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Johann Wolfgang von Goethes "Prometheus". Eine Interpretation

Referat / Aufsatz (Schule) 2015 7 Seiten

Leseprobe

Interpretation

Johann Wolfgang von Goethe: „Prometheus“

Das Gedicht „Prometheus“ stammt von Johann Wolfgang von Goethe und wurde zwischen 1773 und 1774 verfasst. Goethe verfasste dieses Gedicht während seines zweiten Aufenthaltes in Frankfurt. Er hatte dort ein Referendariat und lernte auch seine Geliebte Charlotte Buff kennen, die allerdings kurz vor der Verfassung des Gedichts einen anderen Mann heiratete. Etwa zur gleichen Zeit verfasste er auch „Die Leiden des jungen Werther.“ Damit fällt dieses in die Epoche Goethes als Stürmer und Dränger. Das Gedicht blieb zunächst bis 1789 unveröffentlicht, wurde dann aber von F.H. Jacobi abgedruckt. Allgemein lässt sich sagen, dass es eines der bedeutendsten Werke des Sturm und Drang ist.

Es ist eine Hymne, da dieses Gedicht eine feierliche bzw. preisende Anmutung hat und somit ein Lobgesang ist. Dabei ist allerdings anzumerken, dass er hierbei sich selbst lobt. Dies wird besonders deutlich in Strophe 3, Zeilen 5 bis 6, und in Strophe 4, Zeilen 5 bis 6. Des Weiteren spricht für eine Hymne, dass kein Endreim vorhanden ist, sowie auch die freien Strophen, die nicht immer gleich lang sind. Zur Unterscheidung zwischen Hymne und Ode lässt sich sagen, dass eine Ode meist noch feierlicher ist und dass in dieser um die großen Fragen des Lebens geht, was bei dem Gedicht „Prometheus“ nicht der Fall ist, sodass es sich um eine Hymne handelt.

Thematisch ist das Gedicht angelehnt an den Prometheus-Mythos aus der griechischen Mythologie. In dieser geht es um den Titan Prometheus, der die Menschen erschaffen und ihnen tierische Eigenschaften geben wollte. Zeus verlangte von diesen Menschen aber Anbetung und Opfer, sodass Prometheus im Namen der Menschen ihm zwei unterschiedlich große Haufen präsentierte, bei denen nicht sichtbar unter dem kleinen Haufen Fleisch und unter dem großen Haufen Knochen lagen. Da Zeus den größeren Haufen wählte und den Betrug entdeckte, nahm er den Menschen das Feuer weg, aber Prometheus missachtete dies und gab es den Menschen zurück. Zeus schuf daraufhin die Pandora, die mit Prometheus zusammen den Menschen die „Büchse der Pandora“ übergab, bei deren Öffnung aber alle schlechten Dinge daraus die Menschheit erfassten. Prometheus wurde daraufhin an einen Kaukasus-Felsen gekettet und jeden Tag kam ein Adler, der einen Teil seiner Leber fraß, die aber nachts wieder nachwuchs, sodass dies ein ewiger Kreislauf sein würde. Nur Herakles nahm sich seiner an und löste ihn vom Kaukasus, lies ihn aber immer einen kleinen Teil des Felsens mit sich herum tragen, damit er immer „an den Kaukasus“ gefesselt sei. Das Gedicht beschreibt die Stelle der Sage, an der Prometheus an den Kaukasus geschmiedet ist und sich über Zeus beschwert. Die Figur Prometheus ist somit in gleichnamigem Gedicht die Verkörperung des Menschenbildes des Sturm und Drang und verkörpert somit auch das Wesen von „Rebell und Genie.“

Das lyrische Ich in dem Gedicht ist Prometheus, der an einen Kaukasus-Felsen gekettet ist und sich deutlich über Zeus beschwert. Dadurch wird ein gespanntes Verhältnis zu Zeus deutlich, da er über Zeus schimpft (vgl. Vers 14f.). Dies widerspricht dem normalen, für die damalige Zeit üblichen, Umgang mit den Göttern im Sinne eines demütigen Gebetes als Sprache zu Gott. Somit ist dieses Gedicht sehr unorthodox und auch ein monologisches Rollengedicht, welches das Gegenteil zu einem Gebet ist, da Prometheus sich auf die Gleiche Ebene mit den Göttern stellt, obwohl er als Titan kein Recht dazu hat und ihnen Untertan sein müsste.

