weiterhin definiert erdesiresundneeds[3]als ontologisch unterschiedliche Gegenstände, die zwar miteinander verknüpft sein können, aber nicht müssen (vgl. ebd.: 397f). Sexualität nimmt in dieser Theorie eine besonders wichtige Rolle ein, denn die sexuelle Lust beschränkt sich keineswegs auf die reine Befriedigung körperlicher Bedürfnisse. Nach derliberal theory of happinessist sie als physiologisches Bedürfnis einbasic need,als instrumentales Bedürfnis einconditional needund als Ergebnis von Wünschen und Willensäußerungen eindesire.[4]

Somit ist ein Zusammenhang zwischen Ursachen und Zwecken sexueller Begierde hergestellt und aus der Herleitung dieser dreifältigen Form ist ersichtlich, dass für die Glücksforschung die Einbeziehung von Sexualität – unter Berücksichtigung der individuellen Ausprägungen derconditional needsunddesires– unabdingbar ist.

Sexualität in der Zufriedenheitsforschung

Sexualität – eine Definition

„Wollust: nur dem Welken ein süßlich Gift, für die Löwen-Willigen aber die große Herzstärkung, und der ehrfürchtig geschonte Wein der Weine.“ (Nietzsche 1954: 347)

In der Glücksforschung ist selten von Sexualität die Rede. Im Fokus vieler Studien steht die sexuelle Zufriedenheit (sexual satisfaction) oder sexuelle Gesundheit (sexual health), die als ein Zustand physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf Sexualität bezeichnet werden können (vgl. Van den Brink et al. 2012; WHO 1975).

Sexuelle Lust (sexual desire) ist ebenfalls Gegenstand wissenschaftlicher Studien; in einer in Taiwan durchgeführte Studie wurde festgestellt, dass sie einen direkten Einfluss auf die sexuelle Zufriedenheit und demzufolge auf die Lebenszufriedenheit hat (vgl. Chao et al. 2011: 401). In einer ähnlichen Studie zeigen Chang und Kollegen, welche Faktoren die sexuelle Zufriedenheit beeinflussen: Die bestimmende Variablen sind u.a. das Intimverhalten (intimate behavior), die emotionale Zufriedenheit (emotional satisfaction) und die bereits erwähnte sexuelle Lust (vlg. Chang et al. 1997).

Die Triebkraft, die der sexuellen Lust zugrunde liegt, ist das sexuelle Bedürfnis, das nach einer Befriedigung sucht. Dieses besteht aus drei Komponenten: aus den biologischen, hormonellen Trieben (sex drive), den sozialen Erwartungen (sexual expectation) und den zwischenmenschlichen Beziehungen (sexual motivation) (vgl. Chao et al. 2011: 399).

Forschungsthesen

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass es eine positive Korrelation gibt zwischen sexueller Zufriedenheit und geistiger (vgl. Laumann et al. 2006) sowie psychischer (vgl. Van Minnen & Kampman 2000) Gesundheit, wie auch der Zufriedenheit mit der Partnerschaft (vgl. Sprecher & Cate 2004) und der Liebe (vgl. Hendrick & Hendrick 2004). Holmberg und Kollegen betonen, dass „satisfying sexual experiences (…) could potentially contribute to positive, overall relationship well-being“ (Holmberg et al. 2010: 2). Umgekehrt sei ebenfalls ein positiver Effekt zu verzeichnen, denn „regular sexual activity (…) may have beneficial effects for a variety of aspects of both psychological and physical well-being“ (ebd.: 2). Die Autoren merken an, dass mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, u.a. die von Byers (2005) und Sprecher (2002), zwar eine Korrelation nachweisen, aber keine Kausalität daraus abgeleitet werden kann (Holmberg et al. 2010: 3). Sie stellen weiterhin die Vermutung, dass die sexuelle Zufriedenheit und die Beziehungszufriedenheit einen synergetischen Einfluss aufeinander üben und sich wechselseitig verstärken (vgl. Hendrick & Hendrick 2004).

