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Zeitangaben - Heterogenität und Binnendifferenzierung im Integrationsunterricht

Ausarbeitung 2015 21 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung
Vorwort
Persönliche Daten und beruflicher Werdegang

II Hauptteil
Zielgruppe
Unterrichtsmaterial
Lernziel
Unterrichtsfeinplanung
Analyse von Unterrichtsmaterial Vorstellung des Lehrwerks „Pluspunkt Deutsch“
Einleitung
Zielgruppe
Zielsetzung
Aufbau
Methodische Schwerpunkte
Methodische Ansätze
Heterogenität und Binnendifferenzierung in dem Lehrwerk „Pluspunkt Deutsch“

III Abschließender Teil Selbsteinschätzung bezüglich der Lernerfahrungen

Literaturverzeichnis

Vorwort

Seit einiger Zeit unterrichte ich die deutsche Sprache in Flüchtlingskursen in Berlin in größeren Gruppen bis zu 25 Teilnehmern1. Der Unterricht findet in einer privaten Sprachenschule statt, die sich auf arabisch sprechende Teilnehmer spezialisiert hat. Es sind, aufgrund der aktuellen Situation, überwiegend Personen aus Syrien und dem Irak.

In den Sprachkursen habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Teilnehmer nicht gerne über ihre Herkunft sprechen und ihre persönliche Situation nicht thematisieren möchten. Bei Fragen nach ihrer Herkunft antworten sie, dass sie z. B. aus Syrien kommen oder aus dem Irak aber Städtenamen werden nicht genannt, auch wenn es vielleicht angebracht wäre. Das ist mir häufig schon in den ersten Unterrichtsstunden, in denen ich das Alphabet eingeübt und nach Beispielswörtern gefragt habe, aufgefallen. Bei Fragen nach Wör- tern mit dem Anfangsbuchstaben „A“ wurde niemals „Aleppo“ genannt und auch nicht „Assat“ sondern stattdessen „Amsterdam“, „Amerika“, „Angela Merkel“. Diese Beobachtungen führen zu der Vermutung, dass die Teilneh- mer ihre Vergangenheit hinter sich lassen möchten. Mein Vorhaben ist daher, dass die ersten Unterrichtserfahrungen der Teilnehmer entspannt sein sol- len, dass eine schöne, positive Atmosphäre entsteht und dass die Ausrich- tung auf eine mögliche Zukunft in Deutschland betont wird.

Obwohl potenzielle Probleme der Teilnehmer im Unterricht von mir nicht explizit angesprochen werden, halte ich es dennoch für sinnvoll, sich mit Hilfe von Literatur über die Thematik der Flucht, ihre Ursachen und Folgen zu informieren, zumal in persönlichen Gesprächen das Ein oder Andere er- wähnt wird. Die Abhandlung von Gabriele Yonan2 „Psychosoziale Folgen der Flucht“ ist zwar nicht speziell zur gegenwärtigen Situation hin entstanden, ist aber nach wie vor relevant und aktuell. Wichtige Themen in dem Zusam- menhang werden behandelt, wie beispielsweise die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in Deutschland, die psychische Auswirkung der Unterbringung in

Sammelunterkünften, die Familiensituation mit den Veränderungen aufgrund der Flucht einzelner Familienmitglieder und Einiges mehr. Es wird auch die Arbeit in psychosozialen Beratungsstellen und Zentren behandelt, die Tätig- keiten der Mitarbeiter beschrieben, so dass man einen tieferen Einblick be- kommt in die Möglichkeiten, die eine Beratung in Institutionen nach sich ziehen kann. Auch wenn man selbst als Deutschlehrerin nicht direkt zur Lö- sung von Problemen der Flüchtlinge beitragen kann, so erfährt man, an wel- che Stellen sie sich wenden können und kann in sofern behilflich sein. Akt- uelle politische Entwicklungen zum Thema „Asylrecht“ und „Aufenthalts- recht“ sollten in der Tagespresse verfolgt werden sowie insbesondere die In- ternetseiten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sollten m. E. re- gelmäßig besucht werden im Hinblick auf Veränderungen von Anforderungen und Zielsetzungen3 in Integrationskursen.

In Integrationskursen zu unterrichten ist mein Anliegen und führte zur An- meldung an dem „verkürzten Intensivkurs“ in der Friedländerschule in Ber- lin. Als Thema für das abschließende Portfolio habe ich die Behandlung der „Zeitangaben mit besonderer Berücksichtigung der Binnendifferenzierung“ gewählt. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrung in den Flüchtlingskursen er- lebe ich die unterschiedlichen Bildungsgrade und Lernerfahrungen der Teil- nehmer als große Herausforderung für den Unterricht. Manche Teilnehmer sprechen ein oder zwei Fremdsprachen, die in der Kindheit oder Jugend er- lernt wurden, andere können keine Fremdsprachen sprechen, kennen nicht das lateinische Alphabet oder die arabischen Ziffern. Der Versuch, den un- terschiedlichen sozialen und bildungsmäßigen Voraussetzungen und Förder- möglichkeiten gerecht zu werden ist für jeden Einzelnen der Teilnehmer von Bedeutung und darüber hinaus auch für die Gruppe als Ganze. Gerade in ei- nem sogenannten Integrationsunterricht sollte m. E. die Erfahrung im Vor- dergrund stehen, dass jeder Einzelne nach seinen Möglichkeiten gefördert wird und er für die Gemeinschaft der Gruppe von Bedeutung ist.

