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Zu Niklas Luhmanns Konzept symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 23 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medientheorie
2.1 Ursprünge
2.2 Luhmanns Unwahrscheinlichkeitsthese

3. Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien
3.1 „Wie und warum“ eine Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien?
3.2 Zur Funktionsweise symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien
3.3 Zum Stellenwert symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien in Luhmanns Systemtheorie

4. Diskussion
4.1 Geld als einziges „sinnvolles“ symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium?
4.2 Geld im Handlungssystem

5. Exkurs: Was versteht Luhmann eigentlich unter dem Begriff „Medium“?

6. Fazit

7. Anhang – Literatur

1. Einleitung

Es erscheint geradezu paradigmatisch, dass innerhalb Niklas Luhmanns soziologischer Systemtheorie von Handlung auf Kommunikation als Letztelement sozialer Systeme umgestellt wird. Im Gegensatz zu Talcott Parsons „basic unit” mit Handlung als grundlegendem Ereignis und Letztelement des Sozialen erscheint nun Kommunikation als Grundlage und Stütze innerhalb der Luhmann’schen Theorie des Sozialen: „Sozialität ist kein besonderer Fall von Handlung, sondern Handlung wird in sozialen Systemen über Kommunikation [...] konstituiert [...]“ (Luhmann 1984, S.191).

Soziale Systeme sind für Luhmann autopoietische Systeme, die in einem „rekursiv-geschlossenem Prozess fortlaufend Kommunikation aus Kommunikation produzieren“ (Kneer/Nasehi 1997, S. 80) und demnach erscheinen soziale Systeme als Kom­munikationssysteme, als Systeme mit der Letzteinheit des Elementes Kommunikation. Auf­grund des von Maturana und Varela formulierten Autopoiesis-Konzepts (vgl. Kneer/Nasehi 1997, S. 65) existieren soziale Systeme nur und „reproduzieren sich dadurch, dass sie fortlaufend Kommunikationen an Kommunikationen anschließen“ (ebd.) – quasi führt die autopoietische Selbsterhaltung zur Selbsterzeugung von Anschlusskommunikation. Wie aber kann Anschlusskommunikation gewährleistet werden? – „Fragt man genauer nach, stößt man auf eine Mehrzahl von Problemen, eine Mehrzahl von Hindernissen, die die Kommunikation überwinden muss, damit sie überhaupt zustande kommen kann“ (Luhmann 1984, S. 217). Luhmann nennt drei Probleme, die die Kommunikation unwahrscheinlich machen (vgl. Luhmann 1984, S.217 ff.): Verstehen, Erreichen und Erfolg. Luhmann zufolge ist die Kommunikation also von Unwahrscheinlichkeiten des Fortbestehens geprägt, die es zu überwinden gilt. Um den Fortbestand zu gewährleisten, muss „Unwahrscheinliches in Wahrscheinliches [...] transformier[t] [werden]“ (Luhmann 1984, S. 220). Luhmann sieht in „evolutionären Errungenschaften“ (ebd.), die er „Medien“ (ebd.) nennt, die Lösung des Problems – diese Medien vermögen eine Kontinuitätsförderung (gar eine Sicherung des Fortbestehens) der Kommunikation. Er unterscheidet hierzu in Medium Sprache, Verbreitungsmedien und symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien. Letztgenannte nehmen sogar einen immensen Stellenwert in Luhmanns Theoriearchitektur ein, hat er gar ganze eigenständige Schriften über die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien (zum Beispiel Liebe, Macht, Kunst) verfasst. Jedoch hat Luhmanns Medientheorie – im Speziellen „seine“ symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien – auch Diskussionen ausgelöst und es finden sich einige Ansatzpunkte, Luhmanns Medienkonzept kritisch zu begutachten.

