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Die Bedeutung der Rolle von Oskar Matzerath in der "Blechtrommel". Eine Analyse von Buch und Film

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Blechtrommel - Roman und Verfilmung im Vergleich
2.1 Die Blechtrommel als Roman
2.2 Die Blechtrommel in ihrer filmischen Adaption

3. Die Gestalt des Oskar Matzerath
3.1 Oskar Matzerath in der Rolle des Erzählers
3.2 Oskar als der kindliche Gnom
3.3 Oskar als mehrdeutiger Protagonist
3.4 Perspektive des Protagonisten

4. Oskar als Tonschöpfer
4.1 Oskar mit der Blechtrommel
4.2 Oskars zersingt Glas

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Blechtrommel ist einer der berühmtesten Romane von Günter Grass, der auch heute noch aktuelle Themen behandelt. Der in diesem Jahr gestorbene Autor hinterlässt ein Werk, über das von Beginn an viel diskutiert wurde. Nach dem Erscheinen des Romans, gab es anfangs große Aufregung über die skurrilen Szenen, die pornografischen Ähnlichkeiten und die im Roman vordergründige Obszönität, die kritisch diskutiert wurden. Im Nachhinein kann man behaupten, dass dieses Werk den Grundstein für Grass Ruhm legte.[1]

Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf den Roman die Blechtrommel von Günter Grass. Möglicherweise wird der Roman gerade aufgrund seiner Andersartigkeit in Bezug auf Sprache, Inhalt und Ausdruck als bedeutendstes Romanwerk der deutschen Nachkriegsliteratur gesehen. Die Verleihung des Nobelpreises an Günter Grass bekräftigt diese Einschätzung.

Im Fokus dieser Arbeit soll die im Roman vorkommende, eigenartige Hauptperson Oskar Matzerath stehen, da er in diesem Werk eine zentrale Rolle einnimmt, die für den Leser, den Nationalsozialismus von mehreren Seiten beleuchtet. Das zweite Kapitel widmet sich einem Vergleich zwischen dem Roman von Günter Grass und der filmischen Umsetzung durch Regisseur Volker Schlöndorff. Ein Vergleich zwischen dem Buch und dem Film soll vor allem Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen beiden Werken deutlich machen. Weiterhin wird durch einen Vergleich die Bedeutung der Rolle von Oskar Matzerath klarer herausgestellt. Die Analyse beschränkt sich dabei auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezüglich des Inhalts und der Rahmenbedingungen der Handlung, weil somit eine Basis für das Verständnis des dritten Kapitels geschaffen wird. Darauf aufbauend wird im dritten Teil gezeigt, welche Eigenschaften Oskar M. als Person ausmachen und was er für den Leser vermittelnd repräsentieren soll. Folgend wird überprüft welche dramaturgische Bedeutung Oskar für die Handlung hat. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund: Inwiefern kann Oskar als anarchische Persönlichkeit gesehen werden? Welche Absichten hat Oskar und welche Funktion nimmt er in der Handlung ein? Daran schließt sich eine Darstellung der wichtigsten zwei Fähigkeiten an, die Oskar besitzt: das Trommeln und das Glaszersingen. Basis der Überlegungen bieten u.a. die Bücher von Günter Grass, Volker Neuhaus- Interpretation der Blechtrommel und die Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart von Hans-Peter Franke. Abschließend werden die Arbeitsergebnisse im Fazit zusammengetragen.

2. Die Blechtrommel - Roman und Verfilmung im Vergleich

Die Blechtrommel wurde 1959 als Roman publiziert und wird als erster Teil der Danziger Trilogie eingeordnet. Noch heute kann behauptet werden, dass der Roman einer der wichtigsten Werke der Nachkriegsliteratur ist. Grass ist durch dieses Werk von einem mäßig erfolgreichen Dramatiker zu einem der führenden Schriftsteller seiner Generation avanciert. Nichtsdestotrotz gab es nach der Erscheinung des Romans den Vorwurf der Obszönität, der jedoch im Nachhinein als literarisch interessante Verarbeitung gilt.

Der Film zum Buch wurde von Volker Schlöndorff unter ständiger Zusammenarbeit mit Günter Grass gedreht und ist damit nicht nur eine autorisierte Fassung, sondern vielmehr ein Film, bei dem der Autor der literarischen Vorlage von Beginn an auf den Dreh eingewirkt hat. 20 Jahre nach dem ersten Erscheinen des Buches bestätigte der Film nochmals die szenische Wirksamkeit dieses Werks und war ein weltweiter Erfolg.[2]

2.1 Die Blechtrommel als Roman

Ein Roman ist laut dem Duden „eine literarische Gattung erzählender Prosa, in der das Schicksal eines Einzelnen oder einer Gruppe von Menschen geschildert wird“.[3]

Die Blechtrommel kann der Bewältigungsliteratur zugeordnet werden. Vermutlich war die Intention des Autors, die Geschichte um das kleinbürgerliche Danzig in Verbindung mit den dort lebenden Menschen, die dem Nationalsozialismus folgen, darzustellen. Durch seinen Roman gelingt es ihm, ein Thema welches zeitlich schon der weiteren Vergangenheit angehört, lebendig darzustellen.[4] Möglicherweise kann der Roman genauer definiert werden als schelmischer Bildungsroman, der mit Oskar Matzerath als zentrale Figur für eine besondere Aufmerksamkeit beim Lesen sorgt.