Wenige Autoren trauen sich, einen Zusammenhang herzustellen; einer davon ist Richard Balon. Seiner Meinung nach ist es wahrscheinlicher, dass körperliche und geistige Gesundheit dazu führen, dass eine Person sexuell zufrieden ist, statt dass sexuelle Zufriedenheit zu emotionalem und körperlichem Wohlbefinden führen (vgl. Balon 2008: 299). Er gibt jedoch zu, dass der Zusammenhang eher schwach ist, und dass „the evidence presented is not very scientific, convincing, or supportive“ (ebd.: 299).

Anderer Ansicht ist Mitchel Tepper. Er schreibt der sexuellen Lust (sexual pleasure) eine heilende Funktion zu: „[pleasure] can heal a sense of emotional isolation so many of us feel“ (Tepper 2000: 288).

Drittvariablen

Mehrere Autoren weisen darauf hin, dass Drittvariablen womöglich die Korrelation zwischen sexueller Zufrieden und Wohlbefinden beeinflussen.[5]

Der sozioökonomische Status scheint einen signifikanten Einfluss auf die sexuelle und die Lebenszufriedenheit auszuüben (vlg. Holmberg et al. 2010; Chang et al. 1997).

Alter, Gesundheitszustand und Bildungsniveau hängen signifikant mit der sexuellen Betätigung, der sexuellen Lust und der sexuellen Zufriedenheit zusammen, wie Chao et al. (vgl. 2011) in ihrer Studie über sexuelle Lust und Zufriedenheit erwachsener Personen zeigen.

Der Konsum von pornographischen Inhalten hängt ebenfalls mit der sexuellen Zufriedenheit zusammen, wie von Zillmann und Bryant (1988) veranschaulicht. Sie haben herausgefunden, dass „exposure to pornography diminished satisfaction with the physical appearance of the respondents' sexual partner (…); it reduced satisfaction with his/her affection (…); sexual behaviour as such (…), and sexual inquisitiveness, in particular“ (ebd.: 448). Allerdings weisen sie darauf hin, dass sie keinen kausalen Zusammenhang feststellen konnten; der Konsum von Pornographie kann zu den bereits erwähnten Formen von Unzufriedenheit führen, allerdings ist auch der umgekehrte Fall plausibel: Dass nämlich schon vorhandene Unzufriedenheit die Menschen dazu bringt, pornographische Inhalte zu konsumieren (ebd.: 450f).

[...]


[1]Es werden die maskulinen Formen im Sinne des herkömmlichen Sprachgebrauchs auch da verwenden, wo beide Geschlechter gemeint sind. Ebenso wie „Person“ und „Persönlichkeit“ auch dann weiblich sein gelassen werden, wenn die damit angesprochene allgemeine Vorstellung Männer oder andere Geschlechteroder Gender-Kategorien mit einschließt.

[2]Im wissenschaftlichen Diskurs werden die Begriffewell-being,happinessundsatisfactionsehr oft als Synonyme verwendet (vgl. Zimmermann & Easterlin 2006: 512); diese Arbeit hält sich an diese Konvention.

[3]Der Autor unterscheidet zwischenbasic needsundconditional needs: Erstere definiert er als „objective and harmful states of deprivation whose satisfaction restores the physiological or psychological equilibrium of the organism,“ ( Airaksinen 2012: 397) während letztere sind „instrumental and conditional on your objective situation and on your desire“ (ebd.: 398).

[4]Jian-Kang Chao spricht ebenfalls von einem mehrdimensionalen Konzept (vlg. Chao et al. 2011: 401). Der von Chao und Kollegen erforschte Gegenstand ist zwar nicht Sexualität als Gesamtheit, sondern sexuelle Lust, aber sie differenzieren physische, psychische und emotionale Komponenten, die sie charakterisieren.

[5]Eine ausführliche Darstellung der Drittvariablen ist im Rahmen dieser Hausarbeit aufgrund ihres geringen Umfanges leider nicht möglich. Für einentiefergehenden Einblicksei auf die zitierte Literatur verwiesen.

Details

Seiten
10
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668299351
ISBN (Buch)
9783668299368
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Soziologie
Erscheinungsdatum
2016 (September)
Note
1
Schlagworte
Sexualität Sexuelle Zufriedenheit Empirische Sozialforschung Lebenszufriedenheit Happiness

Autor

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