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Wahrnehmung und Bewertung von Kulturlandschaften in Hinblick auf Freizeitnutzung und Tourismus

Hausarbeit 2014 35 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Fremdenverkehrsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Landschaft
2.1 Naturlandschaft
2.2 Kulturlandschaft

3 Raum- Mensch Beziehung- Der Mensch als Raumgestalter

4 Landschaftswahrnehmung
4.1.Wie der Mensch Landschaft wahrnimmt
4.2 Wert der Kulturlandschaft

5 Methoden zur Bewertung einer Landschaft
5.1 Nutzenbewertung und Eignungsbewertung
5.1.1 Eignungsbewertung- direkte und indirekte Verfahren
5.2 Monetäre Methoden
5.2.1 Indirekte Methoden
5.2.2 Direkte Methoden
5.3 Nicht- monetäre Methoden
5.4 Fazit der Bewertungsmethoden

6 Fallbeispiel: Österreichische Kulturlandschaft
6.1 Kulturbezogenes touristisches Angebotspotenzial
6.2 Bewertung der österreichischen Kulturlandschaft
6.2.1 Bewertungsansatz- Kontingenzmethode
6.2.2 Die Untersuchung

7 Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Begibt man sich auf die Suche nach Fachliteratur zum Thema Landschaft, stößt man auf die verschiedensten Aussagen, Formulierungen und Schlussfolgerungen. Zahlreiche variierende Definitionen von Natur- und Kulturlandschaft existieren, viele von ihnen widersprechen sich sogar. Diverse Bewertungsansätze für eine Landschaft sind in der Literatur zu finden, die oft einen erheblichen Komplexitätsgrad aufweisen und nur schwer nachvollziehbar sind

Während meiner Recherche habe ich bemerkt, dass Landschaft ein besonderes Gut darstellt, das jedoch nicht so leicht zu erfassen ist. Daraufhin habe ich mich gefragt, was ich denn eigentlich unter Landschaft verstehe.

„Die Landschaft ist ein Raum. Meine Lebenswelt. Bäume, Flüsse, Wälder, Vögel, Berge…, das verbinde ich mit einer Landschaft. Jedoch gehören in meine Lebenswelt auch meine Mitmenschen, Freunde und Verwandten, die Stadt und das Haus in denen ich lebe, die Straße, auf der ich mit dem Fahrrad fahre,…, aber ist das auch Landschaft?“

Ich fragte weitere Personen aus meinem Umfeld nach ihrer Definition von Landschaft.

Person 1: „Landschaft= Über Millionen Jahre entstandene und vom wirtschaftenden Menschen veränderter Teil der Erdoberfläche“

Person 2: „Landschaft= Natürliche oder auch vom Menschen landwirtschaftlich gestaltete Umgebung.“

Person 3: „Landschaft= Lebensraum“

Person 4: „Landschaft= Freiheit, Heimat und Schöpfung“

Person 5: „Landschaft =Bild der Erdoberfläche“

Person 6: „Landschaft= Natur und Erholung“

Person 7: „Landschaft= Das Aussehen der Umgebung“

Jeder definiert Landschaft anders.

Was ist also Landschaft?

Was wird einer Landschaft zugeordnet?

Gibt es verschiedene Arten von Landschaft?

Sehen wir alle das Gleiche in einer Landschaft oder haben wir unterschiedliche Sichtweisen?

Und wie wird eine Landschaft durch den Menschen bewertet?

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Definition von Landschaft und ihrer Differenzierung in Natur- und Kulturlandschaft. Kulturlandschaften bilden die über die Zeit entstandenen Räume geprägt durch den Menschen. Da jeder Mensch unterschiedliche Emotionen, Erinnerungen, Schwerpunktsetzungen und Wertevorstellungen hat, nimmt jeder Mensch eine Landschaft anders wahr und bewertet sie in Folge dessen auch anders. Zahlreiche Methoden existieren, um Landschaften zu bewerten und auch die Bewertungen der Nutzer dieser Landschaften auf- zugreifen. Die wichtigsten Methoden werden in der folgenden Arbeit in ihren Grundzügen dargestellt und erklärt. Damit nachvollzogen werden kann, inwiefern eine Landschafts- bewertung stattfinden kann, folgt zum Schluss die Vorstellung der Bewertung einer öster- reichischen Kulturlandschaft.

2 Landschaft

Landschaft kann als eine zentrale Raumkategorie angesehen werden. Es existiert keine ein- heitliche Definition des Begriffs, denn jede Landschaft zeichnet sich durch eine individuelle Zusammensetzung einzelner Elemente (z.B. Gewässer, Vegetation, Relief) aus. Der Begriff Landschaft beinhaltet die Themenbereiche Erinnerung, Bewertung, Wahrnehmung, Dynamik, Identität und Macht. Alle diese Bereiche prägen eine Landschaft. Landschaft bildet eine Art Plattform für das Leben der Menschen. Sie ist mehr als eine Kulisse in der wir leben, sie ist ein Teil unserer Lebenswelt. Die Landschaft ist unsere Alltagswelt, ein Ort, den wir täglich nutzen. Jeder Mensch gestaltet jedoch seine eigene Landschaft, in der unter anderem Be- ziehungen gepflegt werden und Interessen nachgegangen wird. In der heutigen Zeit ist das Thema des Landschaftswandels sehr bedeutend. Denn immer mehr verschwinden die länd- lichen Räume, aus denen suburbane und urbane Landschaften entstehen.

