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IGel. Aspekte der Individuellen Gesundheitsleistungen im deutschen Gesundheitswesen

Referat (Ausarbeitung) 2016 22 Seiten

Gesundheit - Gesundheitswesen

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Individuelle Gesundheitsleistungen
1.1 Definition
1.2 Beispiele für individuelle Gesundheitsleitungen

2. Krankenversicherung
2.1 Die gesetzliche Krankenversicherung
2.2 Die private Krankenversicherung
2.3 Der gemeinsame Bundesausschuss

3. IGel Aspekte
3.1 IGel aus Sicht der Krankenkasse
3.2 IGel aus Sicht des niedergelassenen Arztes
3.3 IGel aus Sicht des Patienten

4. Vorstellung IGel
4.1 Colon-Hydro-Therapie
4.2 Laser-Behandlung von Krampfadern

5. Diskussion

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

„Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen ist zu über 90 Prozent gesetzlich festgelegt.“ (Klaus Zok 2013, S. 3) Dies gibt den Krankenkassen nur einen sehr geringen Spielraum des Wettbewerbes am Markt. Möchte ein Patient beispielsweise eine Untersuchung, Behandlung oder Beratung, welche nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse festgelegt ist, muss er die Kosten für diese individuelle Gesundheitsleistung selber tragen. „Der IGeL-Markt wächst weiter – inzwischen geben fast 29,9 Prozent der GKV-Versicherten an, dass ihnen in den letzten zwölf Monaten beim niedergelassenen Arzt eine ärztliche Leistung als Privatleistung angeboten oder in Rechnung gestellt wurde.“ (Klaus Zok, S. 1) Individuelle Gesundheitsleistungen sind aus dem deutschen Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken. In meiner schriftlichen Ausarbeitung zum Referat werde ich drei verschiedene Aspekte bzw. Sichtweisen verdeutlichen. Die des Arztes (niedergelassen), die der Krankenkassen und die des Patienten, welcher diese Leistungen in Anspruch nimmt. Beginnen werde ich mit einer Einleitung gefolgt von Begriffsbestimmungen, Im Verlauf werden ausgesuchte individuelle Leistungen vorgestellt. Besonders Interessant sind hier die Vor- bzw. Nachteile für die Kassen, Ärzte und Patienten, vorallem die unterschiedlichen Betrachtungsweisen.

1. Individuelle Gesundheitsleistungen

1.1 Definition

Im Volksmund werden IGel als „Selbstzahlerleistungen“ bezeichnet. Eine sehr einfache und pragmatische Definition, die eine klare und eindeutige Definition für individuelle Gesundheitsleistung so nicht möglich macht. Jordt definiert sie als ärztliche Leistungen, die entweder schon gar nicht zum Leistungskatalog der GKV gehören oder die im konkreten Behandlungsfall als „unwirtschaftlich“ bezeichnet werden. (Jordt et al. 2012, S. 2) Der §12 des Sozialgesetzbuches V beschreibt deutlich, das die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein müssen und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten dürfen. Leistungserbringer, also die gesetzlichen Krankenversicherungen dürfen demnach keine Leistungen dem Patienten / Versicherten genehmigen, wenn diese nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind. (Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) 20.12.1988b, S. 2477) Der Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) findet meines Erachtens nach eine sehr gute Erklärung für IGel. Bei Individuellen Gesundheitsleistungen handelt es sich um Leistungen, welche vom Arzt angeboten und vom Patienten selbst bezahlt werden müssen. IGel sind demnach Leistungen, die per Gesetz nicht zu den Aufgaben der gesetzlichen

Krankenversicherung gehören. (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) 2015) Bei aller Wirtschaftlichkeit sollte man eines nicht vergessen: Individuelle Gesundheitsleistungen sind Selbstzahlerleistungen der Versicherten und erschließen den Ärzten eine weitere Einnahmequelle. Die Durchschnittlichen Kosten der einzelnen IGel betrugen im Jahr 2013 70 Euro. Bei ca.: 18,2 Millionen erbrachten individuellen Gesundheitsleistungen im Jahr ergibt das einen zusätzliche Mehreinnahme für die deutschen Ärzte von ca.: 1,3 Milliarden Euro. Ein sehr lukratives Geschäft, in welchem die Angebote von kosmetischen Behandlungen, Reiseimpfungen, Früherkennungsuntersuchungen und Laborleistungen bis hin zu neuen Behandlungsverfahren reichen. (Klaus Zok, S. 2ff)

1.2 Beispiele für individuelle Gesundheitsleitungen

Beispiele für individuelle Gesundheitsleistungen sind unter anderem:

- Akupunktur bei Migräneprophylaxe
- Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung
- Blutegeltherapie bei Kniearthrose
- Hyperbare Sauerstofftherapie bei Hörsturz
- Laserbehandlung bei Krampfadern
- Professionelle Zahnreinigung
- Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung

Derzeit unterscheidet man etwa 330 individuelle Gesundheitsleistungen.(Krimmel und Kleinken 2011, S. 7) Das verdeutlicht einmal mehr, welchen Stellenwert individuelle Gesundheitsleistungen im deutschen Gesundheitssystem einnehmen und ein wesentlicher Bestandteil dessen sind.

2. Krankenversicherung

2.1 Die gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung geht auf die Bismarcksche Sozialgesetzgebung von 1883 zurück. Sie ist die zentrale Säule des deutschen Gesundheitssystems und der älteste Zweig der Sozialversicherung. Derzeit sind über 70 Millionen Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, das sind ca. 90% aller Versicherten.