Oskar Matzerath ist die Hauptperson des Buches und erzählt als Bewohner einer Heil- und Pflegeanstalt sein Leben. Es gibt im Roman zwei Erzählebenen. Zum einen wird von außerhalb der Heil- und Pflegeanstalt erzählt, das ist die Zeit in der Oskar seine Autobiografie schreibt (1952 und 1954). Zum anderen gibt es den Zeitabschnitt von der Zeit über die erzählt wird (1888 bis 1954). Oskar spricht zunächst nicht von seiner eigenen Zeugung, sondern von der seiner Mutter in der Kaschubei. 1924 wird Oskar Matzerath geboren und beendet sein Wachstum im Alter von 3 Jahren, indem er sich eine Treppe hinunterstürzt. Zugleich bekommt Oskar im Alter von 3 Jahren eine Blechtrommel geschenkt, die ein zentrales Motiv im Roman ist. Die Mutter von Oskar führt sowohl eine Beziehung zum Deutschen Alfred Matzerath als auch zum Polen Jan Bronski. Grass entwirft so ein Bild der deutsch-polnischen Beziehungen im Kleinbürgertum und beschreibt das Verhältnis des Kleinbürgertums zum Nationalsozialismus. Die Stadt Danzig und ihre Geschichte spielen im Roman Die Blechtrommel eine wichtige Rolle. An dieser Stelle ist erwähnenswert, dass Grass wiederkehrend autobiografische Bezüge in seinen Roman einbezieht.[5]

2.2 Die Blechtrommel in ihrer filmischen Adaption

20 Jahre nach dem Erscheinen des Romans vollendete Volker Schlöndorff die Verfilmung der Blechtrommel. Nach der Publizierung des Buches wurden alle zwei Jahre Anfragen bezüglich der Verfilmung des Buches an Günter Grass herausgegeben. Letztendlich wurde die Verfilmung von Schlöndorff durch Grass legitimiert: „Erst als ich merkte, daß der Schlöndorff in der Lage ist, die Syntax des Schriftstellers in die Optik der Kamera zu übersetzen, da war die Sache für mich geklärt“. [6] Die Verfilmung gibt die ersten beiden Bücher in ihrer zusammenhängenden chronologischen Abhandlung von der mütterlichen Zeugung 1899 bis zum Entkommen in den Westen 1945 wider. Die Ereignisse der Nachkriegszeit, die im dritten Buch zu finden sind, wurden ausgespart, da vermutlich sonst Rückblenden und Zeitsprünge den Zuschauer verwirrt und den inhaltlichen Fluss blockiert hätten.[7] Eine Übernahme des kompletten Szenenkanons des Romans für die Verfilmung war nicht möglich, da sonst der Rahmen des Films gesprengt worden wäre, der bereits so 142 min. andauert. Im ersten Satz des Romans wird dem Leser sofort verraten, dass der Protagonist in einer Heil- und Pflegeanstalt lebt. Im Film hingegen wird diese Tatsache nicht erläutert, so dass dem Zuschauer ohne Kenntnis des Romans, eine wesentliche Information fehlt. Zudem wurde die von Grass im Roman verwendete autobiografische Erzählweise des kleinen Oskar Matzerath in der Verfilmung nicht beachtet, da ansonsten ein problemloses Verfolgen des Filminhaltes für den Zuschauer nicht gegeben wäre. Dennoch bewertet Schlöndorff die Entscheidung über die Perspektive im Film so: „Was Oskar sieht, müssen wir filmen. Er ist unser Standpunkt, keine objektive Geschichtserzählung“.[8] Es lässt sich somit behaupten, dass Oskar im Film und im Roman eine Persönlichkeit ist, die in keine Kategorie passt. Man kann weder feststellen, dass er ausschließlich pessimistisch, eigenartig oder lautstark ist. Oft bewegt er sich zwischen verschiedenen Charaktereigenschaften. Vielmehr ist er eine anarchische Person, die in Film und Roman als Taktgeber fungiert.

[...]


[1] Bernhardt, Rüdiger (2003): Günter Grass. Die Blechtrommel. Königs Erläuterungen und Materialien. Holfeld: Bange. S. 5.

[2] Vgl. Neuhaus, Volker (1982): Günter Grass Die Blechtrommel. Interpretationshilfen. München: Oldenbourg, S.7.

[3] http://www.duden.de/rechtschreibung/Roman(letzter (Zugriff am: 20.08.20159:

[4] Vgl. Franke, Hans-Peter (1983): Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart. Stuttgart: Ernst Klett Schulbuchverlag. S. 383f.

[5] Vgl. ebenda, S.9.

[6] Schlöndorff, Volker (1979): „Die Blechtrommel“. Tagebuch einer Verfilmung. Darmstadt und Neuwied: Hermann Luchterhand Verlag., S. 24.

[7] Vgl. Neuhaus, 1982, S. 108ff.

[8] Vgl. ebenda, S. 110.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668315617
ISBN (Buch)
9783668315624
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341743
Note
1,7
Schlagworte
bedeutung rolle oskar matzerath blechtrommel eine analyse buch film

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