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Rassenhygiene in der NS-Zeit als Beispiel für die Anwendung des Sozialdarwinismus

Facharbeit (Schule) 2015 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

1. Der Sozialdarwinismus anhand des Beispiels der Rassenhygiene im Dritten Reich

1 Alfred Rosenbergs „Rassenseele“ 2

2 Vom Darwinismus zum Sozialdarwinismus 3

2.1 Die Grundsätze des Darwinismus als sozialdarwinistische Grundlage 3

2.2 Der sozialdarwinistische Staat - Grundsätze des Sozialdarwinismus 5

3 Die Rassenideologie im Nationalsozialismus 7

3.1 Der deutsche Sozialdarwinismus 8

3.2 Die nationalsozialistische Rassenlehre 9

3.3 Die Maßnahmen und Ziele der Rassenhygiene 11

3.4 Kritik an der Rassenhygiene 14

4 Sozialdarwinistische Ansätze in der heutigen Zeit 15

5 Literaturverzeichnis 17

5.1 Primärliteratur 17

5.2 Sekundärliteratur 17

5.3 Internetadressen 18 2

1. Alfred Rosenbergs „Rassenseele“

„Geschichte und Zukunftsaufgabe bedeuten nicht mehr Kampf von Klasse gegen Klasse nicht mehr Ringen zwischen Kirchendogma und Dogma sondern die Auseinandersetzung zwischen Blut und Blut, Rasse und Rasse, Volk und Volk. Und das : Ringen von Seelenwert gegen Seelenwert.“1 Alfred Rosenberg, der oft als Chefideologe des nationalsozialistischen Regimes bezeichnet wird, zeigt mit dieser Aussage eine für die NS-Ideologie beispielhafte Ansicht. Nach Hitlers „Mein Kampf“ bildet Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhundert“ das zweitwichtigste Werk über die NS-Ideologie. Auf über 700 Seiten erklärt Alfred Rosenberg darin das Verhältnis zwischen den Rassen. Für Rosenberg stehen nicht die kommunistische Theorie des Klassenkampfes nach Marx und Engels oder der Streit zwischen weltlicher und säkularer Macht im Fokus, sondern viel mehr der Kampf zwischen den verschiedenen Rassen. Er vertritt im Bezug darauf eine mythische Vorstellung, denn seiner Ansicht nach ist das deutsche Volk durch eine Rassenseele vereint. Dies ist eine für den Nationalsozialismus untypische Darstellung, da dieser sich hauptsächlich wissenschaftlicher Erkenntnisse aus dem Bereich der Biologie bedient. Die Legitimation der Ideologie basiert auf dem Sozialdarwinismus, der Mechanismen aus Charles Darwins Evolutionslehre auf die menschliche Gesellschaft anwendet. Aus dieser Übertragung folgt auch eine praktische Anwendung: die im Dritten Reich als Rassenhygiene bezeichnete Eugenik. Das Ziel dieser künstlichen Selektion war die Verbesserung des Genpools, im Nationalsozialismus die Reinhaltung der arischen Rasse. Mit diesem Themenbereich befasst sich diese Seminararbeit. Zunächst soll der Darwinismus erläutert werden und anschließend die Grundsätze des Sozialdarwinismus, um die Hintergründe für den zweiten Teil der Arbeit darzustellen. Dieser beschäftigt sich mit der Rassenhygiene zur Zeit des Nationalsozialismus als Beispiel für die Anwendung des Sozialdarwinismus. Abschließend befasst sich diese Arbeit mit der Frage, inwieweit auch heute noch derartiges Gedankengut angewandt wird.

2. Vom Darwinismus zum Sozialdarwinismus

Im Jahr 1859 erscheint Charles Darwins Hauptwerk „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“ , das die theoretische Basis des Sozialdarwinismus darstellt. Circa achtzig Jahre später rechtfertigt es eine ideologisch begründete Ermordung von Millionen von Menschen wissenschaftlich

2.1 Die Grundsätze des Darwinismus als sozialdarwinistische Grundlage

Charles Darwins Evolutionstheorie besagt, dass sich alle Lebewesen in einem langen Entwicklungsprozess, der durch verschiedene Faktoren beeinflusst wurde, allmählich und schrittweise entwickelt haben. Insbesondere seine in „The Origin of Species“ vorgestellte Selektionstheorie war von großer Bedeutung für die Rechtfertigung des Sozialdarwinismus

Laut Darwin ist die Voraussetzung für den Prozess der natürlichen Auslese eine Überproduktion von Nachkommen, damit die Gesamtpopulation trotz der Individuenzahl, die der Selektion zum Opfer fällt, konstant bleibt. Diese Nachkommen unterscheiden sich untereinander geringfügig, was aus heutiger Sicht auf genetische Variabilität und somit auf Mutationen und die Vermischung von Erbmaterial durch die Rekombination zurückzuführen ist. Diese Unterschiede können ein Vor- oder Nachteil sein im „Kampf ums Dasein“, dem „struggle for life“, in dem sich etwas besser angepasste Organismen durchsetzen, überleben und sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit fortpflanzen („survival of the fittest“). Den schlechter angepassten Individuen wird durch den Konkurrenzkampf, also durch Selektion und sexuelle Zuchtwahl, die Weitergabe von Merkmalen an ihre Nachkommen verwehrt

