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Kriminalisierung von Konsumenten illegaler Drogen. Ein Blick auf Gesellschaft und aktuelle Drogenpolitik

Hausarbeit 2016 20 Seiten

Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung
1.1 Formen von Konsum
1.2 Ein Blick auf der Begriff Sucht
1.2.1 Drogensucht als Krankheit

2 Gesellschaft und Konsum
2.1 Das Bild eines Drogenkonsumenten in der Gesellschaft
2.2 Stigmatisierung
2.3 Kriminalisierung
2.3.1 Die Folgen von Kriminalisierung für den Drogenkonsumenten

3 Die Drogenpolitik in Deutschland
3.1 Die aktuelle Lage
3.2 Ziele der Drogenpolitik
3.3 Die Suchthilfe
3.4 Das Betäubungsmittelgesetz

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

0 Einleitung

Ich verfasse die vorliegende Hausarbeit im Rahmen meines Studiums der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule in Köln. Sie ist Bestandteil des Moduls 7 unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Obermaier.

Das Seminar trug den Obertitel „Soziale Ungleichheit“ und ich habe eine ganze Weile überlegt, welches Thema ich in dieser Hausarbeit behandeln möchte. Durch meine Nebentätigkeit in einer Notschlafstelle für drogenabhängige Obdachlose in Köln bekomme ich immer wieder neue Einblicke in die Arbeit mit Suchtkranken und es war und ist mein Wunsch, mich auch außerhalb der Arbeitszeiten mit der Materie zu beschäftigen. Von Anfang an entstanden grundlegende Fragen wie: Was sind Drogen? Wie gestaltet sich die Sucht? Wie sieht das alltägliche Leben der Betroffenen aus? Aber auch tiefergreifende fachspezifische Fragen, welche sozialarbeiterische Aspekte betreffen beschäftigen mich.

Es stand relativ schnell fest, dass ich meine Nebentätigkeit mit der Hausarbeit verknüpfen möchte, die exakte Themenfindung brauchte allerdings noch etwas länger, um sich voll zu entwickeln. Ich denke nun, dass ich mit meinem gewählten Thema und seinen Unterpunkten einen guten Mittelweg zwischen dem Seminarthema und meiner Arbeit gefunden hab und stelle die eben erwähnten Unterpunkte nun kurz vor, um aufzuzeigen, was Sie als LeserIn erwartet. Zuerst gehe ich auf eine der oben schon erwähnten Fragen ein, nämlich der, was Drogen überhaupt sind und welche Formen des Konsums es gibt. Außerdem werfe ich einen Blick auf den Begriff der Sucht und blicke dabei besonders auf die Sucht als Krankheit. Darauf aufbauend beleuchte ich das Verhalten der Gesellschaft gegenüber Drogenkonsumenten und die Vorurteil, die bestehen. Insbesondere der Begriff der Stigmatisierung darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, haben doch insbesondere auch Drogenkonsumenten mit ihr zu kämpfen; oder auch nicht, je nach Sichtweise des Betroffenen. Anschließend komme ich auf den zentralen Begriff des Themas zu sprechen, nämlich der Kriminalisierung. Es werden Begrifflichkeit geklärt und mögliche Folgen der Kriminalisierung für die Drogenkonsumenten aufgezeigt.

Da Kriminalisierung im direkten Kontakt mit der Drogenpolitik des Landes steht und diese möglicherweise auch als Auslöser der Kriminalisierung zu sehen ist werden als nächstes die aktuelle Lage und ihre Ziele umrissen. Eine direkte Folge der Politik ist natürlich auch die Gestaltung der Suchthilfe. Zu guter Letzt stelle ich kurz verschiedene Aspekte des Betäubungsmittelgesetztes (BtMG) vor. Diese unterschiedlichen Themenbereiche dienen dazu, dass am Ende die Frage, ob der Kriminalisierungsvorwurf gerechtfertigt ist oder nicht beantwortet werden kann.

1 Was sind Drogen?

Zuerst einmal stellt sich die Frage was Drogen überhaupt sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Drogen als „Any substance that, when taken into the living organism, may modify one or more of its functions“ (WHO Expert Committee on Drug Dependence 1969, 6).

Diese Definition umfasst aber nicht nur die im Folgenden gelisteten Betäubungsmittel (BtM), sondern ist deutlich breiter aufgestellt, worauf das Komitee auch mittels einer Fußnote selbst hinweist.