Formal lässt sich das Gedicht in 7 Strophen einteilen, ist aber teilweise in einigen Fassungen auch mit 8 Strophen aufzufinden. Diese sind unterschiedliche lang und besitzen viele Imperative. Des Weiteren werden unterschiedliche Zeitformen verwendet, da einige Verse im Präsens, andere im Präteritum stehen. Die Besonderheit von Strophe 4 und 5 ist, dass diese nur aus Fragen bestehen.

Strophe 1 ist im Präsens geschrieben und beginnt mit zwei Imperativ-Sätzen (vgl. Vers 1f. und vgl. Verse 3-5). Diese sind sehr herausfordernd und provokativ geschrieben und weisen somit auf respektloses Agieren hin. Darin fordert er Zeus, also den Göttervater, auf, seiner Himmel mit Wolkendunst zu bedecken. Zum einen wird somit klar, dass Prometheus nicht im Himmel bei den Göttern befindet, zum anderen, dass der Wolkendunst den Himmel verschleiern soll und somit eine „Barriere“ zwischen Prometheus und den Göttern erschaffen soll, da sich Prometheus eher den Menschen verbunden fühlt als den Göttern. Dies wird auch in den Folgenden Versen ab Vers 5 deutlich, in denen klare Forderungen an Zeus gestellt werden. Da Prometheus ein Untertan von Zeus ist, zeigt dies ein respektloses und vor allen Dingen selbstbewusstes Agieren von Prometheus. Mit den Worten „meine Erde“ (Vers 6), „meine Hütte“ (Vers 8) und „mein(en) Herd“ (Vers 10) verdeutlicht Prometheus seine Besitztümer, da Zeus als Göttervater zwar die Umstände erschaffen hat, aber Prometheus sich dennoch seinen eigenen Lebensraum selber schuf. Dies zeugt von Selbstbewusstsein und Stolz gegenüber sich selbst. Die besitzanzeigenden Pronomen davor (vgl. Verse 6, 8 und 10) klären eindeutig die Besitzverhältnisse, sodass diese Prometheus gehören und unter keinen Umständen Zeus. Des Weiteren verwendet Goethe hierbei das sogenannte „Hüttenmotiv“ mit den Worten „Erde“ (Vers 6), „Hütte“ (Vers 8), „Herd“ (Vers 10) und „Glut“ (Vers 11). Dieses Hüttenmotiv ist typisch für die aufklärerische Metaphorik, in der das Gedicht geschrieben wurde. Dabei steht die Hütte als Symbol für die bürgerliche Existenz und somit auch für das bürgerliche Selbstbewusstsein, welches durch Prometheus zum Ausdruck gebracht wird. Diese bürgerliche Existenz steht in Rivalität zu dem fürstlichen Palast, der für den Herrscher und auch für etwas Unerreichbares, wie z.B. die Götter, aber auch gesellschaftliche Autoritäten stehen, welche in diesem Gedicht durch Zeus verkörpert werden. Somit zeigt dieses Hüttenmotiv den von Prometheus selbst erschaffenen irdischen Lebensraum als Symbol für die bürgerliche Existenz. Mit dem Vers 12, dem Abschluss der Strophe 1, werden noch einmal der Stolz und das Selbstbewusstsein von Prometheus hervorgehoben, da Zeus ihn beneiden soll, denn er meint damit, dass Zeus nicht haben kann, was er hat. Somit kann dies auch als Selbsterhebung über Zeus gesehen werden, was auf Hybris hindeutet. Die Hybris kann auch schon in Vers 3 erkannt werden, da dort Prometheus mit „Knaben gleich“ (Vers 3) Zeus verspottet, indem er ihn mit einem „kleinen Jungen“ vergleicht, der „auf seinem Spielplatz ist.“ Formell wird in Vers 6 eine Alliteration verwendet („Musst mit meine…“ Vers 6). Mit dieser wird betont, dass Prometheus‘ Schöpfung der Erde erst deren Charakter vollständig hervorgebracht hat, indem er die Menschen schuf. Somit wird an dieser Stelle der Glaube im Sturm und Drang an das schaffende Genie deutlich, welches Prometheus als der Schöpfer der Menschheit verkörpert. Grammatikalisch auffällig ist dabei auch, dass das „du“ Anfang fehlt. Da dieses aber im Nebensatz auftaucht, ist hier keine Ellipse vorhanden. Dafür lässt sich aber eine Inversion in Vers 7 finden, da dort der Satzbau nicht grammatikalisch korrekt ist.