Eine Landschaft in früher Zeit unterscheidet sich von der heutigen in ihrer zeitlichen Dyna- mik. Eine Landschaft ist keinesfalls etwas stetiges, sie befindet sich in ständiger Transforma- tion. Landschaft und Gesellschaft verändern sich heute viel schneller und häufiger als früher. Meist bleibt kaum Zeit, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, da bereits ein neuer Wandel begonnen hat.

Heute sind Landschaften meist durch die Raumnutzungen der Menschen geprägt. Landwirt- schaft, Siedlungsbau, Verkehr und Tourismus sind zum Beispiel Aktivitäten, die das Land- schaftsbild stark beeinflussen. Der Begriff Landschaft umfasst sowohl Natur- als auch Kul- turlandschaften, die im Folgenden erläutert werden (Rufer 2005:33ff/ Sieferle 1995:40ff).

„Landschaft: Ein Gebiet, wie es vom Menschen wahrgenommen wird, dessen Charakter das Ergebnis der Wirkung und Wechselwirkung von natürlichen und menschlichen Faktoren ist (Europäische Landschaftskonvention).

2.1 Naturlandschaft

Eine Naturlandschaft kann als ein Ausschnitt der Erde bezeichnet werden, der nicht durch die Menschen beeinflusst wurde (Abbildung 1). Natürliche Faktoren, wie zum Beispiel das Re- lief, das Klima und die Vegetation prägen eine Naturlandschaft. Es sind keine, direkt erkenn- baren, anthropogenen Nutzungseinflüsse vorhanden. Jedes Lebewesen steht in einer be- stimmten Beziehung zu seiner natürlichen Umwelt und wird durch diese geprägt. Jedoch be- einflusst die Umwelt nicht nur die Lebewesen, sondern die Lebewesen gestalten auch ihre Umwelt. Je nach Größe und Dominanz der jeweiligen Art, können die Auswirkungen auf die Landschaft erheblich sein. Der Mensch lebte lediglich im Jäger- und Sammlerstadium in einer Naturlandschaft.

Naturlandschaften sind über die Zeit wertvolle Güter geworden. Viele Naturlandschaften wurden von den Menschen erschlossen und somit zu Kulturlandschaften umfunktioniert. Zahlreiche bestehende Naturlandschaften werden heute als Schutzzonen ausgewiesen, die für die Menschen unzugänglich sind (Sieferle 1995:40ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Naturlandschaft (sielmann-stiftung:2013)

2.2 Kulturlandschaft

Wird eine Naturlandschaft durch den Menschen verändert, entsteht die sogenannte Kultur- landschaft. Menschen hinterlassen „Spuren“ in der Naturlandschaft, die als Indikatoren für soziale Prozesse gelten. (Mitchell 2000 Cultural Geography: A Critical Introduction).

Der Begriff Kulturlandschaft kann auf verschiedenste Weise definiert werden. Aus allen De- finitionen geht hervor, dass der Mensch eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Er- haltung der Kulturlandschaft spielt. Damit Kulturlandschaften genauer definiert werden kön- nen, ordnet man diesen bestimmte Merkmale zu. Dabei spielt der Grad der anthropogenen Beeinflussung eines Naturraumes oder die Funktionen, die eine Landschaft übernimmt, eine wichtige Rolle. Kulturlandschaft wird mit einer typischen Merkmalsausprägung des Gebietes verknüpft: zum Beispiel Siedlungslandschaft (Abbildung 2) und Weinbaulandschaft (Abbil- dung 3). Heute dienen viele Kulturlandschaften der Freizeitnutzung beziehungsweise dem Tourismus. Beispiele sind hier Alpine Landschaften (Skitourismus), Weinbaulandschaften (Weintourismus) und Industrielandschaften (Industrietourisms).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Kulturlandschaft (Siedlung) (jesus-bruderschaft:2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Kulturlandschaft (Weinbau) (idyllicplaces:o.J.)

„Die Kulturlandschaft ist das Ergebnis der Wechselwirkung zwischen naturräumli- chen Gegebenheiten und menschlicher Einflussnahme im Verlauf der Geschichte. Dynamischer Wandel ist daher ein Wesensmerkmal der Kulturlandschaft“ (Gunzelmann 2000:3f).

„Die Evolution der menschlichen Gesellschaft und Besiedlung in der Zeit, unter dem Einfluss physischer Beeinträchtigungen und/oder Möglichkeiten der natürlichen Umgebung sowie unter dem Einfluß aufeinanderfolgender und sowohl von außen wie von innen wirkender sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Kräfte“ (Burggraff/ Kleefeld o.J.:2).

