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Oktoberrevolution 1917 in Russland. Der Beginn des Sozialismus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 9 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte

3. Visionen, Träume und Zukunftsbilder des neuen Gesellschaftssystems

4. Verbreitung des Sozialismus in Russland

5. Positionierungen von Staaten und Nachbarstaaten

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eines der denkwürdigsten und bedeutsamsten Jahre in der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Russland, war das Jahr 1917, indem sowohl im Februar der Zarismus ein Ende fand,als auch das russische Volk sich immer mehr gegen das bestehende politische System auflehnte. In der Nacht auf den 26.Oktober kam es folglich zur Oktoberrevolution, welche den Beginn einer neuen politischen Ära ermöglichte. Als die Bolschewiki, unter der Führung vonWladimir Iljitsch Lenin, die Macht vollständig an sich gerissen hatten, setzten sie auf den Sozialismus als Gesellschaftssystem und propagierten auf das Ende aller Ausbeutungen und auf die Weltrevolution des Proletariats.[1] Heute, fast 100 Jahre danach, blicken wir auf diese Revolution und die Ereignisse der damaligen Zeit zurück und wissen, dass es niemals zur Weltrevolution geführt hat. Doch was hat diese Revolution bewirkt? Welche Vorstellungen und Ziele wurden in der Oktoberrevolution erreicht? Welche blieben hingegen unerfüllt?

2. Vorgeschichte

Die durch den ersten Weltkrieg entstandenen wirtschaftlichen Mängel, und Unterversorgungen der Bevölkerung, führten 1917 zur Februarrevolution und zum Sturz des Zarismus.[2] Die Unruhen im Land verringerten sich jedoch nicht. Die gebildete provisorische Regierung, welche aus einer Parteienkoalition entstand, konnte die Forderungen des Volkes nicht zufrieden stellen. Die Bolschewiki um Lenin griffen die Vorstellungen der Bevölkerung auf, woraufhin es zu einem deutlichen Zuwachs kam. Durch die erhaltene Zustimmung, wollten sie die Revolution fortsetzen, und einen Wandel zur sozialistischen Gesellschaft erreichen. Das Verbot der Parteizeitung „Prawda“, der Bolschewiki, war der Anstoß zum aktiven Aufruf zur Revolution. Unter der Führung Trotzkis gelang es dem militärisch revolutionären Komitee Petrogards, die Regierung am 25. Oktober 1917 zu stürzen und ein sozialistisches Regime um Lenin zu bilden. Einen Tag darauf, am 26. Oktober, kam es in Petersburg zum Treffen des „Allrussischen Sowjetkongresses“. Die bolschewistischen Kräfte hatten in diesem Arbeiter- und Soldatenrat zunächst keine Mehrheit. Jedoch überließ man den Bolschewiki die Macht, indem viele den Saal aus Protest gegen den gewaltsamen Putschder Bolschewiki verließen.[3]

3. Visionen, Träume und Zukunftsbilder des neuen Gesellschaftssystems

Die Bolschewiki sahen den Sozialismus als ein Gesellschaftssystem, welches durch Veränderungen in Wirtschaft, Technik und Kultur dem Fortschritt zugutekommen sollte. Des Weiteren sollte es als Wegbereiter für den Kommunismus dienen. Das neue Gesellschaftssystem sah es vor, die Konkurrenz aufzuheben und eine Beseitigung des Privateigentums vorzunehmen.Die Verteilung der Produkte müsse gemeinsam geschehen, da auch die Benutzung aller Produktionsgeräte im Kollektiv ablaufen sollte.[4] In dieser neuen sozialistischen Gesellschaft soll die Bevölkerung an allen gesellschaftlichen Prozessen beteiligt werden.[5]