Allen bekannt sein dürften Cannabisprodukte (Haschisch und Marihuana). Ihre Wirkung geht auf das Cannabinoid delta-9-Tetrahydrocannabiol zurück und löst bei Konsum eine berauschende Wirkung aus.

Weiterhin bekannt sind Heroin und Kokain/ Crack. Heroin löst ein starkes, kurzzeitiges Glücksgefühl (Kick) aus mit anschließendem zufriedenen, meist schläfrigen Zustand. Um diesen Kick immer wieder zu erreichen muss die Dosis in Abständen immer wieder erhöht werden, da der Körper schnell eine Toleranz entwickelt. Wird die Dosis nicht erhöht, können nur noch die Entzugserscheinungen gelindert werden, ein Kick bleibt aber aus.

Die Wirkung von Kokain/ Crack läuft in zwei Stadien ab. Zuerst kommt es zu einer Euphorie, die das Selbstwertgefühl und die Leistungsfähigkeit steigert. Anschließend kehrt sich der Zustand des Konsumenten ins Gegenteil um, er wird müde und hat mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen. Ein weiteres Betäubungsmittel, welches noch eine Erwähnung benötigt ist das Amphetamin (Speed oder Pep) und das Methamphetamin (Chrystal). Beide haben eine stimulierende Wirkung, die, wie beim Kokain, in zwei Phasen abläuft. Zuerst kommt ein sogenannter „Run“ mit anschließendem „Crash“ (vgl. Patzak, Bohnen 2011, 1ff).

1.1 Formen von Konsum

Die zuvor genannten Betäubungsmittel können auf unterschiedliche Weisen konsumiert werden. Cannabis wird in der Regel geraucht, kann aber auch gegessen (Gebäck) oder getrunken (Tee) werden. Heroin wird oft zuerst geraucht oder gesnieft. Ist die Hemmschwelle gesunken wird „gefixt“, also intravenös injiziert, denn dabei erzielt das Heroin die größtmögliche Wirkung.

Kokain wird gesnieft und seltener auch intravenös injiziert, Crack, ein Gemisch aus Kokain und Backpulver, wird in Pfeifen geraucht. Amphetamine können nasal oder durch Tabletten konsumiert werden, Methamphetamin wird entweder inhaliert oder auch nasal konsumiert (vgl. Patzak, Bohnen 2011, 1ff).

1.2 Ein Blick auf der Begriff Sucht

Weiterhin ist es zum besseren Verständnis wichtig, einen Blick auf den Begriff der Sucht und den dahinter stehenden Themenkomplex zu werfen. Der Begriff Sucht enthält viele Bedeutungen. Es gibt zum Beispiel die Spielsucht, PC Sucht, Sexsucht, Nikotinsucht und natürlich auch die Drogensucht. Nach ICD 10 wird süchtiges Verhalten in stoffgebundener, sowie nicht stoffgebundener Form unterschieden, also nach Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen und nicht stoffgebundene Formen wie zum Beispiel der Spielsucht (vgl. Täschner 2002, 12). Den Begriff der Drogensucht hat die WHO wie folgt definiert: „ Drug addiction is a state of periodic or chronic intoxication produced by the repeated consumption of a drug (natural or synthetic). Its characteristics include: (1) an overpowering desire or need (compulsion) to continue taking drug and to obtain it by any means; (2) a tendency to increase the dose; (3) a psychic (psychological) and generally a physical dependence on the effects of the drug; (4) detrimental effect on the individual and on society” (WHO 1957, 9f.). Es gibt noch immer keine geschlossenen theoretischen Ansätze, die die Entstehung von Sucht erklären können. Es gibt allerdings Faktoren, welche bei der Behandlung von Suchterkrankungen mit einbezogen werden müssen: die Persönlichkeitsstruktur, die Eigenwirkung der Substanzen, soziale Faktoren, soziokulturelle Umwälzungen und erbliche Faktoren (vgl. Täschner 2002, 13). Auf den Faktor, dass Sucht Krankheit ist wird im folgenden Unterpunkt tiefergehen eingegangen.