Die Strophe 2 beginnt mit einer Diffamierung von Zeus („nichts Ärmeres“ Vers 13). Somit distanziert sich Prometheus ganz klar von den Göttern und stellt sich selbst über diese. Der Inhalt der Strophe befasst sich mit der Kritik des Handelns der Götter und der Existenz der Götter. Er sagt, dass die Existenz nur auf „Kinder und Bettler“ (Vers 20) gestützt sei. Mit „hoffnungsvolle Toren“ (Vers 21) meint er, dass die Gaben der Menschen an die Götter sinnlos sind, da sich die Götter sowieso nur „durchfüttern lassen.“ Des Weiteren bezeichnet dieser Vers die Menschen als verblendet, da ihnen etwas versprochen wurde, was nicht kommen wird, und sie somit auf eine nicht kommende Hilfe von außen warten. Darin wird er Gedanke der Aufklärung deutlich, dass die Menschen das System selbst hinterfragen und somit ihre Unmündigkeit ablegen sollen. Somit ist dieser Vers eine Verdeutlichung für die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“, denn an dieser Stelle ist auch ein Rückbezug auf den Prometheus-Mythos möglich: Aus der Büchse der Pandora kam neben den schlechten Dingen für die Menschheit auch die Hoffnung heraus, die im Sinne der Aufklärung als Hoffnung auf die Auflehnung gegen das System verstanden wird. Die „Opfersteuern“ (Vers 16), die sich aus den Gebeten und Abgaben an die Götter zusammensetzen, und der „Gebetshauch“ (Vers 17) weisen darauf hin, dass die Menschen wie unmündige Kinder behandelt werden. Somit gehen die Götter als Schmarotzer hervor, die ohne die Menschen gar nicht existieren könnten. Goethe übt auf diese Weise offen Religionskritik. Angelehnt an die Interpretation, dass die Götter symbolisch für die Autoritäten stehen (vgl. Strophe 1), übt Goethe somit offen Kritik am Adel.

In der 3. Strophe geht es um die Vorgeschichte, weswegen diese und die darauffolgende Strophe im Präteritum geschrieben sind. Die Strophe beginnt mit einer Inversion im Vers 22. Diese schürt eine Erwartung auf epischer Ebene, was auf eine formale Unterbrechung des Gedichtes hinweist, da dies nicht zum poetischen bzw. lyrischen Stil passt. Somit ist zu erwarten, dass ein epischer Mittelteil folgt. Inhaltlich geht es darum, dass Prometheus als Kind Hilfe („verirrtes Aug‘“ Vers 24) gebraucht hätte, da er „nicht wusste, wo aus, wo ein“ (Vers 23) war, da er verirrt und verängstigt war. Dies ist normal für die Kindheit und Jugend, da dies die Phase der Orientierung ist. Damit schafft Goethe eine Verallgemeinerung, da die Kindheit und Jugend eine Lebensphase eines jeden Menschen ist und somit jeder sich selbst in dem Gedicht wiederfinden kann. Aber diese Phase birgt auch die Gefahr an die falschen Personen zu kommen und den falschen Idealen bzw. Vorbildern zu folgen, sodass diese Phase eine Vereinnahmung ist, in der Prometheus an die Götter geraten ist, aber die von ihnen benötigte Hilfe nicht erhalten hat, was ihn bis zu dem Tage prägte. Mit der „Sonne“ (Vers 25), die positiv konnotiert ist, ist neben dem Licht, dass sie spendet, hier die Erhellung bzw. Erleuchtung gemeint, die Im Sinne der Aufklärung dem Menschen die Wahrheit zeigt und ihn wieder zurück auf den richtigen Weg führt. Gleichzeitig kann sie aber auch für die Blendung durch die Götter stehen, sodass bei diesem Wort eine Doppeldeutigkeit vorliegt. In dem folgenden Vers 26 bring Prometheus mit einem Konjunktiv bzw. einem Irrealis, also einem unerfüllbaren Wunsch, zum Ausdruck, dass er damals Hoffnung auf eine helfende Kraft bzw. einen helfenden Gott hatte, diese Hoffnung aber nicht erfüllt wurde. Unterstützt wird der Fokus auf diese helfende Kraft durch eine Anapher in Vers 26 und 27 („ein Ohr […] ein Herz“ Vers 26f.).

