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Durch Medienbildung zum mündigen und aufgeklärten Bürger?!

Hausarbeit 2016 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 ADORNO (HALB-)BILDUNG, MÜNDIGKEIT UND AUFKLÄRUNG

3 DER UMGANG MIT MEDIEN UND INFORMATIONEN
3.1 Mediennutzung von Jugendlichen
3.2 ÄWa(h)re Informationen“

4 (POLITISCHE) MEDIENPÄDAGOGIK
4.1 Medienbildung in der Schule
4.2 Medienkompetenz

5 FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1. Geräte-Ausstattung im Haushalt 2015 (Medienpäda- gogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 6)

Abbildung 2. Gerätebesitz Jugendlicher 2015 (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 8)

Abbildung 3. Medienbeschäftigung in der Freizeit 2015 (Medienpäda- gogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 11)

Abbildung 4. Wichtigkeit, über neue Entwicklungen schnell Bescheid zu wissen (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 16)

Abbildung 5. Themeninformation am häufigsten durch... (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 18)

Abbildung 6. Vertrauen bei widersprüchlicher Berichterstattung (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2014, S. 18)

Abbildung 7. Tätigkeiten im Internet/am Computer in der Schule 2014 (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2014, S. 32)

1 EINLEITUNG

Der rasante technologische Fortschritt machte es möglich. Uns steht heutzu- tage rund um die Uhr durch eine Vielzahl an unterschiedlichsten Medien eine riesige Masse von vielfältigen Informationen, Nachrichten, Wissensbeständen, Meinungen und Diskussionen zur Verfügung. Nicht nur das Abrufen von jegli- chen Informationen, auch das Verbreiten solcher und öffentliche Diskutieren darüber ist heute theoretisch für jedermann ohne Probleme machbar.

Diese Tatsache birgt sowohl viele Chancen als auch Risiken. Wir können uns auf der einen Seite über alles informieren, was uns interessiert. Wir können uns bilden und uns austauschen. Wir können so neue Räume zum Diskutieren schaffen und leichter gemeinsame Interessengruppen bilden, die ein gemein- sames Ziel verfolgen oder neue Projekte ins Leben rufen. Genauso können wir in einer neuen Art und Weise über Politik und unsere Ansichten dazu kommu- nizieren und damit politisch aktiv werden, so wie auch die Politik an sich immer mehr versucht über diese neuen Wege zu informieren und in den Dialog zu treten. Uns stehen mit der gesamten Bandbreite der alten und neuen Medien quasi unendlich viele Möglichkeiten offen. Unter anderem diese Vielzahl, als auch der reflektierte und verantwortungsvolle Umgang mit den uns zur Verfü- gung stehenden Informationen und dem Austausch darüber erfordert auf der anderen Seite ein großes Spektrum an Kompetenzen, um nicht Gefahr zu lau- fen sich von falschen Informationen oder Argumentationsketten in die Irre füh- ren zu lassen und um eben auch die sich bietenden Chancen, eigene Anliegen kommunizieren und verbreiten zu können, verantwortungsbewusst zu nutzen.

Die jüngsten Nachrichten zeigen, wie schnell und unkompliziert sich Falschmel- dungen verbreiten können. In der letzten Januar-Woche wurde über soziale Netzwerke die Meldung veröffentlicht, dass ein junger Syrier nach langem War- ten vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin gestorben sei. Diese Meldung verbreitete sich rasant und auch namenhafte Nachrichtensen- dungen und Zeitungen berichteten über diesen angeblichen Vorfall noch bevor durch polizeiliche Vernehmungen bekannt wurde, dass diese Geschichte frei erfunden wurde (Roth, 2016, o.A.).

Ohne dieses Beispiel in seiner Aktion bewerten zu wollen, zeigt es wie schnell sich auch Berichte von Nicht-Journalisten verbreiten und große Diskussionen und Debatten auslösen können und wie wichtig ein kompetenter Umgang mit Informationen sowie deren Verbreitung und Verarbeitung ist.

Vor diesem kurz umrissenen Hintergrund liegt das Forschungsinteresse dieser Hausarbeit in der Frage, wie Medienbildung als schulische Aufgabe gestaltet sein muss, um bei Kindern und Jugendlichen einen kritisch-hinterfragenden und reflektiert-beurteilenden Umgang mit der Masse an Medieninformationen als auch einen selbstbestimmten zielgerichteten Umgang mit den Medien selbst zu ermöglichen.

Die These dieser Forschungsfrage soll im Hinblick auf eine angestrebte Bildung zum mündigen und aufgeklärten Bürger untersucht werden. Dazu sollen im fol- genden Kapitel Adornos Theorien zur Mündigkeit, Aufklärung und Bildung kurz aufgezeigt werden und somit einen kritischen Theorierahmen der Arbeit bilden. Im dritten Kapitel wird daran anschließend, um die aktuelle Problemsituation begreifbar zu machen, der aktuelle Umgang der Jugendlichen mit den Medien anhand von empirischen Befunden als auch die durch die Medien selbst ver- breiteten Informationen betrachtet. Im vierten Kapitel soll dann der Lösungsan- satz der Medienpädagogik anhand der Auseinandersetzung mit den Konzepten der Medienbildung und Medienkompetenz dargestellt und die Anforderungen und Ziele dieser Konzepte untersucht werden, um diese abschließend im Fazit bezüglich ihrer Umsetzung zu diskutieren.