Auf den Bereichen Wissenschaft und Technik, beabsichtigte man durch neue Veränderungen,die Elektrifizierung in Verbindung mit dem Wirtschaftsplan, welcher eine zentral gelenkte Planwirtschaft vorsah, die Abkehr aus der alten Vergangenheit zu ebnen undinfolgedessen die Bevölkerung zu lehren. Ein weiteres Ziel war es, den Unterschied zwischen Hand- und Kopfarbeit, sowie die unfairen Rangordnungen im Arbeitsprozess zu beseitigen.[6] Dabei sah manvor, die Wirtschaft in den Besitz des Staates zu überführen, um so eine bessere Kontrolle über die Produktionsabläufe zu erlangen.[7] Den zentralen Vorsatz sahen die bolschewistischen Kräfte um Lenin, indem Ersehnen nach der Selbstverwaltung, welche durch die Diktatur des Proletariats, d. h. als Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit der früheren Profiteure, vollzogen werden sollte. Die grundlegenden Ideen für seine Betrachtungsweisen, über die Politik der Sowjets, entnahm der Führer der Bolschewiki vorrangig den Überlegungen und Ausführungen von Marx und Engels[8], obgleich Lenin diese Theorie weiterentwickelte. Bei Marx und Engels stand wie beim Leninismus auch, der Gedanke der Revolution vordergründig da. Jedoch kam es von beiden Seiten zu einer unterschiedlichen Auslegung des Revolutionsgedanken. Bei Marx glich der Gedanke einer philosophischen Orientierung, in der er die Revolution als unabdingbar empfand und der Begriff an vorderster Stelle eines ökonomischen Systems der Welterklärung stand. Im Gegensatz dazu, sah Lenin seine Auffassung näher an der Praxis gelegen. Er setzte die Überlegungen von Marx fort, um die Ideen von seiner Theorie für die Umsetzung in die Praxis tauglich zu machen.[9] Den wichtigsten Punkt der Weiterführung des Marxschen Revolutionsgedankens, sah Lenin in der Fortbildung der konzeptionellen Entwicklung der revolutionären Partei. Es sind Punkte des Parteibegriffs, besonders in den Aufgaben der Kommunisten,in den Auslegungen von Marx „Kommunistischem Mannifest“ wiederzufinden.[10]

Im Bereich der Wirtschaft hatte Lenin die Vorstellung, dass sie wie ein riesiges Monopol geleitet werden sollte, welches von der Arbeiterschaft kontrolliert und angeführt werden sollte.[11] Es wurde angestrebt, den Arbeiter möglichst effizient arbeiten zu lassen. Dabei wurde erwartet, dass diese erworbenen Qualitäten an die Nachkommen weitergegeben werden.[12] Die Bolschewiki wollteneinen besseren Menschen schaffen,der sich ideal in die sozialistische Gesellschaft einfügen sollte. Um dies zu erreichen, strebte man nach einereugenischen Selektion, in der die „Minderwertigen“[13] sich nicht vermehren sollten, wodurch ein „höherer gesellschaftlich-biologischer Typus“[14] erschaffen werden sollte.[15] Den alten Menschen sah man im Zusammenhang mit seinen Schwächen als begrenzt und nicht in der Lage die Weltrevolution zu bewerkstelligen, und daraus folgend behaupteten die Bolschewiki, dass er nicht fähig sei, die neue Welt bewohnen zu können. Der neue Mensch wurde im Proletarier gesehen, welcher das Volk vertrat und der für ein gemeinschaftliches, grenzüberschreitendes Wirken und Denken prädestiniert war. Zudem habe er die Fähigkeit, sich in seiner sozialistischen Umgebung, physisch und psychisch zu einem starken, dienstfähigen und wohlbehaltenen Arbeiter entfalten zu können.

4. Verbreitung des Sozialismus in Russland

Die von den Bolschewiki ergriffenen Maßnahmen enthielten die komplette Verstaatlichung der Industrie, das Verbot des privaten Handels, die Einschränkung der Rolle des Geldes als Tauschmittel für Waren, die militärische Disziplinierung der Arbeiter, die Rationierung von wesentlichen Konsumgütern und vorrangig die externe Zentralisierung der Marktwirtschaft. Außerdem schuf man einen Wirtschaftsrat zur Kontrolle der Wirtschaft und der Staatsfinanzen, welcher am 2. Dezember 1917 eingeführt wurde. Hinzukommend führten sie die Produktionskontrolle ein, die die Arbeiter eigenständig ausführten. Lenin sah es unabdingbar Institutionen wie Banken, Eisenbahnen und Handelsflotten, in den staatlichen Besitz zu überführen. Dadurch glaubte man einen großen Schritt in Richtung des Sozialismus zu gehen.[16] Da sichvor allem im wirtschaftlichen und politischen Bereich mehr und mehr Hindernisse aufzeigten, wurde der sogenannte „Goėlro-Plan“entwickelt. Dieser Plan beinhaltete den Bau von 30 Kraftwerken, die die Elektroenergie steigern sollten und so eine Modernisierung der Wirtschaft brachte.Der Plan wurde bis 1930 erfüllt.[17] Es sollte mit Hilfe des Mittels der Elektrifizierung, welche das Zwischenschalten der Informationsverarbeitung in den Arbeitsprozess beschreibt, zum Ansteigen der Produktion beitragen und so zu einer Revision der Lebensumstände der Menschen verhelfen. Ebenfalls sollten durch die Elektrifizierung, die sanitären Verhältnisse vorangetrieben werden, sowie die landwirtschaftliche Situation verändert werden und die Strapaze der Hausarbeit beseitigt werden. Dies zusammen sollte eine Hinführung zum Kommunismus gewährleisten.[18]