Persönliche Daten und beruflicher Werdegang

Persönliche Daten Berufliche Tätigkeiten

Schulungen und Ausbildungen

Persönliche Interessen

Zielgruppe

Die heterogene Gruppe des Integrationskurses setzt sich zusammen aus 12 Teilnehmern:

4 Frauen im Alter zwischen 18 und 54 Jahren (2 Frauen kommen aus Syrien und 2 Frauen aus dem Irak) und 8 Männern im Alter zwischen 18 und 54 Jahren (5 Männer kommen aus Syrien, 2 Männer aus dem Irak und 1 kurdisch sprechender Mann kommt aus der Türkei.

Ein Teilnehmer aus Syrien, arbeitet seit 2 Jahren bei seinem Onkel in einem syrischen Restaurant in Berlin. Er versteht viel, aber verwendet keine Artikel und reiht kurze Satzteile mit unklarer Verbindung aneinander, ein sogenann- ter fließend falsch Sprecher. Ein Teilnehmer aus dem Irak hat die Lehre als Frisör im Jahr 2015 im Irak abgeschlossen und möchte schnell deutsch lernen um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen. Es gibt einen Ingenieur aus Homs, Syrien, und eine Biologielehrerin aus Baghdad. Sie sind, wie auch fast alle übrigen Teilnehmer erst seit ein paar Monaten in Berlin und haben schon einen Flüchtlingskurs besucht. Das Lernniveau der Teilnehmer in den Herkunftsländern ist ausgesprochen heterogen. Die meisten Teilnehmer ha- ben keine Fremdsprachenkenntnisse und nur eine geringe Schulbildung und können, meiner Beobachtung nach, nur mühsam rechnen. Das liegt vielleicht z. T. auch daran, dass nicht nur die lateinischen Buchstaben im Arabischen nicht verwendet werden, sondern auch die arabischen Ziffern nicht. In der arabischen Sprache werden indische Ziffern4 verwandt. Bei den Rechenvorgängen müssen sich die Teilnehmer mit der ungewohnten Darstellung vertraut machen. Aus diesem Grund ist es m. E. sinnvoll einfache Rechenarten einzuüben und Dreisatzaufgaben zu rechnen5.

Im Kontext des Themas „Zeitdarstellung“ spielen die Zahlen eine Rolle und es erscheint angebracht, einfache Rechenaufgaben zwischendurch zu behan-deln, wie beispielsweise: „Es ist 8 Uhr, wie spät ist es in 120 Minuten?“. Ge- rade bei den Rechenaufgaben zeigt sich deutlich die Heterogenität der Ler- nenden.

Alle Teilnehmer verbindet, dass sie als Flüchtlinge nach Deutschland ge- kommen sind und ein schwieriges Schicksal zu tragen haben. Viele Mitglieder der jeweiligen Familie leben noch im Herkunftsland unter gefährlichen Be- dingungen. Die gesamte Gruppe der Teilnehmer verhält sich ausgesprochen kooperativ. Es wird nicht versucht einzelne Teilnehmer aufgrund der man- gelnden Bildung oder aus anderen Gründen zu isolieren. Im Gegenteil, die Teilnehmer unterstützen sich gegenseitig und fördern das Fortkommen der gesamten Gruppe.

Schwieriger zu fördern ist m. E. die im Aufsatz von Santelli6 angesprochene „Selbstverantwortung für das eigene Leben“. Möglich ist, dass die individu- elle Verantwortung gerade in der orientalischen Kultur nicht so ausgeprägt ist wie in der abendländischen. Insofern müssten Strategien gefunden wer- den, die aufzeigen, wie es möglich ist, einzelne Personen zu motivieren, ei- nen bestimmten beruflichen Weg zu gehen, wenn er erfolgreich zu sein scheint und von der Person selbst als attraktiv empfunden wird.

Unterrichtsmaterial

Als Literatur habe ich „Pluspunkt Deutsch“ von Cornelsen gewählt, sowohl das A1 Kursbuch als auch das A1 Arbeitsbuch sowie das gerade erschienene Booklet „Der Einstieg - Vorkurs Deutsch als Fremdsprache“. Zusätzlich habe ich 1 Arbeitsblatt gefertigt sowie eine dreidimensionale Uhr, die zu Dokumentationszwecken als Fotografie vorliegt.

[...]


1 Im Folgenden wird aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung nur die männliche Form verwendet. Es sind jedoch stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleicher- maßen gemeint.

2 Yonan, Gabriele, „Psychosoziale Folgen der Flucht“

3 Script „Migration und Migranten“, Fortbildung für Kursleitende Deutsch als Zweitsprache, Friedländerschule, Dr. Ulrike Scholvin.

4 Indische Ziffern - entsprechend: 1234567890: ٩٨٧٦٥٤٣٢١ auf Grundlage des Dezimalsystems

5 Meiner Erfahrung nach macht es den Teilnehmern sehr viel Freude zu rechnen.

6 Santelli, Silke, Heterogenität und Binnendifferenzierung, Fortbildung für Kursleitende Deutsch als Zweitsprache, Friedländer Schule, S. 5.

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668307735
ISBN (Buch)
9783668307742
Dateigröße
9.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340205
Note
erfolgreich bestanden
Schlagworte
Portfolio BAMF Zeitangaben Heterogenität und Binnendifferenzierung Integrationsunterricht Deutsch als Zweitsprache DaZ Verkürzter Intensivkurs Friedländerschule Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Zusatzqualifizierung von Lehrkräften DaF Deutsch als Fremdsprache

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Titel: Zeitangaben - Heterogenität und Binnendifferenzierung im Integrationsunterricht