1.2.1 Drogensucht als Krankheit

Täschner beschreibt Sucht als ein psychisches Problem mit körperlichen und sozialen Folgeproblemen. Die Handlungs- und Kontrollfähigkeit der Betroffenen werden massiv eingeschränkt. Er definiert, dass Sucht immer als Krankheit anzusehen ist (vgl. ebd. 2002, 12). Ausufernder Drogenkonsum hat natürlich Folgen auf den Körper wie zum Beispiel schlechte Zähne, Hepatitis B oder C, HIV und andere Geschlechtskrankheiten und noch einige andere negative körperliche Veränderungen (vgl. Täschner 2002, 18). Aber auch die Krankheitsbilder nach ICD 10, die durch psychotrope Substanzen entstehen können sind wichtige Faktoren für die Einordnung von Sucht als Krankheit. Sie beziehen sich auf Schädigungen des Gehirns und die damit einhergehenden psychischen Erkrankungen. In diesem Zusammenhang ist die Depravation zu nennen, welche im medizinischen Gebrauch die Verschlechterung im Gesundheitszustand meint. Der Begriff kann aber auch Veränderungen des allgemeinen Wesens bezeichnen, die durch süchtiges Konsumverhalten psychotroper Substanzen eintreten bzw. eintreten können. Dass Sucht als Krankheit anzusehen ist, macht auch die Tatsache deutlich, dass die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet sind die Behandlung von Suchtkranken zu übernehmen.

2 Gesellschaft und Konsum

2.1 Das Bild eines Drogenkonsumenten in der Gesellschaft

Das Bild eines Drogenkonsumenten ist von vielen Vorurteilen behaftet. Alleine schon die abwertenden Begriffe wie „Junkie“ (engl. Junk: Abfall, Müll), „Druffi“, „Alki“ oder „Zombie“ zeugen von wenig bzw. nicht vorhandener gesellschaftlicher Akzeptanz. Hier sind verschiedene Arten von Drogenkonsummustern zu betrachten. So gibt es den versteckten Konsum, oft innerhalb des Familien- und Freundeskreises, der nach außen hin zuerst einmal keine negative Auswirkung auf den Status des Konsumenten haben muss. Hier dient der Konsum eher noch der Bildung solidarischer Bindungen. Offensichtlicher Konsum führt schon eher zu Vorverurteilungen und Stigmatisierung. Diese Vorurteile fangen beim äußeren Erscheinungsbild an, gehen über den körperlichen Gesundheitszustand bis zum Wesen und die dazugehörigen Charakterzüge. Ein „Junkie“ wird tendenziell eher als ungepflegter, runtergekommener Mensch mit dreckigen Klamotten, schlechten Zähnen bezeichnet und mit diversen Krankheiten wie Aids in Verbindung gebracht. Er wäre demnach ein unberechenbarer, verantwortungsloser, fauler, krimineller, eventuell impulsiver und gewalttätiger Mensch.

Drogenabhängige werden als eine eigene, gefährliche Klasse angesehen. (vgl. Dollinger 2002, 496).

Nicht Betroffene sind oft nicht in der Lage den gesundheitsgefährdenden Konsum nachzuvollziehen und bleiben in ihrer Betrachtung nur sehr oberflächlich, weil sie sich in der Regel nicht tiefer mit der Materie beschäftigen.

„(…) je diskreditierender die Behandlung der sichtbar Konsumierenden erfolgt, desto rigider werden die Grenzen zwischen „Normalen“ und „Devianten“ gezogen“ (Dollinger 2002, 500). Mit diesem Zitat kann nochmal sehr anschaulich aufgezeigt werden, dass Drogenkonsumenten eben nicht als vollwertige Mitglieder der „normalen“ Gesellschaft angesehen werden. Es geschieht eine Ausschließung aus dem gesellschaftlichen Gefüge an dessen Rand. Dollinger bringt hier den Begriff Exklusion ein (vgl. ebd. 2002, 249). Oft spielt bei der Behandlung von sichtbar Konsumierenden Angst eine Rolle, die dann zu abwertendem Verhalten führen kann. Von Drogenkonsum scheint für Nicht abhängige Menschen eine Gefahr in Form von Ansteckung auszugehen. Durch die Angst einer Ansteckung folgen dann noch weitere Gefahren, die für Nicht abhängige Menschen mit Drogensucht einhergehen, nämlich psychische Erkrankungen und allgemeine Delinquenz (vgl. Dollinger 2002, 257).

Drogenkonsum kann in mehrfacher Weise abschreckend wirken, nämlich in seiner medizinischen, moralischen und strafrechtlichen Betrachtung. Diese Betrachtungsweise hat insofern einen Sinn für die Gesellschaft, als das sie als Abschreckung dienen kann und dazu führen soll von möglichen devianten Verhaltensweisen Abstand zu nehmen.