Um die Mitbestimmung aller Arbeiter zu garantieren, stellte man eine Aufklärung über wirtschaftliche Ziele und Produktionsmodalitäten in den Vordergrund. Durch die Einführung von Einheitslöhnen, wurde die Abschaffung der unterschiedlichen Leistungslöhne erreicht. Bei zahlreichen Dienstleistungen wie Mieten, Post, oder öffentlichem Verkehr, kam es zu Preisminderungen. Infolgedessen verlor das Geld an Wert und brachte zugleich die kommunistische Entwicklung voran.[19]

Die Gewaltablehnung, sowie die Verurteilung des Militärstaates, wurden durch pädagogische Erlässe erreicht, die im Januar 1918 in Gesetzen festgelegt wurden. Dies hatte zur Folge, dass Gerichtshöfe undGefängnisse für Kinder abgeschafft wurden, und eine Strafmündigkeit ab dem 17. Lebensjahr in Kraft trat. Hinter diesen Maßnahmen befand sich die Erkenntnis, dass durch die Verhältnisse innerhalb der Gesellschaft, die Kinder, sowie die Jugendlichen zur Kriminalität verleitet wurden und man nun die Einbindung der Kinder und Jugendlichen vorschob, ihren Status in der Gesellschaft aufwertete und die des Staates hinten an stellte.[20], Zum einen führte dies im Jahr 1920 zu einer Abnahme von verwaisten Jugendlichen, jedoch kam es zu keiner Verminderung der Kinder- und Jugendkriminalität. Man sah diese Schwierigkeit kritisch und forderte Jugendliche auf, sich an der Revolution zu beteiligen. Jedoch hatten junge LeuteProbleme sich mit der neuen sozialistischen Gesellschaft auseinander zu setzen.[21]

[...]


[1] Vgl. Smith, S. A.: Die Russische Revolution.aus dem Englischen übersetzt von Christian Rochow. Stuttgart2011, S.61-65.

[2] Vgl. Hildermeier, Manfred: Die Russische Revolution 1905-1921. Frankfurt am Main 1989, S.223.

[3] Vgl. Ebd., S.229-236.

[4] Marx, Karl/ Engels, Friedrich: Manifest der Kommunistischen Partei. Stuttgart 1969, S.67.

[5] Bollinger, Stefan: Pankower Vorträge. Heft 106: Die Oktoberrevolution im Widerstreit. Berlin 2007, S.44f.

[6] Vgl. Richers, Julia: Die Resonanz der Revolution in der Welt. in: Haumann, Heiko (Hrsg.): Die Russische Revolution 1917. Köln 2007, S.138.

[7] Vgl. Smith, 2011, S. 107f.

[8] Vgl. Scheide, Carmen: Veränderungen von Lebenswelten – Hoffnungen, Enttäuschungen. in: Haumann, Heiko: Die Russische Revolution 1917. Köln 2007, S.116.

[9] Vgl. Pohlmann, Friedrich: Marxismus-Leninismus-Kommunismus-Faschismus- Aufsätze zur Ideologie und Herrschaftsstruktur der totalitären Diktaturen. Freiburg 1995, S.61f.

[10] Vgl. Pohlamm, 1995, S.68.

[11] W. I. Lenin: Werke. Bd 25.Berlin 1960, Zitate 433,470. Zit. n.: Scheide, 2007, S.116.

[12] Vgl. Hagemeister, Michael: Utopien der Revolution: Von der Erschaffung des Neuen Menschen zur Eroberung des Weltraums. in: Haumann, Heiko (Hrsg.): Die Russische Revolution 1917. Köln 2007, S.133.

[13] Vgl. Hagemeister, 2007, S.133

[14] Begriff nach Lev Trockij in: Hagemeister, 2007, S.133

[15] Hagemeister, 2007, S.130-133.

[16] Vgl. Smith, 2011, S.107f.

[17] Vgl. Scheide, ,2007, S.117

[18] Vgl. Smith, 2011, S.153.

[19] Scheide, 2007, S.120

[20] Vgl. Ebd.,S.116-122.

[21] Vgl. Smith, 2011,S.207f.

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668297791
ISBN (Buch)
9783668297807
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340161
Note
1,7
Schlagworte
Oktoberrevolution Russland Sozialismus Geschichte Bolschewiki

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