Es erscheint demnach im Folgenden angebracht Luhmanns Unwahrscheinlichkeitsthese der Kommunikation etwas genauer zu beleuchten und somit auf die drei Medien der Kommunikation kurz einzugehen. Ein kurzer allgemeiner Überblick bezüglich Medientheorien soll dazu beitragen, den Stellenwert solcher innerhalb der Soziologie zu verdeutlichen. Da die sogenannten symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien bei Luhmann einen recht deutlichen Beitrag zur Kommunikationsförderung leisten, soll dann versucht werden, die Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien darzustellen und im Speziellen Luhmanns Zweck und Abgrenzung zu anderen Konzepten zu veranschaulichen. Als interessant erweist sich weiterhin wie diese symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien eigentlich funktionieren. Es soll dazu die Funktionsweise und damit das Zustandekommen solcher Medien nach Luhmann klargemacht werden. Aufgrund Luhmanns Ausführungen erscheint es ebenso als unerlässlich einen Blick auf den Stellenwert der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien in Luhmanns Systemtheorie zu werfen, in der das Konzept der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien seine Verwendung findet. Doch ansetzend an diesem Punkt drängen sich kritische Anmerkungen bezüglich einer allgemeinen Gültigkeit auf – vor allem das, was Luhmann alles zu symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien erklärt. Demnach sollen mögliche Ansätze zur Überprüfung des Luhmann’schen Konzeptes symbolisch generalisierter Kommunikations­medien vorgeschlagen und ansatzweise ausgeführt werden.

Als kleiner exkursiver Einschub zum Medienbegriff an sich wird kurz Luhmanns Auffassung und Verständnis – was man unter „Medium“ eigentlich versteht – dahingehend reproduziert, dass sich so vielleicht besser verstehen lässt, wie Luhmann dazu kommt so vieles zum symbolisch generalisierten Kommunikationsmedium „zu erheben“.

Diese Arbeit soll also Luhmanns Medienkonzept der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien erläutern und kritisch begutachten.

Aufgrund der hohen Komplexität der Systemtheorie Luhmanns war es schwierig diese Arbeit homogen zu erstellen. Viele Grundlagen und Annahmen bedingen sich gegenseitig und lassen sich nur durch tiefgreifendere Lektüre sinnvoll nachvollziehen und erklären, das heißt, das Verständnis des einen Sachverhaltes setzt das Bekanntsein und Verstehen eines anderen voraus etc.. Es wurde demnach versucht, die Ausführungen nicht allzu weit ausschweifen zu lassen, um möglichst linear und verständlich vorzugehen.

2. Medientheorie

2.1 Ursprünge

Medien sind in der Systemtheorie nicht nur „Medien“ wie es Buch, Radio und TV im Alltagsverständnis sind. Luhmann unterscheidet in seiner Systemtheorie zwischen dem Medium der Sprache, den Verbreitungsmedien (Buchdruck, technische Verbreitungsmedien: Radio, Fernsehen etc.) und den sogenannten symbolisch generalisierten Kommunikations­medien. Die Einführung der symbolisch generalisierten Kommunikations­medien als Konzept innerhalb Luhmanns Systemtheorie findet seinen Ursprung in Talcott Parsons Einführung des AGIL-Schemas als Grundlage einer Theorie der systemischen Differenzierung, in der Parsons Mechanismen findet, welche die Einheit des Differenzierten garantieren, eben Geld, Macht, Einfluss und Wertbindung (vgl. hierzu Künzler 1986). Jene symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien bilden „eine Klasse von sozialen Mechanismen, die die Interaktion von Menschen in der Gesellschaft steuern“ (Jensen in Parsons 1980, S. 7).

Innerhalb der Soziologie findet die sogenannte Medientheorie ihre Beachtung durch „Versuche der Aufzählung und Sortierung von solchen Medien“ (Esser 2000, S. 283) – im Speziellen den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien.