Das Wort Kultur, abgeleitet vom Begriff „Kultivieren“, beschreibt unter anderem das urbar machen der Natur. Ursprüngliche Vegetation wird verändert oder sogar beseitigt und lang- fristig somit auch ökologische Prozesse beeinflusst. Da die Eingriffe der Menschen dauerhaft erfolgen, wird die Landschaft nahezu vollständig überformt (Müller 2005: 2). Eine Kultur- landschaft repräsentiert die Lebenswelt gesellschaftlicher Gruppen, die sich stetig in einem Wandel und Anpassungsprozess befinden. Es entsteht ein Beziehungsgefüge aus Mensch, Natur und Kultur.

Zahlreiche verschiedene Formen von Kulturlandschaften existieren, die jeweils durch die un- terschiedlichen Landnutzungen geprägt sind. Kulturelle, wirtschaftliche und soziale Rahmen- bedingungen der Bevölkerung beeinträchtigen das Ausmaß der menschlichen Eingriffe auf die Natur. Je nach Intensität der Einwirkungen werden verschiedene Kulturlandschaften un- terschieden.

Naturnahe Kulturlandschaften sind durch natürliche Faktoren geprägt (gering beeinflusste Natur). Die land- und forstwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft ist definiert durch die Produktions- und Wohnfunktion der Land- und Forstwirtschaft (traditionelle Kulturland- schaft). Eine naturferne Kulturlandschaft zeichnet sich durch die Dominanz der Nutzfunk- tion des Menschen aus (z.B. wirtschaftlich genutzte Standorte am Rande von Großstädten). Stadtlandschaften und Industriezonen sind demnach genauso Kulturlandschaften, wie exten- siv genutzte Wiesen und Weiden (Friedel 2002:4-7, Spreitzer 1951:253ff, Dollinger:2001, Kulturlandschaft Südtirol:2008).

3 Raum- Mensch Beziehung- Der Mensch als Raumgestalter

Peter Weichhart beschäftigte sich mit der Beziehung der Menschen zum Raum. Eine klare Definition von Raum existiert nach ihm nicht. Der Raum hat fünf verschiedene Bedeutungsvarianten, die teilweise widersprüchlich sind (Abbildung 4)

1. Zunächst kann ein Raum einen einfachen Bereich der Erdoberfläche darstellen, also einen Erdraumausschnitt.
2. Ein Raum kann auch als ein Container gesehen werden. Dieser Container stellt einen begrenzten dreidimensionalen leeren Raum dar.
3. Ordnungsstrukturen, wie das GIS oder der soziale Raum, die vom Menschen ge- schaffen wurden, bilden immaterielle Räume.
4. Raum existiert nicht als Container oder leerer Raum. Raum kann erst durch die Bezie- hung der Raum- Elemente geschaffen werden.
5. Ein Raum kann auch eine Erweiterung eines Erdraumausschnittes sein. Hier wird von dem erlebten Erdraumausschnitt gesprochen (Rufer 2005: 35/ Weichhart 1998:6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Raumarten (Rufer 2005:34)

Raum Nummer fünf kann den Raum der Alltagswelt darstellen. Der erlebte Raum ist ge- zeichnet durch den subjektiven Sinn und die subjektive Bedeutung. Verschiedene gruppen- und kulturspezifische Werturteile prägen diesen Raum. Der erlebte Raum kann als eine Art Alltagswelt bezeichnet werden, in der anthropogene Elemente (Siedlungen), die Elemente der Natur und Kultur und soziale Interaktionen dominieren. Individuelle Meinungen und Bewer- tungen zeichnen diesen Raum aus, der auch als Basis zur Bildung der Ich- Identität gesehen werden kann. Jeder Mensch kann eine persönliche Beziehung zu einem Raum aufbauen, häu- fig spielt hier auch die emotionale Ortsbezogenheit eine bedeutende Rolle (Weichhart 1998:9ff/ Tilley 1994:8-12).

Der Mensch trägt also wesentlich zur Raumentstehung bei. Die Bedeutung eines Raumes hat eine subjektive Dimension, denn die Wahrnehmung eines Raums ist immer beeinflusst durch die in dem Raum konstruierte Lebenswelt von einzelnen sozialen Gruppen.

„Was Raum ist, hängt davon ab, wer ihn erfährt und wahrnimmt“ (Rufer2005:36).

Alter, Geschlecht, gesellschaftliche Machtbeziehungen und die soziale Position beeinflussen die Wahrnehmung und Bewertung von Raum. Räume sind geprägt durch ständige Transfor- mation, sie sind keinesfalls statische, unveränderliche Ebenen. (Tilley 1994:11/ Rufer 2005:33-37).

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Details

Seiten
35
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668311039
ISBN (Buch)
9783668311046
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341421
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
2,0
Schlagworte
wahrnehmung bewertung kulturlandschaften hinblick freizeitnutzung tourismus

Autor

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Titel: Wahrnehmung und Bewertung von Kulturlandschaften in Hinblick auf Freizeitnutzung und Tourismus