Die Theorie besagt, dass aus der natürlichen Auslese im Lauf der Zeit eine schrittweise bessere Angepasstheit der Lebewesen folgt, die letztendlich zu einem Wandel der Arten führt

Darwin unterscheidet die „natürliche Zuchtwahl“ von der „künstlichen Zuchtwahl“, wobei letztere durch den Menschen vollzogen wird. Er erklärt den Unterschied zwischen den beiden Begriffen folgendermaßen: „Der Mensch wählt nur zu seinem Vorteil aus, die Natur nur zum Besten des Geschöpfes selbst.“ Durch die Verwendung der Theorie als wissenschaftliche Legitimation und Grundlage des Sozialdarwinismus, entstand die Debatte um sozialdarwinistische Anklänge in Darwins Werken selbst. Ein Beispiel für eine terminologische Anlehnung bildet der Begriff „survival of the fittest“, den sich Charles Darwin zu eigen machte. Dieser war von Herbert Spencer, einem englischen Soziologen und Philosophen, erstmals 1852 verwendet worden, als er als Erster Lamarcks Evolutionstheorie auf die Gesellschaft anwandte. Auch inhaltlich machte Darwin Zugeständnisse an den Sozialdarwinismus

Er betont die Kontraproduktivität von Maßnahmen zur Armen- und Behindertenpflege in seinem 1871 erschienenen Werk „Die Abstammung des Menschen“. Über Armenhilfe und Pflegeheime für körperlich und psychisch Kranke äußert Darwin sich folgendermaßen: „Hierdurch geschieht es, daß auch die schwächeren Glieder der zivilisierten Gesellschaft ihre Art fortpflanzen. Niemand, welcher der Zucht domestizierter Tiere seine Aufmerksamkeit gewidmet hat, wird daran zweifeln, daß dies für die Rasse des Menschen im höchsten Grad schädlich sein muß.“8 Aus seiner Sicht folgt aus solchen der natürlichen Selektion entgegenwirkenden Bestrebungen die Degeneration der menschlichen Rasse. Zudem wehrte er sich nie gegen die Verwendung seiner Theorie im sozialdarwinistischen Zusammenhang. Andererseits sprach Darwin von einem „Instinkt der Sympathie“, den man nicht unterdrücken könne, „ohne daß dadurch unsere edelste Natur an Wert verlöre“ . Somit müssten wir uns mit den negativen Konsequenzen der Fortpflanzung der biologisch Schwachen abfinden

Trotz solcher Aussagen und der Tatsache, dass er von Zeitgenossen zum Teil als empathischer Mensch beschrieben wird, der die Sklaverei verabscheute, so kann man in Charles Darwins Werken deutliche Ansätze des Sozialdarwinismus sehen. Zudem bot das „Bevölkerungsgesetz“ des britischen Ökonomen Thomas Malthus, der als der erste Sozialdarwinist noch vor Darwin gilt, Anstoß für dessen Selektionstheorie. Malthus „zufolge vermehrten sich die Menschen in geometrischer, die Subsistenzmittel dagegen im günstigsten Fall in arithmetischer Progression“ . Somit stünde die Menschheit ohne die natürliche Auslese vor einem Problem: Die Erde hätte nicht die Kapazitäten, um alle Menschen mit einer ausreichenden Menge an Ressourcen zu versorgen. Aus diesem Grund gewährleistet die Selektion das Überleben der Menschheit, indem einige Menschen ihr zum Opfer fallen

Man sollte laut Malthus nicht versuchen gegen dieses unausweichliche Naturgesetz zu kämpfen. Der Ökonom rät Armut sozial zu ächten, statt Nächstenliebe hervorzurufen. Die limitierten Ressourcen fordern den Menschen heraus und geben ihm aus seiner Sicht die Motivation, sich zu zivilisieren. Deshalb müssen zivilisierte Gesellschaften „notwendigerweise disegalitäre Gesellschaften sein, die komplementär von der Klasse der Besitzenden und der Klasse der eigentumslosen Arbeitenden gebildet werden“

Die Tatsache, dass der Sozialdarwinismus solche Gesellschaft legitimieren konnte, half im 20. Jahrhundert bei seiner Verbreitung in ganz Europa. Außerdem „kam der Überzeugungskraft des Sozialdarwinismus zugute, daß er die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung mit rationellen und empiristischen Methoden zu erklären schien“

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668301078
ISBN (Buch)
9783668301085
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340641
Note
15
Schlagworte
sozialdarwinismus beispiels rassenhygiene dritten reich

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