2 ADORNO (HALB-)BILDUNG, MÜNDIGKEIT UND AUFKLÄRUNG

Theodor W. Adorno (1903 - 1969), ein deutscher Philosoph, Soziologe und Mu- siktheoretiker, ist einer der bekanntesten Vertreter der Frankfurter Schule und neben Max Horkheimer Mitbegründer der kritischen Theorie. Die kritische Aus- einandersetzung spiegelt sich in seinen Theorien in einer von ihm beschriebe- nen dialektischen Spannung in Bezug auf die gesellschaftliche Struktur wider.

Genau dieser Bezug zur Gesellschaftsstruktur verhindert nach Adorno eine allein auf pädagogische Kraft setzende Bildungsreform, die dem Verfall von Bildung entgegen wirken kann. Denn Bildung ist nach Adorno zu einer sozialisierten Halbbildung geworden, zu einer Vergesellschaftung in Form eines negativen objektiven Geistes (1959, S. 93).

Bildung resultiert laut Adorno aus dem bloßen Nichtwissen als Voraussetzung für ein unmittelbares, sprich unvoreingenommenes Verhältnis zu den Objekten und kann so in seiner freien und dynamischen Art zu einem kritischen Bewusst- sein gesteigert werden. Sie kann nie zweckgebunden sein, sondern wird erst möglich durch die Hingabe zu einer Sache, durch das wechselseitige Durch- dringen von Subjekt und Objekt und durch Erfahrungen im emphatischen Sinn, die in die Kontinuität des Bewusstseins eingeschmolzen werden (Adorno, 1959, S. 104ff., 115ff.).

Halbbildung dagegen ist keine Vorstufe von Bildung und in ihrer Eigenschaft in kultureller oder gesellschaftlicher Art unfrei und zweckgebunden. Halbbildung entsteht, wenn die Dialektik der Kultur in Form von Geisteskultur, als geistige Autonomie von Zwängen, und der Kultur als reale Lebensgestaltung in Form der wechselseitigen Einbindung der Menschen in die ihrige getrennt wird und Bildung so entweder als Selbstzweck und Absolution in der reinen Geisteskul- tur, also getrennt von der Gestaltung des realen Lebens oder aber ohne den Moment der Geisteskultur als reine reale Lebensgestaltung in Form von Anpas- sung betrachtet wird (S. 93ff., 111f.). Genauso verfällt Bildung zu Halbbildung, wenn sie als Ideologie zweckgebunden für die Freiheitsidee des Bürgertums dienen soll und damit selbst unfrei wird. Die Popularisierung dieser Halbbildung zeigt das Übel der Kulturindustrie, welche aus der Bildung eine Ware erschafft, die sie damit, sowohl durch die materielle Zweckgebundenheit als auch durch den Verlust ihres Wahrheitsgehaltes und ihrer erfahrbaren Beziehung zu leben- digen Objekten, zur Halbbildung verkommen lässt und diese mit einer Verkäu- ferideologie durch Massenverbreitungsmittel jedem zugänglich macht (S. 103ff.).

Die Gehalte von Bildung werden dabei dem Bewusstsein derer angepasst, de- nen das Bildungsprivileg ehemals verwehrt war, ohne sie vorerst durch Bildung zu ändern. So wird Bildung zum Massengut, das an Qualität verliert, jedoch durch zahllose Kanäle der Masse zur Verfügung steht. Die Millionen, die früher nicht davon wussten, denen der Zugang versperrt war, sind nun damit überflu- tet, ohne dass sie darauf psychologisch vorbereitet wären. Es fehlt der Lebens- nerv, der Erfahrungscharakter von Bildungsinhalten, die die materielle Produk- tion einfach nicht zulässt (S. 99ff.). So wird die Bildungsidee vom kollektiven Narzissmus und der damit zustande kommenden Halbbildung zur Imagination, die jedem Individuum nur ein Minimum abverlangt und sich dann in der Attitüde des Mitredens und Dazu-Gehörens als vermeintlicher Fachmann ergötzt (S. 114f.).

Im Zuge der Halbbildung wird die Erfahrung, die die Beständigkeit der Bildung ist, durch punktuelle, unverbundene und auswechselbare Informiertheit ersetzt und tendenziell zu Aberglaube (S. 111f., 115). Halbbildung wird demnach aller Aufklärung und verbreiteten Informationen zum Trotz und mit ihrer Hilfe zur herrschenden Form des gegenwärtigen Bewusstseins (S. 94). Auf diese Weise geht das kritische Bewusstsein verloren, dass die hinterfragende Distanz für die Bildung erst liefert und der kollektive Narzissmus gewinnt Oberhand, in dem sich alle dazu genötigt sehen, sich wenigstens so zu verhalten als wären sie ihrer Vorstellung nach im Sinne der ehemals erreichten Aufklärung frei, als wüssten sie über alles Bescheid und alles besser, obwohl sie unbewusst von ihrem Dilemma wissen, was die Halbbildung gereizt und böse und die Men- schen stolz auf ihre Vielbeschäftigtheit und Überlastung macht (Adorno, 1959, S. 115f., 117f.). Eben dieses gesellschaftlich geformte Denken verhindert ein freies Denken, dass Bildung erst ermöglicht, womit nach Adorno Bildung in der bestehenden Gesellschaft nicht entstehen kann (S. 103f.).

