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Nichtwissen in der Wissensgesellschaft. Formen und Beispiele

von Ella Lamper (Autor)

Ausarbeitung 2016 10 Seiten

Soziologie - Wissen und Information

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. (wissenschaftliches) Nichtwissen
2.1 Definition und Abgrenzung.
2.2 Unterscheidungsdimensionen
2.2.1 Das Wissen des Nichtwissens
2.2.2 Die Intentionalität des Nichtwissens
2.2.3 Die zeitliche Stabilität des Nichtwissens

3. Fallbeispiele
3.1 Bsp.: Contergan-Affäre
3.2.Bsp.: Anonyme Samenspende

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die heutige Gesellschaft charakterisiert sich selbst als Wissensgesellschaft, d.h. dass Wissen eine zentrale Bedeutung in allen Lebensbereichen beigemessen wird (vgl. Wehling 2013: 49, Pühringer 2006: 7).

Während zunächst ausschließlich Wissen bzw. die Wissensproduktion von wissenschaftlichem Interesse war, wird seit den 1980er Jahren verstärkt das (wissenschaftliche) Nichtwissen betrachtet (vgl. Wehling 2013: 49). Diese Entwicklung führte zu einer Etablierung der „Soziologie des Nichtwissens“, die als Erweiterung der Wissenssoziologie angesehen werden kann (vgl. Wehling 2004: 39-41). Dabei kann Nichtwissen in unterschiedlichen Zusammenhängen auftauchen und nicht ausschließlich im wissenschaftlichen Kontext.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich mit dem Nichtwissen beschäftigen. Die vorliegenden Ausarbeitung des Referats „Das Kontrastbeispiel Nichtwissen“ beschränkt sich auf meinen Teil des Referates und wird durch die Ausarbeitung meiner Kommilitonin ergänzt.

Ich werde zunächst, auf Basis der Beiträge Peter Wehlings, versuchen Nichtwissen zu definieren und gegenüber anderen Begriffen abzugrenzen. Nach dem Versuch einer äußeren Abgrenzung, folgt eine innere Abgrenzung von Nichtwissen, die es erlauben soll unterschiedliche Formen des Nichtwissens zu differenzieren.

Im zweiten Teil werde ich Nichtwissen an zwei Beispielen illustrieren. Dabei stellt das erste Beispiel, die sog. „Contergan-Affäre“, ein gesellschaftlich negativ bewertetes Nichtwissen dar, während bei dem zweiten Beispiel, der anonymen Samenspende, Uneinigkeit in Bezug auf die gesellschaftliche Bewertung dieser Form des Nichtwissens besteht. Darüber hinaus verweist das Beispiel der anonymen Samenspende auf verschiedenen Möglichkeiten der Konstruktion von Familie, auf die im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen werden kann.

2. (Wissenschaftliches) Nichtwissen

2.1 Definition und Abgrenzung

Mit der Wissensproduktion geht die Erzeugung von Nichtwissen einher, doch was wird unter Nichtwissen verstanden (vgl. Wehling 2013: 51)?

In der Literatur existiert keine einheitliche Definition von Nichtwissen, es hängt vom Ziel und Standpunkt des Autors ab wie Nichtwissen jeweils definiert wird.

Peter Wehling möchte eine breite Bandbreite von Nichtwissensformen beschreiben, die sowohl „(…) das Phänomen der Grenzen etablierter Wahrnehmungs- und Erwartungshorizonte [wie auch] punktuell und exakt beschreibbare Wissenslücken (…)“ (Wehling 2004: 69) umfasst. Mithilfe des Begriffs Nichtwissen setzt er sich mit dem Fehlen von Wissen auseinander (vgl. Wehling 2004: 70). Dabei begreift Wehling „Irrtümer“ und „unwahres Wissen“ als eine Form des Wissens (ebd.).

Häufig wird Nichtwissen mit den Begriffen Irrtum, Ungewissheit oder Risiko konnotiert, jedoch können diesen, nach Wehlings Verständnis, nicht synonym dazu verwendet werden.

