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Trachtenbewegung und Folklorismus in Österreich

Seminararbeit 2000 18 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffsklärung
2.1. Folklore/ Folklorismus
2.2. Tracht

3. Geschichte der Trachtenbewegung
3.1. Trachtenvereine
3.2. Trachtenerneuerung

4. Tracht und Gesellschaft in jüngerer Zeit

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Kleidungsverhalten in Bezug auf Tracht grundlegend geändert und hat, zum Teil bis in unsere Tage der Fall, neben Bayern vor allen Dingen in Österreich zunehmend Eigenheiten des Folklorismus angenommen.

Dies erfordert natürlich für die Kleidungsforschung eine eingehende Beschäftigung mit Erscheinungsformen und Ursachen, die „aus einem differenzierten Geflecht sozialer und historischer Bedingungen heraus zu interpretieren“[1] sind. Dabei spielt Hans Moser eine bedeutende Rolle, der um 1962 „das Problem zum Gegenstand des Faches“[2] Volkskunde gemacht und eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung ins Rollen gebracht hat.

2. Begriffsklärung

Vorweg sollen dazu noch Begriffe wie Folklore und Tracht einer kurzen Erläuterung unterzogen werden, um den anschließenden Kontext auf einer angemessenen Wissensgrundlage besser verstehen zu können.

2.1. Folklore/Folklorismus

Die beiden Begriffe werden mitunter gleichwertig gebraucht. Sie leiten sich ethymologisch vom englischen lore ab, das ist die Kunde oder Überlieferung, also vornehmlich mündlich tradiertes Kulturgut eines bestimmten Volkes (folk)[3], was auch der ursprünglichen Bedeutung entspricht[4].

Seit jedoch nach 1945 das Wort folklore über das Französische verstärkt in die Schweiz und damit in den deutschen Sprachraum eindringt, ist ein markanter Bedeutungswandel zu verzeichnen. Erste Folklore-Abende mit Musik-, Trachten- und Brauchvorführungen - zu vergleichen mit unseren heutigen Heimatabenden - dienen als Werbemittel diverser Fremdenverkehrsorte[5]. Hierbei werden aber die Phänomene langsam aus einem gewachsenen regionalen und funktionalen Rahmen gelöst und in einer neuen Funktion und in neuen Zwecken vorgeführt[6], denen der Unterhaltung und Belustigung von Urlaubsgästen.

Daneben dienen auch kitschige Heimatfilme der Vermarktung einer nur scheinbaren Realität und kristallisieren somit einen neuen Bedeutungsaspekt von Folklorismus heraus, der immer mehr in wirklichkeitsfremde Gefilde abdriftet und zwar auf lächerliche Art und Weise - dies wird auch in der umgangssprachlichen Bedeutung des französischen Adjektivs folklorique zum Ausdruck gebracht[7].

Wie schon erwähnt, hat der Volkskundler Hans Moser Initiative ergriffen und der modernen Trachtenforschung eine aktuelle Problematik zugewiesen. Er sieht im Folklorismus die „Vermittlung und Vorführung von Volkskultur aus zweiter Hand“[8], wobei die deutlichsten Phänomene im öffentlichen Brauchwesen erkennbar sind - Volkstracht wird „nur noch als dekoratives Element“[9] eingesetzt. Geschäftsinteressen, die zunehmende Medienpräsenz und der daraus unter anderem resultierende Massentourismus bewirken dabei ein undurchschaubares Dickicht an Vielfältigkeit einer möglichst bunten Folklore, die vielleicht gerade deshalb auch in bisherige Reliktgebiete vordringt.[10]

Das Ursprüngliche wird dabei nachgeahmt, ja sogar verfälscht. Der Tourist möchte gerne etwas Urwüchsiges, Urzeitlich-Mythisches zu Gesicht bekommen, die Bevölkerung nimmt die von ihr erwartete Rolle an, und sei es nur aus ökonomischen Gründen. Neue Bräuche ohne jegliche regionale Grundlage werden sogar dafür eingeführt beziehungsweise eindrucksvollere brauchfremde Elemente zu Hilfe genommen[11] oder Bräuche an andere Orte und Termine verfrachtet[12]. Das Problem der wirklichen Lebendigkeit und Sinnhaftigkeit des Tragens einer Tracht kommt hierbei besonders klar zum Ausdruck[13]. Eine solche „sekundäre, verwaltete Volkswelt“ ist nur deshalb so wirksam, weil sie sich scheinbar unverwaltet und spontan entfaltet.[14]

Auch die Belebung echter alter Volkstracht kann problematisch sein, soweit sie nur „unter ästhetischen Gesichtspunkten betrieben werde“[15], da sie völlig falsche, romantisierende Assoziationen weckt.

2.2. Tracht

Aber welche Art von Kleidung versteht man nun unter Tracht? Man könnte vom Wort ausgehen, also der Gegenstand des Getragenwerdens.[16] So meint Tracht jede Form von Kleidung, der man ein echtes oder nur eingebildetes Bedürfnis entgegenbringt.

Dieses Bedürfnis kann eine Gewohnheit nach sich ziehen, die auch auf längere Dauer konstant bleiben und somit eine Tradition begründen kann, nämlich in den Eigenschaften der auftretenden Formen und durch eine gewachsene Bindung zum örtlichen Umfeld.[17] Eine gewisse Stetigkeit ist zwar kennzeichnend, jedoch vollzieht sich immer ein Wandel oder sogar Wechsel, nur langsamer und anders als beispielsweise in der Mode.[18] Volkstracht verbindet seit jeher die Bedürfnisse eines Volkes immanent mit seiner Mystik oder Religiosität. Daher ist dieser äußere Aspekt auch oft Anlaß zu Veränderungen,[19] dem entgegen sich eine eingefahrene Formgebundenheit wiederum hemmend auf die Entwicklung einer Tracht auswirken kann, sei es aus Bequemlichkeitsgründen oder als bewußtes Festhalten an bestimmten Formen.[20]

[...]


[1] Bausinger (1969), S. 2.

[2] Hörandner (1982), S. 10.

[3] Nach Wörterbuch Volkskunde, S. 228.

[4] Vgl. Kienle, S. 127: Folklore ist die „Kunde von Volksglauben, - kunst, - bräuchen“.

[5] Nach Strübin, S. 69-70.

[6] Nach Bausinger (1969), S. 5.

[7] Nach Wörterbuch Französisch, S. 244.

[8] Moser (1962), S. 180. S. auch Bausinger (1969), S. 3 u. Hörandner (1982) , S. 11.

[9] Moser (1964), S. 11.

[10] Nach Bausinger (1969), S. 10-12

[11] Nach Moser (1964), S. 35.

[12] Nach Moser (1964), S. 18.

[13] Nach Moser (1964), S. 23.

[14] (Nach) Bausinger (1979), S. 197, er zitiert Wolfgang Brückner.

[15] Moser (1964), S. 32.

[16] Nach Loschek, S.454.

[17] Nach Petraschek-Heim, S.1.

[18] Nach Petraschek-Heim, S. 6-7.

[19] Nach Petraschek-Heim, S. 9.

[20] Nach Petraschek-Heim, S. 11.

Details

Seiten
18
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638120944
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3420
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Institut für Volkskunde/vergleichende Kulturwissenschaft
Note
2
Schlagworte
Trachtenbewegung Folklorismus Proseminar Kleidung Mode Outfit

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Titel: Trachtenbewegung und Folklorismus in Österreich