„Die GKV ist organisatorisch gesehen eine gegliederte Krankenversicherung, d. h. es gibt keinen einheitlichen Versicherungsträger. Stattdessen gibt es verschiedene Kassenarten mit historisch bedingt unterschiedlicher Ausrichtung (regionale, berufsständische oder branchenspezifische Ausrichtung). In Deutschland gibt es zurzeit sechs unterschiedliche Kassenarten mit der folgenden Zahl von Einzelkassen:

- 11 Allgemeine Ortskrankenkassen
- 98 Betriebskrankenkassen
- 6 Innungskrankenkassen
- 6 Ersatzkassen
- 1 Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
- 1 Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See“ (BMG 2015a)

Ihre Grundaufgabe, nach §1 SGB V, ist die Gesunderhaltung der Bevölkerung beziehungsweise im Krankheitsfall deren Genesung zu gewährleisten. Die Krankenversicherung soll den Versicherten also gegen eine Verarmung im Krankheitsfall schützen. Die Solidargemeinschaft und die Arbeitgeber trägen im Krankheitsfall die Kosten für die Behandlung und Genesung. Die Gesamtzahl der Krankenkassen nahm stetig ab. Ende des 19. Jahrhunderts gab es rund 35.000 verschiedene Krankenkassen. Bereits 1990 betrug ihre Zahl nur rund 1200. Mit der Einführung des allgemeinen Kassenwahlrechtes 1996 ist die Mitgliedschaft in einer Krankenkasse von jedem Mitglied frei wählbar. Den Bürgerinnen und Bürgern stehen dazu derzeit 123 verschiedene gesetzliche Krankenkassen zur Verfügung (Stand Juli 2015). Jeder Versicherte erhält innerhalb seiner Gesetzlichen Krankenversicherung die gleichen Leistungen. (BMG 2015a) Jedoch können sich die erstattungsfähigen Leistungen zwischen den Kassen geringfügig unterscheiden.

2.2 Die private Krankenversicherung

„Der Begriff private Krankenversicherung (PKV) steht für die Gesamtheit der privatrechtlich organisierten Krankenversicherungsunternehmen, die eine Absicherung gegen Krankheitskosten anbieten.“ (BMG 2015b) Einen Vertrag bei einer privaten Krankenversicherung abzuschließen ist nur möglich, wenn man als abhängig Beschäftigter einen Bruttomonatsverdienst oberhalb der gesetzlichen Versicherungspflichtgrenze nachweist, oder aber selbstständig, freiberuflich tätig oder Beamter ist. Es handelt sich hierbei um private Krankenversicherungsunternehmen. Ein weiterer Unterschied zur gesetzlichen Krankenversicherung ist die Finanzierung. Gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung das Solidaritätsprinzip ist es in der privaten Krankenversicherung das Kostenerstattungsprinzip. Der Versicherte selbst ist der Vertragspartner des Arztes oder des Krankenhauses. Er erhält eine Rechnung für seine erhaltenen Leistungen und begleicht diese. Danach rechnet er mit der privaten Krankenkasse ab. Der Patient als Vertragspartner des Arztes entscheidet also im Hinblick auf seinen Versicherungsvertrag und Versicherungsbeitrag welche Leistungen er vom Arzt oder Krankenhaus erhalten will. Das heißt er wird keine Angebote außerhalb des Leistungskataloges vom Arzt oder Krankenhaus erhalten. Die zu zahlenden Prämien (Versicherungsbeiträge) richten sich in der privaten Krankenversicherung nach Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand und den gewünschten Versicherungsleistungen. Damit unterscheidet sich die private Krankenversicherung grundsätzlich von der gesetzlichen Krankenversicherung.(BMG 2015b) „Gesetzliche Krankenkassen können mit privaten Krankenversicherungsunternehmen kooperieren. Für die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen bedeutet das: Zu vergleichsweise günstigen Tarifen können sie Zusatzleistungen vereinbaren, die ihnen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen ansonsten nicht zur Verfügung stehen.“ (BMG 2015b)

2.3 Der gemeinsame Bundesausschuss

Über die Aufnahme von medizinischen Leistungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bestimmt der Gemeinsame Bundesausschuss. Damit obliegt ihm eine wichtige Aufgabe. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist eine juristische Person des öffentlichen Rechts und wird von den vier großen Spitzenorganisationen der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen gebildet: der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband.“ (G-BA 2015a) Die Rechtsgrundlage für der Arbeit des G-BA ist das Fünfte Sozialgesetzbuch. In diesem regelt der Gesetzgeber die Aufgaben, die Kompetenzen, die Bestellung der Mitglieder und neben der Patientenbeteiligung auch die Einbeziehung Dritter. Rechtsaufsicht über den gemeinsamen Bundesausschuss hat das Bundesministerium für Gesundheit. Dieses prüft Beschlüsse und Richtlinien und veröffentlicht anschließend alles im Bundesanzeiger. (G-BA 2015a) Insgesamt haben 13 Mitglieder einen Sitz im gemeinsamen Bundesausschuss, welcher sich wie folgt zusammensetzt:

- ein unparteiischer Vorsitzender sowie zwei weitere unparteiische Mitglieder (Unparteiische)
- fünf vom GKV-Spitzenverband benannte Mitglieder
- zwei von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) benannte Mitglieder
- zwei von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) benannte Mitglieder
- ein von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) benanntes Mitglied (G-BA 2015c)

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668305199
ISBN (Buch)
9783668305205
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341047
Institution / Hochschule
Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
igel aspekte individuellen gesundheitsleistungen gesundheitswesen

Autor

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Titel: IGel. Aspekte der Individuellen Gesundheitsleistungen im deutschen Gesundheitswesen