Luhmann hat mit seinem Programmaufsatz „Einführende Bemerkungen zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien“ versucht, Parsons Konzept weiterzuentwickeln (vgl. Luhmann 1974). In „Soziale Systeme: Grundriss einer allgemeinen Theorie“ (Luhmann 1984) bettet Luhmann sein medientheoretisches Konzept in sein systemtheoretisches Programm ein. Luhmann möchte die symbolisch generalisierten Kom­munikationsmedien in einen „kommunikationstheoretischen Rahmen“ (Luhmann 1984, S.222, Anmerkung 47) überführt wissen und will weg vom Parsons´schen Medienkonzept, da es sich bei Parsons um ein „Tauschverhältnis zwischen (analytischen) Subsystemen des allgemeinen Handlungssystems“ (ebd.) handelt.

2.2 Luhmanns Unwahrscheinlichkeitsthese

Wie bereits in der Einleitung grundlegend angesprochen, geht Luhmann in seiner Theorie von einem die Elemente des Sozialen produzierenden Kommunikationsprozess aus (vgl. hierzu auch im Folgenden Luhmann 1984, S. 217 ff.), wobei er auf funktionsspezifische Einrichtungen der Gesellschaft rückgreift, die die Kommunikation hinsichtlich ihrer Erwartungen erfolgreicher und wahrscheinlicher machen.

Luhmann stellt mit seiner Unwahrscheinlichkeitsthese drei Unwahrscheinlichkeiten der Kommunikation heraus. Um die Unwahrscheinlichkeiten der Kommunikation zu beheben, bildete die Gesellschaft evolutionäre Errungenschaften aus, die vornehmlich als „Medien“ bezeichnet werden:

„Diejenigen evolutionären Errungenschaften, die an jenen Bruchstellen der Kommunikation ansetzen und funktionsgenau dazu dienen, Unwahrscheinliches in Wahrscheinliches transformieren, wollen wir Medien nennen“ (Luhmann 1984, S. 220).

Somit entstehen Sicherheitseinrichtungen, welche in der Form von Medien eine Komplexitätsreduktion der Kommunikation und eine selektierte Anschlussmöglichkeit gewährleisten. Luhmann geht von drei Unwahrscheinlichkeiten (entsprechend seinem dreistufigen Selektionsmodell der Kommunikation) der Kommunikation aus: Erstens von der Unwahrscheinlichkeit des Verstehens, zweitens von der Unwahrscheinlichkeit des Erreichens der Adressaten und drittens von der Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs. Die Reduzierung dieser Unwahrscheinlichkeiten erfolgt nach Luhmann über drei Medien:

a) Erstens die Sprache, welche es vermag „das Verstehen der Kommunikation wahrscheinlich zu machen. Sprache ermöglicht, den Bereich des Wahrnehmbaren zu überschreiten und mit Hilfe von symbolischen Generalisierungen in der Form von Zeichen über etwas zu kommunizieren [...]“ (Baraldi 1997, S. 180). Dabei gewährleistet die Arbitrarität der Zeichen (Laut und Sinn) die notwendige Differenz für Kommunikation von Information und Mitteilung, um zu verstehen (vgl. ebd. ff.).

b) Zweitens die Verbreitungsmedien (Schrift, Druck, und Funk), welche den gesellschaftlichen Anschluss sichern, welcher durch Abwesenheit von Akteuren entfallen könnte, das heißt von nun an entfällt die notwendige Bedingung der einer unmittelbaren Anwesenheit von Interaktionspartnern. Durch solche Verbreitungsmedien wird „eine immense Ausdehnung der Reichweite des Kommunikationsprozesses [erreicht]“ (Luhmann 1984, S. 221). Diese Verbreitungsmedien haben sich evolutiv auf der Grundlage der Sprache entwickelt (Genaueres vgl. hierzu Baraldi 1997, S. 199 ff.).

c) Drittens die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien, welche hinsichtlich der Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs der Kommunikation eine Annahme der Anschlussselektion ermöglichen (sollen).

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638343688
ISBN (Buch)
9783638652568
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34042
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,7
Schlagworte
Niklas Luhmanns Konzept Kommunikationsmedien Hauptseminar

Autor

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