Irrtümer lassen sich nicht mit dem Begriff des Nichtwissens erfassen da sie, folgt man der Definition von Wehling, eine Form des Wissens darstellen (vgl. Wehling 2004: 70). Auch Ungewissheit und Risiko können nicht mit Nichtwissen gleichgesetzt werden, da es sich dabei um Formen des (unsicheren) Wissens handelt (vgl. Wehling 2006: 110).

Ungewissheit kann als ein Wissen charakterisiert werden, das nur eine eingeschränkte Gültigkeit besitzt oder auf einer Annahme beruht, die nicht überprüft wurde, sodass es als unsicher gilt (vgl. Wehling 2006: 10-11). Während Risiko, das als Kalkulation oder Angabe einer Eintrittswahrscheinlichkeit (negativer) Nebenfolgen meint, Wissen voraussetzt (vgl. Wehling 2004: 70).

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass diese Definition und Abgrenzung des Nichtwissens, von Peter Wehling, nicht von allen Autoren geteilt wird, so bezeichnet beispielsweise der Soziologe Michael Smithson mit dem Begriff des Nichtwissens jedes nicht vollständige, nicht sichere und nicht genaue Wissen (vgl. Smithson 1989: 5-7). Folgt man Smithsons Verständnis, stellen Risiko, Ungewissheit, sowie Irrtum eine Form des Nichtwissens dar.

2.2 Unterscheidungsdimensionen

Um zwischen unterschiedlichen Formen von Nichtwissen differenzenzieren zu können, schlägt Peter Wehling drei Unterscheidungsdimensionen des Nichtwissens vor, die ich im Folgenden vorstellen werde (vgl. Wehling 2006: 116). Dabei werden in jeder Dimension zwei Idealtypen des Nichtwissens, als „Extrempole“ einander gegenüber gestellt, die es erlauben Übergangsformen des Nichtwissens zu erfassen (ebd).

2.2.1 Das Wissen des Nichtwissens

Diese erste Dimension bezieht sich auf die Erscheinungsweise/Gestalt und das Ausmaß des Nichtwissens (vgl. Wehling 2006: 117). Es kann zunächst differenziert werden ob das Nichtwissen als eigenes oder fremdes Nichtwissen erscheint (ebd.). Des Weiteren lässt sich der Grad bzw. das Ausmaß des Nichtwissens bestimmen (vgl. Wehling 2004: 71). Dazu stellt Wehling zwei „Idealtypen des Nichtwissens“ einander gegenüber, die als Extrempole verstanden werden können (ebd.). Das wahrgenommene und bewusste Nichtwissen bildet einen Pol, diesem wird das unbewusste und nicht wahrgenommene Wissen gegenüber gestellt (vgl. Wehling 2006: 117-118). Man muss sich jedoch vor Augen führe, dass jede Einordnung und Kategorisierung eines bestimmten Nichtwissens vom Zeitpunkt, sowie der Perspektive des Einordnenden abhängig ist und zudem eine Unbeständigkeit aufweist, die sich aus der Möglichkeit des Formwechsels eines Nichtwissens bzw. einer Nichtwissensform ergibt. Bei dieser Unterscheidungsdimension könnte das unbewusste und nicht wahrgenommene Nichtwissen, aufgrund einer Frage zu einem wahrgenommenen und bewussten Nichtwissen, beispielsweise in Form einer Wissenslücke, werden (vgl. Wehling 2006: 118). Es könnte auch eine Übergangsform annehmen, wenn der Befragte die Lösung nicht weiß, aber ahnt oder vermutet wie diese lauten könnte (ebd.). Mithilfe dieser Unterscheidungsdimension lassen sich demnach auch Vermutungen und Ungewissheiten erfassen.

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Details

Seiten
10
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668318151
ISBN (Buch)
9783668318168
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341918
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,3
Schlagworte
Nichtwissen Wissensgesellschaft Soziologie

Autor

  • Ella Lamper (Autor)

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Titel: Nichtwissen in der Wissensgesellschaft. Formen und Beispiele