Die Erzählung der Vorgeschichte setzt sich ebenfalls in Strophe 4 fort. Dort finden sich mehrere rhetorische Fragestellungen, von denen ersten zwei dieser Fragestellungen Parallelismen sind. Dabei formuliert Prometheus mehrere Grundaussagen über die Götter: Zuerst kritisiert er diese als die „Schlafenden“ (Vers 37) und meint somit, dass sie sich nicht für die Menschen interessieren. Er resümiert somit, dass alles Bitten, Klagen und Setzen auf Gott der Menschen umsonst ist und dass die Menschen wie er alles selbst machen müssen. Dies betont er auch, indem er sagt, dass er alles mit seinem „heilig glühend Herz“ (Vers 34) geschaffen hat. Dies ist zum einen eine Alliteration, zum Anderen verwendet Goethe an dieser Stelle die Herz-Metaphorik, die typisch für den Sturm und Drang ist. Das Herz ist dabei als Symbol bzw. Emblem für die Empfindsamkeit zu sehen und steht somit symbolisch für die Kraft des Individuums. Mit den Wörtern „betrogen“ (Vers 36) und „Rettungsdank“ (Vers 36) folgt eine weitere Verspottung der Götter, da diese Dank für Schlaf bzw. Nichtstun verlangen. Des Weiteren weist er auf den Betrug hin, dass er auf Zeus und auf dessen Beistand vertraut hat, aber enttäuscht wurde und nun auf sich allein gestellt ist, sodass er nun keine Erwartungen mehr an andere stellt.

In Strophe 5 stellt Prometheus die Frage, wofür die Götter geehrt werden sollten (vgl. Vers 38-42). Denn normalerweise erfolgt die Ehrung nach Leistung, aber nach seiner Auffassung haben die Götter nichts geleistet, wofür sie geehrt werden sollten. Somit stellt er Zeus als etwas Besseres dar. Dies deutet auf einen revolutionären bzw. rebellischen Hintergedanken von Prometheus hin, da er Veränderungen will. Zudem ist der Stil der Frage provokant und angriffslustig, was das ganze zusätzlich betont. Des Weiteren wird mit dieser Frage allgemein die Autorität von Zeus in Frage gestellt und festgestellt, dass die Ehrung durch fehlende Taten nicht legimitiert ist. Im zweiten Teil der 5. Strophe (vgl. Vers 43-46) betont Prometheus, dass er selbst nicht durch die Götter, sondern durch seine Erfahrungen zu dem geworden ist, was er ist. Somit positioniert er die „allmächtige Zeit und das ewige Schicksal“ (Vers 44f.) als Gegengewicht zu Zeus und den Göttern. Die Zeit und das Schicksal haben aber Zeus abgelöst, sodass diese nicht Zeus untergeordnet sind, sondern Zeus ihnen untergeordnet ist. Sieht man die Zeit und das Schicksal als Metapher für das Leben an, bedeutet es, dass die Menschen ihr Leben nach dem Verstand und dem Kreislauf des Lebens richten sollen und nicht nach den Göttern, sodass der Gedanke der Aufklärung auch hier vorhanden ist.

In Strophe 6 formuliert Prometheus klar, dass er keine Absage an sein eigenes Leben aufgrund einer Absage durch Zeus machen wird. In Vers 50f. folgt ein Kompositum mit „Knabenmorgenblütenträume.“ Dies ist ein Neologismus, also eine Wortverknüpfung, die ist dies eine Absage an die Götter, da der bedingungslose Autoritätsglaube nur in den Wunschvorstellungen existiert und die Wünsche aber niemals der Realität entsprechen.

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Details

Seiten
7
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668304192
ISBN (Buch)
9783668304208
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340568
Note
1,2
Schlagworte
Prometheus Goethe Gedicht Gedichtinterpretation

Autor

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