2.2 Stigmatisierung

Der Terminus der Stigmatisierung muss in diesem Zusammenhang einbezogen werden. Er stammt aus dem Griechischen. Darunter werden psychische oder physische Zeichen verstanden, die auf etwas Ungewöhnliches verweisen. (vgl. Goffman 1975, 9). „(…) diese Eigenschaft kann von weniger wünschenswerter Art sein – im Extrem handelt es sich um eine Person, die durch und durch schlecht ist oder gefährlich oder schwach. In unserer Vorstellung wird sie so von einer ganzen und gewöhnlichen Person zu einer befleckten, beeinträchtigten herabgemindert. Ein solches Attribut ist ein Stigma (…)“ (Goffman 1975, 10f.). Ein solches Attribut kann eben auch eine Drogenabhängigkeit sein. In der Regel wird ein offenes Konsummuster dafür ausschlaggebend sein, dass ein Individuum sich der diskreditierenden Wertung seiner Mitmenschen aussetzen muss. Ist dieses Stigma erst einmal vorhanden ist die Gefahr groß, dass es am Betroffenen haften bleibt. Viele sozialarbeiterische Interventionen und andere behandelnde Maßnahmen setzen an der Symptomatik, also an der Sucht als solche, an. Dabei werden Diskriminierungen und gesellschaftlich diskreditierendes Verhalten außer Acht gelassen, bzw. können keinen positiven Einfluss darauf nehmen (vgl. Dollinger 2002, 255). „Demnach bleibt eine Person moralisch degradiert, auch wenn Drogenabhängigkeit oder – konsum faktisch nicht mehr nachzuweisen sind“ (Dollinger 2002, 255). Das Stigma der Drogenabhängigkeit ist also nur sehr schwer wieder abzulegen. Das Bild eines Abhängigen, wie zuvor schon beschrieben, ist von sich aus schon sehr negativ konnotiert und dass viele Verhaltensweisen, die mit einer Abhängigkeit einhergehen zudem noch illegal sind machen es fast unmöglich wieder ein angesehenes und akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft zu werden. Eine mögliche Folge der Stigmatisierung kann es laut Dollinger sein, dass „der Konsument, der davon ausgeht, von „Normalen“ als moralisch nicht gleichwertiges Subjekt wahrgenommen zu werden, und der Diskriminierungen antizipiert oder bereits erlitten hat, (…) entsprechend Konsum einsetzen (kann; A.W.), um erwartete Rückmeldung zu erhalten“ (Dollinger 2002, 259).

2.3 Kriminalisierung

Zusätzlich zu einer Stigmatisierung ist besonders im Bereich der Drogensucht auch eine Kriminalisierung der Konsumenten zu erwarten. Kriminalisierung ist auf zweierlei Weise zu betrachten. Zum einen kann sie den Vorwurf beinhalten, dass durch das Rechtssystem Drogenkonsumenten zu Kriminellen gemacht werden und zum anderen, dass durch die Strafverfolgung, die eigentlich zur Bekämpfung der Kriminalität dienen soll, diese erst hervorgebracht wird (vgl. Kunkel 1990, 20). Das Endergebnis ist aber wohl dasselbe. „In der Strafverfolgung ist der Abhängige das greifbare Objekt, welches stellvertretend im Kampf gegen das Böse, gegen die Bedrohung der Gesellschaft herhalten muss. Da sonst nichts greifbar ist (…), muß an ihm exekutiert werden, was zur Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung erforderlich ist“ (vgl. Kunkel 1990, 22).

Bestrafung ist also ein Mittel zum Zwecke der Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Gefüges, ergo muss der Drogenabhängige bestraft werden, damit er mit seinem Verhalten und seinen Eigenschaften nicht weiter die Ordnung stört. Die Frage ist nur, ist Bestrafung ein probates Mittel zur Erreichung des Ziels, bzw. ist das Strafmaß für das jeweilige Vergehen angemessen? Konsumenten von Drogen sind ja nicht per se schlechte Menschen, die ihren Mitmenschen in direkter Weise schaden, sondern sie schaden in erster Linie erst einmal sich selbst. Was dazu führt den „Kampf gegen das Böse“, also die Droge zu führen ist, in sicher nicht geringem Maße, auch die Angst der „normalen“ Gesellschaftsmitglieder vor den eigenen Schwächen und Fehlern, die auch in Richtung abweichendes Verhalten tendieren können. Drogenkonsum ist nicht konform, muss also mit allen Mitteln verhindert werden.

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Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668305502
ISBN (Buch)
9783668305519
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340977
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Note
1,3
Schlagworte
Kriminalisierung illegale Drogen Drogenpolitik Konsumenten

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Titel: Kriminalisierung von Konsumenten illegaler Drogen. Ein Blick auf Gesellschaft und aktuelle Drogenpolitik