Vor der kurz umschriebenen Theorie von Adornos Halbbildung stellt sich die Frage, wie Bildung erreicht werden kann. Aufgrund der dialektischen Spannung zwischen Bildung und den gesellschaftlichen Strukturen, können beide bei der Beantwortung dieser Frage nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. Auch die Dialektik in ihrer Auflösung ist nicht unerheblich. Gesellschaftliche Strukturen werden durch die Gesellschaft verändert. Für solche Veränderungen bedarf es ein Umdenken der Individuen dieser Gesellschaft. Setzt damit eine positive Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen ein Mindestmaß an Bil- dung voraus? Auch ist, wie es Adorno in seinem Gespräch über die Erziehung zur Mündigkeit beschreibt, jeder Versuch etwas ändern zu wollen der überwäl- tigen Kraft des Bestehenden ausgesetzt, was ihn zur Ohnmacht verurteilt er- scheinen lässt. Änderung ist demnach nur zu bewerkstelligen indem man sich diese und die eigene Ohnmacht zu einem Moment des eigenen Denkens und Tuns macht (Adorno, 1969, S. 147). Diesem Problembewusstsein voran geht die Forderung nach einer Erziehung zum Widerspruch und Widerstand, in der das Bewusstsein dafür geweckt werden soll, den allgegenwärtigen Betrug und die Manipulation durch die Kulturindustrie und ihren Massenmedien zu erken- nen und wahrzunehmen (Adorno, 1969, S. 145f.). Damit beschreibt er in Anleh- nung an Kant die, für eine lebendige demokratische Gesellschaft, Notwendig- keit, die Fähigkeit und den Mut zu besitzen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen als Voraussetzung einer freien Willensbildung im Sinne einer selbst- verschuldeten Mündigkeit. Mündigkeit ist dabei keine statische Eigenschaft, sondern eine dynamische Kategorie, ein Werdendes, eben der Weg in die Auf- klärung (S. 133, 144).

Unter dem Blick der Dialektik zwischen Gesellschaft, Kulturindustrie und Bildung, als auch unter dem Blick der Erziehung zur Mündigkeit sollen im begrenzten Rahmen dieser Hausarbeit die Informationen der Medien und der Umgang mit ihnen sowie die Medienbildung auf ihre Chancen und Gefahren einer auf Mündigkeit abzielenden Bildung untersucht werden.

3 DER UMGANG MIT MEDIEN UND INFORMATIONEN

3.1 Mediennutzung von Jugendlichen

Im Folgenden sollen aufgrund der empirischen Befunde der JIM-STUDIEN (Jugend, Information, (Multi-) Media) der Jahre 2014 und 2015 die heutige Mediennutzung von der Zielgruppe der Jugendlichen dargestellt werden. Diese Basisstudien befragen seit 1998 jährlich Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren hinsichtlich ihrer Nutzung des gesamten Medienspektrums (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 3).

Der Besitz als auch die Nutzung der vielfältigsten Medien ist für die Jugendlichen heutzutage eine selbstverständliche Normalität geworden. So haben nahezu alle Haushalte, in denen Jugendliche aufwachsen sowohl mindestens ein Fernsehgerät als auch einen Computer mit Internetzugang sowie ein Handy o- der Smartphone (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Geräte-Ausstattung im Haushalt 2015 (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 6)

Auch der Gerätebesitz der Jugendlichen selbst (siehe Abbildung 2) zeigt, dass die Ausstattung der Jugendlichen mit unterschiedlichen Mediengeräten heute völlig normal ist. Hier zeigt sich, dass jeder (98 %) 12- bis 19-Jährige bereits ein eigenes Handy besitzt, etwa drei Viertel einen eigenen Laptop oder Computer, 56 % einen eigenen Fernseher und gut jeder zweite (54 %) auch ein eigenes Radio (S. 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Gerätebesitz Jugendlicher 2015 (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 8)

Ähnlich ihrem Besitz ist die Beschäftigung der Jugendlichen mit den Medien in ihrer Freizeit nicht mehr wegzudenken (siehe Abbildung 3). 89% der Befragten nutzen das Handy oder Smartphone täglich und weitere 5 % wenigstens mehr- mals in der Woche. Mindestens regelmäßig werden auch von 92 % das Internet, von 80 % das Fernsehen und von 76 % das Radio als Freizeitbeschäftigung genutzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3. Medienbeschäftigung in der Freizeit 2015 (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2015, S. 11)

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Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668316539
ISBN (Buch)
9783668316546
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341867
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Schlagworte
durch medienbildung bürger

Autor

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Titel: Durch Medienbildung zum mündigen und aufgeklärten Bürger?!